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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Derbend - Derby (Grafschaft und Stadt)
dition Geburtsort des Timotheus, eines Schülers
des Apostels Paulus.
Derbend, pers. Thorriegel, Engpaß; besonders
ein befestigter Gebirgspaß. D. oder Derbent (s. d.)
ist vielfach Name von an solchen Pässen gelegenen
Ortschaften geworden. In der europ. Türkei waren
die epirot. und thessal. Pässe von hervorragender
Wichtigkeit. Zu ihrer Bewachung inmitten auf-
rührerischer und räuberischer griech.-albanes. Ge-
birgsstämme war die griech. Miliz der Arnauten be-
stellt, deren Oberbefehlshaber, meist der Pascha von
Rumelien, denTitel Derb end schi Pascha führte.
Derbendschi Pascha, s. Derbend.
Derbent oder Derb end. 1) Stadthauptmann-
schaft im russ.-kaukas. Gebiet Dagestan, besteht aus
der Stadt D. und dem Ulusschen Mahal (Bezirk)
und hat 283 ykm, 17000 E., Acker- und Obstbau. -
2) D., bei den Arabern Bab el-abwab (Haupt-
thor) und Vab el-kadid (Eisernes Thor), welchem
letztern auch die türk. Benennung Demir-kapu
entspricht, Hauptstadt der Stadthauptmannschaft
D. und Hafenstadt am westl. Ufer des Kaspischen
Meers, hat (1891) 11535 E<, 1 russ., 1 armenisch-
gregorianische Kirche, 1 sunnitische, 16 schiitische
Moscheen, 3 Synagogen; Krapp- und Obstbau so-
wie Handel mit beiden (Ausfuhr an Krapp jährlich
1^ Mill. Rubel) nach Astrachan, und mit Tabak
und Leder nach Baku. Von alten Mauern und Gär-
ten umgeben, steigt D. von der Hafenbucht, die
namentlich den Ost-, Nord- und Nordwestwinden
ausgesetzt ist, in Vierecksgestalt an der Lebne eines
waldbedeckten Bergrückens empor, dessen Gipfel die
Citadelle krönt. Oben liegt die Residenz des Stadt-
hauptmanns, der Palast der ehemaligen orient.
Herrscher. Der mittlere Teil, die eigentliche ^tadt,
enthält die meisten Kirchen, Moscheen und Synago-
gen und den Hauptbazar. Der untere Teil besteht
aus Fischerhütten und Weideplätzen. Nördlich von
D. ist das seiner meistenteils arab. Inschriften wegen
berühmte Denkmal der Kirk-Lar oder Vierzig Helden,
welche im Kampfe gegen die Araber bei Dagestans
Eroberung fielen. Südlich breiten sich Weinberge
aus. In der Nähe von D. beginnt die große, durch
die dagestanische Landschaft Tabasseran sich hin-
ziehende Mauer, die Derbentsche, auch Kauka-
sisch e Mauer oder Sedd-Es kender,d.i.Aleran-
ders Mauer, genannt. Sie war ursprünglich 9 in
hoch und 3 m dick und lief über Berge und Thäler
150 km gegen Westen. Mit eisernen Tboren, Wackt-
türmen und Kastellen versehen, diente sie zum Schutze
Persiens gegen die nördl.Volksstämme. Als Erbauer
werden genannt Alexander d. Gr. und der Sassanide
Nuschirvan, der Begründer des Chanats D. im
6. Jahrh. 728 entrissen die Araber D. den Cba-
saren. Um 1220 wurde es von den Mongolen
erstürmt und diesen so der Weg zur Eroberung des
russ. Tieflandes im Norden des Kaukafus eröffnet.
1722 entrissen die Russen D. den Persern, gaben
es aber 1736 wieder an Schah Nadir zurück, der
einen Sultan von D. einsetzte. Nachdem 1796 die
Russen unter Subow die Stadt vorübergehend ein-
genommen, wurde sie 1813 förmlich übergeben und
durch Kaifer Alexander I., nach Vertreibung des
Chans, dem russ. Kaukasien einverleibt. D. war
kurze Zeit Hauptstadt eines Gouvernements D.
Derbentsche Mauer, s. Derbent.
Derbholz, s. Holzaufbereitung.
Derborence (spr. -rängß), Lacde, Bergfee am
Südabhang der Freiburger Alpen <s. Westalpen) im
sckweiz. Kanton Wallis, in 1432 m Höhe, 3 km öst-
lich von der Höhe des Chevillepasses, ist 500 in lang,
bis 350 m breit und verdankt seine Entstehung einem
ungeheuern Bergsturz (1749) der Diablerets.
