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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Elektrische Telegraphen
3) In den Nadeltelegraphen, zu denen auch die bereits eingangs erwähnten Telegraphen von Gauß und Weber und von Schilling gehören, werden die meistenteils durch das Auge zu beobachtenden Zeichen durch die Ablenkung eines Magnetstabes, besonders der Magnetnadel 6 L (s. Taf. I, Fig. 1) eines Galvanometers hervorgebracht, die im Innern einer als Multiplikator wirkenden Drahtrolle 6 untergebracht ist und auf deren Achse vor dem Apparatgehäuse ein Zeiger a d aufgesteckt ist. Meistens wünscht man die Nadel beliebig nach links und nach rechts ablenken zu können und telegraphiert deshalb mit Arbeitsströmen von zweierlei Richtung (s. Telegraphenbetriebsweisen), welche durch die Rolle 6 gesendet werden. Die Ablenkungen nach links (1) und rechts (r) werden zur Bezeichnung der Buchstaben, Ziffern u. s. w. passend gruppiert, z. B. r 1 lI ^ l, rr 1 ^- F, r 1 -^ ä, i-11 r --- 2. Um scharf begrenzte Ablenkungen zu erbalten, benutzt man aperiodische Galvanometer (s. Dämpfer). Der rascher arbeitende Doppelnadeltelegraph enthält zwei Magnetnadeln, die nach links oder nach rechts abgelenkt werden können, er erfordert aber zu seinem Betriebe zwei Telegraphenleitungen. Die Nadeltelegraphen haben sich unter dem Schutze der Patente am längsten in England erhalten, doch hatte die Kaiser-Ferdinands-Nordbahn aus Nebenlinien die Vainschen Nadeltelegraphen auch bis 1886 in Betrieb; sie wurden besonders durch Schreibund Drucktelegraphen ersetzt. Dafür fand der Nadeltelegraph beim Betrieb langer unterseeischer Linien Verwendung, weil es hier darauf ankam, mit möglichst schwachen Strömen zu telegraphieren; Professor William Thomson in Glasgow gab hierzu dem schon 1833 von Gauß und Weber benutzten
Spiegelgalvanometer 1858 eine sehr zweckmäßige Einrichtung; dasselbe wird als Marinegalvanometer auf dem Schiffe während der Versenkung von Telegraphentauen benutzt und dazu so eingerichtet, daß die Schwankungen des Schiffs selbst bei stürmischem Wetter die Stellung des Spiegelchens gegen die Skala nicht beeinflussen.
Das jetzt in der Kabeltelegraphie benutzte Spiegelgalvanometer (Taf. I, Fig. 2) enthält innerhalb der auf einem Holzfuße l' befestigten Messingkapsel 15 eine Drahtrolle und eine einfache (nicht astatische) Nadel, welche an der Rückseite eines Hohlspiegelchens von 8 bis 12 mm Durchmesser festgeklebt und mittels zweier ganz kurzen Fäden in einer in die Kapsel 15 eingeschobenen Messingröhre^ eingespannt ist. Mittels des halbkreisförmigen kräftigen Stahlmagnets N erteilt man der Nadel die nötige Richtung. Eine Petroleumlampe wirft durch eine Linse ihre Lichtstrahlen auf den Spiegel, welcher sie auf eine mit Papier überzogene Skala zurückwirft. Ein Ablenken des Strahls auf der Skala nach links bedeutet einen Punkt, ein Ablenken nach rechts einen Strich des Morse-Alphabets (vgl. ?). Die zu raschem Arbeiten nötige kräftige Dämpfung der Nadelschwingungen erreichte man teils durch Einschließen der Nadel in eine Lustkammer, teils durch Aufhängen der Nadel in einer mit Glycerin gefüllten Röhre. Letzteres ist u. a. bei den von Siemens Brothers für die American Cable Company gefertigten Sprechgalvanometern (Taf. I, Fig. 3) der Fall. Bei diesen sind zwei kleine, sehr starke Magnetstäbe u^ und m-z, welche durch zwei in der Rolle befindliche seitliche Schlitze