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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Döbereiner - Doblhoff-Dier
Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin in der Herr-
schaft Rostock des ehemaligen Herzogtums Güstrow,
Sommerrcsidenz des Großherzogs, 6 kin von der
Ostsee und 16 kin von Rostock, an der Nebenlinie
Rostock-Wismar der Mecklenb. Friedrich-Franz-
Eisenbahn, hat (1890) 4348 E., darunter 16 Katho-
liken, Post erster Klasse, Telegraph, großherzogl.
Domanialamt Zugleich Strandamt), Amtsgericht
(Landgericht Rostock), Forstinspektion, Verwaltung
des großherzogl. Haushalts, Superintendentur; in
dem inmitten der Stadt gelegenen Park, dem Kamp,
ein großhcrzogl. Schloß mitprächtigcm Garten, sowie
das neue Rathaus (1878) mit schönem Saale, am
AlexandrinenplatzundamRandedesPrinzengartens
das Prinzenpalais, das neue got. Gymnasium(1889)
und das Postgcbäude. An Stelle der 1186 im
Rundbogenstil erbauten, 1232 geweihten und 1291
vom Blitz zerstörten Kirche wurde im 13. Jahrh,
eine neue gotische erbaut, eine der schönsten Nord-
deutschlands, und 1368 geweiht; sie enthält viele
alte Kunstschätze und Denkmäler sowie zahlreiche
Gräber mecklenb. Fürsten. Angebaut ist dic uralte
Bülowkapelle und der Kreuzgang des ehemaligen
Cistercienserklosters. (Vgl. Dolberg, Die St. Marien-
Kirche der ehemaligen Cistercienserabtei D. und ihre
Kunstarbeiten, Doberan 1893.) Neben der Kirche
die 1879 restaurierte Heilige Vlutskapelle mit Glas-
und Wandmalereien, wo nach der Sage früher eine
blutende Hostie aufbewahrt worden sein soll. Die
Stadt hat eine Maschinenfabrik und Eisengießerei,
Schokoladen-, Bonbon-, Senffabrik, Dampffägc-
werk, drei Mühlen und wird wegen ihrer heilkräftigen
Stahlquelle, 1820 entdeckt, viel besticht. Das 1822
erbaute Bad auf der Südseite der Stadt ist von
prächtigen Anlagen umgeben und enthält ein pneu-
matisches Kabinett. Mit dem 6 km entfernten See-
bad Hciligendamm (s. d.) ist D. durch Tertiärbahn
verbunden. 2 km von D. das alte Kloster Alt ho f.
1160 erbaute Pribislaw eine Kapelle, 1173 eine
Abtei, die 1178 von den heidn. Wenden zer-
stört wurde. Das Kloster, seit 1323 zur Herrschaft
Mecklenburg gebörig, wurde 1552 durch Herzog
Johann Albrecht I. säkularisiert; die Kapelle, 1889
wiederhergestellt, dient der Gemeinde Althof als
Kirche. D. wurde 1. Juli 1879 zur Stadt erhoben.
- Vgl. Beschreibung von D. (Wism. 1857); Com-
part, Geschichte des Klosters D. bis zum 1.1300
(Rostock 1873).
Döbereiner, Joh. Wolfgang, Chemiker, geb.
13. Dez. 1780 auf Rittergut Bug bei Hof, erlernte
zu Münchberg die Pharmacie, war feit 1799 zu
Karlsruhe thätig und begründete 1803 in feiner
Heimat eine chem.-technifche Fabrik, mußte dicfclbe
ader nach 2 Jahren wieder aufgeben. Er wurde
1810 Professor dcr Chemie, Pharmacie und Techno-
logie in Jena und starb daselbst 24. März 1849.
Unter seinen vielen Entdeckungen erregte die dcr Ent-
zündlichkeit des Wasserstoffs durch Platinschwamm
(D.s Zündmaschine, s. Feuerzeug) das meiste
Aufsehen. Er schrieb namentlich: "Zurpneumat.
Chemie" (4 Bde., Jena 1821-25), "Zur Gärungs-
chemie" (ebd. 1822; 2. Aufl. 1844), "Über neuent-
deckte, höchst merkwürdige Eigenschaften des Platins
u. s. w." (ebd. 1824), "Beiträge zur Physik. Chemie"
(Heft 1-3, ebd. 1824-35) und "Zur Chemie des
Platins" (Stuttg. 1836). Auch feine Lehrbücher der
Chemie waren gefchätzt. In Jena trat D. in nähere
Beziehungen zu dem Grohherzog Karl August von
Weimar und zu Goethe, wie deren Briefe (hg. von
Schade, Weimar 1856) an D. bekunden. Mit fei-
nem Sohne, Franz D., der sich unter anderm durch
eine "Kameralchcmie" (3 Abteil., Dessau 1851-52)
litterarisch bekannt gemacht, gab er ein "Deutsches
Apothekerbuch" (3 Bde., Stuttg. 1840-55) heraus.
