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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Donne - Donnerbüchse
Hohenzollern zu Sigmaringen, das Freiligrath-
Denkmal in Cannstatt, das für Eisenach bestimmte
Luther-Denkmal und eine Anzahl von Büsten (Bis-
marck, Moltke, Fr. Theod. Bischer u.a.). D. lebt seit
1877 als Professor an der Kunstschule in Stuttgart.
Donne (spr. donn), John, engl. Dichter und
Kanzelredner, geb. 1573 zu London, studierte zu
Oxford und Cambridge die Rechte, trat zum Pro-
testantismus über und hielt sich dann 3 Jahre
lang in Spanien und Italien auf. Nach der Rück-
kehr Sekretär des Großsiegelbewahrers Lord Elles-
mere, wurde er dann Geistlicher und erwarb sich
schnell großen Ruf und Einfluß. 1621 ernannte ihn
der König zum Dechanten der Paulskirche. Er starb
31. März 1631. Seine lyrischen Schöpfungen sind
meist Gelegenheitsgedichte und zeigen ganz den leicht-
fertigen Charakter der Zeit. Höher stehen "I>L6iiüo
Nkrt^r" (1610), womit er Jakobs Gunst gewann,
und "kol^äoron"(1631). Seine Predigten erschie-
nen nach dem Tode in 3 Foliobänden (1640,1649
und 1660). Eine Gesamtausgabe seiner Werte (mit
NLinoii-) gab H. Alford heraus (6 Bde., Oxf. 1839).
Sein Leben beschrieb Isaak Walton (1640, in Bd. 1
von D.s Predigten; auch besonders hg. 1865).-Vgl.
A. I. Kempe, v. tk6 üi-8t pi^ckei- (Lond. 1877).
Donner, das dem Blitz (s. d.) folgende rollende
Getöse, das sich, nach seiner Entstehung und in
verkleinertem Maßstabe, dem Knistern des elektri-
schen Funkens einer Elektrisiermaschine sowie dem
Knallen bei der Entladung einer Leidener Flasche
vergleichen läßt. Wall (1708) machte zuerst auf die
Ähnlichkeit des D. mit dem Geräusch eines elektri-
schen Funkens aufmerksam, worauf dann Franklin
(1746-53) alle Gründe zusammenfaßte, die für
die elektrische Natur des Blitzes und des ihn be-
gleitenden D. sprachen. Daß der D. erst nach dem
Blitze gehört wird, rührt daher, daß das Licht fast
augenblicklich zum Auge gelangt, der Schall dagegen
einer längern Zeit bedarf, um vom Orte feiner Ent-
stehung zum Ohre zu kommen. Das Rollen des D.
entsteht durch eine Zurückwerfung des Schalls von
den Wolken und den festen Teilen (besonders Gebirgs-
wänden) der Erdoberfläche. Das oft mehreremal sich
wiederholende Anschwellen desselben dagegen ist eine
Folge davon, daß der Blitz aus mehrern an ver-
schiedenen Stellen zwischen den Wolken überschla-
genden Funken gebildet ist, und somit der von diesen
in verschiedenen Entfernungen vom Beobachter lie-
genden Punkten fast gleichzeitig ausgehende Schall
zu verschiedenen Zeiten das Öhr des Beobachters
erreicht, .hauptsächlich hat aber das Rollen sowohl
wie das Anschwellen des D. seinen Grund in der
gebrochenen Bahn des Blitzes. Die Regel, daß aus
der Anzahl Sekunden, die zwischen Blitz und D.
verstreicht, die Entfernung des Gewitters bestimmt
werden könne, bezieht sich natürlich nur auf die dem
Beobachter nächste Stelle eines Blitzes, und man
kann sagen, daß die nächste Stelle des Blitzes un-
gefähr fo viel mal 340 ui vom Beobachter entfernt
ist, als zwischen Blitz und D. Sekunden vergehen.
Da der D. beim Übergang aus der dünnern Luft
in die tiefern, dichtern Luftschichten sehr abgeschwächt
wird, ist er schon auf geringe Strecken unhörbar;
die größte zwischen Blitz und D. beobachtete Zeit-
dauer ist 72 Sekunden, die Entfernung des Gewit-
ters daher 24 km, während heftiges Geschützfeuer
auf 120 km Entfernung gehört wnd. Nach Pcyticr
und Hossard ist der D. in der Gewitterwolke selbst
dumpf, wie von Pulver, das im Frcicn ohne Spren-
gung explodiert. Die Dauer des D. ist verschieden,
nach Delisle bis zu 50 Sekunden.
