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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Elektricitätsmesser - Elektricitätswerke
Elektricitätsmesser, soviel wie Elektricitätszähler.
Elektricitätswerke, Einrichtungen, um von einer Erzeugungsstation aus ganze Städte oder Teile von solchen mit elektrischer Energie zu versorgen derart, daß dieselbe zu beliebiger Verwendung, sei es zur Erzeugung von Licht oder Kraft oder auch für andere Zwecke in den an die Anstalt angeschlossenen Grundstücken, ähnlich wie Wasser und Gas, jederzeit zur Verfügung steht.
Hierzu bedarf es eines Verteilungsnetzes, in welchem, wie in dem entsprechenden der Gas- und Wasserwerke, an allen Stellen nahezu dieselbe Spannung herrscht. Die einzelnen Stränge dieses Netzes bestehen meist aus unterirdisch verlegten, entsprechend isolierten Kabeln (s. Bleikabel). In Amerika findet man häufig E. mit oberirdischen Netzen: in Deutschland nur ausnahmsweise bei kleinern Werken, z. B. bei dem in Blankenburg a. H. An dieses Netz werden die einzelnen Stromverbrauchsstellen in Parallelschaltung (s. d.) angeschlossen.
Für die Zwecke der öffentlichen Beleuchtung hat man, wenigstens bei uns in Deutschland, die E. nur sehr vereinzelt herangezogen. Meist handelt es sich also lediglich um Privatbeleuchtung.
Das Verteilungsnetz ist je nach den Umständen als gewöhnliches Zweileiternetz, oder als Drei- oder Mehrleiternetz ausgeführt. Namentlich häufig findet man das Dreileiternetz (s. Dreileitersystem). Zur Erzeugung des Stroms dienen Dynamomaschinen und zwar speciell Nebenschlußmaschinen (s. Dynamomaschinen, S. 653), um die Spannung nahezu konstant zu erhalten.
Um den im Laufe des Tages stark wechselnden Strombedarf in rationeller Weise befriedigen zu können, pflegt man die ganze Erzeugung auf mehrere Maschinen zu verteilen, die man nach Bedürfnis eine nach der andern in Betrieb setzt, indem man sie in Parallelschaltung zu den bereits in Betrieb befindlichen hinzuschaltet, die ihren Strom bereits an die Sammelschienen abgeben, von wo aus er in das Netz gelangt. Zu diesem Zwecke muh vorher die Spannung der einzuschaltenden Maschine und bei Wechselstrommaschinen auch noch die Zahl ihrer Polwechsel pro Sekunde genau auf diejenige der schon gemeinsam arbeitenden gebracht werden. Die hierzu nötigen Meß- und Reguliervorrichtungen werden mit den sonst noch erforderlichen Meßapparaten und den Schaltapparaten an einer Stelle, von wo aus der ganze Betrieb der Erzeugungsstation zu übersehen ist, zu einem Ganzen, der sog. Apparatenwand (bei kleinern Anlagen Schaltbrett genannt) vereinigt.
Als Motoren dienen meist Dampfmaschinen, und durch den großen Bedarf und die hohen Anforderungen, welche die E. an die Vorzüglichkeit der Maschinen als auch der Kessel durch die Art ihrer Betriebe stellen, haben die E. in hohem Grade fördernd und anregend auf den Dampfmaschinen- und Kesselbau eingewirkt.
Das erste Elektricitätswerk, zur Beleuchtung eines Teiles von Neuyork dienend, wurde von Edison gebaut und mit 1284 Lampen 1. Okt. 1882 eröffnet. Als erste Stadt auf dem Kontinent folgte 1883 Mailand mit einer ebenfalls von Edison gebauten Anlage für die Galleria Vittorio Emanuele und deren Umgebung. In Berlin wurde die erste kleinere Centralstation, wie man die E. in Anlehnung an die engl. Bezeichnung (Central Station) damals nannte und gelegentlich auch heute noch nennt, 1884 eröffnet. Für die Erleuchtung des zwischen den Linden, Friedrichstraße, Rosmarin- und Charlottenstraße belegenen Häuserblockes bestimmt, war sie in den Kellerräumen eines Hauses der Friedrichstraße gelegen. Nachdem größere Werke in der Markgrafenstraße, Mauerstraße, Spandauerstraße und am Schiffbauerdamm erbaut sind, deren gemeinschaftliches Leiternetz einen großen Teil von Berlin umspannt, ist sie außer Betrieb gesetzt.
Über die Leistung der in den einzelnen Berliner Stationen aufgestellten Dampfmaschinen in Pferdestärken und die ungefähre Zahl der angeschlossenen Lampen (von 16 Kerzen) giebt folgende Tabelle Aufschluß:
Straßen 1884 1885 1886 1887 1888 1889
Friedrichstraße 300 300 300 300 300 300
Markgrafenstraße - 1000 1000 1000 2500 2500
Mauerstraße - - 500 1200 1200 3000
Spandauerstraße - - 2000
Schiffbauerdamm - - - - - 1000
^[Additionslinie]
Zus. Pferdestärken 300 1300 1800 2500 4000 8800
Zahl der Lampen 2500 5000 14000 23000 34000 44000
Die Zahl der Pferdestärken beträgt (1892) 17000, die Zahl der angeschlossenen Lampen gegen 200000. Weitere Auskunft über dieselben, namentlich auch über die Verteilung des Verbrauchs auf die einzelnen Monate, Wochentage und Tagesstunden giebt Wilke, "Die Berliner E., eine Beschreibung ihrer Entwicklung und Einrichtung" (Berl. 1890-91).
Von sonstigen deutschen E. seien noch genannt:
Städte Jahr der Eröffnung Zahl der Lampen 1892
Dessau 1886 4000
Lübeck 1887 4000
Elberfeld 1887 9000
Barmen 1888 4000
Hamburg 1888 12000
Darmstadt 1888 5000
Hannover 1890 15000
Breslau 1890 10000
Cassel 1890 4000
Königsberg 1890 8000
Düsseldorf 1890 20000
Köln 1891 20000
Heilbronn 1891 4000
Von diesen benutzt Dessau als Betriebskraft Gasmotoren, Heilbronn und zum Teil auch Cassel Wasserkraft, alle übrigen Dampf. Dem System nach und in ihrer Einrichtung unterscheiden sie sich wesentlich. In den ältern Anlagen ist die Stromerzeugung, nach dem Vorbilde der von Edison selbst gebauten Centralen, auf eine große Zahl kleinerer Maschinen verteilt, die entweder einzeln oder zu mehrern mittels Riemen oder auch Seiltrieb von den betreffenden Motoren angetrieben werden. So findet man beispielsweise in dem alten Teile des Berliner Werkes in der Markgrafenstraße zwei Satz von je drei 180pferdigen Dampfmaschinen, von denen jede drei Dynamomaschinen treibt. Heute wendet man durchgängig wenige größere Maschinen an, deren Welle mit der der treibenden Dampfmaschine unmittelbar verbunden ist, wie dies Fig. 3 der Tafel Dampfmaschinen IV zeigt. So enthält z. B. das Düssel-^[folgende Seite]