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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Drüsen - Drusenöl

durch die D., Sommer 1860, sah sich die Pforte veranlaßt, das einheitliche Regiment des Gebirges unter einem christlichen, aber nicht dem einheimischen Adel entnommenen Chef mit dem Titel Pascha herzustellen. Zugleich wurden Maßregeln getroffen, die feudalen Bande in der Nation, auf denen ihr Übergewicht im Kriege beruhte, zu brechen und den Adel seines Einflusses zu berauben. - Vgl. Silvestre de Sacy, Exposé de la religion des Druses (2 Bde., Par. 1838); Wildenbruch, Ein Blick auf den Libanon (Berl. 1860); Petermann, Reisen im Orient, Bd. 1 (2. Aufl., Lpz. 1865); Guys, La nation druse" (Par. 1864); Lord Caernarvon, The Druses of the Lebanon (Lond. 1869). Am ausführlichsten behandelte Churchill die D. in "Residence at Mount Lebanon" (4 Bde., Lond. 1855-62).

Drüsen (Glandulae), Bezeichnung einer großen Anzahl unter sich wesentlich verschiedener Organe des tierischen und menschlichen Körpers, welche ziemlich unpassend unter diesem Namen zusammengefaßt werden. Zunächst lassen sich zwei große Gruppen von D. unterscheiden, die echten oder die Absonderungsdrüsen und die unechten oder Blut- und Lymphdrüsen. Die Lymphdrüsen (s. d.), kleine, derbe, bohnenförmige Organe, werden besonders vom Volksmunde als D. bezeichnet; in ihnen erleidet der aus der Nahrung gewonnene Chylus (s. d.) beträchtliche chem. Veränderungen und wird durch die Beimengung zahlreicher charakteristisch geformter Elemente, der sog. Chylus- oder Lymphzellen, in eine dem Blute vielfach ähnliche Flüssigkeit umgewandelt. Als Blutdrüsen unterscheidet man eine Gruppe von größern, den Lymphdrüsen verwandten Organen, welche, wie diese, gleichfalls durch die Bildung der weißen Blutkörperchen eine wichtige Rolle bei der Blutbildung spielen; hierher gehören die Milz (s. d.), die Schilddrüse (s. d.), die Thymusdrüse (s. d.).

Die echten D. sind sämtlich Absonderungsorgane, d. h. es wird in ihnen aus dem Blute eine besondere Flüssigkeit bereitet, welche durch einen Gang, den Ausführungsgang, abfließt. Dieser Gang mündet, je nach der Bestimmung der D., entweder auf die äußere Haut (Schweißdrüsen, Talgdrüsen, Milchdrüsen) oder auf die Schleimhaut, welche den gesamten Nahrungskanal, von der Mundhöhle bis zum After, auskleidet (Schleimdrüsen, Speicheldrüsen, Magen- und Darmsaftdrüsen). Nur zwei D. ergießen ihre Absonderungsflüssigkeit nicht direkt auf Haut oder Schleimhaut, sondern zuvor in ein Reservoir, in welchem sich das Sekret ansammelt, um dann von Zeit zu Zeit in Masse entleert zu werden; dies sind die Leber und die Nieren. Die von der Leber gebildete Galle wird zunächst in der Gallenblase aufgespeichert und von da durch einen besondern Kanal in den Darm ergossen. Eine ähnliche Rolle spielt die Harnblase gegenüber den Nieren, welche den Harn absondern. Hinsichtlich ihres Baues unterscheidet man traubenförmige und schlauchförmige D. Die traubenförmigen oder acinösen D. bestehen aus Gruppen von mikroskopisch kleinen runden Bläschen, welche wie die Beeren einer Traube an einem Stiele sitzen, nur daß die Beeren sowohl als der Stiel hohl sind. Mehrere solche Träubchen vereinigen sich, indem ihre Stiele zusammenfliehen, zu einem größern Träubchen, mehrere solche zu einem noch größern, bis endlich alle Stiele in einen großen, den Ausführungsgang der D., zusammengeflossen sind.

