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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Eretrische Schule - Erfindungen und Entdeckungen
Bewohner zu Sklaven gemacht und nach Eusa, von
dort in das Land der Kissier abgeführt; bald aber
wurde sie, wahrscheinlich mit Hilfe der Athener,
wiederhergestellt und blieb bis in die röm. Kaiserzeit
nächst Chalkis die bedeutendste Etadt der Insel. E.
ist die Vaterstadt des Philosophen Menedemus (s.d.),
der hier die Erctrische Schule gründete. Seit dem
srühen Mittelalter ist E. verschollen; ein in der
neuern Zeit zwischen ihren Ruinen angelegtes Städt-
chen, in welchem die griech. Negierung die 1824
aus ihrer Heimat vertriebenen Bewohner der Insel
Psara angesiedelt hatte, ist wegen des ungesunden
Klimas fast ganz wieder verödet.
Gretrifche Schule, s. Menedemus.
Erfahrung, Empirie, die Erkenntnis, die
sich auf Wahrnehmung der Thatfachen, genauer,
auf die Synthesis (s. d.) der Wahrnehmungen grün-
det; wie schon Aristoteles erklärt: viele Erinne-
rungen (wahrgenommener Thatsachen) machen die
eine E. Daher schließt E. eigentlich immer die Denk-
oder Verstandesthätigkeit (Einheit der Synthesis)
ein, während sie andererseits das Gegebensein eines
sinnlichen Stoffs durchaus voraussetzt. Darum
tonnte Kant die E. definieren als Produkt aus
Sinnlichkeit und Verstand. Sie beruht nach ihm
auf den Grundgesetzen der Sinnlichkeit einerseits,
des Verstandes andererseits. Die erstern sind Raum
und Zeit, die letztcrn die Kategorien (s. d.), beide
zusammen machen die Möglichkeit (d. h. den In-
begriff der gesetzmäßigen Bedingungen) derE. aus.
E. bedeutet nach dieser tiefern Ableitung ihres Be-
griffs das Gefamtgebiet des in Naum und Zeit
gemäß den Gefetzen des Verstandes (z. B. den
Gefetzen der Eubstantialität und Kausalität) Er-
kennbaren. Sofern die Kritik der reinen Ver-
nunft oder Transcendentalphilosopbie eben die
Grundgesetze der Möglichkeit der E. nachweisen
will, läßt sie sich geradezu als Theorie der E. be-
zeichnen. - Vgl. Cohen, Kants Theorie der E.
(2. Aufl., Verl. 1885).
Von dieser prägnanten Bedeutung des Ausdrucks
E. ist eine viel weitere zu unterfcheiden. Da die E.
nicht bloß die Ausgabe hat, die hier und jetzt ge-
gebene Thatsache in ihrer ganzen Bestimmtheit zu
erkennen, sondern auch auf das Gegebene immer an-
gewiefen bleibt, ja recht eigentlich die Abhängigkeit
unferer Erkenntnis von einem sinnlich gegebenen
Stoss ausdrücken will, steht E. oder das Empi-
rische der Erkenntnis gegenüber dem, was auf Er-
tenntnisgesetzen a. prim-i beruht, bedeutet also in
diesem Falle nur den einen der beiden Faltoren, die
zusammen die E. in der erst erklärten Bedeutung
ausmachen. E. in diesem letztern Sinne ist, nach
Kant, die Materie der Erkenntnis im Unterschied
von ihrer gesetzmäßigen Form. So bilden Naum
und Zeit die Form der Anschauung, das Empirische
dagegen, d. h. die Empfindung, durch die allein
Etwas in Raum und Zeit gegeben ist, die Materie.
