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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Defraudieren - Degen (Waffe)
Ost bezeichnet man mit D. auch die Unterschla-
gung anvertrauter Gelder, deren sich öffentliche
Beamte und Privatbedienstete fchuldig machen.
Defraudieren (lat.),Abgaben hinterziehen; auch
Geld unterschlagen, s. Defraudation.
Defregger, Franz von, Genrcmaler, geb.
30. April 1835 zu Stronach im Tiroler Pusterthal
als Sohn eines Bauern, beschäftigte sich schon in
früher Jugend ohne jede Anleitung mit Schnitzerei
und Zeichnen. 1860 ging er nach Innsbruck zu
Prof. Stolz; da ihm aber dessen Richtung nicht zu-
sagte, so begab er sich nach München, wo er seit 1862
auf der Akademie sich zum Vialer ausbildete. Nach
einem Aufenthalte in Paris (1863-65)) und in
Tirol trat er 1867 in die Schule von Piloty, dessen
Anregung er den goldig-braunen Ton seiner Bilder
verdankt. Diese zeichnen sich aus durch lebensvolle
Schilderungen des Tiroler Volkslebens in den Alpen,
tiefe Charakteristik, schalkhaften Humor und poet.
Auffafsung. Seine ersten bedeutenden Gemälde sind:
Der verwundete Jäger (1867; Staatsgalerie zu
Stuttgart), Speckbacher und sein Sohn Anderl
(1868; Ferdinandeum in Innsbruck), Der Ringkampf
in Tirol (1870; Kölner Mufeum), Auf der Alm
(1871), Die überraschten Wilddiebe (1871), Die bei-
den Brüder (1872). Auf die Wiener Weltausstellung
schickte er 1873: Das Preispferd und Der ital.
Bettelsänger. Großen Erfolg hatte auf der Berliner j
Ausstellung 1874: Das letzte Aufgebot, welches für
die kaiserl. Galerie in Wien erworben wurde; das
1876 gemalte Pendant: Heimkehrender TirolerLand-
sturm im Kriege von 1809, gelangte in die National-
galerie zu Berlin. Von seinen sonstigen Gemälden
sind die bekanntesten: Das Tischgebet (1875; Leip-
ziger Museum), Die gebissene Gans (1875; Museum
in Königsberg), Wilderer in seiner Sennhütte
(Kunsthalle in Hamburg), Zitherspieler auf der Alm
(1876; kaiferl. Galerie in Wien), Brautwerbung,
Abschied von der Sennerin (1877; Galerie in Dres-
den), Andreas Hofers letzter Gang (1878; Mufeum
in Königsberg). Im Auftrage der österr. Erzherzoge
malte er 1879 Andreas Hofer in der Innsbrucker
Hofburg, als Geschenk für die Silberne Hochzeit des
österr. Kaiserpaares; Erstürmung des Roten Turms
von München durch die Oberländer Bauern unter
Führung des Schmieds von Kochet 1705 (1881;
München, Neue Pinakothek); für die Dresdener Ga-
lerie 1883: Die Senfenfchmiede im Tiroler Aufstande
1809; sodann: Am Abend vor der Schlacht am
Berge Isel (1889). In solchen Historienbildern er-
reicht jedoch D. ebensowenig wie im Altarbilde, in
welchem er sich 1886 mit einer Madonna versuchte,
die Höhe seines Dorfgenres. In diesem ist er un-
erschöpflich; die hervorragendern aus neuester Zeit
sind: Der Salontiroler (1882; Berliner National-
aalerie), Sonntagsruhe (1884; f. Tafel: Deutsche
Kunst V11I, Fig. 3), Zur Gesundheit (1885), Feier-
abend auf der Alm, Der Wahrsager (1891), Vor
dem Tanz (Internationale Kunstausstellung in
München 1892). Neuestens arbeitet er viel, aber
mit ungleichem Erfolg, in einzelnen Studienköpfen.
D.s Auffassung des ländlichen Lebens seiner Heimat
unterscheidet sich durch Wahrheit und Einfachheit
vorteilhaft von dem süßlichen Wesen der frühern
Dorfgenremalerei. Seit 1878 wirkt er als Professor
an der Münchener Akademie, 1883 wurde er geadelt.
Defterdar (ein aus dem Persischen in das
Türkische hinübergenommenes, mit dem arab.-pers.
