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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Diamant (Edelstein)
magnetisch, so z. B. sehr viele Salze, Mineralien,
eisensreies Glas, Flintglas und viele andere.
Plücker fand (1847) znerst, daß Krystalle, die nicht
zum regulären System gehören, ähnlich den drei
Hauptachsen der Elasticität, auch drei Hauptachsen
der para- oder diamagnetischen Einwirkung be-
sitzen; die hierher gehörigen Erscheinungen behan- !
delt die Physik in der Lehre vomKrystallmagne-
tismus. Flüssigkeiten werden nach Faraday (1847)
bei diesen Untersuchungen in eisenfreie, bochst dünn-
wandige Glasröhrchen eingeschlossen und wie Stäb-
chen aufgehängt (Fig. 1), oder nach Plücker (1848)
auf ein Ührglas (auch Glimmerblatt) aebracht, das
man auf die einander genäherten Hatbanker eines
kräftigen Hufeisenelektromagneten setzt (Fig. 3). Für
magnetische Flüssigkeiten zeigt sich dann, infolge
der Anziehung seitens der beiden Pole, eine An-
häufung der Flüssigkeiten über letztern und ein Thal
in äquatorialer Richtung; bei diamagnetischen Flüs-
sigkeiten treten, infolge der Abstoßung von den
Polen, ein Bergrücken in äquatorialer Richtung
und oberhalb der Pole Vertiefungen auf. Von
Flüssigkeiten erwiesen sich diamagnetisch: Wasser,
Alkohol, Mher, Schwefelkohlenstoff, Öle, Säuren,
die meisten organischen Safte, sogar das eisenhaltige
Blut. Gase werden, wenn sie brennbar sind, flam-
mend oder allgemein als Ströme zwischen den ein-
ander sehr nahe gebrachten Magnetpolen geprüft,
und aus der Formänderung der Flammen, oder aus
der Richtung, in welcher chem. Reagentien von den
Gasströmen getroffen werden, wird geschlossen, ob
das betreffende Gas von beiden Polen angezogen
oder abgestoßen wird. Mit Ausnahme des magneti-
schen Sauerstoffs sind alle Gase diamagnetisch. Feste
und tropfbarflüssige durchsichtige Diamagnetica, die
gewöhnlich die Polarisationsebene nicht drehen, zei-
gen Cirkularpolarisation, wenn auf dieselben kräftige
galvanische Ströme oder Magnete einwirken. Drehen
jedoch die durchsichtigen Diamagnetica schon ur-
sprünglich die Polarisationsebene, so fügt sich die
magnetische Drehung zu der bereits vorhandenen
hinzu. Über den eigentlichen Grund der diamagneti-
schen Abstoßungen sind die Meinungen der Phy-
siker geteilt. Verschiedene Theorien darüber wurden
aufgestellt von Faraday, Hankel, Reich, Tyndall
und Weber. Nach der Theorie des letztern werden
in paramagnetischen Körpern schon vorhandene elek-
trische Molekularströme durch die Einwirkung des
Magneten gedreht, in den diamagnetischen aber erst
induziert, weshalb der Sinn der beiden Ströme auch
entgegengesetzt sein soll.
Diamant oder Demant, der wertvollste unter
den Edelsteinen, krystallisiert in der tetraedrisck-
hemiedrischen Abteilung des regulären Systems, ist
indessen meist scheinbar holoedrisch ausgebildet, im
Oktaeder (einer Kombination zweier, im Gleich-
gewicht befindlicher Tetraeder, s. Tafel: Diaman-
ten, Fig. 10), auch im Rhombcndodekacder(Fig. 12)
und in andern, gewöhnlich krummflächigen regu-
lären Formen (Fig. 13 u. 15), die oft mehr oder
weniger der Kugelform genähert sind. Bei den D.
