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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Egeln - Eger (in Böhmen)
Egeln, Stadt im Kreis Wanzleben des preuß.
Reg.-Bez. Magdeburg, 14 km südlich von Wanz-
leben, an der zur Saale gehenden Vode und an der
Linie Magdeburg-Vlumenberg-Stahsurt der Preuß.
Staatsbahnen, hat (1890) 5497 E., darunter
1059 Katholiken und 57 Israeliten, Post zweiter
Klasse, Telegraph, Amtsgericht (Landgericht Halber-
stadt); Fabrikation von Zucker, landwirtschaftlichen
Maschinen und Dachpappe, sowie Vierbrauereien,
bedeutende Lohgerberei, Dampfmühlen und Ziegel-
brennereien. Nahebei die Domäne E. mit 83 E.
und das Gut Marienstuhl mit 94 E., ehemals
ein Cistercienfernonnenkloster, 1262 von der Gräfin
Gutta von Vlankenburg gestiftet.
Ggelseuche, s. Leberegelseuche.
Ggenolff (Egenolphus), Christian, Buch-
drucker, geb. 26. Juli 1502 zu Hadamar im Nas-
sauischen, kam 1516 nach Mainz, um humanistische
Studien zu treiben, und lernte später die Buch-
druckerkunst. Anfang 1529 befand er sich als selb-
ständiger Drucker in Straßburg, doch erwarb er
1530 in Frankfurt das Bürgerrecht und siedelte
Anfang 1531 mit seiner Druckerei dahin über, wo
zur Zeit keine Buchdruckern bestand. Sein erstes
in Frankfurt gedrucktes Werk war des Stadtschrei-
bers Jak. Köbel zu Oppenheim "Stab Jakob", eine
Anleitung zum Messen, welche im Mai 1531 erschien.
Seine humanistische Bildung sowie seine persön-
lichenBeziehungen zu verschiedenen Gelehrten kamen
ihm beim Druck und Verlag seiner Schriften sehr
zu statten. Die 1533 herausgegebene Chronik der
Welt stellte er selbst zusammen; viele seiner Verlags-
werke sind mit Illustrationen versehen. In Mar-
burg besaß er seit 1542 eine Filiale. Sein Drucker-
zeichen war ein Altar mit brennendem Herzen. E.
starb 9. Febr. 1555. Das Geschäft wurde von seiner
Witwe Margarete (gest. 1577) fortgeführt. - Vgl.
H. Grotefend, Christian E. (Frankf. 1881).
Gger, rechter Nebenfluß der Wörnitz, entspringt
im württemb. Oberamt Ellwangen, tritt bei Nörd-
lingen in Bayern ein und hat 52 Km Länge.
Gger, linker Nebenfluß der Elbe im nordwestl.
Böhmen, entspringt im Fichtelgebirge im bayr.
Reg.-Bez. Oberfranken, an der Kalten Buche
des Schneebergs, in 695 m Höhe, und tritt nach
19 Kni Laufs (in 406 m Höhe) in Böhmen ein, fließt
nach ONO., berührt die Städ e E. (448 m) und
Karlsbad (370 m) und fließt durch einen engen
Felseneinschnitt in Granit, Porphyr und Vasalt,
begleitet von der Vuschtiehrader Bahn bis Klösterle
(292in); dann wendet sie sich zwischen Ufersümpfen
nach O. und SO., bei Saaz (200 m) nach O. und
darauf plötzlich rechtwinklig nach N. bis Theresien-
stadt, in dessen Nähe sie in 132 m Höhe, oberhalb
von Leitmeritz, 31 in breit, die Elbc erreicht, unter-
halb der Ruine des Schlosses Schreckenstein. Sie ver-
folgt in ihrem Laufe (310 km) den südöstl. Fuß des
sächs.-böhm. Erzgebirges. Sie fällt um 563 m, alfo
1,8m (in Bayern 12m) auf jedes Kilometer: Schiffahrt
ist daher nur teilweise möglich. Die Farbe der E. ist
rötlich; sie ist reich an Fischen. Ihre Zuflüsse sind rechts
bei Karlsbad die Tepl (s. d.) und links bei Falkenau die
Iwodau aus dem sächs. Vogtlande und die Rohlau.
Gger. 1) Bezirkshauptmannschaft in Böhmen,
hat 455,32 ykm und (1890) 56790 (27444 männl.,
29346weibl.)E.,darunter2819Evangelische,53337
Katholiken und 627 Israeliten: 571 Militärper-
sonen, 5597 bewohnte Gebäude und 11911 Haus-
haltungen in 51 Gemeinden mit 145 Ortschaften:
sie umfaßt die Gerichtsbezirke E. und Wildstein.
