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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ding an sich - Dingler
berührenden Angelegenheiten. Den Ort, wo ge-
wöhnlich das D. gehalten wurde, nannte mcm
Dingstelle, Dingstätte, Dingstuhl; cv
war von heidn. Zeiten her ein Opferplatz unter
freiem Himmel. In jeder Grafschaft befanden sich,
auf die einzelnen Hundertschaften verteilt, mehrere
Dingstellen. In der german. Urzeit wurde jedes D.
durch die Heguug unter den Schutz des Gottes Ziu
gestellt und jede Verletzung des Dingfriedens
von den Priestern geahndet. In den mittelalter-
lichen Grundherrschaften nannte man den Herren-
hof, auf welchem das grundherrliche Gericht lHüb-
nerding) abgehalten wurde, Fron- oder Ding-
hof, den herrschaftlichen Beamten, welcher das-
selbe leitete, Dingvogt, während der Grundherr
selbst als Ding Hofs Herr bezeichnet wurde.
Ding an sich, s. Ding (philos.).
Dingelstedt, Stadt im Kreis Heiligenstadt des
preuß. Reg.-Bez. Erfurt, an der obern Unstrut und
an der Linie Leinefeld-Niederhone-Treysa der Preuß.
Staatsbahnen, hat (1890) 3466 E., darunter 113
Evangelische; Post, Telegraph, Amtsgericht (Land-
gericht Nordhausen), Franziskanerniederlassung auf
dem nahen Kerbschen Berge; Lederfabrikation, Woll-
weberei, Ziegeleien, Landwirtschaft, Hausierhandel.
Dmgelstedt, Franz, Freiherr von, deutscher
Dichter, geb. 30. Juni 1814 zu Halsdorf in Ober-
hessen, studierte 1831 - 34 Theologie und Philo-
logie zu Marburg, wirkte seit 1836 als Lehrer am
Lyceum zu Cassel, wurde 1838 wegen einiger miß-
liebiger Gedichte nach Fulda versetzt, nahm aber
1841 seine Entlassung. In den nächsten Jahren
hielt sich D. teils in Augsburg auf, wo er sich
an der Redaktion der "Allgemeinen Zeitung" be-
teiligte, teils machte er Reisen nach Paris, London,
Holland und Belgien. Von Wien aus beabsichtigte
er, sich nach dem Orient zu wenden, als ihn 1843
der König von Württemberg als Hofrat und Biblio-
thekar nach Stuttgart berief; 1846 ernannte er
ihn zum Legationsrat. 1850 wurde D. als Inten-
dant des Hofthcaters nach München berufen, wo er
eine große dramaturgische Thätigkeit entwickelte,
aber infolge ultramontaner Umtriebe 1857 plötzlich
seines Amtes enthoben wurde. Er erhielt alsbald
einen Nuf als Generalintendant des Hoftheaters
> Hofburgthcater
Er starb 15. Mai 1881 in Wien. 1867 wurde er vom
König von Bayern in den erblichen Adelstand, 1876
vom Kaiser von Österreich in den erblichen Freiherren-
stand erhoben. Auch war er 1859-65 Präsident der
Schillerstiftung sowie Mitbegründer der deutschen
Shakespeare-Gesellschaft. Schon feit 1838 war D.
als Lyriker und Novellist aufgetreten, aber erst die
"Lieder eines kosmopolit. Nachtwächters" (Hamb.
1840) machten, obschon sie anonym erschienen, seinen
Namen bekannt und wiesen ihm einen hervorragen-
den Platz unter den polit. Dichtern jener Zeit an;
später brach er jedoch mit den revolutionären Nei-
gungen der Jugend. Bedeutender als Lyriker zeigte
cr sich in seinen "Gedichtcn^Stuttg. 1845; 2. Aufl.
1858), die neben üppigen Schilderungen die zarte-
sten Gefühlsäußerungen, neben epigrammatisch zu-
gespitzten Reflexionen reiche Poet. Gemälde enthalten.
