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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Equestrik - Equisetaceen
400000 Sesterzien (gegen 90 000 M. beutigen Gel-
des) belief. Vei der steigenden Wohlhabenheit wuchs
die Zahl derer, die den Census hatten, ohne in die
l.8 Rittercenturien eintreten zu können. Eine Ver-
mehrung der Centurien ward aber gleichwohl nicht
beschlossen, weil den Ansprüchen, welche die Kriege
der Römer an die Reiterei stellten, durch die Ritter,
wenn deren Zahl auch erhöht worden wäre, doch
lange nicht mehr genügt werden konnte. Die Reiterei
der Bundesgenossen oder aus den Provinzen war
militärisch wichtiger geworden. Schließlich hörte
in der letzten Zeit der Republik die militär. Ver-
wendung der Nitterccnturien als solcher ganz aus,
und die Angehörigen des Ritterstandes leisteten
militär. Dienste in der Eigenschaft von Offiziers-
aspiranten und Offizieren.
Die zahlreiche, wohlhabend gewordene Klasse derer,
die den c6N8U8 eciusster und die übrigen erforder-
lichen Eigenschaften hatten, aber in den Ritter-
centurien keinen Platz fanden, wurden ebenfalls
als Ritter bezeichnet. Sie bildeten zwischen dem
^enat, dessen Mitglieder seit 129 nicht wie bisher
ihre Plätze in den Nittercenturien behalten durf-
ten, sondern mit dem Eintritt in den Senat aus
denselben austreten mußten, und dem Volke einen
Mittelstand, der auch als solcher anerkannt war,
seit durch ein Gesetz von C. Gracchus beschlossen
worden war, daß die Geschworenen nicht mehr aus
den Senatoren, sondern aus den Rittern, d. h.
also den Bürgern mit einem Vermögen von mehr
als 400000 As genommen werden mußten. Dieses
Recht behielten die Ritter.
Durch Augustus erhielten die Ritter sogar die
Plätze, die den Senatoren eingeräumt waren, zurück.
Im übrigen verloren sie doch weit mehr an polit. Rech-
ten, als sie gewannen. Dazu kam, daß infolge der
kaiserl. Verwaltungsreform die Thätigkeit der Ritter
als Pächter von Staatseinnahmen und übernehmer
von Lieferungen immer mehr beschränkt und immer
weniger ergiebig wurde. Eine neue Bedeutung da-
gegen erlangten sie dadurch, daß die meisten Ojfizier-
und Verwaltungsstellen, namentlich die der Proku-
ratoren und Präfekten, von den Kaisern ausschließ-
lich mit Männern aus dem Nitterstande besetzt wur-
den. Diese standen allerdings dem Range nach wenig-
stens zum größten Teil weit unter den senatori-
schen Ehrenämtern. Aber der wirtlichen Bedeutung
nach kamen jene Civil- und Militärämter den
senatorischen nicht bloß gleich, sondern überragten
sie sogar, was namentlich auch von dem höchsten
ritterlichen Amt, dem des praokectnZ pi'aetoi'io,
gegenüber dem höchsten aus republikanischer Zeit
fortbestehenden Magistrat, dem Konsulat, gilt. Auch
die niilitia 6^u68tri8, der Dienst der Ritter als
Offiziere in der Armee vor Eintritt in die ihnen
zustehenden Civilämter und höhern Militärstellen,
und ebenso die Körperschaft der mit Staatspfcrdcn
verfchcnen Ritter, die L^nitog Ivoinani ocino M-
klico, bestand fort. Diefe erhielten sogar neuen
Aufschwung, da das von Augustus reorganisierte
und stark vermehrte Korps zwar nicht wieder wie
einst zu Felde zog, aber alljährlich von den Kaisern
gemustert und durch neue Mitglieder ergänzt wurde,
sowie bei andern feierlichen Gelegenheiten unter
seinen 8ovil-i als Paradctruppe aufzog.
