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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Edelkrebs - Edelmetalle
Die E. findet sich im Mittelmeer und an der Nord-
westküste Afrikas auf felsigen Bänken in einer Tiefe
von 80 bis 200 m, seltener außerhalb dieser Tiefen-
region, und wird Vorzugsweife an den Ionischen
Inseln, Sardinien und den Küsten von Algier und
Tunis gefischt, welche letztere allein einen Jahres-
ertrag von etwa 30000 kg im Werte von 2 Mill.
Frs. liefern. Das Gerät für diefe Fifcherei be-
steht in einem schweren Balkenkreuz von Holz, das
mit Netzwerk, aufgewickelten Tauen und ähnlichem
behängen ist und an einem starken Seile über den
Meeresboden geschleppt wird. Der felsige Grund
und die Gewohnheit der Korallen an fchwer zu-
gänglichen Stellen, z. B. an der Unterseite über-
hängender Felsplatten, zu wachsen, machen diese
Fischerei zu einer überaus mühevollen und unsichern.
Um die gewonnenen Stücke zu verarbeiten, werden
sie abgebürstet, wodurch die Rinde mit den Tieren
entfernt wird, und das Skelett wird fodann abgefeilt.
Das hierbei gewonnene rötlichweiße Pulver wird
als Korallin in den Handel gebracht und zu Zahn-
und Polierpulver verwendet. Sind die Stücke vor-
bereitet, so werden sie mit Schmirgel abgeschlissen
und mit Stahl poliert. Die Farbe variiert zwischen
dunkelblutrot bis Hellrosa, sehr selten weiß; früher
waren die dunklen sehr geschätzt, während sich jetzt
die Mode mehr den hellrosafarbenen zugewendet
hat, weshalb man häufig dunkle Stücke durch
Wasserstoffsuperoxyd bleichi. Die Perlen werden
auf der Drehbank geformt und gebohrt, Figuren
mit dem Grabstichel ausgearbeitet. Der Wert der
Korallen ist schon bei den rohen Stücken außer-
ordentlich verschieden. Die dickern Wurzelstücke
sind oft vielfach von bohrenden Tieren (Würmern,
schwämmen) durchfetzt und ihr Wert fchwankt
zwischen 4-16 M. für 1 K3. Gewöhnliche gute
Ware wird mit 40-400 M. pro 1 kg gezahlt, die
ausgewählten rosenroten Stücke (?6au ä'^n^s) aber
mit 1200 - 2400 M. und darüber. Die Haupt-
märkte für Korallenwaren sind Neapel und Paris.
Italien führt jährlich gegen 100000 kg bearbeitete
Korallen aus. Über die Naturgefchichte der E. schrieb
Lacaze-Duthiers die ausführliche Monographie
"lliätoire naturelle än coraii" (Par. 1863).
Gdelkrebs, f. Flußkrebs.
Gdelkrone, s. Adelskrone.
Edelmann, Joh. Christian, freigeistiger Schrift-
steller, geb. 8. Juli 1698 zu Weißenfels, studierte
1720-24 zu Jena Theologie, lebte als Hauslehrer
in Österreich, dann bei den Herrnhutern und nahm
an der Leitung der Berleburger Bibel (s. d.) teil.
Dann begab er sich zum Grafen Hachenburg im
Westerwalde, zog 1744 nach Neuwied, wo er dem
Grafen ein Glaubensbekenntnis vorlegen muhte,
das wider seinen Willen und entstellt veröffentlicht
wurde. Darauf fchrieb E. "Abgenötigtes, jedoch
andern nicht wieder aufgenötigtes Glaubensbe-
kenntnis" (Neuwied 1746; Lpz/i848). Als Frei-
geist überall verfolgt, lebte er ein Jahr verborgen
zu Altona, bis Friedrich II. ihm 1749 den Aufent-
halt in Berlin gestattete, gegen das Versprechen,
nichts mehr drucken zu lassen. Hier starb er 15. Febr.