Derby (zusammengezogenvon Derwent-by,d.h.
am Derwentflusse). 1) Grafschaft Nordenglands,
im nördl. Bergwerks- und Fabrikbezirk, hat 2665,26
ykm und (1891) 527 886 E., d. i. 198 auf 1 ykm,
gegen 461 746 in 1881. Der nordwestlichste Teil,
in welchem mit dem High-Peak die bis zum Cheviot-
gebirge reichende Penninische Kette beginnt, ist ein
(Kinderscaut-Peak 624m, Axe-Edge-Hill 552m) und
weiten Mooren, von tiefen Thälern durchschnitten.
Die mittlern Teile sind weniger hoch. Der O. und
S. gegen den Trent hin sind flach, leichtwellig, meist
fruchtbar und angebaut. Wegen der zahlreichen
Schluchten, seltsamen Durchbrüche, unterirdischen
Flusiläufe, wunderbaren Tropfsteinhöhlen ihrer
Kaltberge gehört die Graffchaft zu den interessan-
testen Englands. Besonders berühmt sind diePools-
böhle bei Buxton und die Höhlen von Castleton
(s. d.). Arbclon bei Joulgreave ist nach Stonehenge
der wichtigste der engl. Steinkreise. Die fruchtbaren
Thäler bewässern die Flüsse Trent mit der Dove und
dem Derwent und der Rother. Mehrere Kanäle,
wie der Grand-Trunk und seine Seitenzweige, ver-
binden die Flüsse. Der Ackerbau ist wenig vorge-
schritten, dagegen die Viehzucht, besonders im N.,
erheblich. Zahlreich sind die Mineralquellen, wie die
von Bakewell, Buxton, Matlock und Ilkeston. An
Mineralien gewinnt man Steinkohlen, von denen
(1891) 11,03 Mill. t gefördert wurden (die wichtig-
sten Lager im östl. Teile bei Chesterfield und Alfre-
ton), ferner Eifen, Blei, Zink, Kupfer, Mangan,
Baryt, Thonerde, Bau- und Mühlsteine, fchwarzen
Marmor, Gips und Flußspat. Der Tropfstein der
Höhlen wird vielfach zu Zieraten verarbeitet. Sehr
bedeutend ist neben dem Bergbau die Industrie, wie
Baumwoll-, Seiden- und Maschinenfabriken, Eisen-
gießereien, Nagelschmieden, Drahtziehereien, Näh-
nadelfabriken ,Spitzenklöppeleien und Papiermühlen.
Die Grasschaft schickt sieben (Chesterfield, High
Peak, Mio D., Ilkeston, North-eastern D., Southern
D., Western D.), die Hauptstadt zwei Abgeordnete
ins Parlament. - Vgl. Bemrose, 6uiä6 to verd^-
8dii-6 (Lond. 1878); Coxs, 6uiä6 to vsrd^liire
(3. Aufl. 1887); Pendleton, lljgtory ok v. (1886).
- 2) Hauptstadt der Grafschaft D., Municipal-
stadt und Parlamentsborough, wichtiger Eifenbahn-
knotenpunkt, im fruchtbaren Thale des Derwent,
hat (1891) 94146 E. gegen 81168 in 1881. Un-
ter den öffentlichen Gebäuden verdienen Erwäh-
nung: das Stadthaus mit dem Gerichtshof, auf
dem Marktplatze die Graffchaftshalle, die Aller-
heiligenkirche (16. Jahrh.) mit sehr fchönem aot.
Turme von 54,2 m Höhe und Denkmälern im In-
nern, die neue St. Alkmundskirche und die röm.-
kath. Kathedrale. Die Stadt hat eine Lateinschule
von 1162, eine philos. Gesellschaft (1783 von Eras-
mus Darwin gegründet) mit neuem Mufeum und
Bibliothek, ein Athenäum, ein Handwerkerinstitut,
ein Theater und einen öffentlichen Park "Arboretum"
(5 kH). Die Industrie ist sehr bedeutend. Es giebt
zahlreiche Seidenfabriken (1718 die erste in England
gegründete), Kattun-, Strumpf- und Gummifabri-
ten, Spitzenklöppelei, Eifengießerei, Fabrikation von
Goldwaren, Nadeln, Pfeifen, Papier, sowie von
Schmucksachen aus Flußspat. Die alte Porzellan-