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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Devotionalien - Devrient (Ludwig)
dann Andacht, Ehrfurcht, Gelübde; ferner Unter-
würfigkeit gegenüber Höhergcstcllten.
Devotionalien, Gegenstände, die zur Förde-
rung der religiösen Andacht dienen, also insbeson-
dere in der kathol. Kirche Rosenkränze, Heiligen-
bilder, Crucifixe u. a. Sie sind an Wallfahrtsorten
Gegenstand eines umfangreichen Handels.
Devrient (spr. -wriäng; eigentlich als ursprüng-
lich niederländ. Name -frihnt zu sprechen), Alfons,
Buchdrucker, s. Giesecke & Devrient.
Devrient (spr. -wriäng), Gustav Emil, Schau-
spieler, Bruder von Karl Aug. D., geb. 4. Sept.
1803 zu Berlin, begann seine theatralische Lanfbahn
9. Nov. 1821 in Vrannschweig als Schanspieler und
Baritonist und ging im nächsten Jahre nach Bremen,
1823 nach Leipzig, wo er sich 1825 mit Dorothea
Vöhlcr vermählte. D. gab um diese Zeit die Thä-
tigkeit in der Oper auf und widmete sich ganz dem
jugendlichen Fache, das er bis in fein höheres Alter
beibehielt. Nachdem er 1828 Leipzig verlassen hatte,
spielte er erst in Magdeburg, dann 1829 in Hamburg.
Seit 1831 gehörte er dem Hofthcatcr zu Dresden
an, zuletzt als Ehrenmitglied. D. starb 7. Aug. 1872
in Dresden. Er war ein Künstler, der mit schönen
Naturmitteln eine harmonische Dnrchbildung ver-
einigte und dessen ganze Erscheinung den Charakter
des Wohlgefälligen, Edeln, ja Poetischen trug; er
war der Darsteller, der die jungdeutschen Dramen
von Gutzkow und Laube zuerst zur Geltung brachte,
und wurde dadurch der Träger eines großen Fort-
schritts der schauspielerischen Kunst. Die Harmonie
des Goetheschcn Schönheitsideals, das edle Feuer
Schillerscher Begeisterung fanden in ihm einen aus-
gezeichneten Vertreter. Unerreicht ist sein Tasso,
sein Posa geblieben. Wenn er für das Gewaltige
und Gewaltfame, das Dämonische Shakcspearc-
scher Charaktere im ganzen nicht geschaffen war,
so hat doch fein schwermütiger, edler, geistvoller
Hamlet selbst den Engländern imponiert, und daß
er anf dem Gebiete des höhern Lustfpiels Aus-
gezeichnetes zu leisten vermochte, bewicfcn sein Vo-
lingbroke und sein Bolz; er adelte durch seine Per-
sönlichkeit und seine Spielweise diese Gestalten des
Lustspielhumors. - Vgl.Kneschke, Emil D. (Dresd.
1868); Gottschall, Emil D. (in "Unsere Zeit", Jahrg.
1872, II); Prölß, Beiträge zur Geschichte des Hof-
thcaters in Dresden (Erfurt 1879).
^eine Gattin Dorothea, geboreneBöhlcr, geb.
1805 zu Cassel, zeigte in sentimentalen und naiven
Rollen Wahrheit, Innigkeit und humoristische Frische.
Sie spielte schon 1816 in Prag Kinderrollen und
gehörte seit 1817 der Leipziger Bühne an, wo sich
ihr Talent entfaltete. In der Folge an den Engage-
ments ihres Gatten teilnehmend, entsagte sie 1842
bei ihrer Trennung von diesem der Bühne und starb
21. Mai 1882 zu'Vlasewitz.
Devrient (spr. -wriäng), Karl August, Schau-
spieler, geb. 5. April 1797 zu Berlin, war, wie sein
52heim Ludwig D. und seine Brüder Gustav Emil
und Philipp Eduard D., für den Kaufmanns stand
dcstimmt. Nachdem er den Feldzug von 1815 mit-
gemacht hatte, debütierte er 28. Juli 1819 in
Braunschweig als Rudenz und erhielt 1821 ein
Engagement als erster Liebhaber am Hoftheatcr
zu Dresden, wo er 1823 mit der berühmten Sän-
gcrm Wilhelmine Schröder (s. Schröder-Devrient)
eine Ehe einging, die jedoch 1828 gelöst wurde. Seit
1835 Mitglied der Hofbühne zu Karlsruhe, folgte er
1839 einer Berufung nach Hannover und wandte
sich nun mit großem Erfolge dem ältern Helden- und
Charakterfach zu. D. starb 3. Aug. 1872 zu Lauter-
berg am Harz. Seinem Spiele rühmte Tieck den
vollen warmen Ton des bewegten Gemüts nach.
