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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Devizes - Devon
Tevizes (spr. deweises) oder The Vize, Stadt
in der engl. Grafschaft Wilts, 34 km im NNW.
von Salisbury, zwischen der Salisbury-Ebene und !
den MarlboroughDowns, am Avon-Kennet-Kanal, ^
hat (1891) 6420 E., Ruinen eines von Heinrich 1.
erbauten Schlosses, zwei Kirchen mit normann.
Chören, im Museum zahlreiche röm. Altertümer,
eine, Irrenanstalt, Tabaksmanufaktur, Fabrikation
von Ackerbaugerätschaften und Kornhandel. D. ist
das ^g.3truin Vivi83.ruin der Römer.
vsvolr (frz., spr.-woahr), Pflicht, Schuldigkeit.
Devol, Fluh im türk. Albanien, entspringt auf
dem Ostabhang des Grammosgebirges, durchfließt
den Malitsce, durchbricht dann in gewundenem Thal
mehrere Bergketten, vereinigt sich mit dem ebenfalls
vom Grammosgebirge herabkommenden Osum zum
Ergent (Scineni) und mündet in einem Delta süd-
lich der Lagune von Kavarsta.
Devolution (lat.), eigentlich Abwälzung, in
der Rechtssprache der in gewissen Fällen kraft des !
Gesetzes eintretende Übergang eines Rechts oder
Vesitztnms auf einen andern. Auf dem Gebiete des
bürgerlichen Rechts versteht man unter Devo-
lutionsrecht (Verfangenfchaftsrecht) das,
insbesondere am Rhein und in Teilen von Franken,
früher sehr verbreitete Recht, kraft dessen bei beerb-
ter Ehe (d. h. wenn Kinder aus der Ehe vorhanden
sind) der überlebende Ehegatte die Fahrhabe allein
erbte, während alle Grundstücke, auch die dem über-
lebenden selbst gehörenden, von ihm nur mit Ge-
nebmigung der Kinder veräußert werden durften;
diese Grundstücke waren den Kindern "verfangen".
Kraft dieses Rechts der D. beanspruchte Ludwig XIV.
nach dem Tode seines Schwiegervaters, Pbilipps IV.
von Spanien, daß von der span. Erbschaft die bur-
gund. Grenzlande an feine Gemahlin fallen sollten
(f. Devolutionskrieg). Gegenwärtig ist das Recht
fast überall durch die Gütergemeinschaft verdrängt.
Im Rechtsstreite bewirkt die Einlegung eines
Rechtsmittels eine D. der Befugnis, zu entscheiden
von dem niedern an den höbern Nechtszug; sie hat
Devolutiveffekt (s. Berufung, Bd. 2, S. 861a).
Im Kirchenrecht versteht man unter D. den
Übergang der Befugnis zur Vornahme einer Hand-
lung von dem kompetenten kirchlichen Organ auf
die ihm vorgefetzte Stelle, z.V. der (auf den Bischof
oder das Konsistorium übergehenden) Befugnis, eine
erledigte geistliche Stelle, deren Besetzung von dem
Inhaber des Patronatsrechts versäumt'oder hin-
sichtlich welcher etwas versehen worden war, nach
einer gewissen Frist selbst zu besetzen. Dieseo De-
volutionsrecht kann aber in Deutschland nicht als
in Kraft stehend behauptet werden, außer bezüglich
des Patronatsrechts zu Gunsten des Bischofs und
auch hier nicht in Bayern, soweit der Landesherr
Patron ist. Rücksichtlich der Bischofssitze nimmt der
Papst das Vesetzungsrecht kraft D. in Anspruch,
wenn sich das Domkapitel nach Erledigung des Bis-
tums über die Wahl eines Nachfolgers nicht einigt.
Devolutionskrieg, der erste gegen die span.
Niederlande gerichtete Raubkrieg Ludwigs XIV., hat
seinen Namen von dem in einigen niedcrländ.
