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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Englisches Theater
Examina ablegt (weiblichen ebenso wie männlichen '
Kandidaten); außerdem giebt es in London zwei ^
universitätsartige Anstalten: das konfessionslose
Ilnivei-sit)' (^0116^6 und das anglikan. Xin<^3 (^oi- !
16^6, welche nach Art der deutschen Universitäten ^
in Fakultäten eingeteilt sind, aber nicht das Necht !
haben, akademische Würden zu verleihen. Jede der "
beiden Anstalten hat eine mediz. Fakultät, mit wel-
cher ein Hospital verbunden ist. Ferner sind aber auch
mit folgenden Hospitälern: Guys, St. Vartbolo-
mews, St. Georges und St. Tbomas' selbstän-
dige mediz. Lehranstalten verknüpft. Naturwissen-
schaften werden auch in dem aus Staatsmitteln er-
haltenen ^079.1 (Mlexo ol 80101106 gelehrt und end-
lich haben die Nechtsinnungen (I11113 ot'^oni-t, s. d.)
eine ueuerdings reorganisierte jurist. Lehranstalt.
Die vielfachen Bemühungen, alle diese zersplitterten ^
Psianzschulen wissenschaftlicher Bildung zu centra-
lisieren und eine große Londoner lehrende und prü-
fende Universität zu begründen, haben bis jetzt zu
keinem Resultate geführt.
Die Victoria ^nivei'Litv, deren Sitz in Man-
chester ist, beschränkt sich ebenso wie die Hniversity
of I^onäon auf das Gebiet der Prüfungen, doch
werden zu diefen nur solche Kandidaten zugelassen,
wclcke in einem der mit der Universität in Zusam-
menhang stehenden in verschiedenen Städten befind-
lichen (ÜoIIog'ez die vorgeschriebenen ^tndien ge-
mackt haben. Unter diesen ^oU6F68 ist das bedeu-
tendste das 185)0 begründete 0n6n'3 s^Ne^L in
Manchester, das Vorlesungen auf allen Gebieten er-
teilt, aber hauptsächlich auf dem Gebiete der Natur-
wissenschaften hervorragend ist. Diese aus kleinen
Anfängen hcrvorgegangene Anstalt ist durch den
Opfersinn zahlreicher begüterter Bewohner des
nördl. England mit sehr bedeutenden Mitteln ausge-
stattet worden und bietet für die tbätige und intelli-
gente Bevölkerung der Fabrikstädte von Lancashire
eine treffliche Gelegenheit zu höherer Ausbilduug.
Außerdem sind eine große Anzahl von ^c>1Ic^ü8
verschiedener Art im Lande verstreut. Die Univer-
sität Turham ist von geringer Bedeutung.
Litteratur. 1l^)^it3 ot' tiiö 8^1i<^l8 iiihiiii-v
commi^inn (21 Bde., Lond. 1868-6^1); Il^cit of
t1l6 coinini83ion 011 t1i(5 ^I'0i)6it)' etc. ok Oxloili
llnä CambridFu (ebd. 1874); Fearon, 80I100I inzpeo
tion3 (ebd. 1876); Pascoe, 1^i'u^ti<^l lilinädoolv to
tdk i)i'inciplil 8c1i0l)l8 in I^n^lluid (ebd. 1877); ders.,
8c1io0i8 foi' Fii'i3 and co1l^^L8 t'or ^vomen (ebd.
1879); Carteret-Aisson, Oui'Lc1i0oi8 linä coI1e308
(4. Aufl., ebd. 187l)); Cotterill, 3u^F08t0ä r6koi'ui8
in pudlic 8c1i0ol3 (ebd. 1885); M. Arnold, Uc-
poi-r l)n LieinLutai'^ 8c1i0oi3 1852-82 (ebd. 1889);
Owen, II16 6i6in6iitÄi-^ eäucHtioii ^.ct3 (17. Aufl.,
ebd. 1891). Jährlich erscheint: 'IIi" I^ndlic 8^w0lä'
voar doolc; serner veröffentlicht jede Universität jähr-
lich einen "C^onllai-" mit ausführlicher Auskunst.
Englisches Theater. Die erste Stätte dramat.
Aufführungen war auch in England die Kirche.
