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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Deflorieren - Defraudation
Deutschen Entwurf. Hier kommt eine Entscha-
digungsklage nur noch insoweit in Frage, als eine
strafbare Handlung oder ein Delikt vorliegt.
Deflorieren (lat.), der Blüte berauben; daher
eine Jungfrau entehren, schwächen.
Defoe (spr.defoh), Daniel, eigentlich Foe, polit.
Schriftstellerund Verfasserdes "Robinson", geb. 1660
oder 1661 in London, Sohn eines Fleischers und eif-
rigen Dissenters, trat schon frühzeitig in die polit.
Kämpfe ein, beteiligte sich an dem Aufstand des Her-
zogs von Monmouth, entging kaum der Strafe und
widmete sich darauf in London schriftstellerifchen
Arbeiten und Handelsgeschäften. Das Gedicht "^ke
trn6-I)0rn. Nn^Iiäliinan)) (1701), worin er bewies,
wie thöricht es sei, wenn ein Volk, das selbst eine
Mischung verschiedener Stämme darstelle, König
Nilhelm als einen Fremden verwerfen wolle, fand
großen Beifall. Wegen einer kirchlichen Streitschrift
("11i6 8kort68t ^a^ ^itk tli6 Di386Qt61'LN, 1702)
wurde er vom Parlament zu Pranger und Gefäng-
nis verurteilt. Unter Königin Anna wurde er bei
den Unterhandlungen über die Union zwifchen
Schottland und England, deren Geschichte er später
schrieb, gebraucht, aber nach der Thronbesteigung
des Hauses Hannover, dessen Ansprücke er ver-
fochten hatte, von neuem wegen eines Pamphlets
ins Gefängnis geworfen und zu einer Geldbuße
von 800 Pfd. St. verurteilt. 1704-13 gab er "Ids
Nevio^v", eine der ersten engl. Zeitungen, heraus,
die in ihrem "8canäa1 Owii" das Vorbild für den
"datier" und cspLctator" wurde. 1719 trat er mit
seinem bekanntesten Werke "11i6 1ik6 anä 8ti'kmZ6
LUI^riZinA Hl1v6ntui'68 ok15oI)il130I1^1'U8s)6 ok^orii"
(s. Robinson Crusoe) hervor, das in zahllosen Ab-
drücken vervielfältigt und in alle europ. Sprachen
übersetzt wurde. Durch den Erfolg ermuntert, ließ
er mehrere ähnliche Abenteurergeschichten folgen,
z. B. (c^Äptain 8inZi6ton", "^Io11 ^1^nä6r8", "lüo-
lonei ^ack" u. s. w. Außer vielen andern Schriften
ist namentlich sein Werk über den Handel "^33^3
npoii pro^6et8" (1698) hervorzuheben s deutsch als
"Sociale Fragen vor 200 Jahren" von Fischer, Lpz.
1890), wo für Bank-, Versicherungs-, Gerichts-,
Bildungswesen und ähnliches eine Reihe kundiger
Vorschläge gemacht wird. Auch sei der witzigen
"?o1itic3.11ii8t0r)' oktks äevil" (1726) gedackt; ein
kulturhistor. wichtiges Buch veröffentlichte Bülbring
u. d. T. "II16 compIkNt Nn^1i8li F6nti6intw d^ O. O."
(Lond. 1890). D. starb 26. April 1731 zu London.
Eine vollständige Ausgabe der Werke besorgte Tal-
boys, mit Anmerkungen von W. Scott u. a. (20 Bde.,
Orf. 1840-41), eine Auswahl mit Biographie Hazlitt
(3 Bde., Lond. 1840-43). - Vgl. G. Chalmers,
I^ike öl I). (Lond. 1786); Wilson, I^iks anä tim63 0k
v. (3 Bde., ebd. 1830); W. Chadwick, I^iks ^nä tiw63
0k v. (ebd. 1859); Lee, D., I118 1ik6 9.uä reesutlv 613-
00v6i-6ä ^litwF8 (3 Bde., ebd. 1869); Minto, I). 1).
(2. Aufl., ebd. 1887; deutsch Lpz. 1880); H. Morley,
I)., 63.1 lier like ".nd k^rlikr ^0rll8 (Lond. 1889).
De Forest, John William, amerik. Schriftsteller,
geb. 31. März 1826 zu Humphreysville (Connec-
ticut), machte schon als Knabe große Reisen durch
Europa und Syrien, zeichnete sich während des
Bürgerkrieges aus und schrieb zahlreiche Berichte
über denselben für "llai-psi^ Nontdi^", mit dem er
noch verbunden ist. Sein größtes Werk ist: "^
tii8t0i'^ 0k td6 Iiiäians ok Oonnectient" (1853),
Neisebilder sind: "Orwutkl 3.ohuaiuiHiio6 " (1856),
"Nnropean He^uHintailok" (1858). Von seinen Er-
zählungen sind am bekanntesten "Ni83 Il^veiiklg
c0nv6l8i0Q" (1867), "Ovßrikmä" (1871), "Xs.t6
Le^uiuout" (1872), "Hou68t ^olin V^N6" (1875),
"Il6Q6" (1877), "II16 0ää68t ok e0urt8iiip8" (1881).
