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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Eiderdänen - Eiderstedt
Bedeutung. Im Mittelalter hieß sie ijtgidora, alt-
nord^ch Ägisdyr. Seit dem Frieden Hemmings
mit Karl d. Gr. 811 wurde sie nebst dem Danewerk
und der Schlei die Reichsgrenze. In dem Vertrage
von 1225 zwischen Waldemar II. und dem Grafen
Heinrich von Schwerin ward sie die Nordgrenze des
Herzogtums Holstein, ostwärts verlängert durch die
Levensaue. Daher spielt der Fluß auch eine Rolle
in der Kriegsgeschichte, in den Kämpfen der Friesen,
Holsteiner und Dänen im Mittelalter, sowie 1813
und in den Kriegen gegen Dänemark.
Giderdänen, polit. Partei in Dänemark, welche
vor 1864 Schleswig mit Dänemark unter derselben
Verfassung vereinigen, aber Holstein ausschließen
wollte. (S. Dänemark, Geschichte.)
Eiderdunen, s. Eiderente.
Giderente (somatei-jg. M0i1i88ima I^c/t; s.
Tafel: Schwimmvögeln,Fig.7),auch oftEider-
gans genannt, die bekannteste Art einer zu der
Gruppe der Tauchenten (s. Enten) gehörenden Gat-
tung, welche durch die mit Hautlappen umsäumte
Hinterzehe und den an den Rändern mit groben
Plättchen eingefaßten, gestreckten, schmalen, an der
Wurzel hohen Schnabel, der mit schmalen, weit
vorn gelegenen Nasenlöchern versehen ist, sich von
den übrigen Tauchenten unterscheidet. Das Männ-
chen ist oben weiß, unten schwarz, die Wangen
meergrün, die Stirn schwarz; das Weibchen oben
braun mit rostfarbigen Federrändern, unten braun
und fchwarzbraun gewellt. Während der Brütezeit
trennen sich die Männchen, um in Scharen allein zu
leben. Die Pracht-Eider (somateria Lpeetadili"
/^eac/b) hat ein feines, fchwarzes Band um den
Schnabel, das am Hälfe herabläuft, während bei
der viel kleinern Stellers chen Eider (^omatei-ia
8t6ii6i-i Callas) die Deckfedern der Oberflügel uud
Schultern blau gestreift sind. Beide Arten sind sel-
ten; die gewöhnliche Eider gemein. Dieser Vogel
bewohnt den Norden, ist an den Küsten von Island,
Grönland, Spitzbergen, Schweden und Norwegen
gemein und kommt auch in Nordamerika vor, besucht
im Winter zahlreich die Ostsee und Elbemündung,
nistet aber nur in den höhern Breiten. Er nährt
sich wesentlich von Muscheln, nach denen er in
große Tiefen taucht.
Die E. brütet in Gefellfchaften oft von Hunder-
ten von Paaren; ihr Nest besteht aus Seegras und
Tang und wird meist an solchen Orten angelegt,
wo, wie auf Inseln, die Eisfüchfe nicht hingelangen
tonnen. Das Weibchen legt im Anfang Juni vier
bis sieben blaßgrüne Eier, welche es mit den feinen,
feinem Unterleibe ausfallenden, zum Teil auch aus-
gerupften Dunen umgiedt. Da diefe Dunen, die
Eiderdunen, einen wichtigen Handelsartikel bil-
den, so hegen die Besitzer der Brüteplätze die Vögel
sehr sorgfältig, wozu besondere Gesetze erlassen sind
und eigene Wächter angestellt werden, und bellten
die Nester nach gewissen Regeln aus. Man kann
der E. zweimal die eben gelegten Eier nebst den
Dunen wegnehmen, ohne daß sie sich hindern läßt,
zum drittenmal das Nest auszupolstern und mit
Eiern zu belegen, die sie dann ausbrütet. Werden
aber zum drittenmal die Vögel beim Brüten ge-
stört, so verlassen sie solche Brüteörter ganz. Ein
Dutzend Nester liefern etwa 0,5 k^ gereinigter Du-
nen, das an Ort und Stelle etwa 18 M. wert ist;
die Reinigung von dem beigemengten Seegras und
Tang ist eine recht mühsame Arbeit. Die ersten
Dunen, welche von selbst ausfallen, sind die besten;
die zweiten sind Mittelgut; die dritten, welche man
erst nehmen darf, fobald die Jungen flügge gewor-
den sind, stehen kaum höher im Preise als feine
Gansfedern. Das Fleifch der E. ist schlecht und
thranig. Die Eiderdunen machen für mehrere hoch-
nordische Länder einen wichtigen Handelsartikel aus
und stehen hoch im Preise. In der Mitte des
18. Jahrh, lieferte Island jährlich 100-150 kx
gereinigte und gegen 1000 k^ ungereinigte Dunen.
