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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Druckkugel - Druckluftanlage
Druckkugel, überladene Trichtermine (s. d.).
Druckluft, s. Druckluftanlage.
Druckluftanlage, Preßluftanlage, eine
Einrichtung zur Erzeugung von komprimierter Luft
(Druckluft, Preßluft) und zur Verteilung derselben
auf ein größeres Gchiet behufs industrieller Ver-
wertung. D. fanden zuerst für Bergbauzwecke An-
wendung, insbesondere beim Tunnelbau. Die Ge-
steinsbohrmaschinen wurden mit verdichteter Luft
in Gang gefetzt und die verbrauchte Luft zur Venti-
lation der Arbeitsräume benutzt. Von großer Be-
deutung für die Entwicklung der Einrichtungen für
Erzeugung von komprimierter Luft sind dabei die
von Sommeiller gefchaffenen Luftkompressionsan-
lagen beim Bau des Mont-Cenistunnels. In neue-
ster Zeit finden D. Verwendung zur Verteilung von
Arbeit in Städten, speciell für das Kleingewerbe.
Die Luft wird in besondern Central en durch
Kompressoren (s.Kompressionsmaschinen)mittels
Dampfkraft komprimiert, in Sammelbehälter ge-
drückt und aus diesen durch ein Netz von Rohr-
leitungen (entsprechend den Gas- und Wasser-
leitungsröhren) in die Verbrauchsstellen verteilt, wo
sie meist als Betriebsmittel für Motoren, dann auch
zur Lüftung und Kälteerzeugung Verwendung fin-
det. Die Thatsache, daß kleine Dampfmafchinen
auch bei bester Ausführung pro Pferdestärke das
Zwei- bis Dreifache an Betriebskosten gegenüber den
großen modernen Dampfmafchinen verursachen, daß
die Betriebskosten eines Gasmotors (s. d.) einem
entsprechenden Dampfkleinmotor gegenüber nicht
wefentlich verschieden sind und daß bei Verwendung
von Druckluft die Anlage- und die Unterhaltungs-
kosten eines Dampfkessels wegfallen, ermöglicht es,
daß durch rationelle Einrichtung von D. dem Klein-
gewerbtreibenden die geringe, zum Betriebe seiner
Hilfsmaschinen erforderliche Kraft zu einem Kosten-
betrage zugänglich gemacht wird, der dem billigen
Preise nahe kommt, für den der Großindustrielle
sich durch große eigene Dampfmaschinenanlagen die
Vetriebskraft verschafft.
Große Ausbreitung hat der Druckluftbetrieb in
Paris gefunden, wo nach dem System H. Popp von
diesem mehrere Centralen in größtem Maßstabe
angelegt sind. In der ältern Centralstation für
Drucklufterzeugung waren insgesamt Dampfma-
schinen von 4000 Pferdestärken in Betrieb; eine
neue Centralanlage wird für 10000 Pferdestärken
ausgeführt, es ist geplant, sie bis 24000 Pferde-
stärken zu vergrößern. In Deutschland ist 1891 die
erste D. zur Kraftverteilung durch L. A. Niedinger,
Augsburg, in Offenbach in Ausführung und Betrieb
gekommen.
