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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Er-Mihályfalva; Erman; Ermanrich; Ermatingen; Ermeland; Ermelleker Wein; Ermenonville

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Erman (Jean Pierre) - Er-Mihályfalva

Oceane" zerfällt in eine historische (3 Bde., Berl. 1838-48) und eine wissenschaftliche Abteilung (2 Bde., ebd. 1835-41, nebst Atlas). Die königl. Geographische Gesellschaft in London erteilte ihm für dieses Werk (die auf das sibir. Festland bezüglichen Teile wurden von Cooley [2 Bde., Lond. 1848] ins Englische übertragen) einen ihrer großen Preise. E.s Arbeiten über Erdmagnetismus und andere physik. Fragen sind in Poggendorffs "Annalen", den "Astron. Nachrichten", in mehrern engl. Zeitschriften und, soweit sie auf Rußland Bezug haben, in dem von ihm herausgegebenen "Archiv für wissenschaftliche Kunde von Rußland" (25 Bde., Berl. 1841-67) enthalten. 1845-48 gewährte ihm die British Association in London und 1874 die kaiserl. deutsche Admiralität die Mittel, um aus den von ihm gemessenen Werten der magnetischen Erscheinungen die Werte der Konstanten der Gaußschen Theorie des Erdmagnetismus zu berechnen. Die Ergebnisse sind veröffentlicht in den "Reports" (1846-48) der genannten Association und in der im Verein mit Petersen herausgegebenen Schrift "Die Grundlagen der Gaußischen Theorie und die Erscheinungen des Erdmagnetismus im J. 1829" (Berl. 1874).

Erman, Jean Pierre, Historiker, geb. 1. März 1735 zu Berlin, stammte aus einer Genfer Familie, die 1720 nach Berlin übergesiedelt war. Bereits mit 17 Jahren wurde er Lehrer am franz. Gymnasium und noch vor dem 20. Jahre Prediger der franz. Gemeinde, um deren Entwicklung er sich die größten Verdienste erwarb, 1766 Direktor ihres Gymnasiums und 1783 Oberkonsistorialrat. 1792 wurde er zum Historiographen der brandenb. Geschichte ernannt. Er starb 11. Aug. 1814. Sein Hauptwerk sind die noch heute wertvollen "Mémoires pour servir à l'historie des réfugiés" (mit Reclam, 9 Bde., Berl. 1782-99). - Vgl. Catel, Jean Pierre E. (Berl. 1804) und die Denkschrift Buttmanns in den "Abhandlungen der Königl. Preuß. Akademie der Wissenschaften" (1818).

Erman, Joh. Peter Adolf, Orientalist, Sohn von Georg Adolf E., geb. 31. Okt. 1854 zu Berlin, studierte in Leipzig und in Berlin und ist seit 1885 außerord., seit 1892 ord. Professor der Ägyptologie an der Berliner Universität und Direktor des Ägyptischen Museums. In seinen Arbeiten: "Die Pluralbildung des Ägyptischen" (Lpz. 1878), "Neuägypt. Grammatik" (ebd. 1880), "Die Sprache des Papyrus Westcar" (Gott. 1889), "Ägypt. Grammatik" (Berl. 1894), war er für die methodische Erforschung der ägypt. Sprache thätig. Ein wichtiges Litteraturdenkmal gab er heraus u. d. T. "Die Märchen des Papyrus Westcar. I. Einleitung und Kommentar. II. Glossar, Paläographische Bemerkungen und Feststellung des Textes" (2 Bde., Berl. 1891). Einen Abriß der ägypt. Kulturgeschichte veröffentlichte er in "Ägypten und ägypt. Leben im Altertum" (2 Bde., Tüb. 1885-87). Seit 1882 giebt er zusammen mit H. Brugsch die "Zeitschrift für ägypt. Sprache und Altertumskunde" heraus. Auch auf numismatischem Gebiet hat E. gearbeitet; seine Hauptschrift ist hier die "Geschichte der deutschen Medailleure des 16. und 17. Jahrh." (Berl. 1884).