Sein ältester Sohn, Friedrich D., geb. 31. Jan.
1827 zu Dresden, betrat 1845 in Detmold die Bühne
und wurde 1848 am Wiener Vurgtheater angestellt.
Er verließ dasselbe 1852 und wandte sich einem un-
ruhigenWanderlebcn zu, während dessen er in Frank-
furt a. M. und Hannover, dann bis 1864 in Wies-
baden einen längern Aufenthalt nahm. Er war
dann längere Zeit am Deutschen Theater in Peters-
burg thätig, wo er 19. Nov. 1871 starb.
Devrient (spr. -wnäng), Ludwig, Schauspieler,
geb. 15. Dez. 1784 zu Berlin, wurde von seinem
Vater, einem Seidenhändler, für den Kaufmanns-
stand bestimmt und trat in Vrody, wo derselbe eine
Kommandite hatte, mit ins Geschäft. Während
eines Aufenthalts in Leipzig durch Ochsenheimers
^piel mächtig ergriffen, begab er sich zu der wan-
dernden Schauspielertruppe des Direktors Lange
(eigentlich Bode) und betrat 18. Mai 1804 in Gera
zum erstenmal die Bühne unter dem Namen Herz-
berg als Bote in der "Braut von Messina". Später
zog er mit dieser Truppe in mehrern sächs. Städten
umher, bis er 1805 in Dessau ein Engagement er-
biclt. Schon hier fand er in Charakterrollen vielen
Beifall. Die 1807 mit Margarete Neese eingegan-
gene Ehe löste bereits im folgenden Jahre der Tod.
Später war er noch zweimal vermählt. Als ihn
drückende Schulden nötigten, sich 1809 heimlich zu
entfernen, begab er sich nach Vreslau. Zier lernte
ihn Isfland kennen, der ihn für die Berliner Bühne
gewann. 1815 betrat D. in der Nolle des Franz
Moor zum erstenmal die Berliner Bühne und wurde
der gefeierte Liebling des Publikums. Eine un-
geregelte Lebensweise und der übermäßige Genuß
geistiger Getränke, dem er sich im Verkehr mit gleich-
gesinnten Freunden, wie E.T.A^ Hoffmann und an-
dern, hingab, zerrütteten vorzeitig seinen Körper. Er
starb 20. Dez. 1832 in Berlin.
Als Schauspieler steht D. einzig da, insofern bei
ihm die Inspiration bei weitem mächtiger war als
die bloße Reflexion und das Studium, wodurch er
insbesondere den Gegensatz zu Issland und jüngern
Schauspielern von Bedeutung, wie Seydelmann,
bildet, und insofern ein ursprünglich poet. Humor
seine Leistungen verklärte. Er war eine dämonische
Künstlernatur, und dieses Dämonische prägte sich
auch in seiner gesamten äußern Erscheinung, in sei-
ner Gesichtsbildung, seinem Organ aufs frappan-
teste aus, die, wie seine ganze Auffassungsgabe,
feine Mimik und Deklamation, mehr charakteristisch
ergreifend wirkten, als in idealem Sinne schön zu
nennen waren. Das höchste Komische wie das höchste
Tragische, aber anch das zwischen beiden Extremen
liegende Gemütlich-Humoristische gelang ihm gleich
ausgezeichnet. Mit genialer Charakteristik und poct.
Humor beherrschte er das Gebiet des Außerordent-
lichen, Entsetzlichen, Grausenerregenden, des Bizar-
ren und Lächerlichen von den leisesten Hügen bis
zum mächtigsten Ausdruck: da gewann sem sprödes
Organ eine bewundernswerte Biegsamkeit; sein
Mienenspicl hatte etwas Hinreißendes und Dämo-
nifches. Am meisten unterstützte ihn dabei ein gro-
ßes, feuriges Auge und ein Mund von feltener Aus-
drucksfähigkeit. Daher wurde er Norm für vieleShake-
spearische Figuren, für Shylock, Lear, Richard III.,
Mercutio, Fallstaff; Vorbild für Franz Moor, den
^.