Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

650
Dynamitgeschütze - Dynamomaschinen
erleidet leine Veränderung durch Feuchtigkeit; es be-
wirkt große Arbeitsersparnis, weil weniger Bohr-
löcher von geringerm Durchmesser erforderlich sind,
ferner Ersparnis an Kosten; obgleich nämlich D.
3^/2- bis 4mal soviel kostet als Pulver, leistet es
doch 8mal soviel; ferner verbreitet es keine schäd-
lichen Gase; außerdem ist seine Anwendung, wenn
die Arbeiter über seine Eigenschaften gehörig belehrt
sind, verhältnismäßig gefahrlos. Die Produktion
an^D. beträgt in Europa etwa 7000 t.
Für den Gebrauch wird das Dynamitpulver in
6-7 cm lange und 1,5-2 cm dicke Patronen aus
Pergament fest eingedrückt. In Steinkohle kann
das Pulver locker verwendet werden. Zur Zündung
bedient man sich einer Zündschnur mit aufgeschobe-
nem und mittels Zange darauf festgctniffenem Zünd-
hütchen; diese wird 3 cm tief in das Pulver gescho-
ben, dies fest angedrückt und die Patrone mit einem
Papicrstöpsel geschlossen. Die Verdammung wird
aus losem Sande hergestellt. Anstatt der Zünd-
schnüre (s. Leitfeuer) benutzt man vorteilhafter die
elektrische Zündung, d. h. man entzündet die aus Ka-
liumchlorat und Schwefelantimon oder Phosphor-
kupfer bestehende Zündmasse durch den elektrischen
Funken. Über Herstellung, Aufbewahrung, Trans-
port und Verwendung des D. s. Sprengstossgesetz.
Vgl. Jahresbericht über die Leistungen der chem.
Technologie, hg. von N. von Wagner und Fcrd.
Fischer (Lpz. 1870 fg.); I.Mahler, Die moderne
Sprengtechnik (Wien 1873); E. von Meyer, Die Er-
plosivkörper (Vraunschw. 1874); Trauzl, Die neuen
Sprengstoffe (Wien 1885); Guttmann, Handbuch
der Sprengarbeit (Vraunschw. 1893); Häußermann,
Sprengstoffe und Zündwaren (Stuttg. 1894).
Dynamitgeschütze, s. Pneumatische Geschütze.
Dynamitgesetz, s. Sprengstoffgesetz.
Dynamitkanonen, s. Pneumatische Geschütze.
Dynamo-elektrische Maschinen, s. Dynamo-
maschinen.
Dynamolögie (grch.), Lehre von den Natur-
kräften, auch von den Kräften der Arzneien.
Dynamomaschinen (grch. ä^uamiZ, "Kraft"),
Dynamo-elektrische Maschinen oder auch
schlechtweg Dynamo, im weitern Sinn alle Ma-
schinen zur Erzeugung von elektrischem Strom unter
Auswendung motorischer Kräfte, im engern nach
dem Dynamoprincip (s. d.) konstruierte Maschinen.
In ihrer heutigen Gestalt bildet die Dynamo-
maschine einen vollendeten Apparat, worin die
Umwandlung der eingeleiteten mechanischen in
elektrische Energie sich nach einem Güteverhältnis
vollzieht, das sür Verbcsserungen nur noch wenig
Spielraum läßt. Aber selbstverständlich hat sie eine
ganze Reihe sehr wesentlicher Verbesserungen durch-
zumachen gehabt, ehe sie auf dem heutigen Stand-
punkt angelangt war und die Grundlage einer
großen, durch sie geschaffenen Industrie, der heuti-
gen Elektrotechnik, besonders des Elettromaschinen-
baues, werden konnte. Doch liegt die Konstruktion
der ersten derartigen, damals freilich noch nicht
nach dem Dynamoprincip ausgeführten Maschine
kaum 60 Jahre hinter uns. Anfang der zwanziger
Jahre hatten Faraday und Varlow gezeigt, wie man
elektrischen Strom in Bewegung und damit Strom-
encrgie in mechanische umsetzen könne; 1831 gab
Faraday durch seine Entdeckung der Induktion
(s. d.) den Nachweis der Umkchrbarkeit dieser Um-
wandlung und damit die Grundlage jeglicher Er-
zeugung von elektrischer Energie unter Auswand
von mechanischer. Die Anwendung lieh nicht lange
auf sich warten.
