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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Elzheimer - Email
men hatte, ließ er sich 1637 in Amsterdam nieder,
wo er eine eigene Buchhandlung und Vuchdruckerei
errichtete. Während die Leidener Handlung bei
ihrem Verlage stets genötigt war, Rücksicht aus die
Leidener Orthodoxen zu nehmen, hatte Ludwig in
der Wahl seiner Verlagswerke vollkommene Frei-
heit; er trat mit dem berühmten Hugo Grotius in
Verbindung, druckte seit 1643 alle Werke des Car-
tesius und verlegte sowohl Schriften der Katholiken
wie der Protestanten. Seit 1655 war mit ihm der
erwähnte Daniel, Vonaventuras Sohn, vereinigt,
der zugleich verschiedene Leidener Verlagsartitel
mit in das Geschäft brachte. Seit dieser Zeit er-
schienen auch in Amsterdam die Duodezausgaben,
welche bis dahin als ein Monopol des Leidener
Hauses gegolten hatten. In Beziehung auf typo-
graphische Ausstattung wetteiferte die Amsterdamer
Buchdruckerei mit der Leidener. Ihre Meisterwerke
sind das "Oorpu8 ^uri8 eivi1i8" (2 Bde., 1668) und
die sranz. Bibel (2 Bde., 1669), beide in Folio. Das
Druckerzeichen war ein Ölbaum, unter dem lints eine
Eule, rechts Minerva steht, mit der Llgis in der einen
und einem Bande in der andern Hand; dieses trägt
die Devise: ^6 sxtra oleas. Ludwig zog sich 1664
auf sein Landgut zurück, doch uahm er noch an dem
Abschluß einigerVcrlagswerke, besonders der 1669er
Bibel teil; bereits 1670 starb er. Daniel war der
letzte E., welchen der typographische Ehrgeiz des
Hauses beseelte, doch war er bereite genötigt, fremde
Kräfte zur Leitung des Geschäfts zu berufen. Die
Leitung der Buchhandlung teilte er mit Zettcr;
Joh. Heinr. Wetstein (der Sohn), welcker sicb in
seinem Geschäft ausgebildet batte, unterstützte ihn
bei Herausgabe des großen Lagerkatalogs l1674),
der in 7 Teilen über 20000 Wcrte enthielt. Daniel
starb im Okt. 1680, das Geschäft wurde noch ein
Jahr lang von seiner Witwe Anna, geborenen Beer-
ninck, bis zu ihrem Tode 1681 fortgeführt, worauf
es verkauft und das Lager versteigert wurde. Ein
großer Teil des Geschäfts gelangte an den Drucker
und Buchhändler Adrian Moetjens im Haag; die
Liquidation ergab eine Summe von etwa 200000 M.
Über die E.scken Ausgaben des sog. ^6xtu8 rsesp-
w8s.Vibcl (Vd.2,S.959a).
Die Zahl der E.schen Verlagswerke beläuft sich
auf 2000; 21 Kataloge enthalten die Verzeichnisse
derselben. Die Drucke von E. sind vielfach Gegen-
stand des Sammeleifers geworden; die seltenen,
wie z. B. "I^e I>N8ti88i6r kran90i8" (Amsterd. 165>5)
und Ausgaben der franz. Dichter lMoliere, Cor-
neille u. s. w.), werden mit sehr hohen Preisen bezablt.
Vgl.Sirn.Börard, N83ki didlio^laMiHnk 8ur lä8
6äition8 cl68 N26vii-8 (Par. 1822); W. I. C. Nammel-
man Elsevier, Hitkoin8t6ii van 6Q 0nä6l^06k om-
trsut ä6 Ni86vi6r8 (Utrecht 1845); A. de Reume,
I^6c1i6I'c1i68 Ki8t0ri<1U68, F6U6HI0FMI68 6t didlio"
ßlÄp1iiqu68 8ur 168 Ni86vi6r (Brüss. 1847); (5H.
Pieters, ^nng.168 äe 1'iinpi-im6li6 6i36vii-i6nn6
(2. Aufl., Gent 1858, mit Zusätzen 1860); Alph.
Willems, 1^68 Nixsvißi-; Ki8toir6 6t anuNl68 t^o-
8rapkihu68 (Brüss. 1880).
Elzheimer, Adam, Maler, s. Elsheimer.
Elzthalbahn, s. Denzlmgen-Waldkirchcr Eisen-
bahn, ft/h. desselben Monats.
N. ui", Abkürzung von 6^i8ä6ni ni6ii8i8 (lat.),
^ni., Abkürzung für Emeritus (s. d.).
