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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ephorie - Efthräm
Lykurgische Verfassung wiederherstellen wollte, ward
er 240 v. Chr. von den E. erdrosselt. König Kleo-
menes ill., der erneute Reformversuche machte, hob
226 v. Chr. das Institut der E. auf, aber als er
221 den Thron verlor, ward das Eph orat wieder-
hergestellt. - Vgl. Dum, Entstehung und Entwick-
lung des spartan. Epborats (Innsbruck 1878).
Ephorie, der einem Ephörus (s. d.) oder Super-
intendenten unterstellte Sprengel.
Ephoros, s. Ephörus.
Ephörus (grch. 61^101-03), spartan. Behörde,
s. Ephoren. In der reform. Kirche ist E. Bezeichnung
für Superintendent (s. d.). In manchen Anstalten,
z. V. Seminaren, führt ein Vorsteher den Titel E.
Ephörus (Ephoros) aus Kyme in dem klein-
asiat. 'Uolis, gricch. Geschichtschreiber des 4. vor-
ckristl. Jahrh. Sein Hauptwert waren die 30 Bücher
"Historien", in denen er (unter bestimmter Trennung
der Mythen von der Geschichte) die Geschickte Grie-
chenlands (in Verbindung mit der des Auslandes)
von der dor. Wanderung bis zu den Kämpsen des
macedon. Philipp um die Stadt Perinth behandelte.
DieFragmentedes E. sammelte Ätarr(Karlvr. 1815),
dann (5. Müller in den "I^a^menta Iiizwiicoram
(^ecoi-um", Bd. 1 u. 3 Gar. 1841-49). - Vgl.
Klügmann, D" Uplwi'o 1n8tm'ico Oi'lleco (Gott.
Ephraennten, s. Ephra'imiten. ^1860).
Ephra'im, einer der 12 Stämme des israel. Volks,
im Centrum des Landes aus dem nach ihm benann-
ten Gebirge E. wohnhaft. Die hebr. Überliefe-
rung leitet ihn von dem zweiten Sohne des Joseph
ab, den Jakob zugleich mit seinen eigenen Söhnen
zum Erben eingesetzt habe. Mit Manasse zusam-
men bildete er in ältester Zeit das "Haus Joseph".
Die Kultstätten von Bethet und Silo lagen auf
seinem Gebiet. Nach Sauls Tode erkannte E. mit
allen nördl. Stämmen Sauls Sohn Eschbaal (I5-
boseth) als rechtmäßigen König an, während der
Stamm Iuda vom Reiche Israel abfiel und seinen
Landsmann David zum König wählte. Die Riva-
lität beider Stämme ward seitdem die Hauptursache
heftiger innerer Unruhen. Nach Ermordung Isbo-
seths duldeten die Ephraimiten die Davidischc Re-
gierung und die Hegemonie Judas, aber schon gegen
Ende von Davids Leben kam es zu Ausständen,
die sich auch unter Salomo wiederholten und nach
dessen Tode zur definitiven Trennung Israels in
zwei Reiche, das Reich Iuda und das Reich E.,
führten (wahrscheinlich um975 v. Chr.). DerBegrün-
der des letztern wurde der Ephraimite Icrobeam,
der alle Stämme bis auf Iuda für seine Hcrrschast
gewann. Das Reich E., mit der Hauptstadt Sichem,
dann Tirza und später Samaria, betrachtete sich mit
Recht als die legitime Fortsetzung des von Saul ge-
gründeten israel. Reichs. Ihm fiel daher von selbst
der alte nationale Ehrenname Israel zu. Es war
der Hüter des nationalen Gedankens. Auch der
Fortschritt der religiösen Entwicklung vollzog sich
zunächst in ihm. Allein es vermochte sich nicht zu
einer festen Evbmonarchie zu entwickeln. Dynastie
folgte auf Dynastie im raschen Wechsel. Nachdem es
die Jahrhunderte langen Syrerlriege überdauert,
fiel es 722 v. Chr. dem Assyrischen Reich zur Beute.