Deformitäten (lat.) oder Dysmorp hosen,
Mißgestaltungen des lebenden Körpers; sie finden
sich sowobl im Tier- als auch im Pflanzenreiche.
Die der Menschen und Tiere sind teils angeboren,
teils im spätern Leben erworben. Die erste Klasse
bilden die sog. Mißbildungen (s. d.); die der zweiten
Klasse entstehen entweder infolge innerer Krankheiten,
wie Knochenvertrümmungen durch Rhachitis, oder
durch mechan. Verletzungen und die diefen folgenden
Hcilungsprozesse (z. B. verzerrende Nardenbildung,
Verunstaltungen durch deformeHeilung von Knochen-
brüchen). Manche D. beeinträchtigen oder bedrohen
das Leben durch Hemmung wichtiger Eingeweide;
andere verursachen nur leichte Beschwerden; noch
andere verhalten sich in Hinsicht auf das Befinden
des betroffenen Organismus ganz indifferent.
^>e/>., bei naturwissenschaftlichen Namen Abkür-
zung für Jacques Louis Marin Defrance (spr.
-frängß), sranz. Naturforscher, geb. 22. Okt. 1758 in
Caen, Senior der Geologischen Gesellschaft Frank-
reichs, gest. 12. Nov. 1850 in Sceaur; er schrieb:
"^adlkan ä63 c0rp8 01^3.111868 ko88ii68" (Par. 1824).
Defraudant, derjenige, der sich einer Defrau-
dation (s. d.) schuldig macht.
Defraudation (lat.), im allgemeinen soviel wie
Übervorteilung, in der Regel aber versteht man dar-
unter die Hinterziehung von öffentlichen Abgaben
durch Verheimlichung; so die Zolldefraudation. -
Vgl. das Deutsche Vereinszollgesetz vom 1. Juli 1869
(§§. 135 fg.). Diefelbe hat Konfiskation der zollpflich-
tigen Gegenstände und zugleich Verurteilung zu einer
dem doppelten, vierfachen, unter Umständen dem
acht- bis sechzehnfachen Betrage der vorenthaltenen
Abgaben gleichkommenden Geldstrafe, außer Ent-
richtung der Abgaben felbst, zur Folge, sofern nicht
in besonders schwer gearteten Fällen (D. unter er-
schwerenden Umständen, qualifizierte D.),
sowie bei gewerbsmäßiger Verübung und wieder-
holter Rückfä'lligkeit statt der Geldstrafe Freiheits-
strafe Platz zu greifen hat. Es gelten hierbei ge-
wisse singuläre Bestimmungen über subjektive Ver-
schuldung und Haftpflicht dritter Perfonen. Kom-
plottmäßige Verbindung zu Defraudationen unter-
liegen Freiheitsstrafen bis zu 6 Monaten, im Wi-
dersetzungsfalle oder bei dauernder Bandenstiftung
bis zu 2 Jahren. Osterreich erhebt bei nachge-
wiesener D. das Neun- bis Zwölffache der defrau-
dierten Abgabe, ausnahmsweife tritt Gefängnis-
strafe ein. Eine energische Bekämpfung der D. thut
not, weil sie ^ie Sittlichkeit ganzer Bevölkerungen
untergraben (Schmuggel) und zu andern Verbrechen
überleiten. Ähnlichen Charakter hat die D. der
Zuckersteuer, Gesetz vom 31. Mai 1891; der Ver-
brauchsabgabe von Branntwein, Gesetz vom 24. Juni
1887; der'Vrausteuer, Gesetz vom 31. Mai 1872;
der Tabaksteuer, Gesetz vom 16. Juli 1879; der
Wechselstempelsteuer, Gesetz vom 10. Juni 1869;
der Reichsstempelsteuer, Gesetz vom 1. Juli 1881
und 3. Juni 1885 und die Post- und Porto-Defrau-
dation, Gefetz vom 28. Okt. 1871. - Vgl. Neumann,
Die deutschen Zoll-, Steuer- und Stempelgesetze
(Berl. 1881); Weinheimer, Die Strafgesetze in Zoll-
und Steuersachen (Ulm 1881); Lobe, Das deutsche
Zollstrafrecht (2. Aufl., Lpz. 1890); Havenstein, Die
Zollgesetzgebung des Reichs (Berl. 1892).