Grönland liefert jetzt mehrere taufend Kilogramm
jährlich. Wegen ihrer Kostbarkeit werden sie oft
verfälscht; die echten erkennt man indes an ihrer
braunen Farbe mit weißem Schafte und daran, daß
sie beim Schütteln nicht auseinanderstieben.
Eidergans, s. Eiderente.
Gidertanal, Holsteinischer, Schleswig-
Holsteiner Kanal, 1777-84 mit Benutzung des
alten Grcnzflüßchens Levensaue (das nördlich von
Kiel in die Kieler Föhrde mündet) angelegter Kanal,
der diese letztere von Holtenau aus mit der Obereider
bei Voorde verbindet. Er stellt so bis zur Vollendung
des im Bau begriffenen Nordostseekanals (s. d.) die
einzige Verbindung zwischen der Ost- und Nordsee
dar, die, in der Luftlinie Holtenau-Tönning nur
77 Km lang, durch die bedeutenden Krümmungen
der Untcreider freilich eine Länge von 141 und unter
Hinzurechuuug der Außeneider von Tönning bis
zur Nordsee sogar von 172 km aufweist, während
der Nordostseekanal nur 98 km lang wird. Durch
die Schleusen bei Holtenau, Knoop und Rathmanns-
dorf erreichte der auf den freien Strecken mit 31 m
oberer und 17m Sohlbreite bei 3,20 m Tiefe angelegte
E. die 7,08 m über der Kieler Föhrde (gleich 6,35 m
über NN.) gelegene Scheitelstrecke Rathmannsdorf-
Königsförde und fiel fodann, unter teilweiser
Benutzung des Betts der Obereider, mittels der
Schleusen bei Königsförde und Kluvensiek zu der
bei Voorde seeartig aufgestauten, 2,38 m über der
Kieler Föhrde liegenden Eider. Der E. konnte von
Binnen- und Seefahrzeugen von 2,68 m Maximal-
tiefgang und 200 t Tragfähigkeit befahren werden.
Der Durchgangsverkehr, der sich früher auf über
4000 Fahrzeuge belief, hatte, weil die Bauten des
Nordostfeekanals in den Betrieb mehrfach eingrei-
fen mußten, zuletzt etwas abgenommen; 1890
wurde die unterhalb des E. gelegene Rendsburger
Schleuse in Berg- und Thalfahrt zusammen nur noch
von 2206 Fahrzeugen mit 50363 t passiert. Jetzt
liegen alle diejenigen Strecken des E., die nicht in
den neuen Nordostseekanal fallen, trocken; die fünf
Schleufen sind abgebrochen, und der jetzt wieder fehr
rege Verkehr benutzt auf 35 km von der Ostfee bis
zur Obereider jenen neuen Kanal, sodann auf 4 kni
die in 20 m Breite auf 5,5 m Fahrtiefe gebrachte
Obereider bis zu der neuen 68 m langen, 12 m wei-
ten, 3,80 m tiefen Rendsburger Schleuse, die diefe
von der Nntereider trennt.
Giderstedt, Halbinsel an der Westseite von
Schleswig, zwischen der Eidermündung und dem
Heverstrom, bildet den Kreis E. (Landratsamt in
Tönning) des preuß. Reg.-Vez. Schleswig. Der-
selbe hat 330,51 ykm, (1890) 16062 (7733 männl.,
8329 weibl.) E., 2 Städte (Tönning und Garding),
21 Landgemeinden und 2 Gutsbezirke. Fast ganz
E. ist Marschland, dessen Bewohner von der Vieh-
zucht leben. Im Mittelalter bestand E. aus 3 von
der Eider umströmten Inseln: Utholm (im W.),
Heverschop (in der Mitte) und E. (im O.). Von
Utholm führte noch 1370 eine Brücke (Bollenbruggi)