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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dimerli - Dimorphismus
spenstern (Geistern) durch die Annahme erklärt, diese
Gespenster seien vierdimensionale Wesen, die
nach Belieben aus der vierten D. in unsern Raum
kommen und sich wieder aus ihm entfernen könnten
(s. Raum). In der Algebra und Analysis ver-
steht man unter den D. einer ganzen Vuchstabengrösie
die Anzahl ihrer Buchstabcnfattoren; z. V. a1>cä
hat vier D. Vei einer gebrochenen Größe muß man
die D. des Nenners von denen des Zählers ab-
ziehen, z. V. "^ hat zwei D. Haben beide gleich
viele, so ist der Bruch eine Größe von Null D.,
z.B. ^; hat der Nenner mehr D., so ist die Anzahl
der D. des Bruchs negativ, z.V. bei ^ ist sie -1.
Dimerli, Getreidemaß, s. Vanniza.
Dimeter (grch.), in der Metrik die aus zwei
M6tra bestehende rhythmische Neihe. Da z. B. ein
M6ti'uin i^rndieuin zwei Iamben (^__^__) ent-
hält, so enthält ein iambischer D. vier Iamben:
Wie ist Natnr so hold und gnt.
Dimethylacetäl und Diäthylacctal, in der
Chirnrgie benutzte, meist mit Chloroform vermischte
Anästhetika zur Herbeiführung der Narkose (s. d.).
Dunethylamm, s. Methylamin.
Dimethylanilm, eine organische Nafe von der
Zusammensetzung ^IIn ^, die sich vom Anilin dnrch
Ersetzung der beiden Wafscrstoffatome der Amido-
gruppedurchMethylgruppeu ableitet'. ^115-^^11.^)2
(s. Ammoniakbasen). In der Technik stellt man zu-
erst das salzsaure Salz des D. dar, indem man
Anilin niit Salzsäure und Methylalkohol in Druck-
tesseln auf 220" erhitzt. Das Salz wird durch Kalk-
milch zerlegt und die Vase in einem Strom von
Wasserdämpfen abdestilliert. Das D. ist ein "basisch"
riechendes, in der Kälte erstarrendes Ol, das bei
192" siedet. Seine Salze sind nicht krystallisierbar.
Das zur Gruppe ^MI.^ in Parastellung bcfind-
licheWasferstoffatom des Bcnzolkerns(s. Aromatische
Verbindungen) ist leicht beweglich und durch andere
Gruppen ersetzbar, z. B. durch die Nitrosogruppe ^0,
wenn man salpetrige Säure auf D. einwirken läßt:
(^ - N(01^)2 !'IM02 ^ N0 - ('"N4 - NMI,)2
-l- II20. Das entstehende Nitr 0 s 0 dimethyl -
anilin dient zur Darstellung von Farbstoffen (Me-
thylenblau, IndoPhenol u. s. w.). Das D. wird
ferner zur Darstellung von Mcthylviolett benutzt,
indem man es mit Oxydationsmitteln behandelt
oder durch Phosgen zuuächst in Tetramethyldiami-
dobenzophenon überführt und diefes Produkt aber-
mals mit D. verbindet. Durch Kondensation mit
Venzaldehyd liefert es Malachitgrün. Infolge dieser
mannigfaltigen Reaktionen findet das D. eine aus-
gedehnte Anwendung in der Farbstosftcchnik.
Dimethyläthylcarbinöl, s. Amylenhydrat.
Dimethylorange, D i m eth ylanilin -
orange, Orange III, Helianthin, ein
orangeroter Azofarbstosf, der durch Diazotieren
von Sulfanilsäure und Paarung mit Dnnethyl-
anilin (s. Diazoverbindungen) gewonnen wird. Es
ist das Natronsalz des Eulfanilsäureazodimethyl-
anilins: 30^ Xa - (^ II4 - ^l: ^ - ^ II, - N (0N3 )2.
Dimidlum (lat.), die Hälfte.
viininüsnÄo (ital., abgekürzt äim.), musikalische
Vortragsbezeichnung, soviel wie äecrsZcenäo, ab-
nehmend an Klangstärle. Das Zeichen dasür ist -^.
Diminuieren (Deminuieren, lat.), verrin-
gern, vermindern, verkleinern; Diminution, in
der Mensuralmusik eine Verkürzung der Notenwerte
und zwar in der Regel auf die Hälfte.