1767. Von seinen Schriften sind noch zu nennen:
"Moses mit aufgedecktem Angesicht, von zwei un-
gleichen Brüdern Lichtlicb und Vlindling beschauet"
(Verleburg 1740), "Die Göttlichkeit der Vernunft"
(ebd. 1741), "Christus und Velial" (1741), "Die
Begierde nach der vernünftigen lautern Milch der
Wahrheit" (1744; 2. Aufl. 1747). Eine Auswahl
feiner Schriften erschien in Bern (1847), seine
"Selbstbiographie", hg. von Klose, in Berlin
(1849). - Vgl. Möncke'berg, H. S. Reimarus und
Johann Christian E. (Hamb. 1867): Guden, Jo-
hann Christian E. (Hannov. 1870).
Edelmarder, s. Marder.
Edelmetalle^ im chem. Sinne diejenigen Me-
talle, die von Sauerstoff und Wasser nicht an-
gegriffen werden und sich aus ihren Sauerstoff-
verbindungen durch bloßes Erhitzen wieder aus-
scheiden lassen (s. Metalle). Eine besondere volkswirt-
schaftliche Bedeutung haben unter diesen Metallen
diejenigen, die seit dem Beginn unserer Kultur-
entwicklung als Geld st offe gedient haben, näm-
lich Gold und Silber, die daher auch vorzugs-
weise als E. bezeichnet werden. In Rußland wurde
allerdings laut Ukas vom 24. April 1828 auch
Platin zu vollwertigen Münzen verwendet, diese
Münzen wurden jedoch laut Ukas vom 28. Juni
1845 wieder eingezogen, teils wegen technischer
Schwierigkeiten, teils wegen des steigenden Preises
dieses Metalls. Die Schwierigkeiten sind allerdings
gegenwärtig überwunden, da man das Platin jetzt
in beliebigen Mengen schmelzen kann; aber die Ver-
breitung desselben ist doch zu spärlich, als daß es
je eine größere Bedeutung als Geldstoff erlangen
könnte. Auch eignet es sich wenig zu Üuxuszwecken,
während Gold und Silber ursprünglich allein durch
diese Art der Verwendung schon einen hohen Wert
erhielten, der dann durch die ihnen übertragene Geld-
funktion eine festere und breitere Grundlage erhielt.
In der neuern Zeit erweist sich infolge der immer
mehr gestiegenen Höhe der Geldpreise das Gold als
das bequemste Geldmetall für den mittlern und grö-
ßern Verkehr, weil ein gleiches Gewicht oder Volu-
men in Gold einen weit größern Wert darstellt als
in Silber. Es hat daher schon teilweise das De-
monetisieren (s. d.) des Silbers begonnen. Durch
die volle Durchführung desselben würde wahrschein-
lich der Preis des letztern Metalls zunächst sehr tief
herabgedrückt werden und fpäter fortwährend großen
Schwankungen unterworfen bleiben. Andererseits
würden auch für die Volkswirtschaft während einer
lä'naern Übergangszeit Schwierigkeiten daraus er-
wachsen, daß das Gold allein die Dienste leisten
müßte, die bis dahin von den beiden E. verrichtet
wurden.
Auch die rein industrielle Verwendung der E.
zu Schmucksachen, Geräten u. s. w. ist keineswegs
gering anzuschlagen. Soctbeer schätzt den Gold-
vcrbrauch zu industriellen Zwecken für den Durch-
schnitt der I. 1881-85 in den Kulturstaaten auf
110000 K3 fein, den Nettoverbrauch nach Abzug
des alten, schon frühcr für solche Zwecke verwen-
deten Materials auf rund 90 000 kF fein, den
Bruttoverbrauch an Silber für industrielle Zwecke
auf rund 652 000 k^ fein, den Nettoverbrauch auf
515 000 K3 fein. Die durchschnittliche Jahrespro-
duktion in diesem Zeitraum betrug auf der ganzen
Erde an Gold etwa 150 000 kF, an Silber 2,5 Mill. is3,
fodaß also beim Gold mehr als die Hälfte, beim
Silber etwa ein Fünftel der Jahresproduktion zu
gewerblicken Zwecken verwendet wurde. Diefes
Verhältnis dürfte auch bis 1892, wo die Goldpro-
duktion (nach Soetbecr) im Jahresdurchschnitt wie-
der auf etwa 170000 kF, die Silberproduktion aber
nach dem amerik. Münzdirektor Leech auf ungefähr
4 Mill. KZ gewachfen ist, annähernd richtig fein.
Trotz der bedeutenden industriellen Verwendung der