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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Elektrizität - Elektrochemische Theorie

65 cm weit aus dem Konduktor auf einen mit der Erde in Verbindung stehenden Leiter über. - Als Erfinder der E. wird gewöhnlich Guericke (1672) angegeben; aber da er seine Schwefelkugel bloß mit der Hand rieb, und auch kein Konduktor vorhanden war, so schreibt man in neuerer Zeit die Erfindung der E. Hausen, Winkler und Bose zu, die um 1743 die elektrische Cylindermaschine ersonnen haben. Die elektrische Scheibenmaschine rührt von Planta (1755) her und hat seit ihrer Erfindung mannigfache Wandlungen im Baue durchgemacht. Eine ihrer Hauptvorzüge, verglichen mit der ältern Cylindermaschine, ist, daß an der erstern beide Oberflächen gerieben werden, an der Cylindermaschine jedoch nur die äußere Mantelfläche.

Bei jeder Reibungsmaschine, wenn sie kräftig wirken soll, muß die umgebende Luft trocken sein und ebenso ihre Glasteile, die daher vor dem Gebrauche mit einem Scidenlappen abgerieben werden. Je größer an der elektrischen Scheibenmaschine die Glasscheibe ist, je schneller dieselbe rotiert und je besser die eine Elektricität zur Erde abgeleitet wird, desto wirksamer erweist sich, unter sonst gleichen Umständen, die E. Die Versuche mittels der E. sind sehr zahlreich und mannigfaltig; die meisten derselben werden am positiven Konduktor angestellt. Wenn daher kurzweg vom Konduktor gesprochen wird, so meint man in der Regel den positiven. Zunächst giebt die E. ein Beispiel, wie mechanische in elektrische Energie, nach größerm Maßstabe, umgewandelt wird.

Zur Prüfung des elektrischen Zustands des Konduktors dient das Quadranten-Elektroskop (s. Elektroskope). Dasselbe besteht aus einem gut leitenden Säulchen, das ein um eine wagerechte Achse drehbares Pendel trägt. Dessen Kügelchen, aus Holundermark oder Kork, ist an einem Holzstäbchen oder Strohhalm befestigt. Dieses Instrumentchen wird oben in den Konduktor eingesteckt. Solange der letztere unelektrisch ist, bleibt das Pendelchen ruhig an dem dazugehörigen Süulchen liegen. Sobald aber der Konduktor, und mit diesem auch das Säulchen und das Pendelchen, elektrisch ist, weicht letzteres durch Abstoßung ab.

Die elektrische Abstoßung zeigt sich durch das Auseinandertreiben eines auf den Konduktor gesetzten Papierbusches, den Elektrischen Kugeltanz (s. d.), das Elektrische Glockenspiel (s. d.), das Elektrische Flugrädchen (s. d.) und viele andere derartige Spielzeuge. Auf dem Isolierschemel (s. d.) stehende Personen können bei Berührung des Konduktors elektrische Ladungen annehmen und in Form von Funken an andere Personen abgeben.

In neuerer Zeit (1864) haben Holtz und Töpler die nach ihnen benannten Influenzmaschinen (s. d.) erfunden.

