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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dienstuntauglich - Diepenbrock
Militärdienstfähigkeit und zur Ausstellung von At-
testen". (S. auch Dienstuntauglich und Invalide.)
Dienstuntauglich heißen diejenigen wehrpflich-
tigen oder zwar bereits in das Heer eingestellten,
aber noch nicht militärisch ausgebildeten Mann-
schaften, welche den Anforderungen des Militär-
dienstes nicht gewachsen sind und deshalb entweder
nicht zur Einstellung in einen bestimmten Truppenteil
gelangen oder vorbeendcter Ausbildung wieder in
ihre Heimat entlassen werden. Die Untauglichkeit
kann eine zeitige (Schwächlichkeit, vorübergehende
Entkräftung durch Krankheiten u. s. w.) oder eine
dauernde (bleibende körperliche Fehler) sein. Auch
giebt es bedingte Tauglichkeit, welche die Einstellung
nur bei bestimmten Waffengattungen oder in der Er-
satzreservc oder in den Landsturm ersten Aufgebots
gestattet. Die Beurteilung erfolgt nach den Be-
stimmungen der "Heerordnung". (S. auch Dienst-
unbrauchbar.)
Dienstvertrag, s. Dicnstmietc.
Dienstzeit oder aktive Dienstzeit, diejenige
Zeit, die eine Militärperson im stehenden Heere dient.
Die D. bildet einen Teil der Dienstpflicht (s. d.). Vei
Entlassung aus dem aktiven Dienst bildet die Dauer
der D., im Falle Versorgungsansprüche vorliegen
(s. Invalide), einen wesentlichen Maßstab für die
Berechnung der Pension. (S. auch Dienstalter.)
Dienstzulage, s. Dienstansprüche; s. auch Dienst-
einkommen, S. 279ll.
Dienstzlvang, s. Vauernzwang.
Dientzenhofer (auch D i n z e n h o f e r), Christoph,
Baumeister, geb. 1655, gest. 1722 zu Prag, baute
die Vcncdittinerkirche St. Margaret (1715-19) in
Vrewnow bei Prag in geistvollem, aber ausschwei-
fendem Barockstile: ferner die Iefuitentirche zu ^t.
Nikolaus auf der Kleinseite in Prag (1673 begonnen,
1752 von seinem Sohne vollendet), die Maricn-
Magdalenkirche (1650 - 1709), die Kaietanerkirche
(1691-1717), vermutlich auch verschiedene Prager
Paläste dieser Zeit, u. a. den Schönbornfchen.
Christophs Sohn, Kilian Ignaz D., geb. 1690
zu Prag, gest. daselbst 1752, brachte den kath. Ba-
rockstil m Böhmen zu seiner Vollendung. Er lernte
unter seinem Vater, dann seit 1718 bei Fischer von
Erlach in Wien und übernahm 1722 nach seines
Vaters Tode dessen Bauten in Prag. Er bereiste
auch Italien, Frankreich und England. D. baute
zunächst das überaus anmutige Zwergcnhaus in
Prag, dann die Ursulinerinnentirche auf oem Hrad-
schin (1720-28), die Kirchen St. Johann von Ne-
pomuk am Felsen, St. Thomas und St. Nikolaus
(um 1730), ferner zwei Ccntralbautcn: die Lauren-
tiuskirche zu Gabel in Nordböhmen und die Mag-
dalenenkirche zu Karlsbad (1732 - 31), die Facade
der Nitolau^tirche (Kleinfeite in Prag)- von'Pa-
lästen sind von ihm entworfen: der Kinfkysche, der
Piccolominiscbe, jetzt Nostitzfche (am Graben in
Neustadt), mit einer der schönsten Facaden des
deutschen Barockstils. Zu diesen kommen'noch zahl-
reiche andere im übrigen Böhmen. Der wuchtige,
aber zugleich flotte Barockstil des Kilian Ignaz D.
übte den größten Einfluß auf die gesamte Baukunst
Böhmens in seiner und der folgenden Zeit.