Die hauptstädtische Bevölkerung und das in dem
eroberten Samarien ergriffene Heer wurden depor-
tiert, das Land assyr. Provinz. Die Masse der Be-
völkerung blieb zwar wohnen, allein es wnrdcn auch
fremde Kolonisten ins Land geführt. Die spätern
Schicksale der israel. Bevölkerung des mittlern Lan-
des s. unter Samantancr. - E. heißt auch ein Ort
im Gebiete des Stammes (2 Sam. 13,2:;), wahrschein-
lich mit dem samarit. Bezirk Aphcrima '^cnNich,
den 145 v. Chr. der Makkabäer Ionathan mit seinem
Gebiete vereinigte. Vielleicht entspricht er dem gro-
ßen Dorfe et-Taijibe, 8 Icin nordöstlich von Beittn,
das an Cisternen und Felsengräbern als eine alte
Ortslage kenntlich ist. - E. ist ferner ein Wald öst-
lich vom Jordan, wo Absalom gegen das Heer seines
Vaters David den Tod fand; vielleicht mit Ephron
zu vergleichen. - Von E. ist das Gebirge E. be-
nannt, ein Bergzug im mittlern Palästina, im N.
von der Ebene Ic^reel (Evdrelom) begrenzt und süd-
lich bis in die Nähe Jerusalems sich erstreckend.
Ephra'lmiten, Ephrae'miten, minderwertige
Silbermünzen, während des Siebenjährigen Krieges
unter Friedrich d. Gr. geprägt, wurden vom Volke
nach den jüd. Kaufleuten Ephraim, Itzig & Comp.,
denen derKönig dieAusmünzung übertrug, genannt.
Ephräm lgenauer A p b r em, d. i. Ephraim) der
Syrer, der gefeiertste Kirchenschriftsteller der syr.
Kirche, daher mit ebrenden Beinamen wie "Prophet
derSvrer", "der beredte Mund", "Säule der Kirche"
u. a. ausgezeichnet, wurde um 306 von heidn. Eltern
zu Nisibis geboren, ward der Schüler des Bischofs
Jakob von Nisibis und vollendete seine Ausbildung
in Edessa. Als 363 Nisibis vom Kaiser Iovinian
an die Perser abgetreten ward, begab sich E. nach
Edessa, das sckon damals Hauptsitz der syr. Gelehr-
samkeit war. Er wurde Mönch, lebte in einer Hoble
in der Nabe der Stadt, mit ascetischcn Übungen und
tbeol. Schriftstcllcrei beschäftigt. Auch fammelte er
eine Anzahl von Schülern um sich und predigte
gegen verschiedene Ketzereien der Zeit. Der Bericht
von einem längern Aufenthalt E.s in 'Ägypten ist
wenig glaubwürdig, dagegen besuchte er Vasilius
d. Gr. im kappadocischen Cäsarea und wurde von
ihm zum Diakon geweibt. Er starb zu Edessa im
Juni 378. Griechen und Maroniten feiern sein Ge-
dächtnis den 28. Jan., die Römischen den 1. Febr.
Von E.s zahlreichen Werken sind einige im syr. Ur-
tert, andere in griech., lat., armen., kopt., äthiop.
und slaw. Übersetzung auf uns gekommen. Die
vollständigste Sammlung der syr. und griech.
Terte erschien unter päpstl. Autorität von Assemani
(0 Foliobände, Rom 1732-46), der armenischen
von den Mcchitaristen (4 Bde., Vened. 1836), der
slawischen von Peter Kohl (Moskau 1701). Die
röm. Ausgabe der syr. Originalwerke ist durch fol-
gende Tertpnblikationcn vielfach ergänzt worden:
I. I. Ovcrbcck, "Lpni-llLmi 8^ri Ltc. ()p6i'3,86l6ctw>
(Oxford 1865); Th. I. Lamy, "Lpuraonii 8^ri Ii^mui
6t 8S1'M0U68" (2 Bde., Mecheln 1882-86); G. Bickell,
"Npüi-Nemi 8)'ri lüai'inillg. KiäidLiili" (Lpz. 1866);
P.Zingerle, "Zermoueg äuo" (Briren 1870; vgl. des-
scn "^Imiumlliita Z^riaca", Bd. 1, Innsbr. 1869);
P. Bedjan, "Iliztoiro compIetL ä6 <s086pli. I'oörnL
on 12 livi-68" sLpz. 1891). Von größter Bedeutung ist
der im Anscklnst an die Peschita ausgearbeitete syr.
Kommentar zu sämtlickenBüchern des Alten und den
meisten Büchern des Neuen Testaments, von denen
sein Kommentar zum Diatessaron nur in einer alten
armenischen Übersetzung vorhanden ist. (Vgl. G. Mö-
singcr, IiIvlMZLiii ^0nc0i-äHuti8 I^xpoLitio sactH g.
8)i'0 ^ui'H^mo, Vcned. 1876.) Außerdem giebt es
! von ihm eine große Anzahl Hymnen und Reden,
von denen viele übersetzt worden sind: ins Deutsche
von P. Zingerle ("Des heil. Kirchenvaters E. ausge-
wählte Schriften", 6 Bde., Innsbr. 1830 - 37;