Eine D. umfaßt Einrichtungen zur Erzeugung,
Fernleitung und Verwertung der Druckluft. Die
Einrichtungen zur Erzeugung der Druckluft
umfassen die Dampfmaschinenanlagen nebst den
Kompressoren. Es finden vorteilhaft nur Maschinen
bester Art, moderne Compoundmaschinen, die mit
hohem Anfangsdruck arbeiten, Verwendung. Auch
die Kompressoren sind, den neuesten Vervollkomm-
nungen entsprechend, als Compoundkompressoren
auszuführen, wenn ein möglichst ökonomischer Be-
trieb gesichert sein soll. Hierbei wird die Luftver-
dichtung in zwei Stufen nacheinander erzielt. Im
ersten Kompressionscylinder wird die Lust auf etwa
zwei Atmofphären komprimiert und geht von da in
einen weitern Kompressor, in welchem die Verdich-
tung bis zum Enddruck weiter geführt wird, der bei
^ der Pariser Anlage sechs Atmosphären Überdruck
! beträgt. Mit einem derartigen Compoundkom-
pressor (Konstruktion Riedler) sind in Paris durch
je eine von der Dampfmaschine geleistete Pferdestärke
10,4 cdm Luft pro Stunde von atmosphärischem Druck
auf 6 kF üverdruck verdichtet worden. Die Fern-
leitung der Luft erfolgt in Röhren, welche nach
Art der Wasserleitungs- und Gasröhren in die Erde
verlegt werden. In dieser Leitung können zweierlei
Verluste eintreten: einmal Verluste durch Entweichen
von Luft aus llndichtheiten in den Röhren und
Verbindungsstellen, dann Druckverluste durch Rei-
bung der Üuft an den Rohrwandungen und beim
Durchströmen von Krümmungen, Absperrschiebern
u. s. w. Der Verlust durch Entweichen von Luft
durch Nndichtheiten der Röhren und Verbindungs-
stellen hat sich bei sachgemäßer Ausführung der
Anlage als unwesentlich herausgestellt. In betreff
des Spannungsverlustes durch Reibung der Luft
in den Rohrleitungen und fernere Widerstände haben
Versuche von Niedler und Gutermuth an der Pariser
D. ergeben, daß bei einer mittlern Luftgeschwindig-
keit von 6,5 resp. 6 in pro Sekunde in einer Leitung
mit Entwässerungsapparaten und Absperrschiebern
ein Druckverlust von nur 0,05 resp. 0,07 Atmosphären
für jeden Kilometer Leitungslänge zu rechnen ist.
Der Durchmesser der Hauptleitung für die neue
10000pferdige Centralanlage in Paris beträat
500 min im Ächten; sie wird aus genieteten Blech-
röhren hergestellt.
Die Verwertung der Druckluft geschieht in den
Luftmaschinen. Als Druckluftmaschine kann jede
Dampfmaschine Verwendung finden; es sind auch
meist alte Dampfmaschinen als Drucklustmotoren
benutzt worden, und erst in der neuesten Zeit hat
man angefangen, speciell für Druckluftbetrieb ein-
gerichtete Maschinen, insbesondere Kleinmotoren
zu bauen, die sich aber principiell von den Dampf-
maschinen nicht unterscheiden. Die Lust kann den
Motoren direkt aus der Leitung zugeführt werden;
es ist jedoch von bedeutendem Vorteile, die Druck-
luft vor der Zuführung zum Motor erst zu erwär-
men. Diese Erwärmung, eine nachträgliche Energie-
zuführung, hat bei gleichbleibender Spannung eine
Ausdehnung der Luft zur Folge und zieht den Luft-
verbrauch pro Pferdestärke und Stunde ganz be-
deutend herab; außerdem wird bei Vorwärmung
auch die Austrittstemperatur der Luft erhöht. Läßt
man die Druckluft bei gewöhnlicher Bodentempe-
ratur in die Mafchine eintreten, so kann infolge der
Erpansion und Arbeitsleistung die Temperatur der
Austrittsluft bis auf 40" 0. Kälte herabgehen, was
bei reinem Motorbetriebe der Luftmafchine wegen
der möglichen Eisbildung Nachteile mit sich bringt.
Bei Betrieb mit nicht vorgewärmter Luft kann aber
diefe kalte Austrittsluft zu Kühlungszwecken ver-
wendet werden. Die Vorwärmuna der Luft ge-
schieht in Vorwärmeöfen. Von L. A. Riedinger
in Augsburg werden diese derart ausgeführt, daß
die Druckluft in einem schmiedeeisernen Spiralrohre
um einen gußeisernen Füllschacht yerumgeleitet wird,
welcher auf dem unten eingebauten Rost das Brenn-
material (Koks) enthält. Kleine Lustmaschinen mit
Erpansion gebrauchen ohne Vorwärmung der Luft
etwa 30 edm, mit geringer Vorwärmung um etwa
50° 0. gegen 24 edm Druckluft für die effektive
Pferdestärke und Stunde, während in Paris an
einer ältern Dampfmaschine von etwa 70 Pferde-
stärken bei Vorwärmung der Druckluft bis aus