Eine neue Sammlung von Zeitgedichten: "Nacht
und Morgen" (ebd. 1851) trägt deutliche Spuren von
der Ermattung der ganzen Zeit. D.s novellistische
Arbeiten und Ncisebildcr zeichnen sich durch Geist,
Talent für feine Zeichnung und Formgewandthcit
aus. Dahin gehören der Roman "Unter der Erde"
(2 Tle., Lpz. 1840; neue Ausg., Verl. 1877), dann
"Heptameron" (2 Bde., Magded. 1841), "Sieben
friedliche Erzählungen" (2 Bde., Stuttg. 1844) und
das "Novellenbuch" (Lpz. 1856), fowie das "Wan-
derbuch" (2 Tle., ebd. 1839-43; neue Ausg., Verl.
1877) und "^iZHu'^ 1^ in6i-, Erinnerungen aus
Holland" (Lpz. 1847). Sehr beifällig wurde sein
Gesellschaftsroman "Die Amazone" (Stuttg. 1868;
neue Ausg., Verl. 1877) aufgenommen. ^Seinen
Ruf als dramat. Dichter begründete D. mit dem
stark einsetzenden, aber ungleichmäßig gelungenen
Trauerspiel "Das Haus der Varneveldt" (1850).
Reiche Theatererfahrung bewährten die Bearbeitun-
gen klassischer Stücke des Auslandes, von denen
namentlich das "Wintermärchen" nach Shakespeare
(1859), "Der Geizige" nach Moliere (1858) und
"Ein toller Tag" nach Beaumarchais (1862) Glück
machten. Früchte seiner Beschäftigung mit Shake-
speare waren ferner die "Studien und Kopien nach
Shakespeare" (Wien 1858) und die Bearbeitung
einer Reihe von Stücken dieses Dichters für die Hild-
burghäuser Shakespeare-Ausgabe (Hildburgh. 1867
-68). Eine prächtige Selbstbiographie veröffent-
lichte D. u. d. T. "Münchener Bilderbogen" (Berl.
1879); Essays enthält sein "Litterar. Bilderbuch"
(ebd. 1880). Seine "Sämtlichen Werke" in 12 Bün-
den erschienen zu Berlin 1877. Von seinen drama-
turgischen Unternehmungen seien erwähnt das große
Gesamtgastspiel zu Müuchen 1854, das die ersten
dramat. Künstler Deutschlands zu 12 Mustervor-
stellungen Lessingscher, Schillerscher und Goethe-
scher Stücke vereinigte, und die erste vollständige
Aufführung der histor. Dramen Shakespeares zu
Weimar im April 1864, wiederholt auf dem Burg-
theater im April 1875. - Vgl. Nodenberg, Heimat-
erinnerungen an Franz D. und Friedrich Otkcr (Berl.
1882); ders., F. D. Blätter aus seinem Nachlaß
(2 Bde., ebd. 1891).
Dinger, Fritz, Kupferstecher, geb. 22. Jan. 1827
zu Wald bei Solingen, war 1849-56 Schüler der
Akademie in Düsseldorf und wurde schließlich von
Joseph Keller ausgebildet. Er hat in Linienmanier
vorzugsweise nach modernen deutschen Malern
(Hiddemann, Kröner, Dciker, Schrader, Leutze u. a.)
gestochen, dabei aber auch einiges nach den alten
ital. Meistern, wie z. B. das Selbstbildnis Rasfaels
und die Aurora G. Nenis.
Dingfriede, s. Ding (Volksversammlung).
Dinggeld, Ding Pfennig, das Handgeld bei
der Gesindemiete (s. Ärrha). ^sammlung).
Dinghof, Dinghofsherr, s. Ding (Volksver-
Dingler, Joh. Gottfr., technolog. Schriftsteller,
geb. 2. Jan. 1778 zu Zweibrücken, widmete sich der
Pharmacie, war 1793 - 95 Feldapotheker in der
preuß. Armee und übernahm 1800 eine Apotheke in
Augsburg. Hier gründete er 1806 eine chem. Fabrit
und machte sich besonders durch seine technischen
Erfindungen zur Vervollkommnung der Färberei
uud des Zeugdrucks einen Namen. Auch war er
als Lehrer der Chemie und Physik thätig. D. starb
zu Augsburg 19. Mai 1855. Er gründete das
"Polytechnische Journal" (1820), das er bis 1831
allein und von da bis 1840 mit seinem Sohne Emil
Maximilian D. (geb. 10. März. 1806 zu Augs-
burg, gest. daselbst 9. Okt. 1874) redigierte. Letzterer
leitete'das Blatt selbständig 1840-74. Außerdem
gab D. heraus: "Magazin für die Druck-, Färbe-