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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Deuske - Deutsch

helfenden Gott gelöst wurde; dahin gehört z. B. die Erscheinung des Herakles im «Philoktet» und der Artemis in der «Taurischen Iphigenie». Auch im modernen Lustspiel spricht man bei Eintritt eines unerwarteten Ereignisses, wodurch die Verwicklung gelöst wird, von einem D. e. m. Man hat den Ausdruck auch auf plötzlich eintretende Ereignisse im gewöhnlichen Leben übertragen.

Deuske, altes, bis 1821 üblich gewesenes niederländ. kleines Gold-, Silber- und Münzgewicht von 2 As = 9,61265 cg.

Déus omen avértat (lat.), Gott wende die üble Vorbedeutung ab; das wolle Gott verhüten.

Deussen, Paul, Philosoph und Indianist, geb. 7. Jan. 1845 zu Oberdreis (Kreis Neuwied), studierte 1864‒68 in Bonn, Tübingen und Berlin Philosophie, Theologie, klassische und orient. Philologie, war 1869‒72 Lehrer an den Gymnasien zu Minden und Marburg, wirkte 1873‒74 als Privatdocent an der Universität in Genf und 1875‒79 an der technischen Hochschule zu Aachen. 1881 habilitierte er sich in Berlin, wo er 1887 außerord. Professor wurde, und folgte 1889 einem Ruf als ord. Professor der Philosophie an die Universität Kiel. In seinen «Elementen der Metaphysik» (Aachen 1877; 2. Aufl. Lpz. 1890) und dem «Kategorischen Imperativ» (Kiel 1891) stellte sich D. auf den Boden der Kantischen und Schopenhauerschen Philosophie. Neuerdings widmet er sich hauptsächlich der Erforschung und Bearbeitung der ind. Philosophie. Auf sein «System des Vedanta» (Lpz. 1883), die erste erschöpfende Darstellung eines ind. Systems, folgte eine Übersetzung der «Sutra’s des Vedanta nebst dem vollständigen Kommentare des Çankara» (ebd. 1887).

Deut (holländ. Duit), auch Doit, eine vom 17. Jahrh. bis 1816 ausgeprägte holländ. Scheidemünze von Kupfer, zu 2 Pfennigen (Penningen). 8 D. galten einen Stüber, 160 einen Gulden. Gesetzmäßig wurden aus dem holländ. Troypfund 160 Stück hergestellt, sodaß ein Stück 64 holländ. As oder 3,076 g wog. Als Teilstück des Guldens war der D. = etwa 1 1/12 jetzigen deutschen Pfennigen oder 5/9 jetzigen österr. Kreuzern. D. wurden in Holland nicht nur als Landesmünze, sondern auch von einzelnen Provinzen, z. B. Geldern, Utrecht, Seeland, Overyssel, und auch für Ostindien und die Kapstadt geprägt. In Niederländisch-Ostindien liefen noch Mitte des 19. Jahrh. Mengen von D. um.

Deutĕragoníst (grch.), im altgriech. Drama der zweite Schauspieler (s. Protagonist).

Deutĕrokanōnische Bücher, s. Bibel (Bd. 2, S. 955 b) und Kanon.

Deutĕronomĭum (grch. Deuteronomion, d. i. die Wiederholung des Gesetzes), bei den griech. Übersetzern das fünfte Buch Mose nach seinem Inhalt. Den Grundstock desselben bildet das 621 v. Chr. im Tempel unter Josia aufgefundene Gesetzbuch. Seine Entstehungsgeschichte ist im einzelnen wenig aufgehellt. (S. Pentateuch.)

Deutĕropáthisch (grch.) heißen diejenigen Krankheiten, welche sich nicht selbständig, sondern im Gefolge von andern Krankheiten entwickeln.

Deutĕroprisma, s. Prisma.

Deutĕropyramīden, s. Hexagonale Pyramide und Tetragonale Pyramide.

Deuterōsis (grch.), Wiederholung; Deuterosen der Juden, Erklärungen und Ergänzungen des geschriebenen jüd. Gesetzes.

Deutĕroskŏpie, s. Zweites Gesicht.

