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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Devonische Formation - Devonshire (Grafschaft)
vielen Staatshandlungen. Wegen Verdachts ver- !
räterischer Umtriebe wurde er verhaftet und 9. Dez. ^
1538 hingerichtet. Sein einziger Sohn Edward!
hatte als zwölfjähriger Knabe die Kerkerhaft seinem
Vaters teilen müssen und wurde erst nach fünfzehn-
jähriger Gefangenschaft bei der Thronbesteigung
Marias I. (1553) befreit. Sofort erhielt er auch
den Titel eines Grafen von D. wieder. Ihm wur-
den sogar Aussichten auf die Hand der Königin ge-
macht, die aber mit deren Vermählung mitPhilippIl.
von Spanien zerfielen. In Wyatts Empörung
verwickelt, wurde D. 1554 eingekerkert, 1555 frei-
gelassen, aber des Landes verwiesen. Er starb
plötzlich zu Padua Sept. 1556. Mit ihm erlosch
die gräfl. Würde in der Familie Courtenay für
nahezu 300 Jahre. Das Geschlecht selbst wurde
sortgesetzt durch einen weitläufigen Verwandten des
letzten Grafen, und ein Nachkomme von ihm, Wil-
liam, wurde 1762 zum Viscount Courtenay ernannt.
Nachdem sich aus dem von Maria unterm 3. Sept.
1553 an Edward Courtenay verliehenen Patent er-
geben hatte, daß die Würde eines Grafen von D.
auch auf die Kollateralerben in männlicher Linic aus-
gedehnt worden war, setzte das Oberhaus 15. März
1831 die Familie Courtenay in ihre alte Würde
wieder ein. Graf William Reginald, geb.
14. April 1807, saß seit 1841 für Eouth-Devon im
Unterhause, war Kanzler des Herzogtums Lancastcr
und Präsident der Armcnverwaltung und folgte
seinem Vater 1859 in der Peerage. Er starb 1883.
Ihm folgte Edward Valdwin Courtenay,
zwölfter Graf D., geb. 1836, gest. 15. Jan. 1891.
Cour-
tcnay, dreizehnter Graf D., geb. 1811.
Beim Erlöfchcn der Würde in der Familie Cour-
tenay war der Titel eines Grafen von D. auf
Charles Vlount, achten Lord Mountjoy,
übertragen worden. Dieser, geb. 1563, ein Günst-
ling der Elisabeth, kämpfte in den Niederlanden, der
Bretagne, gegen die Armada, besonders in Irland.
Er stand dem Grafen Esser nahe und wurde trotz-
dem 1600 zu dessen Nachfolger in Irland bestimmt,
hatte Erfolg und wurde von Ialob 1. zum Lord-
Lieutenant und 1604 zum Grafen von D. erhoben.
(5r starb schon 1606 ohne legitime Söhne.
Devonische Formation oder Devon, die-
jenige stellenweise über 3000 in mächtige Schich-
tenreihe, die auf der silurischen Formation ruht
und von der Steinkohlenformation überlagert wird.
Sie besteht zuunterst meist aus Grauwacken und
Quarziten, in den mittlern und obern Stufen hin-
gegen aus Kalksteinen und Thonschiefern sowie aus
dem charakteristischen Kramenzelkalk (einem
Thonschiefer voll von Kalksteinnieren und -Linsen).
Neste von Pflanzen kommen in den Schichten der
D.F.nur spärlich vor; von Tieren sind namentlich
zahlreiche Korallen (darunter die charakteristische
Dcckeltoralle, (^1ccx)Ik), Crinoiden (wie Oupres-
800i'inu3), Vrachiopoden (vorzüglich Spiriferen),
Cephalopodcn (die charakteristischen Clymenien und
Goniatitcn),endlichTrilobitcnvorhanden. (S. hierzu
Tafel: Petrefakten der Paläozoischen For-
mat i o n s g r n p p e II, beim Artikel Paläozoische
Formationsgruppe.)