Donner, Georg Naphael, Bildhauer, geb.
25. Mai 1692 zu Eßlingen bei Wien, erhielt seine
künstlerische Ausbildung auf der Akademie in Wien
und wurde 1724 zum kaiserl. Galeriebaudirektor er-
nannt. Um jene Zeit entstanden die trefflichen Re-
liefs, darstellend das Urteil des Paris und Venus
in der Schmiede Vulkans. Trotz zahlreicher Kunst-
austräge blieb D. von der Gunst des Publikums
vernachlässigt, wozu sein Widerwille gegen Cere-
monien und Formsachen beitrug. Nachdem D. einige
Zeit in Salzburg gelebt hatte, wandte er sich nach
Preßburg, wo er 1729 die Stelle eines fürstl.
Esterhäzyschen Vaudirektors erhielt. Während D.s
zehnjährigen Aufenthalts in Ungarn entstanden
die kolossale Neiterstatue des heil. Martin für die
.Hauptkirche in Preßburg (aus Blei), die Marmor-
statue KaiserKarls VI., zwei Marmorreliefs (Christus
und die Samariterin, Hagar in der Wüste) für den
Stephansdom in Wien (jetzt in der kaiserl. Kunst-
sammlung). 1739 ging D. nach Wien zurück; er schuf
dort den Brunnen mit der Befreiung der Andro-
meda durch Perseus (aus Blei) für den Hof des
Rathauses, sowie sein größtes Werk, den Brunnen
am Neuen Markt, welchen die aus Blei gegossenen
(durch bronzene Kopien ersetzten) Figuren der Vor-
sehung und der vier Hauptflüsse Niederöstcrreichs
schmücken. (S. Tafel: Deutsche KunstV, Fig. 4.)
D. starb 15. Febr. 1741 zu Wien. Er gehört unter
jene Bildhauer, die aus der manierierten Richtung
des Vernini zum Naturstudium zurückstrebten. Auf
diesem Wege gelangte er, ohne in Italien die An-
tike studiert zu haben, zu einer reinern Auffassung,
die, im allgemeinen dem klassicistischen Rokoko zu-
gehörig, feines Formgefühl und kühne geistvolle Er-
findungsgabe verrät. Kleinere Arbeiten, Reliess,
Crucifixe, Porträte, meistens in Vlciguß gefertigt,
sind in Wien im Privatbesitz. - Vgl. Schlager,
Georg Raphael D. (Wien 1853); IIgMdum österr.
Vildhauerarbeiten des 18. Jahrh. (ebd. 1880).
Donner, Joh. Jak. Christian, Philolog und
Übersetzer, geb. 10. Okt. 1799 zu Krefeld, studierte
in Tübingen Theologie und Philosophie, wurdeRe-
petent am theol. Seminar zu Urach, dann am Stift
zu Tübingen, 1827 Professor am obern Gymnasium
zu Ellwangen, 1843 in Stuttgart. Er trat 1852 in
den Ruhestand und starb 29. März 1875 in Stutt-
gart. D. hat seine Kunst des Übersetzens, mit Aus-
nahme der "Lusiaden" des Portugiesen Camoes
(Stuttg. 1833), nur den Klassikern des Altertums zu-
gewandt. Es erschien von ihm: Iuvenal (Tüb. 1821),
Persius (Stuttg. 1822), Sophokles (Heidelb. 1839;
11. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1889; sein bekanntestes
Werk), Euripides (3 Bde., Heidelb.1841-52; 3. Aufl.
1876), Achylus (Stuttg. 1854), Homer (2 Bde.,
ebd. 1855-58; 2. Aufl. 1864-66), Aristophanes
(3 Bde., Lpz. 1862), Pindar (ebd. 1860), Terenz
(2 Bde., ebd. 1864), Plautus (3Bde., ebd. 1864-65)
und Quintus Smyrnäus (Stuttg. 1866).
Donnerbefen, s. Hexenbesen.
Donnerbücher, Bücher, welche die Bedeutung
von Blitz und Donner für jeden Tag des Jahres ent-
halten. Sie wurden zur Zeit Ciceros aus dem Griechi-
schen durch Figulus ins Lateinische übertragen.
Donnerbüchse, deutsche Bezeichnung sür Bom-
barde; die D. gehört zu den ersten Pulvergeschützcn
nnd führt den Namen im Gegensatz zu den ältern
geräuschlosen Schiebmaschinen (s. Geschütz).