Better, d. l). Buch, und pers. äar zusammengesetztes
Wort), eigentlich Buchhalter. D. war früher in der
Türkei der Titel des Groftschatzmeisters, der die
Staatseinkünfte in Empfang zu nehmen und zu
buchen sowie aus den in seinen Händen befindlichen
Fonds die ^taatsausgaben zu bestreiten hatte. Der
D. war demnach gewissermaßen der Finanzminister
des frühern Osmanenreichs, neben dem aber die
Sultane noch einen zweiten Beamten, den Has-
nadarVaschi, hielten, um ihre persönlichen Ein-
künfte in Empfang zu nehmen und zu buchen, aus
denen zunächst die Hofhaltung bestritten und bis-
weilen der Staatsverwaltung Vorschüsse gemacht
wurden. Dies letztere Amt besteht noch heute unter
gleicher Benennung, während an die Stelle des
D. in der Leitung der Reichssinanzen der Malie
Nasiri, Finanzminister, getreten ist. Der Titel D.
ist jetzt auf den General-Finanzdirektor des Wilajets
und auf den Minister der Archive beschränkt.
vstunotus (lat.), ein Verstorbener (weibl. 1)6-
kunota); Defunktion, Ablebung, Tod.
^>e^., hinter lat. Insektennamen Abkürzung für
Karl, Baron Degeer (s. d.).
Dega oder Daga, in Abessinien die Höhen-
region über 2400-2500 in, im Gegensatz zu der
niedrigern Region der Waina-Dega und der noch
niedrigern Quolla oder Qualla. Die Temperatur
des wärmsten Monats beträgt hier nur noch 20° 6.,
das Jahresmittel an der untern Grenze 16-17°
und an der obern 7-8" 0.; Nachtfröste, welche bis
zur untern Grenze vorkommen, verhindern die Ver-
breitung empfindlicher Pflanzen. Die zahlreichen
Hochebenen sind in den untern Regionen mit buschi-
gen Heidekräutern, Rosen und Jasmin, Rhododen-
dron, Akazien und riesigen Kugeldisteln bestanden,
die in den obern Teilen durch saftige Neiden und
Getreidefelder ersetzt werden. Die Vegetation ist
wegen der kalten Nächte ziemlich dürftig; man
baut neben einigem Weizen meistens Roggen (bis
3900 in Höhe) und Gerste.
Degagement (frz., spr. -gasch'mang), Zwang-
losigkeit, Befreiung von einer Verbindlichkeit; in
der Baukunst ein verborgener Ausgang, eine ge-
heime Treppe; in der Holzschneidekunst bezeichnet
D. die Schärfe und Reinheit der Umrisse.
Degagieren (frz., spr. -gasch-j. befreien, los-
machen, besonders einer vom Feinde hart bedrängten
Truppe Hilfe bringen und Luft verschaffen; in der
Fechtkunst bedeutet D. den Wechsel des Engagements
(s. d.) dadurch, daß man mit der Klingenspitze dicht
unter dem Stichblatt des Gegners einen Halbtreis
beschreibt und so auf die andere Seite der feindlichen
Klinge übergeht; Doppeldegagieren ist der
Wechsel hin und zurück. Degagiert, ungezwungen,
frei, besonders vom Benehmen gebraucht.
Degeer, eigentlich de Geer, Karl, Baron,
schwed. Entomolog, geb. 10. Febr. 1720 zu Farspang
in Schweden, war ein Schüler Linnes, wurde Mit-
glied der Akademie der Wissenschaften in Stockbolm
und 1761 schwed. Hofmarfchall; er starb 8. März
1778 zu Stockholm. D. schrieb "N6ni0il68 poui-
861 vir 3. 1'1ii8toii-6 ä63 iii36ot68" (7 Bde., Stockh.
1752-78; deutsch von Goeze, 7 Bde., Nürnb. 1776
-83). Einen Auszug daraus veröffentlichte Retz
als "(^61161-3. 6t 8P60163 inZOotornm " (Lpz. 1783).
VSFeoria., s. Schneefloh.
Degen, Seitengewehr mit langer schmaler Klinge,
vorherrschend Stichwaffe, aber auch als Hiebwaffe
eingerichtet; je nachdem das eine oder das andere
mehr betont ist, spricht man von Stoßdegen oder