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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dindymene - Ding
^829) und der griech. Scholiasten zu den drei
Tragikern; die "?06tH6 "ceuiei Ziasci" mit den
Fragmenten (Lpz. und Lond.1830; 5. Aufl., Lpz.
1870), von denen ein Abdruck in 6 Bänden (Oxf.
1832-35 und zum Teil in 2. Ai^fl. 1849-51) mit
wesentlichen Veränderungen im Terte und in den
Fragmenten des Aeschylus, Sophokles und Aristo-
phanes erschien: ferner der Kommentar zu den drei
griech. Tragikern und zu Aristophanes (7 Bde.,
Orf. 1834 fg.), neben einem die Silbenmahe er-
läuternden Werke: "Netra. ^eseii^Ii, sopkooliZ,
^uripiäig t^ ^riZwplillnis" (ebd. 1842); die Aus-
gaben des Sophokles, Aristophanes, Lucian und
IosephusinderDidotschen"Zid1i0t1i0liu6Fr6c(iu6";
endlich das "I^exicon ßopliocleum" (Lpz. 1870),
das "I^exicou ^63ck^i6um" (ebd. 1873-76) und die
Ausgabe der"Iliasscholien"(6Bde.,Orf. 1875-80).
Sein Bruder, Ludwig August D. (geb. 3. Jan.
1805, gest. 6. Sept. 1871), hat sich, abgesehn von
seiner Teilnahme an der Vearbeituug dcs (^tepha-
nus, durch kritische Ausgaben des Xenophon, Dio-
dorus Siculus, Pausanias, Polybius, Dio Cassius
und Zonaras, der IIi8wrici^i'H6ci min0i'62, der Chro-
nographie des Ioanncs Malalas und des (.^ii-oni-
coil ?ii8cliai6 sowie des Dio Ehrysostomus, serner
des Hcsiod und des Euripides bekannt gemacht.
Dindymene, s. Dindymon und Kybele.
Dindtzmon, im Altertum Nanlc einer über 2000 m
hoch ansteigenden Gebirgsmasse oberbalb der Stadt
Pessinus, in der kleinasiat. Landschaft Phrygicn,
cines Hauptsitzes des Kultus der pbryg. Gottin
Kybele der "großen Göttermutter", welche nach die-
sem Gebirge bä'ufig Dindymene genannt winde.
Den Namen D. trug auch das gleichfalls der Göt-
tin Kybele geweihte Gebirge, welches die zum Gebiet
der Stadt Kyzitos gehörige Infel (jetzt Halbinsel)
Arltonmsos (jetzt Kapudagh) durchzieht. Auf der
Höhe des D. stand ein uraltes Heiligtum der Kybele,
deren Bildsäule Konstantin d. Gr. nach dem neu-
gegründeten Konstantinopel versetzte.
Dinsr (srz., spr. dineh), die Hauptmahlzeit des
Tages, welche in vielen Ländern, wie in England
(äinner) und Frankreich, gegen Abend staltfindet, in
Deutschland in der Negcl'Mittags; daher D. hier
Mttagsesscn, dinieren zu Mittag speisen.
Dinero (span., "Pfennig"), eine in Spanien bis
1843 gesetzlich gewesene kleine Geldrechnungsstufe
von sehr verschiedener Bedeutung. Am wichtigsten
war der castilische D., ^ ^o des ^lai-aveä! ä0
V6Ü0N, oder ^340 desIleal 66 volion oder ^/glo de'7
Il^i^i äs iilllta. anti^uo ^ 0,W4 deutsche Pfennige
oder 0,036 Kr. österr. Silberwährung. (S. auch
Real.) - D. hieß auch ein in Spanien bis 1859,
in Portugal (Dinhciro) bis Ende Sept. 1868, in
Brasilien (Dinheiro) bis Ende 1873 gesetzlich ge-
wesenes Silberprobiergewicht, geteilt in 24 Gra-
nos (Gran), ^'12 des ganzen (des Marco) und mit-
hin --- 83V-; jetzige Mile'simos oder Tansendteilcn,
nach der frühern deutschen Bezeichnung ^ 1^^ Lot
oder 1 Lot K Gran. Dieser D. war auch in den ehe-
maligen fpan. Besitzungen in Amerika (Merikou.s.w.)
und in den heutigen span.Kolonien gebräuchlich und
ist es zum Teil noch. D. ist ferner eine peruan.
^ilbermünze und Geldrechnungsgröße von ^ des
^ol ^ ^ Frank Silbercouraut ^ (zum Preis von
125 M. ftir 1000 5 Feinsilber) 28'/, Pf. deutsche
Goldwährung ^ 20^ Kr. österr. Silberwährung.
