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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Erosion
mehr philos. Idee hervorgegana.enen Anteros (s. d.)
gegenübergestellt. InderHesiodlschcnThcogonieund
dann besonders bei den sog. Orphikern ersckeint E.
als eine der ersten und mächtigsten Gottheiten, als
der Urheber aller Zeugung und daher der Wclt-
schöpfung überhaupt (der sog. kosmogonische E.).
In einigen Gegenden Griechenlands wurde E.
aber schon seit uralter Zeit als Hauptgottbcit vcr-
ebrt, wie z. V. zu Thespiä in Vöotien, wo ihm alle
vier Jahre ein berühmtes Fest (Erotidien) mit
gymnischcn und musischen Wetttämpfen gefeiert
wurde. Dort galt er als Sohn des ithyphallifcken
Hermes und der chthonischen Artemis, sodaß er als
<i)ott der zeugenden Kraft der Erde zu betrachten
ist. Sein Symbol war ein roher Stein, doch stan-
den daselbst anch berühmte von Prariteles und
Lysippus gefertigte Etatuen. Eine andere Auf-
fassung des E. als Sinnbild reiner Freundschaft
und begeisternder Liebe des Wahren, Schonen und
Guten iü durch die Philosophie, besonders durch
die Platonische, begründet worden. In der aleran-
drinischen Poesie ist E. bald der alles überwindende,
bald der neckische Gott der Liebe. Namentlich muß
seit dieser Zeit sein Verhältnis zu Psyche (s. d.) ein
beliebter Gegenstand der Sage (s. Apulejuv) ge-
wesen sein. - Dargestellt wird E. in älterer Zeit
regelmäßig als nackter geflügelter Knabe, oft mit
einer Lyra in der
Hand, vereinzelt
auch als Jüng-
ling und unge-
flügelt. Terpari-
scheE. des Prari-
teles lehnte sich
mit dem linken
Arm auf eine
^äule; ein ande-
rer Typus dieses
Künstlers legte
wobl die rechte
Hand ruhend über
den Kopf und er-
hob die linke mit
dem Bogen, der
sonst erst seit dem
4. Jahrh, als At-
tribut auftritt.
Auf ein Werk des
Lysippus scheint der in mchrern Nachbildungen, z. B.
im Kapitolinischen Museum zu Rom vorhandene
bogenprüfcndc E. zurückzugehen. (S. vorstcbende
Abbildung.) Später erhält er auch eine Fackel als
Beigabe. Seit der Zeit des Hellenismus wird er
als Kind mit kleinen Flügeln und mit allerlei Spiel
beschäftigt aufgefaßt. Wie in der Poesie dieser Zeit,
so erscheint er auch in der bildenden Kunst, nament-
lich in Terrakotten, Gemmenbildern und Gemälden
als ein neckischer, mutwilliger Knabe, der alle
Götter und Menschen, ja sogar die wildesten Tiere
bezwingt und über sie triumphiert. Die röm. Kunst
hat, besonders in zahlreichen Sartophagreliefs, Ero -
t en in der Mehrzahl als Knabcnfiguren (Amoret-
ten) mit und ohne Beflügelung (in der letzten:
Form von mancken ohne rechten Grund Genien
genannt) in verschiedenen Beschäftigungen, beim
Spiel, bei Wettfahrten, bei der Weinlese, bei Trink-
gelagen u. s. w. dargestellt. Auch die Verbindung
von Amor und Psyche ist von derselben oft beban-
delt worden; die schönste derartige Gruppe befindet
sich im Kapitolinischen Museum zu Rom. Auch die
neuere Kunst, Vildncrei sowohl wie Malerei, hat
den E. entsprechend dem Vorbilde der Antike dar-
gestellt. So haben Canova (Amor und Psyche mit
dem Schmetterling, Amor und Psyche sich um-
armend; beide im Louvre zu Paris), Thorwaldsen
(Amor als Löwenbändiger), Rietschel (Amor auf
dem Panther), Frailin (Der gefangene Cupido)
meisterhafte Erosstatuen geschaffen; unter andern
stellte der engl. Bildhauer Gioson Amor und Psyche
in einem Relief dar (s. Tafel: Englische Kunst III,
Fig. 9). Unter den die Fabel von E. und Psyche
behandelnden Malereien sind bekannt die nach
Raffaels Entwürfen von mehrern seiner Schüler
ausgeführten zwölf Darstellungen in der Villa
Farnesina zu Rom. - Vgl. Gerhard, Über den
Gott E. (Berl. 1850); I. Grimm, Über den Liebes-
gott (ebd. 1851); Furtwängler, E. in der Vasen-
malerei (Münch. 1875).
Grosion (lat.), Zernagung; in der Geologie
Bezeichnung für alle die Oberfläche des Festlandes
gestaltenden Vorgänge, insofern hierbei das Wasser
und die Meteorolog. Verhältnisse in Frage kommen.
Hauptfaktor der E^ ist das fliehende Wasser, das
in einem auch nur wenig geneigtcn Boden ein mit der
Zeit immer tiefer werdendes Rinnfal einfchneidet,ibn
immer weiter erodiert. Je stärker das Gefalle ist,
um so mehr kann das Wasser Sand und Steine alo
^chlcifmaterial mit sich fortführen. Gebirgsbäche
üben eine viel stärker erodierende Thätigkeit aus
als in der Ebene langsam dahinschleichende große
Strome, die oft genug im Gegenteil ihr Bett und
ihr ganzes Gebiet durch Absatz des von der Höhe
herabgesührtcn Materials erhöhen. Stark erodie-
rend wirken oft Wassersälle durch Unterwühlung
des Absturzes an ihrem Fuße; so schreiten die
Niagarafälle jährlich etwa 0,5, die Anthonyfälle
des Mississippi 1,7 m rückwärts. Weitaus die meisten
Tbäler in allen nicht rein vulkanischen Gebirgen,
und viele auch in diesen, verdanken ihre Gestalt,
die Form und Tiefe ihres Querschnittes der rück-
wärts schreitenden E. des Wassers. Der Weg, auf
wclckem die E. erfolgt, wird in den meisten Fällen
durch die geolog. Beschaffenheit, die Zusammen-
setzung und den Bau des betreffenden Gebietes vor-
gezeichnet. <^. Canon). Die erodierende Thätigkeit
des fließenden Wassers wird unterstützt und zum
Teil wird ihr vorgearbeitet durch die Auflö'fung,
Zersetzung und Verwitterung der festen Gestein-
massen durch Regen und durch Quell Wasser
und durch die mechan. Auflockerung der oberfläch-
lichen Massen durch in Spalten gefrierendes
Waffer oder andererseits durch Insolation,
durch starke Erwärmung durch die Sonne mit dar-
auf folgender schneller Abkühlung in der Nacht.
Auä) die Bildung von Grundeis und das Gefrieren
der Oberfläche der Flüsse unterstützt ihre erodierende
Thätigkeit in bedeutenden: Maße. Im Hochgebirge
und in den polaren Gegenden wirkt auch das Eis
erodierend, mag es als Gletscher wie ein Strom,
oder mag es als Inlandeis in breiter Masse sich
abwärts bewegen; die E. wird hierbei hauptsäch-
lich durch das Abschrammen und Abhobeln des
Grundes durch vom Eise mitgeführtes, zerkleinertes
Gestcinmaterial bewirkt. Nach der Annahme vieler
Geologen ist aber die erodierende Thätigkeit des
Eises viel geringer als die des Wassers. Auch be-
wegte Luft wirkt auf der Erdoberfläche erodie-
rend; der Wind nimmt kleinste Mineralpartikelchen.