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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dreschtenne - Dresden (Kreishauptmannschaft)
gleitender Stifte besitzen. Die Stiften-Dreschmaschinen, welche man hauptsächlich bei kleinern Verhältnissen anwendet, sind stets Lang-Dreschmaschinen, d. h. die Garben werden der Länge nach eingelegt; die Schlagleisten-Dreschmaschinen können dem Lang- und dem Quersystem angehören, d. h. die Einlage der Garben kann der Länge und der Quere nach erfolgen.
Nach dem benutzten Motor unterscheiden sich die Hand-, Göpel- und Dampf-Dreschmaschinen nicht nur durch die Größe ihrer Leistung, sondern auch durch die Zahl der einzelnen Arbeitsverrichtungen. Während die Zand-Dreschmaschinen (Fig. 5) nur die Körner von den Ähren trennen, wird von der Göpel-Dreschmaschine (Fig. 1) nicht nur das Stroh von den Körnern gesondert, sondern auch die letztern von der Spreu gereinigt, von der DampfDreschmaschine (Fig. 2, 3 und 4) das Korn noch besser gereinigt und gesichtet, also marktfertig geliefert, häufig auch noch das Stroh mit Hilfe eines Elevators aufgestapelt. Die Hand-Dreschmaschinen gehören fast immer dem Stiftensystem an, die Göpelmaschinen werden nach beiden Systemen gebaut, die Dampf-Dreschmaschinen haben meist eine Schlagleistentrommel und das Getreide wird der Breite nach derselben zugeführt.
Hinsichtlich der Preise und Leistungen der verschiedenen Arten ist folgendes zu bemerken: Hand-Dreschmaschinen kosten im Mittel 200 M. und dreschen mit 4 Mann an der Kurbel 500-600 kg Garben in der Stunde; bei den Göpel-Dreschmaschinen ist die Größe und infolgedessen auch Preis und Leistung sehr verschieden; ersterer schwankt zwischen 200 und 2400 M.; letztere beträgt pro Pferd 300-500 kg Garben pro Stunde; noch weniger genau sind bestimmte Angaben in dieser Richtung über die Dampf-Dreschmaschinen. Die Stiften-Dreschmaschinen kosten etwa 2000 M., die Schlagleisten-Dreschmaschinen pro Meter Breite der Schlagwelle 2500 M.; die Leistung beläuft sich auf 400-800 KZ Garben pro nominelle Pferdestärke und Stunde. Die Hauptvorzüge der D. gegenüber der Handarbeit bestehen in dem reinern Ausdrusche, also in der vollkommenern Gewinnung der Körner, in größerer Billigkeit und in der Möglichkeit, zu jeder Zeit, also auch während der Ernte, sehr viel Getreide ausdreschen zu können und dadurch die kostspielige Bergung in Scheunen u. s. w. zu umgehen. - Vgl. Perels, Handbuch des landwirtschaftlichen Maschinenwesens (2. Aufl., 2 Bde., Jena 1880); Fritz, Handbuch der landwirtschaftlichen Maschinen (Berl. 1880); Wüst, Landwirtschaftliche Maschinenkunde (2. Aufl., ebd. 1889).
Dreschtenne, der zum Dreschen (s. d.) bestimmte Raum in der Scheune (s. d.), der mit einem harten Estrich aus Lehm, Kalk, Steinplatten oder Holz versehen ist.
Dresda, der 263. Planetoid.
Dresden. 1) Kreishauptmannschaft (früher Kreisdirektion) des Königreichs Sachsen, bildet die Mitte und ist landschaftlich der schönste Teil des Landes. Sie zieht sich quer durch das Land zu beiden Seiten der Elbe und grenzt im N. an die preuß. Provinz Sachsen, im O. an die Kreishauptmannschaft Bautzen, im S. an Böhmen, im W. an die Kreishauptmannschaften Zwickau und Leipzig. Die Elbe, deren Thal reich an Obst und Wein ist, durchstießt die Kreishauptmannschaft von SO. nach NW. und teilt sie in zwei Teile, einen kleinern östlichen und einen größern westlichen; sie nimmt hier links die Biela, Gottleuba, Müglitz, Weißeritz, Triebisch, Jahna und Döllnitz, rechts die Kirnitzsch, Wesenitz, den Lachsbach mit Polenz, die Sebnitz und Priesnitz auf. Das südl. Hochland besteht aus den nordöstlichsten Teilen des Erzgebirges, aus dem Elbsandsteingebirge oder der Sächsischen Schweiz und dem südwestlichsten Teile des Lausitzer Gebirges; der nördl. Teil ist Tiefland. 45 Proz. des Bodens sind Acker und Gärten. Der Kohlenbergbau und die Sandsteingewinnung sind sehr ergiebig. Die Industrie ist fast in allen ihren Gruppen vertreten, besonders in der Schokolade-, Mühlen-, Holzstoff-, Holzwaren-, Strohhut-, Blumen-, Thonwaren-, Porzellan-, Eisen-, Papier-, Leder-, Textil-, Maschinen-, Tabak-, Blechwaren-, Kartonnagen-, chemische und Kunst-Industrie.
Die Kreishauptmannschaft hat 4336,86 qkm und (1890) 950530 (460633 männl., 489897 weibl.) E., 34 Städte mit 243,24 qkm, 433508 (210690 männl., 222818 weibl.) E. und 931 Landgemeinden mit 4093,62 qkm und 517022 (249943 männl., 267079 weibl.) E., 199111 Familienhaushaltungen mit 876971 Haushaltungsmitgliedern, 40955 Aftermietern und Schlafleuten und 6054 Besuchsfremden, 20073 einzeln lebende Personen mit eigener Hauswirtschaft und 1127 Anstalten für gemeinsamen Aufenthalt mit 20189 männl. und 6100 weibl. Insassen. Unter der ortsanwesenden Bevölkerung waren 901096 Evangelische, 43001 Katholiken (312 Griechisch-Katholische), 3287 andere Christen und 2999 Israeliten; ferner 13307 Militärpersonen. 924094 waren deutsche Reichsangehörige, 20910 Österreicher, 4211 andere Europäer und 1293 Angehörige außereurop. Staaten. 1891 waren vorhanden 3188 Fabrikanlagen, darunter 1073 mit Dampfbetrieb, 1337 mit sonstigen elementaren oder tierischen Motoren, ferner 1809 feststehende Dampfmaschinen mit 32914 durchschnittlich ausgeübtem Pferdestärken. Die Zahl der beschäftigten Arbeiter betrug 79346 (59853 männl., 19493 weibl.), darunter solche über 12 bis 14 J. alt 1471 (1059 männl., 412 weibl.), über 14 bis 16 J. alt 5218 (3834 männl., 1384 weibl.).
Die Kreishauptmannschaft zerfällt in folgende Amtshauptmannschaften:
Amtshauptmannschaften qkm Bewohne Gebäude Einwohner Auf 1 qkm Evangelische Katholische Israeliten
Stadt Dresden 31,00 9815 276522 8829 249310 22092 2616
Dippoldiswalde 652,11 7074 52766 80 52014 709 3
Dresden-Altstadt 247,94 7188 106011 428 101241 4525 74
Dresden-Neustadt 366,57 10806 102543 280 97848 4387 79
Freiberg 653,98 12009 116328 178 114351 1761 58
Großenhain 795,71 9632 72043 90 70662 1302 32
Meißen 683,17 11894 101646 149 99180 2371 40
Pirna 906,06 13892 122671 135 116490 5854 97