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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Deutsch-Dänischer Krieg von 1848 bis 1850

tenden Aussterben des Mannsstammes im Königreiche der Weiberstamm, in Schleswig und Holstein dagegen der Mannsstamm der sog. jüngern königl. Linie (s. Augustenburger Linie) zur Herrschaft kommen mußte, aufzuheben versucht, um das Auseinanderfallen des dän. Staates zu verhüten, und hatte dadurch in den Herzogtümern große Erregung hervorgerufen. Am 20. Jan. 1848 starb der König, und vergeblich versuchte sein Sohn Friedrich VII. den Sturm durch Zugeständnisse zu beschwören. Die Februarrevolution und die Märztage brachten die Bewegung zum Ausbruch. In Kopenhagen fand eine Erhebung der eiderdän. Partei statt, deren Führer die Einverleibung Schleswigs verlangten, während die zu Rendsburg versammelten Mitglieder der beiden Ständeversammlungen der Herzogtümer sich jeder Trennung Schleswigs von Holstein widersetzten. Nachdem mehrere Vermittelungsversuche gescheitert waren, konstituierte sich in der Nacht zum 24. März in Kiel eine Provisorische Regierung, deren Präsident Wilh. Beseler ward und die sich am folgenden Tage der Festung Rendsburg bemächtigte; die deutschen Truppenteile schlossen sich, meist ohne Offiziere, der Bewegung an. Aus Deutschland strömten Freischaren herzu, und Prinz Friedrich von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg übernahm die Leitung der militär. Organisation. Der Deutsche Bund erklärte sich für Schleswig-Holstein und beauftragte Preußen mit der Ausführung seiner Beschlüsse. Am 5. April trafen die ersten preuß. Truppen in Rendsburg ein, denen eine preuß. Division und eine Division (Halkett) des 10. Bundesarmeekorps nach Holstein mit dem Auftrage folgten, unter Umständen auch in Schleswig einzurücken.

Dänemark mobilisierte sehr schnell Heer und Flotte, und die dän. Vorhut rückte von Kolding her schon 29. März in Schleswig ein, während Kriegsschiffe vor Apenrade und Flensburg sowie im Alsensunde erschienen. Am 9. April siegten die Dänen bei Bau über die Schleswig-Holsteiner und rückten bis nach Schleswig und dem Danewerk vor, während die Truppen der Provisorischen Regierung hinter die Eider zurückgingen und nur ihre Nachhut an der Sorge und am Wittensee stehen ließen. Am 18. April fanden bei Sorgbrück, Husum und Altenhof-Holtsee Gefechte statt, worauf der preuß. General von Wrangel zum Oberbefehlshaber der deutschen Truppen ernannt wurde. Wrangel traf 21. April in Rendsburg ein und trat zwei Tage darauf mit der preuß. Division Fürst Radziwill (13000 Mann und 22 Geschütze) nebst den schleswig-holstein. Truppen unter Prinz Friedrich (10000 Mann und 22 Geschütze) den Vormarsch an, überraschte die Dänen unter General Hedemann (11500 Mann, 42 Geschütze) am Danewerk und lieferte ihnen das blutige Treffen bei Schleswig. Die Dänen räumten die Stadt und gingen am folgenden Tage, nachdem sie auch bei Översee geschlagen worden waren, bis Flensburg zurück, mußten aber auch dieses aufgeben und zogen sich nun nach Alsen, ihre Kavallerie nach Apenrade zurück. General Wrangel ließ die Bundesdivision Halkett am Sundewitt gegen Alsen stehen und rückte mit den übrigen Truppen nach Norden vor, überschritt 2. Mai die Königsau, besetzte tags darauf Friedericia und nahm den südöstl. Teil von Jütland in Besitz als Pfand für den durch die dän. Flotte dem deutschen Handel und den Küstenplätzen zugefügten Schaden.

