Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

986

Elektricitätserreger - Elektricitätsmenge

Die Elektricitätslehre wird eingeteilt in Elektrostatik (s. d.) und Elektrodynamik (s. d.). - Über atmosphärische E.s. Luftelektricität; über die Beziehungen der E. zu Licht und Wärme s. Elektrooptik; über die Anwendung der E. zu Heilzwecken s. Elektrotherapie. Die Tafel: Elektricität zeigt verschiedene elektrische Versuche, die in folgenden Einzelartikeln erläutert sind: Lichtenbergsche Figuren (Fig. 1 u. 2), Elektrische Entladung (Fig. 3), Elektrische Schwingungen (Fig. 4 u. 5), Elektrische Schatten (Fig. 6), Piezo-Elektricität (Fig.7), Pyro-Elektricität (Fig.8), Elektrooptik (Fig. 9 u. 10), Kraftlinien (Fig. 11 u. 12).

Auch innerhalb des tierischen Organismus finden ununterbrochen elektrische Vorgänge stau, die sich freilich nur bei wenigen Tieren, den sog. Zitterfischen (s. d.), zu intensiver Wirkung entwickeln, bei den übrigen Tieren und dem Menschen dagegen fast unmerklich, d. h. nur mit feinern galvanometrischen Hilfsmitteln nachweisbar sind. Alle lebenden Nerven oder Muskeln sind, wie zuerst Du Bois-Reymond nachwies, wahre Elektromotoren und deshalb beständig von elektrischen Strömen durchkreist, die einen deutlichen Einfluß auf die Magnetnadel des Galvanometers äußern und zu den Funktionen der Muskeln und Nerven in innigster Beziehung stehen. (S. Muskel- und Nervenelektricität.)

Litteratur: Beetz, Grundzüge der Elektricitätslehre (Lpz. 1878); Wiedemann, Lehre von der E. (4 Bde., Braunschw. 1882-85; 2. Aufl., ebd. 1893 fg.); die Werke von Faraday (Lond. 1839-55), Thomas (1872), Maxwell (Oxf. 1873), Mascart (Par. 1876 u. 1882; deutsch: Handbuch der statischen E., von Wallentin, 2 Bde., Wien 1883-87), Gordon (Lond. 1880); für den Unterricht in E. von Tyndall (ebd. 1876) und Noad (ebd. 1879); Biscan, Lexikon der E. und des Magnetismus (Graz 1887); Hoppe, Geschichte der E. (Lpz. 1884); Kleyer, Lehrbuch der Reibungselektricität (Stuttg. 1886); Koniecki, Die neuesten Anwendungen der E. (Berl. 1886); Maxwell, Die E. in elementarer Behandlung (deutsch von Grätz, Braunschw. 1883); ders., Lehrbuch der E. und des Magnetismus (deutsch von Weinstein, 2 Bde., Berl. 1883); Mousson, Die Physik auf Grundlage der Erfahrung, Bd. 3 (3. Aufl., Zür. 1882-83); Müller-Pouillet, Lehrbuch der Physik und Meteorologie, bearbeitet von Pfaundler, Bd. 3 (9. Aufl., Braunschw. 1888-90); Netoliczka, Illustrierte Geschichte der E. (Wien 1886); Planté, Untersuchungen über E. (deutsch von Wallentin, ebd. 1886); Tyndall, Elektrische Erscheinungen und Theorien (ebd. 1884); Wildermann, Grundlehren der E. (Freiburg 1885): Thompson, Elementare Vorlesungen über E. und Magnetismus (deutsch von Himstedt, Tüb. 1887); Mascart und Joubert, Lehrbuch der E. und des Magnetismus (deutsch von Levy, 2 Bde., Berl. 1886-88); Vogt, Das Wesen der E. und des Magnetismus (Bd. 1, Lpz. 1891); Jamieson, Elemente des Magnetismus und der E. (deutsch von Kollert, ebd. 1891); Grätz, Die E. (4. Aufl., Stuttg. 1892); Wallentin, Einleitung in das Studium der modernen Elektricitätslehre (ebd. 1892); Wilke, Die E. Allgemeinverständlich dargestellt (Lpz. 1893).