So heißt ein empirischer oder Erfahrungs-
begriff, eine empirische (Erfahrungs-)Er-
kenntnis ein solcher Begriff, eine solche Erkennt-
nis, die sich auf bestimmte Data der E., nicht rein
auf das apriorische Gesetz der Erkenntnis stützt;
empirisch eoderErfahrungswissenschafteine
ebensolche Wissenschaft. In solchem Sinne steht auch
bei Kant das Empirische dem Transcendentalen
gegenüber, während im andern Sinn transcenden-
tale Gesetze nur Gesetze der E. sind. So ist schon
den Alten der Gegensatz des Empirischen und Na-
tionalen bekannt, der in der neuern Philosophie den
großen Hauptgegensatz erkenntnistheoretischer Rich-
tungen, den des Empirismus und Nationalismus,
begründet. Kant sucht diesen Streit zu schlichten
durch die Feststellung (mit der er seine "Kritik der
reinen Vernunft" eröffnet), daß zwar alle unsere Er-
kenntnis mit der E. anfange, aber darum doch nicht
alle aus der E. entspringe (sofern E. selbst, wie oben
ertlärt, apriorische Elemente voraussetzt).
Wie man äußern und innern Sinn unterscheidet,
so pflegt auch zwischen äußerer und innerer E.
unterschieden zu werden. Die erstere umfaßt dann
das Gefamtgebiet der räumlichen Ereignisse, die
letztere die Thatsachen des Vewußtfeins. Diese
Scheidung ist berechtigt, insofern jedes Erfahrungs-
objekt nach zwei Richtungen hin betrachtet werden
kann, nämlich nach feinen räumlichen Verhältnissen,
als Körper (die Betrachtungsreihe der Naturwissen-
schaft) und als Ereignis in einem Vewußtfcin (die
psychol. Auffassung).
Erfahrungsbeweis, ein Beweis, der auf er-
fahrene Thatsachen, nicht lediglich auf apriorische
Principien sich gründen will (s. Induktion). Doch
ist ein Beweis auch auf dem Grunde der Erfahrung
nicht möglich, ohne daß folche Principien stillschwei-
gend zu Grunde gelegt werden, die vielmehr Gesetze
des Erkennens selbst ausdrücken, als aus einer be-
sondern, empirischen Erkenntnis erst abgeleitet sind
(z. B. das Gesetz der Verursachung).
Erfahrungsseelenlehre, die in der neuern
Zeit fast zu ausschließlicher Geltung gelangte Auf-
fassung der Psychologie, wonach diese sich nur auf
die durch Erfahrung festzustellenden Thatsachen, auf
Beobachtung und Analyfe der einzelnen Seelen-
zustände und Erforschung ihrer gesetzmäßigen Ab-
hängigkeit von körperlichen Vorgängen gründen
soll. Die E. hat verschiedene Verfahrungsweisen,
je nachdem man diese Erfahrung auf erperimen-
tellem, cthuogr., statist. oder rein innerm Wege oder
durch Kombination dieser Quellen gewinnen will.
(S. Psychologie.)
Erfelden, Pfarrdorf im Kreis Groß-Gerau der
Hess. Provinz Starkcuburg, an den Linien Frank-
furt-Mannheim und Darmstadt-E. (16 km) der
Hess. Ludwigsbahn (Station Goddelau-E.), rechts
am Nhein, hat (1890) 863 evaug. E., Ackerbau und
Viehzucht. In der Nähe die ^chwedeufäule (12 m)
mit einem gegen 7 m hohen Obelisken mit behelm-
tem Löwen zur Erinnerung an Gustav Adolfs
Nheinübergang am 17. Dez. 1631.
Erfinderpatent, s. Patent.
Erfindungen und Entdeckungen. Die Be-
griffe Erfindung und Entdeckung sind, obwohl sie
vielfach verwechselt werden, doch wesentlich verschie-
den. Eine Entdeckung betrifft etwas zur Zeit der
Entdeckung bereits Vorhandenes, das aber bisher
unbekannt war, an welchem aber durch die Ent-
deckung nichts geändert wird. Dies kann etwas
rein Materielles sein, oder etwas der Materie
Innewohnendes, eine Eigenschaft derselben; so
fprechen wir von der Entdeckung eines Planeten,
der Entdeckung Amerikas, der Entdeckung eines
Minerals, eines Vacillus, irgend eines Gegenstands
der beschreibenden Naturwissenschaften, aber auch
von der Entdeckung der Schwerkraft, des Magne-
tismus, der chem. Verwandtschaft u. s. w. Solche
Entdeckungen werden durch Beobachtung allein oder
im Verein mit Vergleichung, durch Verallgemeine-
rung von aufgefundenen Thatfachen, Aufstellung