Daß man diesen traubenförmigen Bau nicht sogleich von außen erkennt, liegt daran, daß die einzelnen Läppchen der D. durch faseriges Gewebe fest untereinander vereinigt sind und außerdem gewöhnlich die ganze Drüse noch von einer bindegewebigen Kapsel umschlossen ist. Solche traubenförmige D. sind die Speicheldrüsen, die Schleimdrüsen, die Talgdrüsen, die Milch- oder Brustdrüsen und in gewissem Sinne auch die Lunge, welche freilich keine Flüssigkeit, sondern ein Gas, nämlich die Kohlensäure, absondert. Die schlauchförmigen oder tubulösen D. bestehen aus mikroskopisch feinen langen Röhrchen, welche entweder jedes für sich ausmünden (wie die Magensaft- oder Labdrüsen, die Darmsaftdrüsen, die Schweißdrüsen) oder sich untereinander vereinigen und einen gemeinschaftlichen Ausführungsgang haben (wie die zahlreichen Harnkanälchen der Niere). Entweder verlaufen diese Röhrchen gerade oder sie winden sich knäuelförmig zusammen (Schweißdrüsen, Harnkanälchen). Sowohl die Röhrchen der Schlauchdrüsen als die Bläschen der Traubendrüsen sind mit einer einfachen oder mehrfachen Schicht von cylindrischen oder plattenförmigen Zellen ausgekleidet, den sog. Drüsenzellen oder dem Drüsenepithel, welches die Hauptrolle bei der Absonderung (s. d.) spielt. Außerdem ist jedes Röhrchen oder Bläschen von einem dichten Netz feinster Äderchen umsponnen. Aus dem diese Äderchen durchströmenden Blute schwitzen gewisse Stoffe in die Epithelzellen hinüber, werden hier chemisch umgewandelt und gelangen als specifisches Drüsensekret aus den Röhrchen oder Bläschen durch den Ausführungsgang der D. an den Ort ihrer Bestimmung. Die Funktionen der D. werden durch die vom Willen ganz unabhängigen Drüsennerven beeinflußt, welche teils den Füllungsgrad der die einzelnen D. mit Blut versorgenden Blutgefäße regulieren, teils mit den Drüsenzellen selbst in Verbindung stehen und aus die qualitative Zusammensetzung des betreffenden Absonderungsprodukts von bestimmendem Einfluß sind. Wegen ihres großen Gefäßreichtums erkranken die D. sehr leicht und neigen namentlich zu entzündlichen Prozessen, die häufig mit Absceßbildung verbunden sind. Die chronische Entzündung mehr oder minder zahlreicher D. bedingt die sog. Drüsenkrankheit oder Skrofulose (s. d.).

Drüsen der Pflanzen, s. Haare.

Drusenbranntwein, ein durch Destillation der Drusen (s. d.) bereiteter Branntwein.

Drüsendarre, Kinderkrankheit, s. Darrsucht.

Drüsenepithel, s. Drüsen.

Drüsenfrucht, s. Adenocarpus.

Drüsenhaare der Pflanzen, s. Haare.

Drusenhaut, s. Drusen (mineralog.).

Drüsenkrankheit, s. Skrofulose.

Drüsennerven, s. Drüsen.

Drusenöl, natürliches Cognacöl, oder Weinöl, ein durch Destillation der Weinhefe gewonnenes Öl, das nach der Verdünnung mit entfuseltem Branntwein einen intensiven Weingeruch zeigt und zur Aromatisierung von künstlichem Cognac verwandt wird. Zur Darstellung werden 100 kg Hefe in einem Destillierapparat mit der gleichen Menge Wasser angerührt, mit 1 kg Schwefelsäure versetzt und durch direkt einströmenden Dampf der Destillation unterworfen. Es geht dabei in eine schwach alkoholische Flüssigkeit über, auf der schwarze Öltropfen schwimmen. Diese werden gesammelt und mit Wasser von neuem destilliert, wodurch das Öl farblos wird.