Elektricitätserreger, auch Elektromotoren, Körper, welche (nach der alten Theorie) durch Berührung Elektricität erregen (s. Galvanismus).

Elektricitätsleitungen, Elektrische Leitungen, zur Fortleitung elektrischer Ströme für industrielle und Verkehrszwecke dienende Anlagen, z. B. für Beleuchtungsanlagen, Eisenbahnen und andere Kraftübertragungen, für Telegraphen- und Telephonanlagen u. dgl. (s. Telegraphenleitung und Kabel). - Vgl. Zacharias, Die elektrischen Leitungen (2. Aufl., Wien 1893).

Elektricitätsmenge. Der elektrische Zustand eines Körpers wird schwächer, sobald derselbe einen andern berührt und elektrisch macht. Der letztere hat etwas gewonnen, was der erstere verloren hat. Die Ladung einer Leidener Flasche (s. d.) läßt sich durch einen Entladungsfunken zur Hälfte auf eine zweite gleiche Flasche übertragen, wenn man die beiden innern und die beiden äußern Belegungen miteinander verbindet. Beide Flaschen erweisen sich nachher als geladen. Dies teilbare Etwas, das im ganzen anscheinend unveränderlich bleibt, wird als E. aufgefaßt. Eine Maßflasche (s. d.) M (s. beistehende Figur) wird sich immer bei derselben Ladung q selbst entladen. So oft dieselbe aber die Ladung +q in die innere Belegung aufgenommen hat, ist auf deren äußerer Belegung -q verblieben und +q durch Elektrische Influenz (s. d.) in die innere Belegung der Flasche F getrieben worden, sodaß nach n Entladungen von M die Flasche F die Ladung oder Menge nq enthält. Man kann also mit Hilfe der Maßflasche die in verschiedene Flaschen geladenen Mengen vergleichen.

^[Abbildung]

Ein elektrisiertes Kügelchen A wird von einem andern K in der Entfernung r mit der Kraft F abgestoßen. Berührt man A mit einem gleich großen Kügelchen B, so wird A sowohl als B von K nur mit F/^[horizontaler Bruchstrich]2 abgestoßen, beide zusammen aber in derselben Entfernung r wieder mit F. Diese Teilung der elektrischen Kraft und die Unveränderlichkeit der Summe bildet die wissenschaftliche Grundlage für die Vorstellung von der E.

Auf Grund der Versuche Coulombs (s. Coulombs Gesetz) kann man die E. durch die von derselben ausgeübte Kraft messen. Als Einheit der E. gilt heute diejenige Ladung, die auf eine gleichgroße in der Entfernung von 1 cm die Kraft von 1 Dyne (s. d.) ausübt. Hat man zwei kleine, 1 g schwere Körperchen an 5 m langen Fäden so aufgehängt, daß sie sich berühren, und werden dieselben gleich elektrisch geladen, sodaß sie sich nur 1 cm voneinander entfernen, so treibt die Schwere dieselben mit dem Druck eines Milligrammgewichtes (rund 1 Dyne) gegeneinander, und jedes der Körperchen enthält nun die (elektrostatische) Einheit der E. (s. Elektrische Einheiten und Coulombs Gesetz). Die gesamte Menge eines Leiters oder Isolators kann man sich bestimmt denken, indem man denselben in kleine Stückchen teilt, dieselben mit ihrer Ladung der Ladung 1 in der Entfernung von 1 cm gegenübersetzt, die jedesmalige Kraft bestimmt und alle diese Kräfte summiert. Diese Kraftsumme stellt die Menge des ganzen Körpers vor.

Die elektrolytische Ausscheidung hängt von der durch den Leiterquerschnitt fliehenden E. ab, sodaß dieser Begriff unmittelbar an chem. Begriffe anknüpft und auf dieselben gegründet werden kann. (S. Elektrochemische Theorie, Elektrolyse.)