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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Erde
palten Körper von gleichartigem Querschnitt, wählt
vielmehr gegliederteE. mit hintern Verstärkungs-
pfeilern (conti-kloi-tg) oder vordern Strebpfeilern,
mit stehenden oder schrägen Zwischengewölben, baut
auch wohl die Mauer mit innern Hohlräumen, welcke
als Lagerraum Verwendung finden, so im Festungs-
bau. (^. Dechargenmauer^) E. am Wasser werden
Ufer- oder Quaimauern genannt is. .Hafenbau).
Umstehende Fig. 1 stellt im Querschnitt eine E. mit
Erde (astron. Zeichen K), der von uns bewobnte
Planet, der dritte unsers Sonnensystems. Tie Ge-
stalt der E. erscheint dem nach allen Richtungen
frei um sich blickenden Beobachter als eine flache,
kreisförmige Scheibe, auf deren Rande das Himmels-
gewölbe gleichsam zu ruhen scheint, demgemäß wurde
die E. im Altertum selbst von den Griecken lange Zeit
für eine auf dem Wasser schwimmende Scheibe gebal-
ten. Allein da viele Erscheinungen nicht mit diesen
beschränkten, nur dem ersten Anschein entnommenen
und entsprechenden Vorstellungen in Einklang zu
bringen waren, nahmen schon im Altertum einzelne,
zuerst wohl Eudoxus, nach ihm Aristoteles, die Kugel-
gestalt der E. an, durch die allein alle sich darbieten-
den Erscheinungen hinreichend erklärt werden kön-
nen. Nur die Kugelgestalt der E. macht erklärlich,
daß die E. von jedem beliebigen Standpunkte aus
rund erscheint, daß sich aber der Gesichtskreis in
demselben Maße erweitert, in dem wir unsern
Standpunkt böher nehmen: daß wir ferner die
spitzen und Giebel von Türmen, Bergen, Schif-
fen u. s. w. aus der Ferne eher erblicken als den
Fuß oder die untern Teile derselben. Außer diesen
Beweisen für die Kugelgestalt der E. giebt c-5 noch
zahlreiche andere. Dahin gehören das allmäbliche
Sichtbarwerden neuer, vorher unsichtbarer Gestirne,
sobald man sich, von den Polen herkommend, dem
'Uquator nähert, der runde schatten der E. auf
dem Monde, sobald dieser durch sie verfinstert wird,
die ungleichen Tageszeiten, in denen gleichzeitige
himmlische Erscheinungen in verschiedenen Gegen-
den der E. wahrgenommen werden, endlick insbe-
sondere die seit 1519 oft ausgeführten Reisen um
die E. (die sog. Weltumsegelungen). Tie E. ist aber
nicht genau eine Kugel, sondern ein Geoid (s. d.); ibr
Durchmesser zwischen den beiden Drebungspolen ist
kleiner als der Durchmesser im 'Äquator, sie ist an
den Polen abgeplattet (s. Abplattung), wie sich
teils aus Gradmessungen (s. d.), teils aus Pendel-
beobachtungen (s. d.) ergiebt. Die Größe der Ab-
plattung beträgt nach den neuesten Rechnungen
von Clarke ^93; der Durchmesser der E. ist am
'Äquator 12756498 in, an den Polen 12713 030 in.
Der Umfang des Äquators beträgt 40075 700 in,
die Oberfläche der E. 510 Mill. (i'kin, ihr Inhalt
1083210 Mill. clilvin. Durch beide Pole gehende
größte Kreise nennt man Meridiane (s. d.), die
zu diesen senkrecht stehenden Kreise, deren Mittel-
punkt zugleich in der Erdachse liegt, Parallel-
kreise (s. d.). Der 40millionste Teil eines Meri-
dians wurde die Einheit des metrischen Maßsystems
ls. Meter). Der größte Parallelkreis, der die E. in
eine nördl. und eine südl. Halbkugel ss. Plani-
globium) teilt, ist der >A quat 0 r (s. d.). Durch
Meridian und Paralleltreis ist die geogr. Länge
(s. d.) und Breite (s. d.) und damit die geogr. Lage
eines jeden Ortes bestimmt, über Einteilung der
E. in Zonen s. d. Die Zusammensetzung der Erd-
rinde (s. d.) lehrt die Geologie is. d.).
