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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Deloyal - Delphi
Nr. 7, Par. 1878, in der "It.6vu6 arcl^oloZihiik",
neue Serie, Bd. 40, und im "Lulistin ds coriespon-
ciancs lisiisnicine", 1879 fg.; ferner Homolle, 1^68
arcliiv68 äs I'intsnäaiics 82>ci'66 i^ O6I08, Par.
1887). Einen Altar von der Insel D. Zeigt Fig. 1
der Tafel: Altäre I.
Das Heiligtum des Apollon bildete feit früher
Zeit den Mittelpunkt eines Bundes ion. Staaten,
welche alljährlich Festverfammlungen hier hielten.
Darum wurde D. auch zum Mittelpunkt des ersten
athenischen Bundes (der deshalb der "delische" ge-
nannt wird) bestimmt. Während dieser Zeit war
die Verwaltung des.Heiligtums in den Händen der
Athener. Diese verordneten 426 v. Chr., um die
Heiligkeit des Ortes noch zu heben, daß niemand
auf der Infel geboren werden noch sterben solle.
Diese nach den Anschauungen der Alten verun-
reinigenden Ereignisse sollten auf der gleichfam
einen Vorhof des Heiligtums bildenden Nachbar-
insel Rheneia, welche auch die Gräberstätte für D.
war, stattfinden. Ende des 3. Jahrh. v. Chr. geriet
D. in die Abhängigkeit der Maccdonier, im 2. Jahrh,
in die der Römer, die sie den Athenern überließen.
Die Insel erhielt damals das Privilegium der Zoll-
freiheit und wurde einer der größten Sklavcnmärkte
des Altertums (an einem Tage sollen dort 10000
Sklaven verkauft fein). 87 v. Chr. wurde sie durch
Menophanes, den Feldherrn des Mithradates, ge-
plündert und verwüstet. Jetzt gehört D. zum griech.
Nomos der Cykladen und wird nur zeitweise von
Fifchern und Hirten besucht. Die Insel Rhcneia
oder Megali Dilos ist 17 Hkin groß und unbe-
wohnt. - Vgl. Gilbert, OoliacH (Gott. 1809); At-
tinger, Beiträge zur Geschichte von D. (Frauenfeld
1887); Schöffer, Do veli W8ii1iw i-(iliu8 (Berl. 1889).
Deloyal (frz., fpr. -löäjäll), unredlich, untreu;
Deloyalität, Treulosigkeit, Unredlichkeit.
Delphi (grch. Delphoi), Stadt im südwestlich-
sten Teile der altgriech. Landschaft Photis, gerade
unterhalb der steil aufsteigenden Felfcn des Par-
nassus (der sog. Phädriaden) an den terrassenför-
migen Abhängen einer ziemlich engen und tiefen
Schlucht gelegen, welche, vom Flusse Pleistos (jetzt
Leropotami) durchflosfen, den Parnaß von einem
südlichern Gebirgszuge, der Kirphis, trennt. Der
Ort verdankte seine Bedeutung hauptfächlich dem
über einem schmalen Erdspalt, aus welchem angeb-
lich begeisternde Dämpfe aufsteigen folltcn, befind-
lichen Orakel, das ursprünglich der Gaia (nach an-
dern der Themis), in histor. Zeit aber dem Apollon
geborte. Die Gründungssage erzählt, daß der Gott,
nachdem er den diese Gegend verwüstenden Drachen
Python getötet, in Delphingestalt sich ins Meer
gestürzt und ein kretisches Schiff nach der phokifchen
Küste geleitet, dann als cs gelandet, inIünglings-
gestalt die Kreter nach der stelle von D. hinaus-
geführt und diesen geboten habe, ihm hier einen
Tempel zu gründen und den Geschlechtern der
Menschen zu weissagen. Aus dieser Legende ist
geschlossen worden, daß kretische Apollondiencr, im
Verein mit den alten (dryopischcn) Anwohnern des
Parnassus, den Kult des Apollon Dclphinios hier
begründet haben. Das Ansehen des Orakels wurde
schon früh fo groß, daß der Bund der Amphiktyoncn
(f. Amphittyonie) D. zu feinem zweiten Versamm-
lungsort erwählte und dadurch den Ort samt dem
Heiligtum unter seinen unmittelbaren Schutz stellte.
