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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Dynamomaschinen
so ader nicht zu gebrauchen, müssen vielmehr durch
einen besondern Apparat, den Kommutator oder
Kollektor (s. d.), dessen Funktion derjenigen der
Steuerung einer Dampfmaschine sehr nahe verwandt
ist, in gleichgerichtete oder, wie man sie kurz nennt,
in Gleichströme verwandelt werden, und man unter-
scheidet hiernach Maschinen mit Steuerung oder
Gleichstrommaschinen und Maschinen ohne
Steuerung oderWechselstrommaschinen. Die
ersten Maschinen waren Wechselstrommaschinen, und
erst an einer spätern Ausführung brachte Pirii einen
Kommutator an. Von den spätern Großmaschinen
waren die von Rollet und von Holmes Glcichstrom-
maschinen, die Allianccmaschine nur in ihren ersten
Ausführungen; in der Folge ließ man den Kommu-
tator weg, weil er der großen Zahl der Wechsel hal-
ber, die er bei der Vielheit der Pole bei jeder Um-
drehung zu vollziehen hatte, sich als eine Quelle be-
ständiger Störungen und großer Verluste erwies
und Vogcnlichtbeleuchtung, die einzige Anwen-
dungsform der damaligen Maschinen, auch mit
Wechselstrom möglich war.
Waren alle bis jetzt besprochenen Maschinen im
letzten Grunde Nachbildungen der Pirii-Maschine,
von der sie sich nur durch ihre Größe und durch
die Anzahl der Pole und die hierdurch bedingte kon-
struktive Umgestaltung des Kommutators unter-
schieden, so fehlte es doch auch schon damals nicht
an Vorschlägen zu Änderungen principieller Art,
durch die, wenn man ihren Wert erkannt und sie
weiter ausgebildet hätte, manche der sehr viel spä-
tern Verbcsserungen der Maschine würden vorweg-
genommen sein. Dies gilt sowohl hinsichtlich der
Anordnung der Spule bez. des von ihrer Gesamt-
heit gebildeten Induktors oder, wie er heute
meist genannt wird, des Ankers, als auch hin-
sichtlich der Zusammenfassung der in ihm erzeugten
Ströme, der Steuerung. So hatte bereits 1841
Elias in seiner "Lesoki'^viuss eonoi' uieuve Nac1iin6
t61' ä^U^VoillliNF V3.U 1i6t I^i6cti'0INlIZI16ti3MU8 klg
L6^v663ivlac1it" (Haarlem) dem Anker die heute meist
gebräuchliche Form des sog. Ningankers (s. d.) ge-
geben, indem er die Spulen auf einem einzigen, in
sich zurücklaufenden, also einen geschlossenen Ring
bildenden Weicheisenkern anordnete, den er vor den
Polen des Magneten sich drehen ließ (s. Taf. I,
Fig. 2). Dadurch wurden nicht allein die einzelnen
Windungen der Spulen selbst in unmittelbare Nähe
der Pole, vor denen sie sich vorbeibewegten, gebracht,
und dadurch in sehr viel höherm Grade als bisher
zur Stromerzeugung mit herangezogen, es trat auch
an die Stelle der beständigen Umkehr des Magne-
tismus innerhalb der Kerne bei jedem Polwechsel die
für den zeitlichen Verlauf des Stroms i'chr viel gün-
stigere gleichförmige Verschiebung der Pole inner-
halb des Ringes. Anen Anlauf nach derselben Rich-
tung hin hatte vor Elias schon Wheatstone (1841)
genommen, war ader aus halbem Wege stehen ge-
blieben. Es folgten Greenough (1851), Pacinotti
(1860; s.Taf.I, Fig. 5), Worms de Romilly (1806),
Siemens (1867) und endlich Gramme (1870), die,
jeder ohne von den vorigen zu wissen, den Ring-
ankcr immer wieder aufs neue erfanden. Siemens
erreichte dasselbe Ziel schon 1856 mit seinem be-
kannten Cylinder-Induktor (s. d.) auch noch auf
einem andern Wege (s. Taf. I, Fig. 3).
