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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Devonshire (Grafen- und Herzogswürde) - Devotion
quellen giebt es in großer Zahl. Der Boden erzeugt !
Getreide, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Hanf und Obst,
aus dem viel Cider bereitet wird. Die Tuchmanil-
ft^ttur ist zurückgegangen; wichtig sind Eisenindustrie ,
und Schiffbau. Die Hauptorte für die Fifcherei sind ^
Brirham an der Tor-Vai und Plymouth. Im Par- !
lament lvird Eretcr durch 1, Plymouth und Devon- ^
port durch je 2, der Nest der Grafschaft durch
8 Abgeordnete vertreten. Hauptstadt ist Ereter;
andere Orte sind: Plymouth, Devonport, Tiverton,
Varnstaple und Videfort. - Vgl. Worth, I0uri3t'ä
3uiä6 t0 I). (4. Aufl., Lond. 1886). i
Devonshire(spr.deww'nschir),engl. Grafen-und!
Herzogslvürde iin Besitz der Familie Cavendish
('s. d.).' Der erste, der sie erhielt, war William
Baron Cavendish von Hardwick, der 1618 z
von Jakob I. zum Grafen von D. erhoben!
wurde. - Sein Urenkel William, vierter Graf
von D., geb. 1640, gehörte feit 1675 zur Oppo-
sition im Unterhaus gegen die Hofpartei. Nach
seinem Eintritt ins Oberhaus 1684 hielt er sich zu-
nächst zurück, trat aber uüt Wilhelm von Oranien
lWilhelm III.) in Verbindung, der ihn 1694 zum
Marquis von Hartington und Herzog von D. er-
hob. Er starb 18. Äug.^1707 als Oberbofineister
der Königin Anna. Der ^ohn eines jüngcrn Enkels
von ihm war der Chemiker Henry Cavendish!
(s. d.), der Sohn des ältern William Cavendish, l
vierter Herzog von D., geb. 1720. Er trat zu-
erst als Whig ins Unterhaus, wurde 1755 Lord-
lieutcnant von Irland, wo er sich sehr populär
machte. 1756 übernahm er das Schatztanzleramt,
trat aber im folgenden Jahr schon wieder zurück.
Er starb 1764. - Auch fein Sohn William, fünf- z
ter Herzog von D., blieb den Whigs treu und ^
stand unter Georg III. meist zur Opposition; jedoch !
waren bekannter wie er seine beiden Gemahlinnen. !
Die erste^Gcorgiana Cavendish, Tochter des !
Grafen Spencer,'geb. 1757, vermählt 1774, war !
die Königin der engl. Gesellfchaft, und obgleich keine !
eigentliche Sckönheit, doch von hoher Anmut und
glänzendem Geist. Sie besah polit. Einfluß und
war eine Freundin von Fox; auch verfaßte sie durch ,
Eleganz und Phantasie ausgezeichuete Gedichte. !
Sie starb 30. März 1806. - Die zweite Gemahlin j
des Herzogs war Elisabeth Hervcy, Tochter des !
vierten Grafen Bristol, geb. 1759, heiratete als
Witwe von I. Th. Foster 1809 den Herzog vonD.,
nach dessen Tod 1811 sie sich in Nom niederließ.
Ihr Haus war der Mittelpunkt der Gesellschaft, vor
allem strebte sie nach dem Nuhm des Mäcenaten-
tums. In freigebigster Weise förderte sie Künste
lind Künstler und ließ Prachtausgaben der fünften
Satire des Horaz und einer ital. Virgilübersetzung
veranstalten. Sie starb 30. März 1824.
William Cavendish, geb. 1790, der einzige
Sohn des Herzogs aus erster Ehe, folgte als sechster
Herzog von D. Er stand zu den Whigc-, ohne
selbstredend oder handelnd einzugreifen; zweimal
war er unter Georg IV. und Wilhelm IV. Lord-
Kämmerer. Als Liebhader und Förderer der Kunst
legte er reiche Sammlungen an und ließ sich groß-
artige Treibhäuser auf seinemLandsitz Chatsworthin
Derbyshire von Parton einrichten. Er starb 17. Jan.
