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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Duschan - Düssel
der engl. und deutschen Sprache, seit 1771 der
Philosophie und Mathematik und starb 18. Dez.
1787. Als Dichter hat er sich vornehmlich in der
didaktischen Gattung und im komischen Epos ver-
sucht, so in "Das Toppe" (Lpz. 1751), "Der
Schoßhund" Mona 1756) u. a. Dcn Prosaiker
D. hat Lessing wiederholt als seichten und flüchti-
gen Vielschreiber gebrandmarkt; doch fanden lehr-
hafte Schriften, wie die "Moralischen Briefe zur
Bildung des Herzens" (2 Tle., Lpz. 1759; 2. Aufl.
1772) und die "Briefe zur Bildung des Geschmacks"
(6 Tle., Vresl. 1764-73; 2. Aufl. 1773-79), so-
wie die Briefromane "Geschichte Karl Ferdiners"
/3 Tle., ebd. 1776-80) und "Die Pupille" (Altona
1798) beim großen Publikum Beifall. D. hat auch
Popes Werke (5 Bde., ebd. 1758-63) sehr schlecht
übcr-setzt. Von seinen "Sämtlichen Poet. Werken" er-
schien nur der 1. u. 3. Teil (Altona 1765 u. 1767).
Dufchan, Serbenfürst, s. Stephan Duschan.
Dufche, f. Douche.
Duschet, Franz, ungar. Staatsmann, geb.
28. Aug. 1797 zu Radowesnitz in Böhmen, studierte
in Ofen, Erlau und Pest, trat 1819 als Praktikant
bei der ungar. Hofkammer ein und wurde 1845
Vicepräsident derfelben. Nach dem Ausbruche der
Bewegung von 1848 machte ihn Kossuth als Finanz-
minister zu seinem Nnterstaatssekretär. Nach der Un-
abhängigki'itserklärung vom 14. April 1849 über-
nahm er im Ministerium Szemere die Finanzen,
folgte der Negierung auch nach Szegcdin, wurde
aber trotzdem nach der Unterdrückung der Revolution
von der österr. Negierung, der er einen Schatz von
5 Millionen an Gold und Silber übergab, nicht
weiter behelligt. Er starb 17. Okt. 1873.
Duschet. 1) Kreis im nördl. Teil des Gouverne-
ments Tistis in Nussisch-Transkaukasien, am Süd-
abHange des Kaukasus, hat 3912,5 ykui mit 65 619
E. - 2) Kreisstadt im Kreis D., 54 km nordnord-
westlich von Tistis, in 886 m Höhe, an einem Zu-
fluß der Aragwa und an der georgischen Heerstraße,
hat (1886) 2041 E., meist Armenier, auch Georgier,
in Garnison die 4. kaukas. Schützen-Druschine;
Post und Telegraph, 5 Kirchen, ein altes Schloß
und Ruinen; Obst- und Weinbau sowie Weberei.
Düse, die verengte Mündung bei den Gebläsen
der Hüttenwerke, durch die die zur Verbrennung
notwendige Luft aus der Windleitung in den Feuer-
raum tritt.
Dufe-Eheechi (spr. kekki), Eleonora, ital. Schau-
spielerin, geb. 3. Okt. 1859 in Vigevano, verheiratet
mit dem ital. Schauspieler Tebaldo Checchi (jetzt
in Buenos-Aires), trat seit 1881 mit immer wach-
sendem Beifall in allen größern Städten Italiens
auf und wird für die größte ital. Schauspielerin ge-
halten. Gleichen Enthusiasmus erregte sie in Spa-
nien, Rußland, Amerika, Wien und 1893 in
Deutschland. Die D. ragt hervor durch meisterhafte
Beherrschung des Empfindungsausdrucks. Die
größten Erfolge erzielte sie in den weiblichen Haupt-
rollen der Sittendramen von Sardou und Dumas.
Dufenbach, ehemalige Wallfahrtskapelle im
Oberelsaß bei Rappoltsweiler (s. d.).
Dusing, auch Duch sing, Teu sink (vom alten
än5, 608, tliu8, äu8, "Getöse"), zur Zeit der Schellen-
tracht im Mittelalter der mit Glocken und Schellen
behängte Gürtel (s. d. und Tafel: Kostüme II,
Fig. 7). Er kommt in Lübeck schon 1369 vor; 1474
wird daselbst den Frauen der Gebrauch des D. von
Rats wegen verboten.