Die erste wesentliche Verbesserung in der Zu-
sammenfassung der Ströme rührt von Wheatstone
her, der 1841 den in seinem zeitlichen Verlauf sehr
ungleichmäßigen Strom der damaligen Maschine
dadurch zu einem gleichmähigern machte, daß er
mehrere Maschinen, jede mit einem eigenen Kom-
mutator versehen und gegen die benachbarten um
den gleichen Winkel versetzt, staffelförmig, wie die
Stufen einer Wendeltreppe, auf einer einzigen Achfe
anordnete. Durch entsprechende Verbindung der
den Strom abnehmenden Kommutatorfedcrn oder
Bürsten (s. d.) konnten die veränderlichen Ströme
der Einzelmaschinen zu einem Summenstrom ver-
einigt werden, der, wie leicht ersichtlich, wie der
Förderstrom einer Reihe gegeneinander versetzter
Kurbelpumpen, um so gleichmäßiger stießen mußte,
je größer die Zahl der Einzelmaschinen der von
Wheatstone LiLctro - in^uotie d^Nor^ genannten
Verbindung ist. Denselben Gedanken hatte dann
1860, ohne von Wheatstone zu wissen, auch der Pro-
scssor an der Universität Pisa, Antonio Pacinotti,
durchgeführt, war aber noch einen Schritt weiter ge-
gangen. Wheatftones Konstruktion war im Grunde
genommen weniger eine Maschine als ein Aggregat
von Maschinen und infolge der vielen Einzclstcue-
rungcn verhältnismäßig kompliziert. Pacinotti, der
übrigens auch seine Schleifen nicht wie Wheatstone
staffelförmig, sondern in einem einzigen großen Kreise
bez. auf einem Ringe liegend anordnete, erfetzte die
letztern durch eine einzige für alle Schleifen dienende
Steuerung, dcnK o ll e k to r(s.d.). Andere Steuerun-
gen zu demselben Zweck gaben schon vorher Daven-
port (1837), Grecnough (1851) und Bcssolo (1855);
letztere beide der von Pacinotti nahe verwandt. Die-
selben sind aber kaum häufiger angewandt worden.
Waren also nicht allein die beiden Haupttypen
des Ankers der heutigen Dynamo, der Ring und
der Cylinder oder die Trommel, sondern auch die
Steuerung derselben bereits bekannt und wäre durch
eine geschickte Zusammenfassung derselben immerhin
etwas Bedeutendes und in vielen Fällen Brauch-
bares geschaffen worden: ein neuer, wichtiger Zweig
der Industrie, wie dies in der That geschehen ist,
würde aber wohl schwerlich durch dieselbe ins Leben
gerufen worden sein. Dazu fehlte noch als Schluß-
stein die 1867 erfolgte Entdeckung Werner Siemens',
das von ihm so genannte Dynamo Princip (s. d.).
Die erste nacb diesem Princip gebaute Maschine ist
auf Taf. I, Fig. 6 dargestellt.
War man bis dahin für das Magnctgcstell auf
Stahlmagncte angewiesen, deren Magnetismus im
Verhältnis zu ihrer Masse gering und die zudem
durch die bei der raschen Umdrehung des Induktors
unvermeidlichen Stöße einen großen Teil dieses
Magnetismus sehr bald wieder verloren, so zeigte
nun Diemens, wie man viel stärkere Maschinen als
bisher ganz ohne Anwendung permanenter Ma-
gnete herstellen könne, womit, wie er in sofortiger
Erkenntnis der ungeheuern Tragweite seiner Ent-
deckung seine Mitteilung an die Akademie schließt:
".....der Technik nun die Mittel gegeben sind,
elektrische Ströme unbegrenzter Stärke auf billige
und bequeme Weise überall da zu erzeugen, wo
Arbeitskraft disponibel ist, eine Thatsache, die auf
mchrern Gebieten derselben von wesentlicher Be-
deutung sein wird". Wie sehr er mit dieser seiner
Prophezeiung recht hatte, sollte sich bald zeigen und
würde sich noch früher gezeigt haben, wenn eine der
soeben besprochenen Konstruktionen, namentlich die
von Pacinotti, die, für das Physik. Kabinett der Uni-
versität Pisa gebaut und nur in einer wenig verbrei-
teten ital. Zeitschrift, dem "^uovo (^iinLuto", be-