1858 unvermählt. Ihm folgte seinVetterWilliam ^
Cavendish, siebenter Herzog von D., Graf >
von Burlington, geb. 27. April 1808. Er
studierte in Cambridge, trat 1829 ins Unterhaus, I
l834 kam er nach dem Tode seines Großvaters ^
als Graf Burlington ins Oberhaus, 1836-56
war er Kanzler der Universität London, seit 1862
der Universität Cambridge. Wie seine Vorgänger
war er ein Gönner von Kunst und Litteratur.
Er starb 21. Dez. 1891 auf feinem Landsitz Holker
Hall in Lancafhire.
Der jetzige Träger des Titels ist sein ältester
Sohn Spencer Cavendish, achter Herzog
von D., bis zum Tode seines Vaters bekannt unter
dem Namen Marquis von Hartington, geb.
23. Juli 1833. Er wurde herangebildet in Eton und
Cambridge, trat 1857 als Liberaler für Nord-Lanca-
shire ins Unterhaus, wo im Juni 1859 das von ihm
beantragte Mißtrauensvotum zum Sturz des Mini-
steriums Derby führte. 1863 wurde er unter Pal-
merston Admiralitätslord, dann bis 1865 Unter-
ftaatsfekretä'r, und unter dein Ministerium Nussell-
Gladstone Staatssekretär für den Krieg (bis Juli
1866). Gladstone machte ihn 1868 zum General-
postmeister, Jan. 1871 zum Staatssekretär für In-
dien. Dnrch feine hervorragenden Gaben als Par-
lamentsredner und Geschäftsmann sowie durch
seine Geburt und seine Verbindungen erwarb er sich
ein solches Ansehen, daß er nach Gladstones Rück-
tritt vom Amt Febr. 1874 und schließlich von der
Parteileitung, Jan. 1875, einstimmig zum Führer
der liberalen Partei erhoben wurde. Nach Veacons-
fields ^turz 1880 lehnten jedoch er und Granville
die angebotene Kabinettsbildung ab, die nun Glad-
stone wieder übernahm, in dessen Ministerium D.
als Staatssekretär für Indien eintrat. 1882 wurde
er Kriegsminister. 1885 trat er mit dem Kabinett
znrück, verweigerte aber den Eintritt in Gladstoncs
Ministerium von 1886, trennte sich vielmehr in der
irischen Home-Nule-Frage völlig von dem alten Füh-
rer und wurde selbst das Haupt der liberalen Unio-
nisten (s. d.), die Irland gegenüber zu den Konser-
vativen hielten und das konservative Ministerium
^alisbury durch ihre Unterstützung im Parlament
regieruugsfähig machten. Auch nach seinem Ein-
tritt in das Oberhaus (Dez. 1891) behielt er that-
sächlich die Leitung der unionistischen Partei, wäh-
rend Chamberlain sein Nachfolger als Führer der
Partei im Unterbaus wurde.
Ein jüngerer Bruder von ihm war der 1882 im
Phönixpark zu Dublin ermordete Lord Frederick
Cavendish (s. d.).
Devorieren (lat.), verschlingen;Devoration,
das Verschlingen, Verschlucken.
Devot (lat.), ergeben, ehrfurchtsvoll, demütig;
andäcktig, fromm; Devote, Gottergebene, Nonne,
Betschwester.
Devotion, bei den alten Römern der feierliche
Akt, womit jemand sich zum Wohle des Vaterlandes
durch einen freiwilligen Tod den unterirdischen Gdt-
teru weibte, wie Curtius (s. d.), Publius Decius und
sein gleichnamiger Sohn (s. Decier). Auch konnte
der Feldherr feindliche Städte und Heere den Unter-
irdischen devovieren. In einem solchen Falle muhte
die Evokation (svoc^tio), d. h. die Aufforderung
an die Schutzgötter der betreffenden Stadt, dicfe zu
verlassen und überzugchen, vorausgegangen sein.
Solche Evokationen und D. fanden z. B. bei Gabii,
Veji, Korintk und Karthago statt. Unter Caligula
weihte ein Mann aus dem Volke sich für das Leben
des erkrankten Kaisers dem Tode und mußte dann
sein Gelübde auf Befehl des genesenen Kaisers wirt-
lich ausführen. - In der Kirchcnfprache bedeutet D.
die hingebende Verehrung Gottes und der Heiligen,