Als äußere Ehrenzeichen hatten sämtliche Mit-
glieder des Nitterstandes das Recht, schmale Pur-
pursüume (im Unterschied von den breiten der Se-
natoren) an der Tunika is. ^lavliz) und gleich den
Senatoren goldene Fingerringe zu tragen. Auch
hatten sie im Theater einen besondern bevorzugten
Platz. In der spätern Kaiserzeit wurden sie mir den
Mitgliedern des Senatorenstandes, mit denen sic
auch noch einige besondere Vorrechte gemeinsam hat-
ten, unter dem Namen der 1i0N68ti0r63 zusammen-
gefaßt. - Vgl. Madvig, 1)6 oräino eyuo8ti-i'
lKopenh.1840); Zumpt, über die röm. Ritter (Berl.
1840): Marquardt, Hi3toriH6 eciuiwm Nomkno
i-nin lidi-i lV (ebd. 1840); Niemeyer, 1)6 6<Mtidu3
1^0M5mi8 (Greifsw. 1851); Gomont, 1^63 ^i6vali6l5
i-0maiii3 (Par. 1854); Belot, Hi3toii 6 ä68 c1)6v3.Ii6i'3
i-0maiii3 (2 Bde., ebd. 1866-73).
Equestrik, Reitkunst, besonders im Cirkus(Schul-
reiten und Pferdedressur).
Equilibrist, s. Äquilibrist.
Equme, s. Pocken (bei den Haustieren).
Equipage (frz., spr. ekipahsch'), beim Militär
ein veralteter Ausdruck, unter welchem die gesamten
Ausrüstungs- und Bekleidungsstücke eines Ojfiziers^,
bei dem berittenen Offizier einschließlich der Zäu-
mung, Sattelung und Packung der Pferde verstan-
den wurde; bei der Kriegsmarine die gesamte Be-
satzung eines Schiffs. E. bedeutet auch soviel wie
(eigener) Wagen und Pferde.
Equipeur (frz., spr. ctipöhr), in Gewehrfabriken
der Werkmeister, der die von besondern Gehilfen ge-
arbeiteten einzelnen Gewehrteile zusammenpaßt und
das Gewehr zusammensetzt.
Equipieren (frz., spr. eti-), ausrüsten, ausstat-
ten; Equipierung, die Beschaffung sämtlicher
Ansrüstungs- und Bekleidungsstücke für einen Of-
fizier (s. Equipage).
Equifetaceen (I^(ini36tac6a6), Schachtel-
halme oder Schaft Halme, Pflanzenfamilie aus
der Gruppe der Gcfäßkryptogamen. Sie haben
aufrechte, gegliederte oberirdische Stämme, die aus
einem unterirdischen, kriechenden, lange Zeit aus-
dauernden und vielfach verzweigten Rhizom hcrvor-
sprossen. Die oberirdischen Stämme erscheinen in
den meisten Fällen jedes Jahr und halten nur wäh-
rend einer Vegetationsperiode aus, bei wenigen
Arten vermögen sie mehrere Jahre hindurch aus-
zudauern. Die Blattorgane sind in Form von
trockenbautigen Scheiden vorhanden, in deren Ach-
seln die Scitenzweige stehen; da die letztcrn schon
bald nach ihrer Anlage von den Blattscheiden über-
wölbt werden, so müssen sie bei ihrem.hervorsprossen
die Scheiden an der Basis durchbrechen. Insolge-
dcssen hat es den Anschein, als ob die Seitenzweige
am Grunde der Schcidcncnden aus dem Stamme
bervorbrä'chen. Der anatom. Bau der oberirdischen
Teile und des Rhizoms ist im wesentlichen nicht ver-
schieden. Die Stammorgane sind sämtlich hohl und
nur in den jüngsten Stammspitzen mit Mark erfüllt.
Die Gefäßbündel sind in einen Ring gestellt, aus
jedem Zipsel der Scheide geht ein Bündel in den
Stamm und läuft hier geradlinig bis zum nächst
ältern Knoten und zwar parallel mit den übrigen
Bündeln des Intcrnodiums; im Knoten findet eine
Spaltung in zwei Schenkel statt, welch letztere sich
an die rechts und links benachbarten Bündel dieses
ältern Internodiums anlegen. So kommt es, daß in
jedem Internodium ebensoviel Gefäßbündel ver-
laufen, wie die auf demselben sitzende Vlattschcide
Zipfel besitzt. Die Markhöhlung geht nicht ununter-
brochen durch den ganzen Stamm hindurch, sondern
sie ist in jedem Knoten durch ein sog. Diaphragma,
in welchem sicd Gefäßbündeianastomosen finden,