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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dräseke - Drausensee
Dräfeke, Joh. Heinr. Bernh., prot. Kanzelred-
ner, geb. 18. Jan. 1774 zu Braunschweig, studierte
zu Helmstedt, wurde 1795 Prediger zu Mölln im
Lauenburgischen und 1804 zu Ratzeburg, .vier ver-
öffentlichte er "Predigten für denkende Verehrer
Jesu" (5Bde., Lüneb. 1804-12 u.ö.). 1814 als Pre-
diger nach Bremen berufen, arbeitete er auf Refor-
mation des deutschen Staatslebens hin und geriet
dadurch in den Verdacht demagogischer Gesinnung;
leine "Predigten in der Zeit der Erlösung Deutsch-
lands", auch u.d.T.: "Deutschlands Wiedergeburt"
(3 Bde., Lübeck 1814; 2. Aufl., 2 Bde., Lüneb. 1818),
veranlaßten eine Vorstellung des Bundestags an den
Bremer Senat. In Bremen entstanden ferner "Pre-
digten über die letzten Schicksale unsers Herrn"
(2 Bde., Lüneb. 1816 u. ö.), "Predigten über freige-
wählte Abschnitte der Zeiligen Schrift" (4 Bde., ebd.
1817-18), "Christus an das Geschlecht dieser Zeit"
lebd. 1819; 3. Aufl. 1820), "Gemälde aus der Zeiligen
Schrift" s4 Samml., ebd. 1821-28), "Vom Reich
Gottes. Betrachtungen nach der Schrift" (3 Bde.,
Brem. 1830). Durch letztere fowie durch feine Schrift
zu Gunsten der Union: "über den Konfefsionsunter-
ichicd der prot. Kirchen" (Lüneb. 1818) auf D. auf-
merksam geworden, ernannte ihn Friedrich Wil-
belm III. von Preußen 1832 zum Dompredigcr,
Direktor des Konsistoriums und evang. Bischof dcr
Provinz Sachsen in Magdeburg. Infolge der An-
griffe, die D. weaen feines Einschreitens gegen den
rationalistischen Prediger Sintenis 1840 erfuhr,
nahm er 1843 seine Entlassung; auf Wunsch des
Königs zog er nach Potsdam, wo er 8. Dez. 1849
ftarb. Sein Sohn Timotheus D. gab nock "Nach-
gelassene Schriften" (Predigten, 2 Bde., Magdeb.
1850-51) heraus.
Draskovich (spr. draschköwitsch), altes kroat.
Adelsgeschlecht, das seit dem 14. Jahrh, in der Ge-
schichte Kroatiens und Ungarns eine Rolle spielt.
Es führt das Prädikat "von Trakostian", eine Linie
auch "von ^trainberg". Georg D., geb. 5. Febr.
1515, widmete sich dcm geistlichen Stande, ward
1546 Großpropst in Prcßburg, dann Bischof von
Fünfkirchen, Erzbischof von Kalocfa und erbielt 1585
die Kardinalswürdc; er starb 31. Jan. 1587. -
Joseph Kasimir D., geb. 4. März 1714, wurde
1745 Oberstlieutenant, 1749 Oberst und 1750 Ge-
neralmajor. Im Siebenjährigen Kriege zeichnete
cr sich besonders aus (Schlacht bei Görlitz, Erstür-
mung des Schlosses Schreckenstein, Belagerungen
von Olmütz und Glatz, Befreiung von Iägerndorf
u. a.). 1762 wurde D. von den Preußen gefangen.
Seit 26. Febr. 1763 Feldzeugmeifter, erhiclt er das
Generalkommando in Siebenbürgen, wo er 9. Nov.
1765 starb. -Joh an n (gewöhnlich Ianko) D., geb.
20. Okt. 1770 zu Agram, diente crst in dcr Armee,
wurde 1817 k. k. Kämmerer und beteiligte sich eifrig
an der nationalen Bewegung dcr Kroaten. 1832
wurde er Deputierter des ungar. Landtags, 1836
wirklicher Banaltafeldeisitzer, 1852 k. k. Wirkl. Ge-
heimrat. Er starb 14. Jan. 1856 zu Radkersburg.
Dr2.83U8, s. Sackspinnen.
Dr2.8ti0H, s. Drastisch.
Drastisch (grch.) bezeichnet alles, was stark oder
kräftig wirkt. Drastische Arzneien (DraZtica)
nennt man daher in der Medizin besonders die heftig
wirkenden und scharfen Abführmittel (f. Abführen).