Dobiafchofsky, Franz, Historienmaler, geb.
23. Nov. 1818 in Wien, war an der Akademie da-
selbst Schüler von Führich und Kupclwieser. In
seinen religiösen Werken, wie: Tod der heil. Cäcilia
(1837), Abrahams Opfer, Ahasverus verurteilt
Hamann zum Tode, Johannes in der Wüste (1843),
Joseph erzählt den Brüdern seine Träume (1845),
blieb er der Richtung jener beiden Meister treu; er
weiß aber in seinen geschichtlichen und Genrebildern
Romantik mit Realität bei gefälligem Vortrag zu
verbinden. In Italien fammelte er zahlreiche Vor-
würfe aus dem Volksleben, die er in stimmungsvollen
Gemälden verwertete. Hierher gehört: Cimabue den
Knaben Giotto als Hirtenknaben findend (1847),
Dcr Traum einer Nonne, Römifche Hirtenfamilie
(1857), Ein Liebespaar in einem Garten fich küssend
(1867; Hofmuseum in Wien). Von feinen Geschichts-
bildern sind Zu nennen: Kaiser Otto I. auf der Jagd
mit Leopold dem Vabenberger (1846), Herzog Al-
brecht III. als Vesieger der heidn. Preußen nach Wien
zurückkehrend (1847); die Errettung der Cimburgis
aus den Klauen eines Bären durch Herzog Ernst
den Eisernen (1850; Hofmufeum in Wien). Große
monumentale Wandmalereien entwarf D. in der
Neulerchenfelder Kirche und im Treppenhause der
Wiener Hofoper; für die Elifabcthkirche zu Wien
malte er 1867 das Hochaltarbild: Das Rofenwunder
der heil. Elisabeth. Er starb 7. Dez. 1867 in Wien.
Doblen, Flecken im Kreis Mitau des russ. Gou-
vernements Kurland, 30 km westlich von Mitau,
an der Vehrse, hat etwa 2000 E., Ruinen des 1263
von dem Hcermeistcr Burchard Hornhausen erbau-
ten Schlosses D., das im 16. Jahrh, eine hervor-
ragende Stellung einnahm.
Doblero ("Doppelter"), eine bis 1848 gesetzliche
Geldrechnungsstufe auf den Balearischen Inseln.
Auf Mallorca war der in 2 Libra-Dine'ros geteilte
D. --- ^17 Real de plata antiguo, auf Menorca ^
^/i8 Real de plata antiguo oder alter fpan. Silber-
real, demnach auf Mallorca -^ knapp 2,4 deutsche
Pfennig oder 1,3? Kr. österr. Silberwährung; auf
Menorca -- 2,26 deutsche Pfennig oder 1,29 Kr.
österr. Silberwährung. Ehemals wurde der D. für
die Valearen in Kupfer ausgeprägt. (S. auch Real.)
Doblhoff-Dier, Anton, Freiherr von, österr.
Staatsmann, geb. 10. Nov. 1800, zeichnete sich als
Mitglied des niederösterr. Ständelandtags durch
seinefreisinnigeHaltung aus und gehörte 1848 zu den
Wortführern der Rcformpolitik. Im Mai 1848 zum
Handelsminister ernannt, wurde D. zu Kaiser Fer-
dinand, der sich nach Innsbruck geflüchtet hatte, ge-
fandt und erwirkte dessen Rückkehr. Im Juli 1848
wurde er Minister des Innern im Kabinett Wessen-
berg und führte mit dem Finanzminister Krauß in
den stürmischen Oktobcrtagen allein die Staatsge-
schästc, zog sich jedoch 12. Okt. zurück und lebte als
Privatmann, bis er 6. März 1849 als Gesandter
im Haag beglaubigt wurde. 1861 gab er auch
den diplomat. Dienst auf und widmete sich der Be-
wirtschaftung seines großen Gruudbesitzcs und dem
Studium der Landwirtschaft, in dieser Richtung
auch schriftstellerisch thätig, lieh sich aber im näm-
lichen Jahre als Abgeordneter in den österr. Reichs-
rat wählen. Als solcher wie später als Mitglied des