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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Edelinck - Edelkoralle
Gdelinck, Gerard, niederländ. - franz. Kupfer-
stecher, geb. 20. Okt. 1640 zu Antwerpen, erhielt
seit 1665 in Paris seine Ausbildung, wo ihn Lud-
wig XIV. durä) Gunstbezeigungen zu fesseln wußte.
Als Kupferstecher des Königs und Mitglied der
Malerakademie starb er daselbst 2. April 1707. Ein
einfacher und dabei glänzender Grabstichel, richtige,
leichte Zeichnung, Naturtreue und eine große Ein-
heitlichkeit der Ausführung weisen E. einen hohen
Rang unter seinen Kunstgenossen an; er gehört zu
denjenigen Stechern, welche den malerischen Stil
in diese Technik einführten. Unter seinen 420 Kupfer-
stichen sind hervorzuheben die große heilige Familie
nach Nasfael, Alexanders Besuch bei der Familie
des Darius nach Lebrun und vor allen das Kreuz,
von Engeln umgeben, nach Lebrun. Bei seinen
gröhern Blättern nach histor. Gemälden verfuhr er
oft ohne Rücksicht auf deren Wert; viele Bilder sind
erst durch seine Meisterhand berühmt geworden.
Auch im Porträtstich, deren er eine große Anzahl
hinterlassen hat, war er sehr glücklich. Weder sein
Bruder Johann E. (geb. 1630), noch sein ^ohn
Nikolaus E. (geb. 1680 zu Paris, gest. 1768),
die ihm in seiner Kunst nacheiferten, haben ihn er-
reicht. - Vgl. H. Delaborde, 6. 6. Mr. 1886).
Gdeling, im Mittelalter bei den Angelsachsen
und Franken der Angehörige des hohen Adels, aus
dessen Kreisen die Fürsten gewählt wurden.
Edelkastanie ((^lanea v68ca. <?">^.), zum
Unterschied von der Roßkastanie (s. d.) auch gute
Kastanie genannt, ein zur Familie der Cupulifercn
(s. d.) gehöriger Baum, der urfprünglich in Klein-
asien zu Hause ist, aber seit langen Zeiten auch wild
oder doch verwildert im ganzen wärmcrn Europa, in
Deutschland bis an den Main, in geschützten Lagen
auch in Norddeutschland vorkommt und gedeiht. Der-
selbe erreicht auf günstigem Standort in 60 Jahren
eine Höhe von reichlich 20 m und einen Durchmesser
von 60 bis 70 cm. Sein schönes hellgrünes Laub
kann 25-30 cm lang werden; es hat scharfe Säge-
zähne. In Blatt- und Fruchtbildung nähert er sich der
Rotbuche (^agus), im Wüchse, in Holz und Rinde
mehr der Eiche (Huercuä). Von beiden unterscheidet
er sich durch den Blutenstand, der aus einer achsel-
ständigen Ähre besteht, die am Grunde einen oder
einige Knäuel weiblicher Blüten, sonst aber lauter
männliche, ebenfalls knäuelförmig gruppierte, trägt.
Nach vollzogener Befruchtung fällt dcr mit männ-
lichen Blüten besetzte Teil der Ahrenspindel ab. Je
zwei bis drei weibliche Blüten stehen in einer ge-
meinsamen weichstachligen Hülle, die sich später zu
einem vollkommen geschlossenen, zuletzt unregel-
mäßig aufspringenden, mit langen dünnen Stacheln
dicht besetzten, lederartigen Fruchtbecher (Cupula,
s. Cupuliferen) ausbildet. Jede Frucht pflegt nur
einen Samen einzuschließen, indem von 13 bis
14 ursprünglich vorhandenen Samenknospen des
Fruchtknotens gewöhnlich nur eine zur Entwicklung
kommt. Selten findet man zwei mit einer platt-
gedrückten Seite nebeneinander liegende Samen.
Fig. 1 auf Tafel Amentaceen zeigt einen Zweig
der E., ferner a eine Blütenähre, b und c männ-
liche Blüten, ä einen weiblichen Blütenknäuel, 6 den-
selben durchschnitten, t' eine Frucht mit Cupula.