Johann Leonhard D. aus Waldfassen wurde
1696 Hof- und Landbaumeister in Vayrcuth und
starb angeblich vor 1711. Er baute die Wallfahrts-
kirche zu Vurgwindheim, leitete den Umbau des
Cisterciensertlosters Ebrach (1686), baute die Kar-
meliterkirche zu Bamberg um (1694), errichtete 1695
-1705 den östl. Flügel der Residenz zu Würzburg,
das 1793 zerstörte Lustschloß Favorite bei Mainz,
angeblich auch das großartige Schloß Pommers-
feldcn bei Vamberg, eine der mächtigsten Vau-
anlagen jener Zeit, endlich verschiedene Privat-
häuser in Vamberg.
Johannes D., der Bruder Joh. Leonhards,
wurde 1700 zum fürstl. Baumeister der Abtei von
Fulda ernannt, baute 1704-12 den Dom da-
selbst, eins der edelsten Bauwerke jener Zeit, und
den Schloßkonventbau, ferner in Vamberg den
Konventbau der Abtei Michelsberg (1724) und
die Facade der Kirche derfelben (1722-23). D. war
1723-30 Hofbaumeister, ebenso 1730-38 Iustus
! Heinrich D. und Johann Heinrich D., mit
^ dessen Tode 1745 die frank. Baumeister Namens
D. aufhören. Johannes D. hinterließ in Franken
eine ausgebreitete Schule.
Diepenbeeck, Abraham van, auch Dieppen-
beck gefchriebcu, niederländ. Maler, geb. 1596 zu
Hcrzogenbusch, gest. 1675 in Antwerpen, Schüler
von Rubens, widmete sich anfänglich der Glas-
! malerci. Sein Hauptwerk auf diesem Gebiete sind
^ die Fenster der Kirche der Minimen zu Antwerpen
^ (40 Bilder aus dem Leben des heil. Franciscus
von Paula), die sich aber in England befinden.
Ferner schuf er die Glasmalereien der dortigen
Frauenkirche (1635) und der Dominikanerkirchc. In
der Ölmalerei eignete er sich die spätere Hclldunkel-
manier von Rubens mit besonderen Geschick an.
Nach einem kurzen Aufenthalte in Italien wurde er
1641 zum Vorsteher der Akademie zu Antwerpen
gewählt. Von seinen Ölgemälden sind zu erwäh-
nen: Kopie der Rubensscben Kreuzabnahme (in der
Castortircbe zu Koblenz), Madonna mit dem Christ-
lind und der Elisabctb, Clölia mit ihren Gefähr-
tinnen über die Tiber setzend (letztere beide im Ber-
liner Museum), Abraham mit den Engeln (Mün-
cbcner Pinakothek), Grablegung Christi (Museum zu
Braunschweig), Neptun und Amphitrite auf ihrem
Muschelwagen (Dresdener Galerie), Verlobung der
heil. Katharina (Mannheim, großhcrzogl. Schloß).
Zuletzt zeichnete er fast nur, und zwar so, daß er
die Umrisse mit der Feder zog, sie leicht üdertuschte,
den Schatten mit der Feder und weiße Erhöhungen
mit dem Pinsel hineintrug; diese Zeichnungen wur-
den auch gestochen. Als bedeutendstes Kupferwerk,
nach ihnen gefertigt, erschienen die "ladisaux än
^m^Io äL3 ^1u363" (59 Blätter, Par. 1655). Diese
Originalausgabe ist nicht mit der 1735 in Amster-
dam in 60 Blättern erschienenen, etwas veränder-
ten Ausgabe von V. Picart zu verwechseln.
Diepenbrock, Melchior, Freiherr von, Fürst-
bischof von Vreslau, geb. 6. Jan. 1798 zu Bocholt
in Westfalen, nahm an den deutschen Freiheits-
kämpfen teil, muhte aber später wegen Undotmäßig-
leit den Militärdienst verlassen. Durch den Ein-
fluß des nachmaligen Bischofs Sailer (s. d.) sür die
Theologie gewonnen, folgte er diefem 1818 auf die
Universität Landshut, später nach Rcgensburg.
Hier empfing er 1823 die Priesterweihe und wirkte,
als Sailer Bischof von Regensburg geworden,
zuerst als bifchöfl. Sekretär, feit 1830 als Dom-
kapitular. 1835 wurde er Domdechant und 1842
Gcneralvikar; 1844 legte er diese Stellung nieder.
1815 zum Fürstbischof von Vreslau ernannt, wurde
D. von dem erstarkenden Ultramontanismus mit-
erfaßt, wenngleich er den Einfluß Sailers nie ganz
verleugnet hat; er wurde 1849 zum apostolischen