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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Demidow - Demiurg
Demidow, eine reiche russ. Familie, gelangte
zu Ansehen durch Nikita D., der, um 1665 ge-
boren, bereits 1694 als Arbeiter in der Gewehr-
fabrik zu Tula durch seine Geschicklichkeit die Auf-
merksamkeit Peters d. Gr. auf sich zog. Schon zur
Zeit des anbrechenden Schwedischen Krieges hatte
er durch befriedigende und dabei verhältnismäßig
wohlfeile Lieferung von Kanonen, Musketen und
Pulver in der Gunst des Zaren sich festgesetzt. 1702
schenkte ihm Peter die erste von D. auf Staats-
kosten 3 Jahre zuvor zu Newjansk im Kreise
Werchoturiji angelegte Eisenhütte, wobei er ihm zu-
aleich das Recht verlieh, diese Besitzungen durch
Ankauf nach Belieben weiter auszudehnen. Dies
war die Grundlage zu den unermeßlichen Reich-
tümern, die D. und seine Nachkommen aus den
dortigen, sehr ergiebigen Metallgruben erwarben.
Er wurde 1720 in den Adelstand erboben und
hinterlieh zwei Söhne, Akinfij und Grigorij.
Durch erstcrn, der es bis zum Staatsrat brachte,
wurde 1725 am Fuße des Magnetberges im Gou-
vernement Perm das Eisenwerk Nishnetagilsk an-
gelegt, das noch gegenwärtig das blühendste.unter
den sibir. Hüttenwerken ist. - Vgl. l^passkij, 2i2U6-
opi88ani6 ^kiuKM O. (Petersb. 1833).
Außer diesen sind hervorzuheben: Paul Gri-
gorjewitsch D., geb. 1738, ward zu Reval erzogen,
bereiste 1762 das westl. Europa und trat in Stock-
holm mit Linns, dessen Vorlesungen er besuchte, in
nähere Beziehung. Später legte er in Moskau neben
seinem Palast einen botan. Garten an, richtete sich
ein herrliches Kunst- und Naturalienkabinett ein,
das er der dortigen Universität schenkte, und stiftete
1805 das nach ihm genannte Lyceum in Iaroslawl.
Er starb 1821 zu Moskau.
Nikolaj Nikititsch D., geb. 1773 zu Peters-
burg, trat srüh in Militärdienste und ward später
Geheimrat und Kammerherr des Kaisers. Er be-
reiste Deutschland, Italien, Frankreich und England,
sendete auch mehrere seiner Berg- und Züttenmänner
nach Steiermark, um geübte Lehrer des Bergbaues
heranzubilden. Im Kriege von 1812 führte er ein
auf seine Kosten errichtetes Regiment. Nach dem
Frieden begab er sich nach Paris, dann nach Florenz,
in dessen Nähe er Dampfspinnereien, eine Armen-
schule und Erziehungsanstalt anlegte. Er starb 1828
und hinterließ zwei Söhne, Paul und Anatol.
Paul Nikolajewitsch D., geb. 17. Aug. 1798
zu Petersburg, empfing seine Erziehung im Lyce'e
Napoleon zu Paris, machte die Feldzüge von 1812
bis 1814 mit und war 1831-34 Gouverneur von
Kursk, wo er während der Cholerazeit mit Aufopfe-
rung wirkte. Seine Freigebigkeit war ebenso groß als
sein Reichtum. Der Petersburger Akademie der
Wissenschaften wies er bedeutende Fonds zu, aus
welchen diese seit 1831 alljährlich die D.schen Preise
im Betrage von 5000 Rubel für die besten russ.
Werke erteilt. Er starb 5. April 1840 zu Mainz.