- 2) E., czech. 0Ii6d, Stadt und Sitz der Bezirks-
hauptmannschaft E., am Fuße
des Fichtelgebirges, in 448 m
Höhe, auf einer Anhöhe rechts
an der E. und an den Linien
Reichenbach-E. (99,3 km) der
Sächs.,E.-Marktredwitz-Nürn-
berg (151,4 km), E.-Wiesau
(26,5 km), Hof-Franzensbad-
E. (60,2 km) der Bayr., E.-Pil-
sen-Gmünd-Wien (455 km)
derÖfterr.StaatsbahnenundE.-Karlsbad-Komotau-
Prag(241km) der Buschtiehrader Eisenbahn, ist Sitz
einer Finanzbezirksdirektion, eines Hauptzollamtes,
eines Kreis- und eines Bezirksgerichts (278,46 ykm,
26 Gemeinden, 95 Ortschaften, 36919 E.), sowie
einer Handels- und Gewerbekammer und hat (1890)
18658 E., darunter 1040 Evangelische und 503
Israeliten, in Garnison (571 Mann) das 4. Ba-
taillondes 73. böhm. Infanterieregiments "Wilhelm,
Herzog von Württemberg", Post, Telegraph, Fern-
sprecheinrichtung. Die bedeutendste kath. Kirche ist
die große und prächtige Dekanatskirche St. Nikolaus,
im ersten Drittel des 13. Jahrh, gegründet, 1863
renoviert, 1865 wieder mit einem zweiten Turme ver-
sehen und 1892 durchgreifend restauriert, Hallen-
kirche im Übergangsstil mit Spitzbogen und 8 Pfei-
lern, Malereien von Lukas (vor 1476; 1856 auf-
gefunden) und schöner neuer Kanzel; ferner sind zu er-
wähnen eine evang. Kirche, Synagoge, Domini-
kanerkloster mit der Wenzelskirche (13. Jahrh.),
Franziskanerklostcr (1260), eine Kommende des
ritterlichen Kreuzherrenordens mit dem roten Sterne.
E. hat ein Obergymnasium, eine deutsche Lehrer-, eine
private Lehrerinnenbildungsanstalt, eine Zeichen-
und Modellierschule, eine gewerbliche und eine kaus-
männische Fortbildungsschule, 2 Bürger-, eine
evang. und 4 Volksschulen, ein Versorgungshaus
für arme Bürger (Vruderhaus) und andere Wohl-
thätigkeitsanstalten. Im Stadthause (früher Kom-
mandantenhaus genannt) am Markt wurde 25. Febr.
1634 Wallenstein ermordet, am Abend vorher in
dem jetzt verfallenen Palas der alten kaiserl. Burg
(in einem Basteiwinkel der frühern Befestigung
auf einem Felsen über der E., um 1157 von
Kaiser Friedrich I. erbaut und jetzt restauriert) die
kaiserl. Generale Illo, Trcla (Schillers Terzky),
Kinsty und Neumann. Die von Wallenstein ve-
wohnten Zimmer im obern Stock des Stadthauses
enthalten seit 1872 das Museum der Stadt E. und
des Egergaues mit zahlreichen Erinnerungen an
Wallenstein, Antiquitäten und Bildern. An der
Burg sind bemerkenswert der aus Lavablöcken vor
1100 erbaute Schwarze oder Heidenturm, die zierliche
Doppelkapelle, unten romanisch (1213 vollendet),
oben spitzbogig (1295), in der Friedrich Barbarossa
mit Adelheid von Vohburg getraut worden sein soll.
(Vgl. Grueber, Die Kaiserburg zu E., Prag 1864.)
Die Industrie erstreckt sich auf Fabrikation von
Maschinen, Woll-, Baumwoll- und Webwaren und
Leder, außerdem besteht eine Dampfbrauerei, meh-
rere Mehl- und eine Dampfschneidemühle. In der
Nähe der Lavakegel Kammerbühl (500 m), von
Goethe beschrieben, 5 km nördlich Franzensbad (s. d.).
Geschichte. Die Gegend an der obern E. war
nach den Nariskern von Slawen bewohnt, wurde
aber nach und nach germanisiert und 1002 politisch
mit Deutschland vereinigt. Im 12. Jahrh, war das