Schon das folgende Jahr, 1832, brachte die ersten
Maschinen, die von Dal Negro und von Pirii, letz-
tere im September durch Hachette der Pariser
Akademie vorgelegt. (S.Tafel: Dynamomaschi-
nen I, Fig. 1.) Bei beiden wird der Strom er-
zeugt in auf Weicheisen gewickelten Drahtspiralen
oder Spulen, die gegenüber den Polen eines
Magnets derartig bewegt werden, daß sie sich die-
sen annähern und sich wieder von ihnen entfernen.
Bei Dal Negro ist diese Bewegung eine oscilla-
torisch hin und her gehende, bei Pirii wie bei säst
allen spätern Maschinen eine drehende. Ursache des
Stroms ist bei beiden der Hauptsache nach die Än-
derung des magnetischen Zustandes der Spulen-
kerne. Diese werden bei Annäherung an die Pole
durch magnetische Induktion zu einem Magneten,
verlieren den erlangten Magnetismus aber ebenso
schnell wieder bis aus Spuren, den sog. remanenten
Magnetismus, wenn sie sich wieder von ihm ent-
fernen. Nur in geringem Grade trägt zur Erzeugung
des Stroms bei die Bewegung des die Spule bilden-
den Drahtes selbst in Bezug auf den Magneten oder,
wie man sich heute ausdrückt, in Bezug auf das von
ihm gebildete magnetifche Feld (s. d.). Das Gleiche
gilt noch für längere Zeit für alle folgenden Kon-
struktionen, von denen hier nur die von Saxton
(1833), von Clarke und von Iacobi (1835), ferner
die von Stöhrer (1844) mit sechs, statt wie bisher
mit nur zwei Polen, und endlich die ersten eigent-
lichen Großmaschinen, die von Nollct (1849) und
von Holmes (1856) mit 50 bis 60 und mehr Polen,
noch genannt werden mögen.
Mit einer Maschine der letztern Konstruktion wur-
den 1857 im Auftrage der engl. Regierung unter
Leitung von Faraday bei Vlackwall Versuche an-
gestellt, die zur Ausrüstung des einen der beiden
Leuchttürme von South-Foreland mit einer solchen
führten, der 8. Dez. 1858 zum erstenmal in dem
neuen elektrischen Licht erstrahlte. Aus der von
Nollet bildete sich nach einer Reihe von Umgestal-
tungen die Maschine der Pariser Compagnie
L'Älliance (s.Taf.I, Fig. 4), die vielfach gleich-
falls zur Stromlieferung für Leuchttürme, aber
auch zur Beleuchtung von Vauarbeiten bei Nacht,
fo u. a. beim Sueskanal, benutzt wurde und auch
im Deutfch-Franzöfischen Kriege von 1870 und 1871
eine Rolle spielte, wo sie durch Beleuchtung des
Vorgeländes vom Mont-Valerien aus die nächt-
lichen Arbeiten der Belagerer erschwerte.
Da es nur auf die Relativbewegung der Spule
in Bezug auf die Pole ankommt, so ist es im Prin-
cip gleichgültig, ob, wie bei Pirii, der Magnet, oder,
wie bei den meisten spätern, die Spulen sich bewegen,
oder ob endlich, was vielfach vorgeschlagen, der kon-
struktiven Schwierigkeiten halber aber wohl kaum
ausgeführt worden, zur Vergrößerung der Relativ-
geschwindigkeit und damit der den Strom erzeugen-
den elektromotorischen Kraft beide einander entgegen
bewegt werden. Die erzeugten Ströme sind (wenn
von den für die Praxis unbrauchbaren Unipolar-
maschinen ^s. d.^> abgesehen wird) in allen Fällen
Wechselströme, d. h. sie wechseln ihre Richtung im
Augenblick des Übergangs von gegenseitiger An-
näherung von Spule und Pol in Entfernung der-
selben voneinander, also in dem Augenblick, in
welchem erstere den letztern gegenüberstehen. Für
eine ganze Reihe von Anwendungsformen sind sie