Ting, die allgemeinste Bezeichnung für etwas
Existierendes; in engerer Bedeutung ist es soviel
wie Substanz (s. d.) und bezeichnet, im Unterschied
von Eigenschaften und wechselnden Zuständen das
Subjekt, von dem dies alles ausgesagt wird und
das somit auch etwas für sich sein zu müssen scheint.
Nähere Untersuchung führt jedoch bald darauf, daß
das D. nicht etwas ist, das übrigbliebe, wenn man
alle Eigenschaften von ihm abzieht, daß es vielmehr
nur die Zusammenfassung der vielen Eigenschaften
zur Einen Vorstellung des Gegenstandes ausdrückt.
Inwiefern die Einheit des D. mit der Vielheit seiner
Eigenschaften zusammen bestehen könne, ist eine
metaphysische Frage, die ihre Auflösung darin
findet, daß die Einheit, die wir dem D. leihen, wirk-
lich nur die Einheit ist, in der unsere Vorstellung
das gegebene Mannigfaltige des D. zusammen-
faßt. Nach Kants Feststellung ist diese Einheit im
ganzen Bereiche möglicher Erfahrung stets nur eine
relative, bedingte; "an sich" aber, d. h. abgesehen
von der Bedingtheit unserer Erfahrung, sollte sie
eine absolute sein, d. h. sie ist durch das Einheits-
gesetz des Verstandes schlechthin gefordert. So ent-
ftebt der Begriff vom D. an sich, d. h. vom D.,
wie es an sich oder nach dem bloßen Gesetze der
Verstandessynthesis (s. Synthesis), anf der der Be-
griff vom D. überhaupt beruht, erkannt werden
müßte, aber infolge der Bedingtheit der Erkenntnis
durch die Gesetze der Sinnlichkeit (Raum und Zeit)
für uns nicht erkennbar, sondern nur als äußerste
Grenze, der die Erkenntnis sich annähern mag, denk-
bar ist. Das D. an sich deckt sich daher nahezu mit
dem Absoluten oder Unbedingten oder Noumenon
(s. d.). Die Nachfolger Kants verfuchten znm Teil
wieder die Möglichkeit einer Erkenntnis vom D. an
sich zu erweifen, doch ist man von diesem fruchtlofen
Unternehmen so ziemlich wieder zurückgekommen.
Ding (althochd. dwc, nordgerman. tdiu^), die
Bezeichnung für Volksversammlung bei den Germa-
nen; dann bedeutet es Gerichtsversammlung, Gericht,
Gerichtsort. Noch heute ist das Wort bei den skan-
dinav. Völkern in Übung. So ist Island inTbing,
d. h. Gerichtsbezirke, eingeteilt; die norweg. Volks-
vertretung, St orthing, zerfällt in zwei Abteilun-
gen, Adels t hing und Lag th in g. Der Reichstag
Dänemarks besteht aus einein L andsthin g (Erster
Kammer) und Fo lketh ing (Zweiter Kammer). Die
frank. Gerichtsverfassung unterschied das echte D.,
eine Hauptversammlung, bei welcher alle Tingpflich-
tigen, d. h. alle Freien, erscheinen mußten, um unter
Vorsitz des Grafen an alter Dingstätte, dreimal jähr-
lich in jeder Hundortschaft, über Kapitalverbrechen
und Immobiliar- und Freiheitsprozesse Urteil zu fin-
den, und das geb 0 tene D. In diesem, welches nach
Bedürfnis, gewöhnlich alle 14 Nächte, berufen wurde,
bandhabten seit Karls d.Gr. Reformen Schöffen unter
Leitung des Schultheißen die niedere Gerichtsbar-
keit. Afterding ist nach dem Sachsenspiegel die
um 14 Tage hinausgeschobene Fortsetzung des echten
D.; auch werden so die unmittelbar nach dem ersten
Gerichtstage des echtenD.folgendenTage bezeichnet.
Botding ist ein außerordentliches D., zu wel-
chem die Tingpflichtigen aller Hundertschaften vom
Grafen befonders entboten worden. Tageding,
woraus Taiding (Ehaft-, Pantaiding) entstanden,
nannte man die auf einen bestimmten Tag angesetzte
gerichtliche Verhandlung. Land-, Go- (Gau-),
Burg ding bieß das D. je nach dem Sprengel, für
welchen es zuständig war. Mark erding ist die
Versammlung der Markgenossen unter Vorsitz des
Obermärkers zur Beratung der die gemeine Mark