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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Diaspora - Diät (Lebensweise)
Schemnitz in Ungarn, Campolungo bei Faido (im
Dolomit mit Korund), Greiner in Tirol (mit Cyanit),
Naros und Ephesus (mit Schmirgel), Newlin (bei
Unionville) in Pennsylvanien (hier besonders schön).
Diaspora (grch., d. i. Zerstreuung), bei den
griechisch redenden Juden und im Neuen Testament
die Gesamtheit der seit dem Babylonischen Exil
auherhalb Palästinas unter den heidn. Völkern,
besonders in glgypten und Kleinasien, zerstreut
lebenden Juden; im 1. Jahrh. n. Chr. bei den
Iudenchristen die außerhalb der Gemeinden des
Heiligen Landes zerstreut lebenden Glaubensge-
nossen; jetzt bei den Herrnhutern alle auherhalb der
Gemeindeorte wohnenden Glieder der Vrüderge-
meinen; in der prot. Kirche die in kath. Landern
und anderwärts zerstreut lebenden prot. Gemeinden.
- Vgl. Borckard und Kobbelt, Die deutsche evan-
gelische D. (Gotha 1890 u. 189^).
Diaspörakonferenz, evangelische, 1882
im Anschluß an die Hauptversammlung des Gustav-
Adolf-Vercins in Wittenberg begründete Konserenz
mit dem Zweck, die Verbindung mit den evang. Ge-
meinden und Geistlichen des Auslandes zu stärken.
Sie besteht meist aus solchen prot. Geistlichen, die
früher selbst in der Diaspora thätig gewesen sind,
und unterstützt ihre Pfleglinge, meist in deutschen
Kolonien, aus den Erträgnissen einer Kirchenkollekte
und durch Zusendung junger Prediger; ihre Wirk-
samkeit umfaßt alle Weltteile.
Diastaltisch (grch.), sich ausdehnend; Gegensatz
systal tisch, sich zusammenziehend.
Diastäse (vom grch. äi^tHLiä, "Trennung",
"Spaltung"), ein sog. ungeformtes Ferment, das
die Fähigkeit besitzt, schon in kleinsten Mengen bei
Gegenwart von Wasser große Mengen von Stärke
in Dextrin und gärungsfähige Maltose zu zerlegen.
Sie bildet sich beim Keimen der Gerste und anderer
Körnerfrüchte aus Eiweißstoffen der Pflanze (Pflan-
zenfibrin). Die Bedeutung dieses Vorgangs bestebt
darin, daß das unlösliche Stärkemehl hierbei gelöst
und von den Ablagerungsstellen in den ^amcn an
die Verbrauchsstellen transportiert wird, wodurch
die Ernährung des Keimes möglich wird. Die D.
ist noch nicht rein dargestellt worden, sie ist löslich
in Wasser und enthält außer Kohlenstoff, Wasser-
stoff und Sauerstoff auch Stickstoff. Man erhält sie
aus wässerigen Malzauszügen durch Fällen mit Al-
kohol als weißes amorphes Pulver. Man macht
von der D. in der Bierbrauerei und der Spiri-
tusfabrikation Gebrauch. Das durch Keimen der
Gerste und darauf folgendes Töten des Keimes be-
reitete Malz enthält die D., die beim Maischpro-
zeß bei einer Temperatur von etwa 60° die stärke
in gärungsfähige Produkte umwandelt. In der
Branntweinbrennerei zerlegt die im sog. Brenn-
malz enthaltene D. noch größere Mengen von
Stärke, die in Form von Kartoffeln, Roggen, Mais
zugesetzt wird. Durch Erhitzen über 75° verliert die
D. ihre Wirksamkeit. Die Gegenwart von Mineral-
säuren, Alkalien (kaustischen und koblensauren),
Metallsalzen, Arsenik, Alkaloiden, Blausäure, Tan-
nin, Carbol, wie überhaupt antiseptischer Stoffe,
verhindern oder verlangsamen die Wirkung der D.
Ähnlich wirken andere ungesormte Fermente, wie das
Emulsin der Mandeln, das lösliche Ferment der Hefe
und auch tierische Sekrete, wie der Speichel (Ptya-
lin), der Vauchspeichel (Pankreatin) u. a.