Der Mangel einer deutschen Flotte sowie die den Dänen günstige Haltung Rußlands, Schwedens und Englands veranlaßte nun eine Pause in den Operationen, während welcher die Diplomatie allein wirkte. Wrangel räumte vom 25. Mai ab Jütland, und die Bundesdivision Halkett wurde 28. Mai von den Dänen im Sundewitt zurückgedrängt, während von Alsen her dän. Truppen nach Jütland geschafft wurden und von dort 2. Juni Lügumkloster und Apenrade wieder in Besitz nahmen. Wrangel griff die im östl. Sundewitt verbliebenen Dänen 5. Juni bei Nübel, Düppel (s. d.) und Satrup an und warf sie nach Alsen zurück; doch stand schon 21. Juni das dän. Heer 17000 Mann stark wieder nördlich von Flensburg im Felde. Am 28. Juni rückte Wrangel von Flensburg her nach Norden vor und gelangte bis zur Königsau, von wo aus ein Teil der Bundesdivision nach dem Sundewitt zurückkehrte; die Dänen gingen, der Übermacht weichend, zurück, und nur bei Hadersleben kam es 29. Juni zu einem Gefecht gegen die schleswig-holstein. Truppen unter Prinz Friedrich. Am 26. Aug. kam unter Garantie Großbritanniens ein auf 7 Monate geschlossener Waffenstillstand in Malmö zu stande, wonach die Herzogtümer von deutschen und dän. Truppen geräumt werden und nur 2000 Mann Deutsche in Altona und 2000 Dänen auf Alsen zurückbleiben sollten; die schleswig-holstein. Truppen durften im Lande verbleiben, die vorhandenen Befestigungen blieben bestehen, und die Blockade der deutschen Küste durch die dän. Flotte wurde aufgehoben.

Am 22. Okt. trat die infolge des Waffenstillstandsvertrags eingesetzte gemeinschaftliche Regierung der Herzogtümer, mit dem dänisch gesinnten Grafen Karl Moltke an der Spitze, an die Stelle der Provisorischen Regierung. Der preuß. General von Bonin übernahm den Befehl über die schleswig-holstein. Truppen. Von dän. Seite wurden die vereinbarten Bedingungen nicht erfüllt, der größte Teil des Heers blieb auf Alsen. Der Schutz der Großmächte, namentlich Englands, steigerte den Übermut der in Kopenhagen herrschenden Partei und veranlaßte 22. Febr. die Kündigung des Waffenstillstands zum 26. März 1849. Dänemark sammelte die Hauptmacht (20000 Mann) auf Alsen und 10000 Mann hinter der Koldingau, die Flotte größtenteils bei Alsen, wogegen der Deutsche Bund ein 35000 Mann starkes, aus Nord- und Süddeutschen zusammengesetztes Bundesheer unter dem preuß. General von Prittwitz nach Schleswig sandte, zu dem noch 15000 Mann schleswig-holstein. Truppen unter General von Bonin hinzukamen, sodaß im Ganzen, einschließlich einer später nachgesandten Reservedivision, rund 60000 Mann Feldtruppen gegen die Dänen zur Verfügung standen.

General von Prittwitz übernahm 24. März 1849 den Oberbefehl und rückte 5. April nach Norden vor. Der dän. General von Bülow hatte zwar 3. April von der jütländ. Grenze und dem Alsensunde her den Vormarsch gegen Flensburg angetreten, wagte jedoch den Angriff nicht, obschon er 6. April bei Ulderup einen Sieg über die hannov. Brigade erfocht, sondern ging, verfolgt von den deutschen Truppen, nach Jütland zurück. Bereits 5. April war auch ein von den Dänen zur See unternommener Angriff gegen Eckernförde (s. d.) fehlgeschlagen und hatte den Verlust zweier Schiffe zur Folge gehabt. Am 13. April erstürmten bayr. und sächs. Truppen die festen Düppeler Schanzen, deren Brückenkopf jedoch im