Erman, Paul, Sohn von Jean Pierre E., Physiker, geb. 29. Febr. 1764 zu Berlin, widmete sich den Naturwissenschaften und übernahm früh ein Lehramt der Naturkunde beim franz. Gymnasium zu Berlin, 1791 auch an der Allgemeinen Kriegsschule. Bei Gründung der Universität (1810) erhielt er die Professur der Physik. 1806 erfolgte seine Erwählung zum Mitglied der Akademie, und 1810-41 war er Sekretär der mathem.-physik. Klasse derselben. Er starb 11. Okt. 1851 zu Berlin. E. hat sich namentlich um die Lehre von der Elektricität, dem Magnetismus, die Hygrologie, Optik und Physiologie verdient gemacht. - Vgl. über ihn Du Bois-Reymond in den "Abhandlungen der Königl. Akademie der Wissenschaften zu Berlin" (1853).

Ermanrich, bei den Angelsachsen Eormenric, altnord. Jörmunrekr oder Ermenrekr, sagenberühmter got. König, wahrscheinlich identisch mit dem Ostgoten Hermanarich, der 374 durch die Hunnen besiegt wurde und sich selbst tötete. In der Heldensage, die jene histor. Gestalt mit einem Mythus vom Himmelsgott Irmin verschmolz, ist er der Typus eines schlimmen Tyrannen geworden, der, durch die üblen Einflüsterungen seines bösen Rates Sibich (nordisch Bikki) verführt, seinen eigenen Sohn, sein Weib Swanhilt, seine Neffen, die Harlungen, tötet und seinen Brudersohn Dietrich von Bern aus seinem Reiche vertreibt. Nach Jahren kehrt Dietrich, von Etzel unterstützt, zurück und schlägt den Oheim in der Schlacht bei Ravenna, der Rabenschlacht. Von E.s Ende durch Dietrich berichtet das in der Nibelungenstrophe abgefaßte niederdeutsche Gedicht "Koninc Ermenrikes dôt" (hg. in von der Hagens "Heldenbuch", Bd. 2, Lpz. 1855); dagegen wird E. in der Edda und nach dem Zeugnis des Jordanes durch die Brüder seiner gemordeten Gattin getötet oder verwundet. - Vgl. Heinzel, Über die ostgot. Heldensage (Wien 1889); Rödiger in der "Zeitschrift für Volkskunde", Bd. 1, S. 241 fg.

Ermatingen, Marktflecken im Bezirk Krenzlingen des schweiz. Kantons Thurgau, 7 km westlich von Konstanz, in 417 m Höhe, an der Linie Konstanz-Winterthur der Schweiz. Nordostbahn, auf einer Halbinsel des Untersees (s. Bodensee) gegenüber der Insel Reichenau, hat (1888) 1679 E., darunter 234 Katholiken, Post, Telegraph, schönes Rathaus; Acker-, Obst- und Weinbau, Fischerei und ausgedehnten Handel mit Forellen, Hechten und geräucherten Gangfischen, einer Art Blaufelchen, sowie mit Getreide, Obst, Honig und Wein. In der Umgebung, einem reizenden fruchtbaren Hügelgelände, reich an Obstgärten und Weinbergen, befinden sich zahlreiche Schlösser und Villen, darunter Wolfsberg und Arenenberg (s. d.).

Ermeland, s. Ermland.

Ermelleker Wein, s. Diószeg.

Ermenonville (spr. ärm'nongwil), Dorf im Kanton Nanteuil-le-Haudouin, Arrondissement Senlis des franz. Depart. Oise, mit (1891) 401, als Gemeinde 487 E.; Gabrielle d'Estrées besaß hier ein Jagdschloß. Der zu E. gehörige Grundbesitz bestand aus Sumpfstrecken und Wald, bis der Marquis Rens de Girardin 1763 das Ganze in einen großen und schönen Park verwandeln ließ. Der Ort gelangte zu großer Berühmtheit durch J. J. Rousseau, der auf die Einladung Girardins im Mai 1778 zu E. seinen Wohnsitz nahm, 3. Juli 1778 daselbst starb und auf der sog. Pappelinsel (Île des peupliers) im Park bestattet ward. Während der Revolution versetzte man 1794 die Asche des Philosophen in das Pantheon zu Paris. In neuerer Zeit geriet der Park in Verfall.

Er-Mihályfalva (spr. míhahlj-). Groß-Gemeinde und Hauptort des Stuhlbezirks E. (23 461 E.)