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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Elektrische Lichterscheinungen

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Elektrische Lichterscheinungen

in verschiedenen Gasarten hervorgebracht werden. Besonders im Stickstoffgase bilden sie sich glänzend und werden bei Verdünnung des Gases ausgedehnt. In ausgezeichneter Schönheit beobachtet man diese Lichterscheinungen beim Durchgang der Elektricität durch die von Geißler in Bonn mit Hilfe der Quecksilberluftpumpe entleerten und hierauf zugeschmolzenen Glasröhren. Solche Geißlersche Röhren (Fig. 2) werden seit 1857 in der mannigfachsten Form angefertigt und enthalten nur außerordentlich geringe Mengen verschiedener Gase oder Dämpfe. Das elektrische Glimmlicht des Stick- und Wasserstoffs erscheint rot, des Chlors grünlich, des Leuchtgases weißlich, der Luft violett, über die verschiedenen Farbenstrahlen des elektrischen Lichts giebt die Spektralanalyse Auskunft. Nach den Ergebnissen derselben tragen in erster Linie zu der Farbe des elektrischen Funkens und elektrischen Lichts überhaupt die glühenden Metalldämpfe bei, die von den durch die elektrische Entladung abgerissenen Teilchen der Konduktoren herrühren; dann haben auch die glühenden Gasteilchen Einfluß. Ein reines Gasspektrum kann man erst erhalten, wenn die glühende Zerstäubung der Konduktoren oder anderer Stromzuleiter hintangehalten wird (z. B. durch Anwendung von Aluminiumpolen für die Zu- und Ableitung). Als Elektricitätsquelle für die Geißlerschen Röhren dient seltener die gewöhnliche Elektrisiermaschine, weil dieselbe zu ungleichmäßig und spärlich wirkt; noch weniger eine galvanische Batterie, weil dieselbe für diesen Zweck zu vielplattig und daher zu teuer werden müßte und man mit Hilfe eines Ruhmkorsffchen Induktors (s. Induktionsmaschinen) mit nur wenigen Volta-Elementen zu den glänzendsten Erscheinungen gelangt. Es wird daher hier ein solcher Induktor am häufigsten angewendet; dann auch die Influenzmaschine (s. d.).

^[Fig. 1.]

^[Fig. 2.]

Sowohl im elektrischen Ei als in den Geißlerschen Röhren ist der negative Pol von einem blauen Glimmlicht umflutet, dem ein dunkler Raum folgt. Hieran schließt sich wieder ein helles elektrisches Glimmlicht, das vom positiven, kräftig glühenden Pole ausströmt und bei höhern Verdünnungsgraden eine Schichtung, Streifung oder Stratifikation zeigt, die (Fig. 2) aus abwechselnd lichten und dunkeln Querbändern besteht. Dieselben sind etwas gebogen, mit der konkaven Seite gegen den positiven Pol. Ihre endgültige Erklärung ist noch nicht gegeben. Im allgemeinen tritt diese Schichtung besonders deutlich auf, wenn die Füllung der Röhren nicht aus ganz reinen Gasen besteht; ferner wenn der Leitungswiderstand der Zuleitung erhöht wird, z. B. durch Einschaltung eines nassen Fadens. Je mehr man die Röhren auspumpt, desto mehr schreitet, jedoch schwächer werdend, das blaue Glimmlicht gegen den positiven Pol vor, und desto mehr verschwindet jener dunkle Raum, der das negative von dem positiven, hellen Licht trennt. In außerordentlich gasverdünnten Glasröhren verlieren dann die Gasteilchen ihre gewöhnliche Eigenschaft, auch in beliebigen Krümmungen der Röhren zu erglühen; es breitet sich dann das negativ elektrische Glimmlicht nur geradlinig aus. Aus diesem schon von Hittorf (1869) entdeckten Verhalten des negativen Glimmlichts bei hohen Verdünnungsgraden wollte Crookes (1879) aus einer Reihe schöner Glimmversuche auf einen vierten Aggregationszustand schließen (Strahlende Materie, s. d.), seine Ansicht wurde jedoch widerlegt. Die Untersuchung über die elektrische Entladung in Gasen der Geißlerschen Röhren wurde neuerdings (1879-81) vielfach gepflogen (Goldstein, Reitlinger und Urbanitzky, Voller, Zoch u. a.), nachdem das Licht derselben schon früher (1865 u. s. w.) von Plücker, Hittorf, Wüllner, Reitlinger, Kühn u. a. studiert worden war. Wenn die Verdünnung in den Röhren sehr weit fortgeschritten ist, so geht kein elektrischer Funke mehr hindurch; ein sehr vollkommenes Vakuum gehört also zu den Nichtleitern der Elektricität. Auf den Lichtstrom in den Geißlerschen Röhren wirken Magnetpole im allgemeinen gerade so wie auf bewegliche Stromleiter. (S. Elektromagnetische Rotation.) Doch haben Plücker und Zittorf auch ganz besondere Wirkungsgesetze des Magneten auf das negative Licht gefunden. Da auch das Nordlicht auf Magnetnadeln ablenkend wirkt, so hält man es meist für ein großartiges, kräftig leuchtendes elektrisches Büschel- oder Glimmlicht.

Bestrahlt man mit dem elektrischen Lichte der Geißlerschen Röhren Canarienglas, Chininlösungen und andere fluorescierende Körper, so erhält man wegen seines Reichtums an ultravioletten Strahlen (s. Spektrum) prächtige Erscheinungen der Fluorescenz (s. d.). In ähnlicher Weise ergeben sich auch Erscheinungen der Phosphorescenz (s. d.), wenn das elektrische Licht empfindliche Phosphorcscenzkörper bestrahlt. Läßt man über ein Stück Zucker, Kreide, schwer- oder Flußspat kräftige elektrische Funken hinschlagen, so zeigen sich diese Stoffe nachher im Dunkeln leuchtend (sie phosphorescieren). Die sog. Lichtsauger oder Insolationsphosphore (z. B. Schwefelcalcium, Schwefelbaryum und Schwefelstrontium, wenn sie unter hoher Temperatur bereitet worden sind) leuchten, selbst in Glas eingeschlossen, schon, wenn sie nur in der Nähe der Stelle sich befunden haben, wo der elektrische Funke überspringt, sofern nur sein Licht sie bestrahlt hat (Phosphorescenzröhren und nachleuchtende Glasröhren).

Mit dem nur schwach leuchtenden Glimmlichte der Geißlerschen Röhren darf man das kräftige elektrische Licht der weißglühenden Drähte oder weißglühenden Kohlenfäden (s. Elektrisches Glühen und