(Vgl. Vürgel, Die pyläisch-delphische Amphiktyonie,
Münch. 1877.) Daher kennen schon die Homerischen
Gedichte in Pytho, wie sie den Ort nennen (der
"Fragestätte"), einen mit Weihgeschenken reich ver-
sehenen Tempel, dessen Erbauung den mythischen
Baumeistern Agamedes und Trophonios zuge-
schrieben wurde. Politisch war D. damals noch
abhängig von der 6 km westlich davon gelegenen
Stadt Krisa, der auch der Hafen Kirrha, in welchem
die zu Schiffe nach dem Heiligtum kommenden
Pilger zu landen pflegten, gehörte. Dieser Ab-
hängigkeit wurde ein Ende gemacht durch den ersten
Heiligen Krieg (s. d.), der mit der gänzlichen Zer-
störung von Krisa und Kirrha endete, Ibr Gebiet
wurde dem delphischen Gotte geweiht. Zugleich wur-
den die Pythischcn Festspicle"(Pythien, s. d.) neu be-
gründct und erweitert. Als 548 v. Cdr. der alte Tempel
abgebrannt war, sammelte man in allen von Grie-
chen bewohnten Gegenden für den Wiederaufbau.
Diefen übernahm die damals aus Atben vertriebene
Adelsfamilie der Alkmäoniden im Accord für die
Summe von 300 Talenten (1414575 M.) und lieh
ihn durch den Architekten Spintharus von Korintb
in dor. Stil, weit prächtiger, als es im Accord be-
stimmt worden war, ausführen; 478 v. Chr. wurde
der Neubau vollendet. In einer Cella desfelben be-
fand sich der kegelförmige Marmorblock, der für den
Mittelpunkt ("Nabel") der Erde gehalten wurde.
Nach den Perferlriegen, während deren D. an-
geblich durch unmittelbares, wunderbares Eingrei-
fen der Gottheit von der Zerstörung durch die
Perser verschont blieb, wurde der Tempel durch
attische Künstler mit Bildwerken in den Giebelfel-
dern und in den Mctopen des Fricfes geschmückt.
Da den Delphern auch das Bundesvcrhältnis, in
welchem sie zu den übrigen Städten von Phokis
standen, lästig geworden war, rissen sie sich 448 v. Chr.
mit Hilfe der Spartaner von dem Phokifchen Bunde
los. Zwar wurden sie nach Abzug der Spartaner
von den Athenern den Phokern wieder unterworfen,
aber in dem Frieden des Nicias (421 v. Chr.) er-
kannte auch Athen D. als selbständigen (autonomen)
Staat an. Mit Ausnahme der Unterbrechung durch
den Photischen oder zweiten Heiligen Krieg (355-
346), während dessen die Phoker die bis dahin offene
Stadt befestigten und den reichen Tempelschatz so-
wie die kostbarsten Weihgeschenke zu Kriegszwecken
verwendeten, behauptete D. seine Selbständigkeit
bis in die letzten Zeiten des Römischen Reichs, wo
mit dem Falle des Heidentums auch das Orakel
(das schon seit geraumer Zeit nicht mehr, wie früher,
in Verben, sondern nur noch in Prosa geweisfagt
hatte) erlosch. Theodosius d. Gr. hat es schließen
lassen (um 390 n. Chr.). Das Dorf Kastri, das
auf der stelle des Tempels und des ihn umgeben-
den heiligen Bezirks (Peribolos) stand, und deiien
Existenz ausgedehntere Nachgrabungen und eine
fystematifchc Bloßlegung der Reste der alten Bauten
unmöglich machte, ist zum Zweck umfassender Aus-
grabungen, die die ^cols ä'^tliön63 begonnen
hat, 1892 abgetragen worden. Schon früher vorge-
nommene partielle Ausgrabungen hatten zur Ent-
deckung zahlreicher Inschriften und verschiedener
Gebäudcsundamente geführt. So erkannte man
noch den Unterbau des in dor. Stil erbauten Tem-
pels, die Mauern des Peribolos und innerhalb
dcsfelben nördlich vom Tempel die heilige Quelle
Kafsotis, die Lesche (Versammlungsbaus), welcke
von den Knidiern erbaut und von Polygnot mit groß-
artigen Wandgemälden mit Darstellungen aus dem
trojanischen Sagenkreis ausgeschmückt worden war.