Deutlich nennt man die Vorstellung, die nicht nur hinreichend klar (s. d.) ist, um nicht mit andern verwechselt zu werden, sondern deren einzelne Bestandteile zugleich in gehöriger Bestimmtheit aufgefaßt und voneinander unterschieden werden (Gegensatz: verworrene Vorstellung).

Deutsch, niederländ. duitsch, plattdeutsch dütsch, mittelhochdeutsch diutsch, tiusch, mittelniederdeutsch düdesch, althochdeutsch diutisk, altniederdeutsch thiudisk, mittellat. theodiscus, theotiscus, ist mittels des Suffixes -isch, mhd. -isch, ahd. isk «zu etwas gehörend» abgeleitet von dem Substantiv mhd. diet, ahd. diot, diota, got. thiuda «Volk», von dem unser «deuten», «deutlich» herkommt. Das Wort bedeutet also von Hause aus «zum Volk gehörend». Wenn man von dem got. Adverbium thiudiskô, womit das griech. ⳱𝛆θνικῶς; «heidnisch» (d. h. eigentlich «volkstümlich», erst im christl. Sinne «heidnisch») übersetzt wird, absieht, so ist das Wort «deutsch» seit dem Ende des 8. Jahrh. belegt, und zwar in der Bedeutung «volkstümlich». Man gebrauchte es zur Bezeichnung der in Deutschland einheimischen Volkssprache im Gegensatz sowohl zu der herrschenden offiziellen lat. Kirchen- und Schriftsprache, als auch besonders zu der lingua romana Frankreichs. Unsere heutige Bedeutung hat «deutsch» bereits seit dem 9. Jahrh. Die ursprüngliche Bedeutung hat sich daneben lange gehalten: Luther gebraucht «undeudsch» geradezu für «unverständlich». Wie die Sprache, so hat man weiterhin auch die einheimische Sitte, Tracht, das Recht u. s. w. als «deutsch» bezeichnet, und so hat sich auch unser Volk selbst «die Deutschen» genannt, in dem Sinne von «die deutsch sprechenden». Bis ins 9. Jahrh. hinein haben sich unsere Vorfahren nicht als Deutsche bezeichnet und auch, da sie überhaupt keinen Gesamtnamen führten, kaum als Deutsche gefühlt. (S. Deutsches Volk.) Erst im 9. Jahrh. kam der Volksname «die Deutschen» auf, nachdem die Teilung des Fränkischen Reichs für die roman. und german. Nationalität gesonderte Staatswesen geschaffen hatte. Am frühesten begegnet der Name «Deutsche» (lat. Theotisci) in Italien, wo er seit 845 belegt ist (ital. Tedeschi), später erst in Deutschland selbst, hier noch bis gegen Ausgang des 13. Jahrh. nur selten. Im gelehrten und amtlichen Latein wurde im 10. bis 14. Jahrh. vorzugsweise teutonicus gebraucht, ein gelehrtes Wort, welches mit «deutsch» etymologisch nichts zu schaffen hat, sondern eigentlich das Volk der Teutonen (s. d.) meint: teutonicus schreiben lat. Schriftsteller im Sinne von deutsch seit ungefähr 50 v.Chr.; besonders aber werden in den mittelalterlichen Urkunden zur Zeit der Kolonisation von Ostdeutschland die deutschen Kolonisten Teutonici im Gegensatz zu den eingesessenen Slawen genannt. Der Begriff «deutsch» hat seit der polit. Lostrennung der Niederlande vom Deutschen Reiche eine Einschränkung erfahren. Bis etwa 1600 galt niederländ. Sprache und Art als deutsch (dietsch). Im Englischen bedeutet noch Dutch holländisch. Daß heute noch der Schweizer und Österreicher seine Nationalität als die deutsche bezeichnet, ist lediglich unserer gemeinsamen Schriftsprache zu verdanken. Doch beginnt jetzt der Sprachgebrauch sich immer mehr Geltung zu verschaffen, daß nicht nur im politischen, sondern auch im nationalen Sinne der Schweizer und Österreicher dem Deutschen, d. i. dem Reichsdeutschen, gegenübergestellt wird.