Dusommerard (spr. düssommerahr), Alexandre
franz. Altertumsforscher, geb. 1779 zu Var-sur-
Aube, diente 1793 als Soldat in den Revolutions-
kriegen, wurde dann Nat in der Rechnungskammer,
bereiste Frankreich und Italien und starb 19. Aug.
1842 zu St. Cloud. D. ist der Begründer der
unter dem Namen Nu866 Own^ zu Paris berühm-
ten Sammlung mittelalterlicher Kunstgegenstände
und Gerätschaften, die er zur Zeit des ersten Kaiser-
reichs und der Restauration zusammenbrachte und
seit 1832 zur Ausschmückung seiner Wohnung, des
Hotel de Cluny <s. Cluny), in der Rue des MathurinZ,
verwendete. Abbildungen der merkwürdigsten Stücke
finden sich in dem vom Besitzer angefangenen Pracht-
werke "1^63 llltz au ino^sn aF6" (5 Bde., Par. 1838
-46, nebst Atlas und Album). Nach dem Tode D.s
wurde sein Haus mit der darin befindlichen Samm-
lung vom Staate angekauft und in ein öffentliches
Museum verwandelt. - Sein Sohn, Edmond D.,
geb. 27. April 1817 zu Paris, war seit dem Tode
seines Vaters Konservator des Nu866 Olun?, dessen
Katalog er herausgab. Er starb 5. Febr. 1885.
Dusra.lK (vu88HrÄii), s. Durgä.
Duffard (spr. düssahr), Hippolyte, franz. Natio-
nalökonom, geb. 4. Sept. 1798 zu Morez (Depart.
Jura), war 1843-46 Hauptredacteur des "Journal
ä63 600U0iui8t68'>, wurde beim Beginn der Februar-
revolution 1848 zum Präfekten des Depart. der
Nicderseine ernannt; auch war er Mitglied des
von der Konstituierenden Versammlung eingesetzten
Staatsrats. Er starb 22. Jan. 1876 zu Myer.
Unter seinen Schriften sind hervorzuheben: "vs
1'etat ÜQ3.Qei6i' ä6 i'^uFisterrs st äs8 uikLures pro-
P08668 par 168 ^v1i1F8 et 168 toi'168" (1842), "I^6X-
p08iti0Q UlliV6l-86li6 äs I^0Qär68" (1851), "1^6
Ci-6l1it 6t 1a proäuctioQ IHrioole" (1853).
Duffek, Joh. Ludw., Pianist und Komponist,
geb. 9. Febr. 1761 zu Caslau in Böhmen, zeichnete
sich, von seinem Vater, einem tüchtigen Organisten,
gebildet, früh als Klavier- und Orgelspieler aus,
erregte 1784 durch sein Spiel in Berlin und Peters-
burg Auffehen, lebte dann beim Fürsten Karl von
Nadziwill in Litauen und ging 1786 nach Paris,
von wo er auch Italien befuchte. Beim Ausbruch
der Französischen Revolution wandte sich D. nack
London, wo er sich verheiratete und mit seinem
Schwiegervater Corri, einem bekannten Gesang-
und Klavierlehrer, eine Musikalienhandlung grün-
dete, die ihn in so mißliche Lage brachte, daß er
England 1800 heimlich verlassen mußte. Er ging
zunächst nach Hamburg, lebte dann in einer vor-
nehmen Familie in Holstein und besuchte 1802 sein
Vaterland. In demselben Jahre zog ihn der musik-
liebende Prinz Louis Ferdinand von Preußen an
sich, nach dessen Tode er 1806 in die Dienste des
Fürsten von Isenburg, 1808 zu Paris in die des
Fürsten von Talleyrand trat. Im Hause des letz-
tern starb er 20. März 1812. D.s Hauptkraft lag
im gefangreichen Spiel und in dem großen, vollen
Ton. Von feinen Klavierkompositionen sind 76 Werke
gedruckt: Konzerte, Sonaten (die schönste u. d. T.
"N6F16" auf den Tod des Prinzen Louis Ferdinand),
Trios, Quartette und Quintette fowie zahlreiche klei-
nere Stücke. Viele fesseln noch heute durch Melodien-
reiz, Gefühlsinnigkeit und Fluß der Darstellung.
Dussel, Nebenfluß des Rheins, entspringt west-
lich von Elberfcld, treibt Mühlen und zahlreiche
Wasserwerke und mündet nach 45 km Lauf bei Düssel-
dorf in den Rhein.