Provinzen gebräuchlichen Recht der Devolution
(s. d.), aus dem die offiziellen Staatsrechtslehrer
Ludwigs folgerten, daß jene Provinzen seiner Ge-
madlin Maria Theresia als der ältesten Tocdter
Philipps lV. von Spanien zufallen müßten. Als
nach dem Tode des span. Königs dieser Anspruch
erhoben und von Spanien abgelehnt wurde, begann
- Devon 231
Ludwig XIV. im Sommer 1667 den Krieg, für den
er alles vorbereitet und den kaum gerüsteten Gegner
völlig isoliert hatte. So gerieten die Unternehmun-
gen, an denen der junge König mit dem ganzen
Hof teilnahm, überaus leicht. Charleroi, Tournay,
Douay, Oudenaarde und endlich Lille fielen nach
geringem Widerstände, während Brüssel und Den-
dermonde sich hielten. Schon war Ludwig ent-
schlossen, den Feldzug von neuem zu beginnen, als
Holland und England zusammen mit Schweden
unter Jans de Witt Leitung sich zur Tripelallianz
zusammenthaten (Jan. 1668), die dem König den
Statusquo bewilligte, aber weitere Eroberungen
verbot. Während Spanien selbst noch zögerte, in
den Verlust des von Frankreich eroberten Teils der
Niederlande zu willigen, verstärkte Ludwig XIV.
seine Stellung Febr. 1668 durch die rasche Erobe-
rung der Franche-Comte', nahm aber trotzdem die
Forderung der Tripelallianz an, zu der sich auf
dem Kongreß zu Aachen (April bis Mai 1668) auch
der Madrider Hof verstand. (S. Aachener Friede.) -^
Vgl. Mignet, XßFs)cig.tittn8 i'6lativ68 ü, 1a 8ucc68-
81ON ä'^8p^!i6 80U3 I^mig XIV (4 Bde., Par. 1836
-47)^ ^16m0ir63 niilitaii'^8 rsiNtiig ä, 1a 8ucc68-
81011 li'I^8s"il^I16 80N8 I.0U18 XIV (ebd. 1835 fg.):
Lefevre-Pontalis, <l6an cw ^Vitt, Bd. 1 (ebd. 1884).
Devolutionsrecht, s. Devolution.
Devolutrveffekt, s. Devolution und Berufung
(Bd. 2, S. 861 k).
Dcvoluy (fpr. -wolüih), Gcbirgsstock in der obern
Dauphine, in denTepart.Isere,Dröme undHautes-
Alpes, zwischen den Thälern des Ebron, Drac und
Buech, gilt für die ödeste Gegend Frankreichs. Hanpt-
fluß ist der links in den Drac gehende ^oulois. Die
höchsten Gipfel sind der Mont-Obiou (2793 m), dcr
Pic de Bure (2712 m) auf der Montagne d'Auvouz?.
Die Bewohner, etwa 3000, gelten für Abkömmlinge
der Saracenen, welche seit dem 8. Jahrh, sich hicr
festsetzten. .Hauptort ist Sa int Etienne-en-De-
voluy mit (1891) 730 E. und Weidewirtschaft.
Devolvieren (lat.), abwälzen, etwas von einer
Person auf die andere, namentlich eine Rechtssache
vor eiit höheres Forum bringen (s. Devolution).
Devomieren (lat.), wegspeien, ausbrcchen.
im geologischen Sinne s. Devonische Formation.
Devon (spr. deww'n) oderDevonshire, ein seit
Heinrich I. in mehrern engl. Geschlechtern erblicher
Grafcntitel. (Vgl.Devonshire,Grafen- unoZerzogs-
würde.) Der erste Graf von D. war Richard de
Redvers, zu Anfang des 12. Jahrh., dessen Enkelin
Hawise sich mit Reginald deEourtenay, Ab-
kömmling der alten franz. Familie dieses Namens,
vermählte und den Grascntitel auf ihren Gatten über-
trug. Im Rosenkrieg wurde Thomas, der sechste
Graf von D., 1466 hingerichtet; fein Bruder und
Nachfolger, John, fiel 4. Mai 1471 bei Tcwkesbury.
Die Familie ward geächtet und aller ihrer Titel und
Güter für verlustig erklärt. Nach der Schlacht von
Vosworth (1485) ernannte jedoch Heinrich VII. den
aus einer Seitenlinie stammenden Edward Cour-
tenayzumGrasenvonD. Dieser verteidigteglücklich
Ereter gegen den Prätendenten Perkin Warbeck und
starb 1509. Sein Sohn, William von Courte-
il ay, Graf von D., der bei Exeter mitfocht, hatte
Eduards IV. jüngste Tochter Katharine zur Gattin.
Sein Solm, Henry von Court enay, Graf von
D., 1525 zum Grafen von Ereter erhoben, war ein
Günstling Heinrichs VIII. und beteiligte sich an