Geistliche waren nicht nur die Versasser der meisten
Mysterien, sondern ursprünglich auch die alleinigen
Darsteller. Die Vorstellung fand zuerst in, dann vor
der Kirche statt. Als aber dald die Aufführung der
Mysterien mit in die Hände der Laien überging,
wurden hauptsächlich die Angehörigen derZünfte und
Innungen die Vertreter der dramat. ^unst. Durch i
sie mustte natürlich eine Menge profaner Elemente
m die Mysterien hineingetragen werden. Die Auf-
führungen fanden besondere am Fronleichnams-und ^
Pfingstfeste statt und zwar auf hölzernen Gerüsten,
die anfangs, auf Nä'dern ruhend, in den Straßen
umbergefahren, daun an bestimmten Orten aufge-
schlagen wurden. Die Bühnen der Wagen waren in
drei Stockwerke geteilt, um Himmel, Erde und Hölle
darstellen zu können, und mit Teppichen behängt.
Im untersten Naum des Wagens kleideten sich die
Schauspieler an. Wandernde Schauspieler-Gesell-
schaften werden zuerst unter Heinrich VI. erwähnt.
Einen ungewohnten Ausschwung nahm das Theater-
wesen unter der Königin Elisabeth. Ihr Sinn sür
theatralische Schau (deun sie liebte auch maskierte
Spiele) teilte sich schnell den Großen des Reichs mit,
und nickt lange, so war das Land dergestalt voll
wandernder Schauspieler, daß es 1572 nötig wurde,
sie auf die Erlaubnis von wenigstens zwei Friedens-
richtern anzuweisen. Dies bewog den Grafen Lei-
cester, feinen Sckauspielern den ersten königl. Frei-
bries (vom 10. Mai 1574) auszuwirken, der ihnen
das Necht erteilte, bis auf Widerruf überall zu
spielen. Diese Urkunde erwähnt zuerst ausdrücklich
Komödie und Tragödie.
Der trotzige Eigenwille des Lord-Mayors von
London, Leicesters Schauspieler uicht in der City
spielen zu lassen, und sein strenges Verbot jeder
Aufführnng von Schauspielen, hatten 1576-80
außerhalb des Bereichs des Mayors, an der Grenze
der City, drei Theater ins Dasein gerufen, die ersten
in London eigens für dramat. Vorstellungen ein-
gcrickteten Gebäude. Wie noch jetzt, fo war London
von Anfang an der Brennpunkt der theatralischen
Kunst in England, und es ist mithin die Geschichte
der Londoner auch die Geschichte der engl. Bühne.
Die Königin Elisabeth uahm 1583 zwölf Schau-
spieler alv t1i6 (^uo0u'8 p1a^6i-3 ausfchließlich in
ihre Dienste. Die Zahl der Schauspieler vermehrte
sich so rasch, daß sie bald auf den heimischen Büh-
nen keinen Naum mehr fanden und sich nach dem
Feftlande, namentlich nach den Niederlanden und
Deutschland wendeten, wo schon von 1586 an die
Englischen Komödianten (s. d.) in Ansehen standen.
Besonders anziehend ist ein Blick auf die ein-
fachen äußern Einrichtungen, vermittelst deren das
Elisadcthanische Drama seine beispiellosen Erfolge
erzielte. Das Elifabethanifche Theater war eigent-
lich nichts als eine Erweiterung oder Verbesserung
des früher in den Höfen von Wirtsha'ufern auf-
geschlagenen Schaugerüstes, gewöhnlich ein aus
Holz und Mörtel aufgeführter kreisrunder Bau, der,
sofern das Theater ein öffentliches war, keine Be-
dachung hatte. Eine Flagge, die den Namen des
Hauses trug, wurde während der Dauer der Vor-
stellungen aufgeheißt. Das Innere enthielt Logen,
Galerien und einen Parterre- oder Hofraum ohne
Sitze. Die überdeckten Privatthcater waren durch
Fackeln oder gewöhnliche Lichter erleuchtet. Das
Globe-Theater aus der spätern Shakespeareschen
Periode war ein sechsseitiges, oben teils offenes,
teils mit Stroh gedecktes Gebäude. Auf der Bühne,
die in der Negel mit Vinfen bestreut war, lagen
oder saßen auf Schemeln die jungen Vornehmen
und Schöngeister, sich in den Zwischenpausen mit
Lesen, Spielen und Nauchen die Zeit vertreibend.
Die Garderobe der Schauspieler war zwar verhält-
nismäßig glänzend, desto kunstloser waren aber die
sonstigen Nequisiten; herabhängende Teppiche und
Tapeten vertraten die Stelle von Coulissen, ein
Brett mit dem Namen eines Landes oder einer
^tadt zeigte den Ort der Handlung an. Eine von