Im J. 1840 machte ein engl. Maschinenwärter zufällig die Erfahrung, daß aus dem Wasserdampf, der einer Fuge des Ventilsitzes seiner Dampfmaschine entströmte, elektrische Funken nach seiner Hand überschlugen, wenn er letztere in jenen entweichenden Dampf und die andere Hand an den Dampfkessel legte. Sir William Armstrong, der hiervon hörte, untersuchte die Bedingungen dieser elektrischen Erscheinung und konstruierte noch in demselben Jahre die nach ihm benannte Dampf- oder Hydro-Elektrisiermaschine. Dieselbe besteht aus einem durch vier starke Glasstützen isolierten Dampfkessel mit innerer Feuerung derart, daß letztere gänzlich von dem zu erhitzenden Wasser umgeben ist. Die Elektricität entsteht hier durch die Reibung der in den Ausströmungsröhren niedergeschlagenen Wasserteilchen, welche durch den ausströmenden Dampf mit Heftigkeit gegen die innere Wand eines am Ende der Ausflußöffnung liegenden kleinen und hohlen Holzcylinders getrieben werden. Die Dampfelektrisiermaschine ist also eigentlich auch eine Reibungsmaschine. Aus dem auf diese Weise stark positiv elektrisch gemachten Dampfe nimmt der Konduktor die positive Elektricität auf. Man erhielt mittels einer Armstrongschen großen Hydro-Elektrisiermaschine 36 cm lange elektrische Funken, die fast ohne Unterbrechung auf einen Funkenzieher mit hoher Spannung überströmten; Flaschenbatterien von großer elektrischer Kapacität wurden in etwa einer halben Minute vollkommen geladen; überhaupt traten alle elektrischen Erscheinungen in großem Maßstabe auf. Die Dampfelektrisiermaschine hat mancherlei Versuche veranlaßt, die Entstehung der atmosphärischen Elektricität durch die Verdampfung des Wassers oder durch die Reibung der Wasserdämpfe zu erklären, die sich jedoch als nicht stichhaltig erwiesen haben.

Elektrizität, s. Elektricität.

Elektroballistisches Pendel, zuweilen Bezeichnung für eine von Pouillet erdachte Vorrichtung zur Messung kleiner Zeiten. (S. auch Chronoskop.) Läßt man auf die Nadel eines Galvanometers (s. d.) durch eine sehr kurze Zeit t, während welcher die Nadel nicht merklich die Gleichgewichtslage verlassen kann, einen Strom von der bekannten Stärke i einwirken, so wächst der Ausschlag der Nadel mit dem Produkt it. Der einem bestimmten Werte von t entsprechende Ausschlag läßt sich berechnen, aber auch empirisch bestimmen, indem man gleichmäßig rotierende Scheiben mit leitenden Sektoren von wechselnder Breite versieht, welche den Strom i durch eine bekannte Zeit geschlossen halten. Wird nun z. B. beim Abfeuern eines Gewehrs durch den Drücker derselbe Strom i geschlossen, durch das den Lauf verlassende Geschoß aber wieder unterbrochen, so kann man aus dem Nadelausschlag auf die Zeit schließen, welche vom Abdrücken bis zum Austritt des Projektils aus dem Lauf verflossen ist. - Vgl. Poggendorffs "Annalen der Physik und Chemie", Bd. 64, S. 452.

Elektrobioskopie (grch.), s. Elektrotherapie.

Elektrochemie (grch.), die gesamte Lehre von dem Zusammenhange chem. und elektrischer Vorgänge (s. Elektrochemische Theorie).

Elektrochemischer Schutz. Wenn man mit einem Metall ein zweites in Berührung bringt, das mit dem erstern ein galvanisches Element bildet, in dem letzteres chemisch angegriffen wird, so bleibt ersteres unversehrt und ist elektrochemisch geschützt. Solche vor Oxydationen schützende Metalle heißen Protektoren. Diese oxydieren oder verrosten dann um so stärker. Die eisernen Nägel an Kupferdächern rosten schnell. Eiserne Solpfannen schützt man elektrochemisch durch Zink gegen das Rosten. Davys E. S. (1824) des Kupferbeschlags mittels Zink an Schiffen wird nicht angewendet, weil sich am reinen Kupfer Schaltiere u. s. w. anhängen.

Elektrochemische Schreibtelegraphen, s. Elektrische Telegraphen A, 7.

Elektrochemische Spannungsreihe, s. Elektrochemische Theorie.

Elektrochemische Telegraphen, s. Elektrische Telegraphen A, 7.

Elektrochemische Theorie. Gegen Ende des 18. und zu Anfang des 19. Jahrh. waren vielfache