Emacerieren (lat.), ausmergeln, abmagern.
Email (frz., spr. emäj; ital. 8ma1to), Schmelz
(wovon auch das frz. und ital. abzuleiten), Schmelz-
Brockhaus' Konversations-Lexilon.. 14. Aufl. VI.
glas, eine verglaste oder glasige und gefärbte
Schmelzmasse, die dazu dient, Gefäße aus Meta/<!
oder gebrannter Erde zu überziehen, um sie bei dem
Gebrauche und in Berührung mit Flüssigkeiten vor
der Oxydation zu sichern und dadurch giftige Wir-
kungen zu hindern oder ihnen farbig dekorative Wir-
kung zu geben. (S. Emaillieren.) Besonders die
letztere Anwendung ist die weitaus wichtigste und
interessanteste (Emailmalerei). Schon die ägypt.
Kunstindustrie kennt das E. in dieser Verwendung,
sowobl für Gold wie für Erz. Beispiele sind selten;
man findet sie z. B. in den Louvresammlungen und
in München. Auch die griech. Goldschmicdetunst
kannte dasselbe; verschiedener antiker Goldschmuck
zeigt die deutlichsten Spuren von echtem, auf-
geschmolzenem E., obwohl röm. Schriftsteller der
Kaiserzeit die Technik als griech. oder italifche Ar-
beit nickt mehr zu kennen scheinen. Eine regelmäßige
Entwicklungsgeschichte des E. beginnt mit der byzant.
Kunst. Zier wurde im 1. Jahrtausend n. Cbr. die-
jenige Technik des E. geübt, die man Cloisonnö
oder Zellenschmelz nennt. Auf eine Metallplatte
wurden zarte biegsame Goldbänder so mit der Kante
ausgelötet, daß sie die Umrisse einer gewünschten
Zeichnung ergaben. In die so entstandenen Ver-
tiefungen (c1ni80N8, Zellen) wurde das mit Metall-
oryden gefärbte Schmelzpulvcr gethan, und die
Platte sodann über das Feuer gehalten, bis die
Masse gesckmolzen und angeschmolzen war. Der
Prozeß wurde wiederholt, bis die nötige Höhe des
E. erreicht war, dann dieses abgeschlissen und po-
liert. Dieser byzant. Zellenschmelz ist sehr feine Ar-
beit, stets auf Gold und sehr selten. Ein vorzüg-
liches Beispiel ist die I^w ä'oro in San Marco zu
Venedig. Nach dem I. 1000 wurde besonders im
westl. Europa eine zweite Art, Champleve' oder
Gruben schmelz angewandt, der, stets auf Erz
oder Kupfer, sich dadurch von dem Zellenschmelz
untcrfcheidct, daß die Vertiefungen zur Aufnahme
der Schmelzmasse durch den Grabstichel aus der
dickern Metallplatte herausgegraben werden. Die
Blütezeit dieser Technik fällt in das 12. und
13. Iabrh., Hauptstätten der Fabrikation waren
zuerst Köln, dann Trier und andere rheinländ.
Orte; danach kam die Fabrikation nach Limoges,
woher sie auch wohl als Limo sin er E. oder kurz-
weg Limoges bezeichnet wird. Zahlreiche und
großartige Beispiele in Neliquiarien, Crucifixen,
Gefäßen finden sich in vielen rhein. Städten (Schrein
der heil. Drei Könige in Köln, Schrein Karlsd. Gr.
in Aachen) und säst in allen Museen. Das späteste
Beispiel von Bedeutung ist der sog. Verduner Altar
in Klostcrneuburg bei Wien.
Im 14. Jahrh, trat an die Stelle des Gruben-
schmelze^ eine neue dritte Art, das durchsichtige
E. auf reliefartig gravierter Silberplatte. In kleine
Platten wurde die meist figürliche Zeichnung so gra-
viert oder geschnitten, daß sie ein sehr flaches, aber
scharf umrissenes Relief bildete, und dann dis
ganze Fläche mit verschiedenfarbiger, durchsichtiger
Schmelzmasse überzogen. Wo die Schicht dünner
war, glänzte das blanke Silber durch und gab die
Lichtpartien; an den tiefern Stellen sammelte sich
das E. dichter und gab so die duntlern Schatten.
Wirkung und Technik waren äußerst zart. Ital.
Goldschmiede des 15. Jahrh., z. B. Maso Finiguerra
(Beispiele im Vargello zu Florenz und im Museum
zu Wien) brachten sie zur höchsten Vollendung. Die
vierte Hauptart ist das spa. Malcremail, dessen
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