Anatol Nikolajewitsch D., geb. 1812 in
Moskau, verlebte wie sein älterer Bruder Paul
seine Jugend in Frankreich und Italien. 1830 in
sein Vaterland zurückgekehrt, that er sich ebenfalls
durch großartige Wohlthätigkeitsstiftungen in Mos-
kau hervor. Auf seine Kosten und unter seiner per-
sönlichen Leitung wurde 1837 von mehrern Gelehr-
ten eine Reise durch das südl. Rußland unternom-
men, auf der die dort gesuchten Steinkohlenlager in
der That entdeckt wurden. Beschrieben ist diese Reise
in der "Vo^H^o äknä 1". Ü.viääi6 N6riäi0U2.i6 6t 1a
^i'im66 etc., 6x6cut6 6n 1837" (4 Bde., Par. 1839
-42; deutsch im Auszuge von Neigebaur, 2 Bde.,
Bresl. 1854) und illustriert in dem "^Idum äu
V0M6" (Par. 1849). Am 1. Nov. 1840 vermählte
er sich mit der Prinzessin Mathilde von Mont-
fort, der Tochter des Hieronymus Vonaparte (s. d.,
Bd. 3, S. 277 a). Weil er hierbei als Bekenner der
griech. Kirche das Versprechen gab, alle aus dieser
Ehe entspringenden Kinder römisch-katholisch er-
ziehen zu lassen, wurde D. aus dem russ. Staats-
dienste entlassen; doch gelang es ihm bald, die Gunst
des Kaisers wieder zu gewinnen. 1845 trennte er sich
von seiner Gemahlin. Beim Ausbruch des Orient-
krieges schenkte D. dem russ. Staatsschatz 1 Mill.
Silöerrubel, worauf ihm Nikolaus 1854 den Titel
eines Wirkl. Staatsrats verlieh; den eines Fürsten
vonSanDonato hatte er schon früher vom Groß-
herzog von Toscana erhalten. Später lebte D. meist
in Florenz, wo er eine der reichsten Kunstsammlun-
gen anlegte, die aber nach seinem Tode überall hin
zerstreut wurde. Er starb 29. April 1870 zu Paris,
olme Kinder zu hinterlassen. - Vgl. Kleinschmidt,
Rußlands Geschichte und Politik, dargestellt in der
Geschichte des russ. hohen Adels (Cass. 1877).
vsin1>Tia.oo (frz., spr. glahß), eine Art Ge-
frorenes aus geschlagenem Nahmschaum mit Zusatz
von Vanille, Erdbeeren, Schokolade u. dgl.
veuii-inonÄs (frz., spr. mongd, "Halbwelt"),
die durch das gleichnamige Drama des jüngern
Dumas (1855) in Aufnahme gekommene Bezeich-
nung für die namentlich in Großstädten, haupt-
sächlich in Paris stark vertretene abenteuernde Klasse
von Persönlichkeiten, die im Äußern Sitten und
Lebensweise der höhern Stände nachzuahmen sucht;
dann besonders für zwar elegant auftretende, aber
zweifelhafte Frauenzimmer. Den Gegensatz bildet
6i-anä monä6 (die vornehme Welt).
Deminuttvum (lat.), s. Diminutivum.
Dennrhifsar, Stadt im ^anoschak Seres des
türk. Wilajets Saloniki, an der Kurtschowa, einem
linken Nebenfluh des Struma, hat etwa 8000 E.
(Serben, Türken, Bulgaren und Zinzaren), eine
Burg und warme Bäder.
Dennrkapu (türk.), s. Eisernes Thor.
Vsini-32.NF (frz., spr. hang), tzalbvollblut
(von Pferden gebraucht).
Denntz (lat.), niedergeschlagen, kleinmütig.
Demission (frz.), Abdankung, Entlassung, Nie-
derlegung; Demissionär, ein Beamter, der seinen
Abschied genommen hat.
Dsini-tsints (frz., spr. tängt), .Halbschatten.
Demiürg (grch.), Werkmeister, Bildner; bei Plato
Bezeichnung des höchsten Gottes, in der Kosmo-
logie der Gnostiker der von dem höchsten Gotte
unterschiedene Schöpfer der Sinnenwelt. Die Mei-
nung, daß der höchste Gott als reiner Geist mit der
Materie in gar keine Berührung zu treten vermöge,
führte zur Annahme eines untergeordneten, geistig
und sittlich beschränkten Mittelwcsens, das in Ver-
bindung mit den seiner Herrschaft untergebenen Pla-
netengeistern aus dem Chaos die Körperwelt ge-
schaffen habe. Am ausgebildetsten erscheint die Lehre
vom D. bei den Valentinianern (s. Valentinus und
Gnosis). Bei den Kirchenvätern heißt D. zuweilen
auch der Logos, sofern er als Organ Gottes bei
der Weltschöpfung gedacht wurde. -In der ältesten
^tändeverfassung Attikas hießen D. (^v^o^ol),
im Gegensatz zu den Eupatriden (Adel) und Geomoren
(Landbauern), die Gewerbetreibenden: zu ihnen