In der Ästhetik heißen diejenigen Schilderungen
oder Darstellungen der redenden oder bildenden
Kunst drastisch, welcke von unmittelbar treffender,
Wagender Wirkung sind, oft mit dem Nevenbearifs
der Übertreibung. Der Sprachgebrauch bezeichnet
mit dem Worte befonders gern das komifch Wirkende.
Dratziger See (Draziger ^>ee), See im
Kreis Neustettin dcr preuß. Provinz Pommern. In
feiner kreuzförmigen Gestalt 12 km lang und 8 kin
breit, von der Drage durchflossen, ist er einer der
größern Seen auf dem Seeplateau Hinterpommerns.
In ihm liegen zwei Infeln, der Kalkwerder und der
Iungfernwerder.
Drau,Drava, D r av e, einer der bedeutendsten
Nebenflüsse der Donau, entspringt auf der Toblacher
Heide 1228 m hoch im Pustcrthale Tirols aus zwei
.yauptquctten und bildet nächst dem Rhönethal das
längste Alpcnthal (334km). Bei Innichen (1166 m)
nimmt sie rechts den Sextenbach auf, flieht durch die
Enge der einst befestigten Lienzer Klause in die Thal-
weitung von Lienz, wo sie sich mit der Isel vereinigt,
und erreicht bei Ober-Drauburg (610 m) Kärntcn.
Bis hier ein unbedeutender Fluh, kiN sie, nachdem
sie links die Moll, Licser, Gurk und Lavaut, rechts
bei Villach (486 m) die Gail aufgenommen hat, in
ein geöffnetes, niedriges Berg- und Hügelland. Bei
Nnter-Drauburg betritt sie Steiermarl, im N. durch
den Poßruck, im S. vom Vachergcoirge eingeengt,
bis Marburg (269 m). Von hier durchstießt sie,
links die Pößnitz, rechts die Mißling und Dran auf-
nehmend, über Friedau die südl. Steiermark, bildet
dann die Grenze zwischen ilngarn, Kroatien und
Slawonicn, durchströmt langsamen und gewun-
denen Laufs tcilweife sumpfige Niederungen, nimmt
bei Alt-Legrad ihren größten Zufluß, die 438 km
lange Mur (s. d.) auf und fällt als ein wasser-
reicher Strom bei Almas unterhalb Esscg in die
Donau. Ihre Länge beträgt 749 km, der Abstand
von der Quelle zur Mündung 532,5kni. Ihre Breite
beträgt bei Esseg 320 in. Dort erreicht sie eine Tiese
von 6 in. Die Länge ihres schiffbaren Laufs, von
Villach an, beträgt 610 kin, wovon 152 kin von
Värcs ab mit Dampfern befahren werden. Die Re-
gulierung der D. wurde von der ungar. Negierung
1874 begonnen. Seitdem sind 62 Durchstiche aus-
geführt, die den Lauf des Flusses um 75 km abkürzen.
Draufbohrer, soviel wie Drehbohrer, s. Bohrer
(Bd. 3, S. 236 d).
Draufgabe, Draufgeld, f. Arrha.
Draupnir, in der nordifchen Mythologie der
kostbare Ring, den einst die Zwerge für Odin, den
höchsten Gott, schmiedeten. Er ist das Symbol der
Sonne, aus dem sich diefe allnächtlich von neuem
erzeugt. Als solches befindet cr sich nicht nur im
Besitz des Odin, sondern auch des Frey, einer an-
dern Gestalt des urfprünglichen Himmelsgottes.
Im Mythus vom Tode Valdrs giebt Odin den
Ring dem geliebten Sohne mit auf den Scheiter-
haufen als das teuerste seiner Kleinode, ein schö-
nes Bild vom Absterben der Sonne in dcr kaltcn
Jahreszeit. D. heißt "der Tropser"; er hat seinen
Namen daher, daß jede Nacht aus dem alten ein
neuer Ring für den nächsten Tag träufelt.
Drausensee, See auf der Grenze dcr Provinzen
Ost- und Westpreußen, südöstlich von Elbmg, 10 km
lang und 4 km breit, ist der Rest eines großen
Sccnbeckcns, das sich einst wohl bis Preußisch-
.holland erstreckte; er vermittelt den lebhaften Ver-
kehr zwischen den Oberländischen Seen, mit welchen
er durch dcn Elbing-Oberländischen Kanal in Ver-
bindung steht, und seinem Zufluß, dcr Sorge, einer-
feits, sowie durch seinen Abfluß, die Elbing, mit der