DiminuNvum, Deminutiv um (vom lat. do-
minuLi-6, "verkleinern"), Verkleinerungsw 0 rt,
ein Wort, an dem eine besondere Endung (Dimi-
nutiv suffir) den Begriff der Kleinheit ausdrückt;
dieser geht oft auch in den Sinn der Zierlichkeit,
Liebkosung, des Spottes und der Verachtung über.
Die Endungen sind sehr mannigfaltig; die indo-
german. Sprachen stimmen fast alle in der Neigung
überein, Suffixe mit 1 und 1c zu verwenden; vgl. lat.
iioninn-cio, ^0mnn-culn8 (Menschlein). Im Alt-
hochdeutschen war gebräuchlich >1i (nurmkii, Würm-
lein), daraus mittelhochdeutsch -le oder-1 (Kinäsl,
Kindchen) und >1in (icinäLiin), neuhochdeutsch -lein.
In den niederdeutschen Mundarten herrscht dagegen
seit alter Zeit die Endung -KW, -KW, >k6n, daraus
unser -eilen, das in der hochdeutschen Schriftsprache
die Endung -lein fast verdrängt hat. Diminuiert
werden auch Verba, z. V. lächeln, kränkeln, spöt-
teln, und in manchen Sprachen Adjektiva; so ist
lat. Ii6Uu8 (schön) eigentlich D. zu donus, und wird
selbst wieder zu deliuw8 (gar niedlich) diminuiert.
Dimission (lat.; frz. äkmiZLiou), Entlassung,
Abdankung, Abfchied eines Beamten.
Dimisforialien (lat. iittsi-^6 (Imn880i-iI.l63),
amtliche Erklärungen eines zur Vornahme gewisser
Amtshandlungen Befugten, durch welche er diefe
Befugnis im einzelnen Fall auf andere dazu fähige
Orgaue überträgt. Solche D. stellt z. B. aus der
zur Ordination befugte Vifchof, der zu eiuer Amts-
handluug berechtigte Pfarrer, der zur Eheschließung
zuständige Standesbeamte. Nach Preuß. Landrecht
dürfen D. von Pfarrern nicht verweigert werden.
Dimittieren (lat.), entlassen, verabschieden.
Dinnty (engl., vom griech. äi-iniw8, d. i. von
doppeltem Faden, zweidrähtig), ein englifches ge-
löpertes Baunnvollzeug, auch ein gewöhnlich sehr
dicht gewebter Stoff mit streifigen Mustern auf
drei- oder fünfbindigem Köpergrund, wobei die
Streifen gewöhnlich durch eine Vertauschung von
Kettenköper und Schußköper zu stände kommen.
Dimitzäna oder Demctsana, griech. Stadt
Arkadiens nördlich von Megalopolis, mit (1889)
2488 E. und einem Gymnasium, an der Stelle einer
alten unbekannten Stadt, wohl Teuthis, jedenfalls
nicht Theifoa, gelegen. Sie wird zuerst 963 erwähnt,
D.s Blüte beginnt aber eigentlich erst unter der türt.
Herrschast. Seit 1764 war es der Sitz einer der be-
suchtesten Schulen des unterjochten Griechenlands,
aus der viele Gelehrte hervorgingen, und die mit
einer verhältnismäßig ausgezeichneten Bibliothek
ausgestattet war. - Vgl. Kastorchis, Nep". ^ öv
/V<M'<^5"')-s) eXX'l^x^ 5^2X5^ (Athen 1847).
Dimorphismus (grch.), in der Botanik, s.
Bestäubung. - über' D. (Dimorphie) in der
Mineralogie s. Heteromorphismus. - In der
Zoologie nennt man D. die nicht seltene Erschei-
nung, daß die Individuen (namentlich die erwach-
senen, gelegentlich auch die noch nicht völlig ent-
wickelten, z. V. Schmetterlingsraupen) ein und der-
selben Tierart in zweierlei mehr oder weniger ver-
schiedener Gestalt auftreten. Die häufigste Art ist
der geschlechtliche D., bei welchem die Männchen
schöner, gewandter, kräftiger und größer als die
Weibchen zu erscheinen pflegen, er ist dann das
Resultat geschlechtlicher Zuchtwahl. Visweilen ist
aber das Männchen winzig im Verhältnis zum Weid-
chen und ganz anders organisiert, was namentlich