Diaftäsis (grch.), das krankhafte Auseinander-
weichen von Knochen und Knorpel.
Diastema (grck., Iwischenraum), in der altgriech.
Musik soviel wie Intervall; diastematisch ("mit
Zwischenräumen"), ausgehalten, lang anhaltend.
Diastimeter (grch.), s. Entfernungsmesser.
Diastöle, auch Ektäsis (grch., eigentlich das
Auseinanderziehen), in der Metrik die durch die
Kraft des rhythmischen Acccnts (der Arsis) be-
wirkte Dehnung oder Verlängerung einer Silbe,
im Gegensatz zur ^ystole oder Verkürzung einer
langen'Silbe. - In der Physiologie ist D. Er-
weiterung der Herzkammer. Die D. folgt auf die
^ystole, d. h. auf die aktive Zusammenziehung des
Herzkammermuskels. (S. Herz.)
Diastölik (grch.), bei den ältern Musiktheoretikern
die Lebre von den Ab- und Einschnitten (Incisionen
und Interpunktionen) und wiederum von den Ver-
^ bindungen (Konjunktionen) der musikalischen Perio-
! den in der melodischen Setztunst. Seit Sulzcr
^ ("Theorie der schönen Künste") sagt man dafür
! Phrasierungslehre.
! Diastylos (grch., "weitsäulig"), eine Säulen-
- halle, bei der der Abstand von Säule zu Säule
' drei untere Säulendurchmesser oder mehr beträgt.
^ Diät (grch.), im allgemeinen die gesundheits-
gemäße Lebensweise. Da die Aufnahme der Speisen
und Getränke einen sehr erheblichen Einfluß auf
das Wohlbefinden des menschlichen Körpers äußert,
hat sich der Begriff des Wortes D. mehr und mehr
beschränkt auf den gesundheitsgemähen Gebrauch
von Nahrungsmitteln und Getränken, wie sich die-
^ selben nach den jeweiligen Zuständen des Körpers
als notwendig und vorteilhaft erweisen. Durch die
chem. Untersuchungen ist die Zusammensetzung der
Nahrungsmittel und Getränke klargestellt. Man
weiß die in ihnen vorkommenden Stoffe zu scheiden,
soweit sie für die Ernährung des Körpers von Wich-
tigkeit sind, soweit sie nur Reizmittel für Mund und
Verdauungsapparat darstellen oder soweit sie einen
^ nutzlosen und sogar schädlichen Ballast für die Er-
! nährung bilden. Die genaue Kenntnis des Zustandes
^ und der Beschaffenheit der einzelnen Nahrungsmittel
und Getränke ist daher die erste und notwendigste
Voraussetzung zu einer zweckmäßigen Regulierung
der D. Hierbei ist nicht nur das quantitative Ver-
hältnis zu beachten, ob der Körper die seinem Be-
darfe entsprechende Menge von Nährstoffen erhält,
sondern nicht minder das qualitative, das darin
zum Ausdruck kommt, daß die Speisen und Getränke
in einer Form und in einem Physik. Zustande rein
und unverfälscht gegeben werden, worin sie von dem
jeweilig Genießenden am besten ertragen und ver-
daut werden können. Die Grundsätze einer zweck-
entsprechenden D. haben aber außer auf die Nah-
, rungsmittel auch auf den Körperzustand, auf die
^ Tüchtigkeit und die Leistungsfähigkeit der Ver-
dauungsorgane volle Rücksicht zu nehmen, und so-
mit scheiden sich die Vorschriften der D., je nachdem
sie für Gesunde oder Kranke und Rekonvalescenten,
für Kinder oder Erwachsene, für Ruhende oder Ar-
beitende bestimmt sind. Die Arbeiten auf diesem
Gebiete haben einen Umfang gewonnen, daß sich die
Lehre über die D. der Gesunden zu einem abgeschlos-
senen Darstellungsbilde (s. Ernährung) gestaltete.
! Die geringste Widerstandskraft besitzt der Ma-
gen und Verdauungsapparat im Säuglingsalter.
! Die Muttermilch, die in kaum schwankender Zu-
sammensetzung, in gleichmäßig flüssiger Form, in
der Temperatur des menschlichen Körpers und
völlig keimfrei geboten wird, ist darum die natur-