hindurchgehen, möglichst nahe an die Spiegelröhre gerückt und zwar so, daß ihre ungleichnamigen Pole n und ß die Nadel v zwischen sich fassen, letztere daher in einem sehr intensiven magnetischen Felde schwebt. Die beiden Magnete sind an Zahnstangen befestigt und ihre Abstände von der Röhre lassen sich mit Hilfe der Handrädchen ri und i'2 auf das feinste regulieren. Die den Spiegel enthaltende Röhre ist in sehr sinnreicher Weise so angeordnet, daß man die Füllung mit Glycerin leicht vornehmen kann, ohne das Eintreten von Luftblasen befürchten zu müssen, und auch die etwa reißenden Aufhängefäden lassen sich leicht erneuern. 4) Die Zeigertelegraphen, welche in Haustelegraphenanlagen noch vielfach benutzt werden, enthalten meistenteils eine Buchstabenscheibe, d. i. eine Scheibe, worauf die Buchstaben, Ziffern und sonstigen Zeichen im Kreise herum aufgeschrieben sind, vor der Scheibe aber läuft ein Zeiger um, welcher ähnlich wie der Uhrzeiger teils unter Mitwirkung eines Triebwerks, teils bloß durch die elektrischen Wirkungen über den Zeichen fortrückt und eine kurze Zeit stillsteht, wenn er auf dem zu telegraphierenden Buchstaben eingetroffen ist. Die zur meist schrittweisen Bewegung des Zeigers erforderlichen Schließungen und Unterbrechungen bez. Umkehrungen des galvanischen Stroms bewirkten Wheatstone (1840), Fardely in Mannheim (1843), Breguet (1845) u. a. mittels einer von der Hand des Telegraphisten auszuführenden Drehung einer Kurbel oder dergleichen über einer Buchstabenscheibe; Cooke (1836), Leonhardt (1845) u. a. übertrugen diese Bewegungen einem Triebwerke, Siemens (1846), Kramer (1847) u. a. dem sich selbst unterbrechenden Strome, sodaß der Telegraphierende nur das Telegramm auf den Tasten oder Knöpfen einer Klaviatur abzuspielen brauchte. Jetzt haben unter den Zeigertelegraphen fast nur die mit Magnetinduktionsströmen arbeitenden noch Bedeutung; solche lieferte 1847 zuerst Stöhrer; die verbreitetsten derselben sind die Magnetzeiger von Siemens & Halste (1856) und von Wheatstone. Ersterer ist auf Taf. I, Fig. 4-7 abgebildet; er enthält im Sender (Fig. 7) den sehr zweckmäßig eingerichteten, mittels der Kurbel 15 und eines Zahnräderpaars zwischen den Magneten N in Umdrehung zu versetzenden Cylinderinduktor ^ von Siemens, im Empfänger ein eigentümliches, den Zeiger ohne Mithilfe eines Triebwerkes bewegendes Magnetsystem. Die Kurbel X sitzt auf der Achse v, läßt sich aber um einen durchgesteckten Stift etwas heben und senken; die während der Drehung der Kurbel X vom Induktor.1 erzeugten Wechselströme werden von den Klemmen ä, und ^ aus abgeführt; durch den Kontakthebel II wird die Induktorspule während des Empfangens selbstthätig kurz geschlossen. Die durch die Spule N des Empfängers (s. Fig. 6 und Detail Fig. 5) gehenden Ströme bewegen den in der Spule drehbar angebrachten und mit seinen Fortsätzen ^ zwischen die Pole X und 3 der Magnete L^ und özz hineinragenden Eisenkern sowie die mit demselben verbundene Gabel v zwischen den Anschlagschrauben 1i^ und ^ hin und her, wobei die an den Enden v^ und D.^ der Gabel sitzenden Zugfedern ki und tZ ein Steigrädchen r und den auf dessen Achse x vor dem Zifferblatt V (Fig. 4) sitzenden Zeiger ^ in Umdrehung versetzen; die Anschlagschrauben 3i und A verhüten eine zu weite Drehung des Rädchens i- und des Zeigers N bei jedem einzelnen Schritte. In Fig. 4, die den Geber (im untern Teil H) und den Empfänger (im obern