In Deutschland gehören der D. F. an: 1) das
Rheinische Schiefergebirge, also ein großer Teil der
Rheinprovinz, Westfalens und Nassaus; 2) ein
großer Teil des Harzes; 3) Teile des Vogtlandes,
Öst-Thüringens und des Frankenwaldes; auch in
Schlesien sind Ablagerungen devonischen Alters
nachgewiesen. Eine sehr große Verbreitung haben
sie in Ruhland, England (der Name stammt von
der Grafschaft Devon) und in Nordamerika. Hier
ist jedoch lokal die ganze oder wenigstens die obere
Abteilung durch eme Sandsteinbildung vertreten,
die statt der oben angeführten Fauna nur Fische
und zwar die höchst seltsam gestalteten Panzer-
ganoidcn führt (z.V. ?t6rio1it^8, Holopt^okwZ, s.
obengenannte Tafel). Diefe Ausbildungsweifc oder
Facies der D. F. wird als Oiä-reäsaiiäLtoiio be-
zeichnet. (S. auch Paläozoische Formationsgruppe.)
Devonport (spr. dcww'npohrt), Municipalstadt
uud Parlamentsborough (2 Abgeordnete) in der
engl. Grafschaft Devon, durch Stonehoufe von Ply-
mouth (s. d.) getrennt, thatsächlich aber mit ihm eine
Stadt bildend, an der Mündung des Tamer in den
Plymouth-Souno, wird durch die Festung Mount-
Wise und durch zwei Forts verteidigt und hat (1891)
54 736 E. Als Sitz der Militär- und Marincbe-
Horden enthält D. große Kasernen, Hospitäler, ein
großartiges Arsenal (30 lia) am linken Ufer des
Hamoaze (Ästuar des Tamer) mit Seilfabrik, ferner
Geschützwerfte, Docks und alle Einrichtungen zum
Bau und zur Ausrüstung von Kriegsschiffen. Die
Stadt ist regelmäßig gebaut, hat sieben Kirchen,
darunter die schölle kath. Kircbe St. Mary and St.
Bonifaco, ein Stadthaus, eine Lateinschule, Hand-
werkerinstitut, Bibliothek, vornehme Privatbauten,
besonders in Higher Stoke, und Promenaden.
Devonshire (spr. deww'nschir) oder Devon,
Graffchaft im südwcstl. England, zwischen dem
Meere im N. und S., Somerset und Dorfet im O.
und Cornwall im W., hat 6698,15 hkm und (1891)
631767 E., d. i. 94 auf 1 qicm, gegen 604397 im I.
1881, nach Uork und Lincoln die größte Grafschaft
in England, wird voll den höchsten Massen des Devo-
nischen oder Cornischen Gebirgszugs, von niedri-
gen und flachen Berg- und Hügclreihen und Grup-
pen erfüllt, die von tiefen, spaltenähnlichen Thälern
oder Coombs durchfurcht sind. Am höchsten und
rauhesten ist, zwischen Exetcr und Plymoutb, das
Hochland Dartmoor (s. d.) oder Dartmoor-Forcst.
Es fällt steil zur 257 km langen Küste des Kanals
ab, welche, von hohen Felsenriffen eingeschlossen,
treffliche Häfen und Reeden bildet. Vor den rauhen
Nordwinden geschützt, treten hier fruchtbare Strecken
(South-Hams) mit üppigem Pflanzenwuchs auf,
die der Umgegend von Ercter, in dem tiefen Ere-
thal, und von Sidmouth, wo die Myrte im Freien
gedeiht, den Namen der "weftl. Garten Englands"
erworben haben. Besonders Torquay, an der schönen
Tor-Bai gelegen, und seine liebliche Umgebung wer-
den ihres milden Klimas wegen in den Winter-
monaten von Lungenkranken besucht. Der N. und
NO. mit seinen trocknen Sand- und Heidcstrecken ist
feucht und unfreundlich. Der anziehendste Punkt
an dcr Nordküste ist das von Touristen vielbesuchte
Seebad Ilfracombe. Im Ermoor-Forest (s. d.) an
der Nordküste kommen noch Edelhirsche vor, die halb
wilden Schafherden von Dartmoor und Exmoor
liefern vorzügliches Hammelfleisch. Unter den Flüs-
sen sind wichtig: der Tamer, Tavy, Dart, Teign
i und Exe, welche in den Kanal, und der Taw und
! Torridge, die in die Bai von Bristol münden. Die
Borge liefern namentlich Zinn, Kupfer (über 35 000 t
! jährlich), Mangan-und Eisenerz, Blei, Silber so-
! wie Steinkohlen, Bausteine, Schiefer und besonders
! Porzellanerde und andere Thonarten. Mineral-