vom Kap und von Ostindien herrscht das Oktaeder,
bei den brasilianischen dagegen das Rhombendodc-
kaeder vor. Auf Grund einer Zwillingsdurchwach-
sung zweier Tetraeder mit parallelen Achsensystemen
erscheinen die Kanten des Oktaeders wie eingekerbte
Rinnen. Sehr selten findet sich der D. derb, in fein-
körnigen, porösen, rundlich konturierten Aggrega-
ten von bräunlich-schwarzer Farbe (sog. Carbonat
der Steinschleifer). Eine deutliche Spaltbarkeit gebt
der Oktaederfläche parallel, eine Eigenschaft, die bemi
Bearbeiten von Belang ist. Im reinsten Zustand
ist der D. farblos und wasserhell, doch ist er auch
oft gefärbt, meist verschiedentlich weiß, grau und
braun, sogar grün, gelb, rot und blau, selten
schwarz. Der sehr lebhafte Glanz (sog. Diamant-
al anz), das Farbenspiel, das auf sehr intensiver
Lichtbrechung (Brechungskoefficient -^ 2,42) und
Farbenzerstreuung beruht, die höchste Härte im
Mineralreich zeichnen ihn aus. Im polarisierten
Licht untersucht, giebt sich bisweilen die anomale
Erscheinung der ihm nicht zukommenden Doppel-
brechung zu erkennen, die meist nachweisbar durch
innerliche Spannungsdifferenzen herbeigeführt wird,
die sich um fremde Einschlüsse oder kleine Höhlungen
geltend machen. Die Angabe, daß in einigen D. or-
ganisches Zellgewebe vorhanden sei, beruht auf einer
Verwechselung mit mineralischen, zart verästelten
Dendriten. In andern hat man unzweifelhafte mi-
kroskopische Emwachsungen von Rutil oder Eisen-
kies, von Eisenglanz- oder Titaneisen-Lamellen wahr-
genommen. Das spec. Gewicht beträgt bei den rein-
sten Exemplaren im Mittel 3,52. In seiner chem.
Natur weicht der D. von allen andern Edelsteinen
wesentlich ab, indem er nicht wie diese aus Silikaten
oder Erden besteht, sondern reiner Kohlenstoff ist,
weshalb er auch in starker Glühhitze unter Zutritt
des Sauerstoffs der Luft ohne Rückstand verbrennt
und dabei in Kohlensäure verwandelt wird; dies
wurde zuerst durch Lavoisier entdeckt, nachdem schon
auf Veranlassung von Cosimo III. durch Floren-
tiner Akademiker die ersten D. in einem großen
Tschirnhausenschen Brennspiegel verflüchtigt worden
waren. G. Rose fand, daß der D., bei Abschluß der
Luft sehr stark erhitzt, in die andere Modifikation
des Kohlenstoffs, in Graphit, übergeht. Der D. fin-
det sich besonders im aufgeschwemmten Lande und
im Fluhsand, gewöhnlich mit andern Edelsteinen
(Topas, Chrysoberyll, Granat, Hyacinth), auch
mit gediegen Gold und Platin; so in Ostindien an
der Ostseite des Hochlandes von Dekan (Golkonda,
Panna); in Brasilien, hier zumal in Minas Geraes
bei Tiamantina, auch bei La Chapada; außer im
losen Zustand in den sog. Seifengebirgen hat er sich
auch hier eingewachsen indem sog. Cascalho, einem
durch Brauncisen verkitteten Quarzkonglomerat, so-
wie in einem glimmerigen Sandstein, dem sog. Ita-
columit, gefunden; auch auf Vornco, Sumatra, am
Ural bei Krestowosdwischensk; ferner in Australien,
wo er bis zum Gewicht von 150 Karat vorkommt.
! Reichliche und große, aber gewöhnlich etwas gelb-
liche und oft durch Einschlüsse verunreinigte D. (der
größte von 971 Karat Gewicht) werden seit 1869
im südöstl. Afrika in einem fchmalen Landstrich nahe
der Grenze zwischen dem Oranje-Freistaat und West-
Griqualand gefunden; die sie enthaltende Masse,
^ einem dunkelbläulichgrauen sehr festen vulkanischen
' Tuff ähnlich und anscheinend von diabasischer Natur,
! füllt bier in einem aus horizontal liegenden Schichten
von Schiefern, Sandsteinen und basaltischen Ge-
steinen bestehenden Plateau kraterähnliche Ein-
senkungen von 2 - 300 m Durchmesser und zur
Zeit unbekannter Tiefe aus (Kimbcrley, Bultfontein
u. a.). Während alle diese Vorkommnisse von D.
sich in Schuttmassen finden, tritt er nach Chaper im
westl. Teil der Präsidentschaft Madras auch noch auf
feiner eigentlichen Mutterlagerstätte, eingewachsen
in einem glimmerarmen Granit, auf. Das Gesamt-