über die Beschaffenheit und den Zustand des In-
nern der E. (des Erdkerns) liegen keine direkten
Beobachtungen vor, da man mit Bohrlöchern und
Schächten nur bis 2002 in (bei Rybnik in Ober-
schlesien) tief in die Erdrinde eingedrungen ist. Je-
doch läßt sich daraus, daß die Erdwärme (s. d.) mit
der Tiefe überall zunimmt, ferner aus der allgemei-
nen Verbreitung von warmen und heißen Quellen,
aus der Eruption geschmolzener Gesteinsmassen
(Laven), aus der Bildung von Gesteinsfalten durch
Abkühlung und Zusammenziehung der E. schließen,
daß deren Innerem glühend oder glutflüssig ist. Fer-
ner weist das hohe specifische Gewicht der E. (5,")
und die Zunahme der Dichtigkeit derselben gegen
ibr Centrum darauf hin, daß das Erdinnere aus
Metallmassen, vorzüglich aus Eisen bestehen dürfte.
Endlich geht aus der Entwicklung enormer Gas-
und Dampfmassen aus Vulkanen und Lavaströmen
hervor, daß dieses glutflüssige Innere von Gasen
und Dämpfen durchtränkt ist.
Die Dichte oder das specifische Gewicht der E.
in ihrer Gesamtmasse kann nicht direkt gemessen
werden, ist aber durch die Einwirkung von bekann-
ten Massen auf die lHchwiugungen eines Pendels
bestimmt worden. Mit großer Sicherheit ist an-
zunehmen, daß die mittlere Dichte der E. 5,amal
größer ist als die des Wassers. Da nun das mitt-
lere specifische Gewicht der festen Erdkruste, soweit
wir sie als aus Gesteinen bestehend kennen, nur
etwa halb so groß ist, so ergiebt sich daraus, daß
das Erdinnere schwerer sein muß, d. h. daß das
specifische Gewicht der E. in irgend einer Weise
gegen idr Centrum zuninnnt. Die Masse der E.
beträgt etwa ^24""" der (^onnenmasse.
Umgeben ist die E. von einer Atmosphäre
(s. d.), die als ein zu idr gehöriger Bestandteil an-
zusehen ist, an ihren Bewegungen teilnimmt uud
wesentlich dazu beiträgt, daß auf der E. Organis-
men sich erbalten und gedeihen können.
Die E. als Bestandteil desSonnensy-
stems betrachten, lehrt die Astronomie; sie zeigt,
daß die E. sich nebst den übrigen Planeten von
Westen nach Osten um die Sonne bewegt und von
derselben als ein an sich dunkler Körper Licht und
Wärme erbält. Kopernikus stellte zuerst die Ve-
bauptung auf, daß die Sonne ruhe und die E. nebst
den Planeten, Kometen u. s. w. sich um sie bewege,
eine Hypothese, die jetzt allgemein als unumstößliche
Gewißbeit angenommen wird. Durch sie allein lassen
sich die so ungemcin verwickelten, scheinbar ganz
regellosen Planetenbewegungen, wie sie von der E.
aus erscheinen, auf einfachem Wege und in völlig
befriedigender Weise ertlären. (S. Weltsysteme.)
Ihren Weg um die ^onne, die Revolution,
legt die E. in einem Zeitraum von ungefähr 365^
Tagen zurück, dcn wir ein Jahr (s. d.) nennen.
Die Bahn, die die E. beschreibt, ist eine Ellipse,
in deren einem Brennpunkte die Sonne steht. Dar-
aus folgt, daß die E. nicht zu allen Zeiten des
Jahres gleichweit von der Sonne entfernt ist, und
zwar steht sie ihr am nächsten (in der Sonnennähe
oder dem Pcribclium) zu Anfange des Jahres, also
wenn es für die nördl. .halbkugel Winter ist, am
fernsten lin der Sonnenferne oder dem Aphelium)
um die Mitte des Jahres, wenn die nördl. Halb-
kugel Sommer hat. Der Unterschied zwischen der
größten und kleinsten Entfernung ist indes verhält-