Die Samen der E. nennt man Kastanien, die
bessern Sorten auch Maronen. Diese werden meist
aus Südtirol und Italien sowie aus Südsrankreich,
besonders über Lyon bezogen. An sich hart und
mehlig, werden sie durch Kochen oder besser durch
Rösten weich und süß und geben eine gesunde, nahr-
hafte Speise ab. In südl. Ländern bilden sie ein
Hauptnahrungsmittel der Armen, die auch Mehl
und eine Art Brot daraus bereiten. Auch das Holz
des Baums wird sehr geschätzt; es gleicht dem Ei-
chenholz und hat unter Wasser eine lange Dauer.
Die franz. Weinfässer bestehen fast ausschließlich
aus diesem Material, und der schlank aufwachsende
Stockausschlag gefällter Bäume liefert Faßreifen
sowie vorzügliche Weinpfähle, zu deren Erziehung
in den Nheingegenden, namentlich im Elsaß u. s. w.
ausgedehnte Kastanienwälder im Niederwaldbetrieb
bewirtschaftet werden. Auch sonst findet das Holz
als Bau- und Nutzholz vielfache Verwendung und
die Rinde dient zum Gerben. Auch andere Arten
des Kastanienbaums tragen eßbare Früchte. Die
Amerikaner schätzen die Früchte der (^5tmi63. amo-
i-icaua litt/., die sich von der Hauptform nur durch
etwas breitere Blätter unterscheidet, und des Chin -
capin, des Zwergkastanienbaums ((^8t3.u6H
pumila M^it.), der einen niedrigen Busch von nur
3-4 m Höhe bildet. Die Bergbewohner Javas
genießen die Frucht des silberweihen Kastanien-
baums ((.'a8t3.I169. Hl'86lltL3. F?.).
Der Kastanienbaum liebt vorzugsweise kräftigen
Sandboden, gedeiht weniger gut in schwerem Lehm-
oder in Kalkboden, die Osthänge der Berge verträgt
er nicht, weil sich die Blüten dort zu früh entwickeln
und dann oft durch Spätfröste zerstört werden,
Nebellust ist ihm nachteilig. Man pflanzt gewöhn-
lich Sämlinge, oft aber auch größere Stämme, die
mit edlern, grohfrüchtigen Sorten bepfropst sind.
Edelkoralle (^ot-ailium rudrum ^am.), eine
zur Familie der Gorgoniden gehörige Koralle des
Mittelmcers, deren rotes, steinhartes Achsenskelett
zu Schmuckgegenständen verarbeitet wird. Im
lebenden Zustande stellt die E. bis zu einem halben
Meter hoch werdende, unregelmäßig verästelte
Väumchen von roter Farbe dar, welche mit wurzel-
artig sich ausbreitender Basis auf Felsen festsitzen.
Die feste Achse dieser Väumchen ist umhüllt von
einer weichern, zerreiblichen Rinde, in welche zahl-
reiche rote Kalktörperchen eingelagert sind und auf
deren Oberfläche die den Tierstock bildenden Einzel-
polypen aus warzenförmigen Erhebungen hervor-
treten. Dieselben sind weiß und haben die Gestalt
eines in acht Fiederblättchen endigenden Kelches.
Durch ein kompliziertes System von Ernährungs-
kanälen, welches die Rinde durchzieht, stehen dieselben
sämtlich miteinander in Verbindung und durch ihre
gemeinsame Thätigkeit wird sowohl das harte Ske-
lett, als auch das sie umhüllende Cönenchym ab-
geschieden. Das Wachstum der Stöcke geht auf un-
geschlechtlichem Wege durch Knospenbildung vor
sich, während die Bildung neuer Stöcke an die ge-
schlechtliche Vermehrung durch Eier anknüpft,
welche in der Magenhöhle des Muttertieres sich zu
wimpernden, freischwimmenden Larven entwickeln
und durch den Mund ausschwärmen. Nach kurzer
Schwärmperiode setzen sich diese Larven fest und
scheiden die ersten Elemente des Achsenskeletts und
Cönenchyms (s. Cönosark) im Laufe ihrer Meta-
morphofe ab, worauf die Knospenbildung das wei-
tere Wachstum und die Stockbildung von neuem
einleitet. In den meisten Fällen sind die Stöcke
diöcisch, d. h. nur aus weiblichen oder männlichen
Individuen bestehend; doch kommen auch zweige-
schlechtige Stöcke und selbst ZwiNnyolyyen vor.
(S. Tafel: Cölenteraten II, Fig. 1 u. 4<)