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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Erzlagerstätten
unterhalb dieser Negion trifft man dann auf das
alte ursprüngliche Schwefelmetall.
Vtit diesen Vorgängen steht auch der sog. Eiserne
Hut in Verbindung. So nennt man in Deutsch-
land das Ausgehende vieler reicher Erzgänge, weil
durch die chem. Zersetzung der meist ziemlich viel
leisen enthaltenden Schwefelmetalle und des Eisen-
spats daneben viel Eisenoxyd und Eisenocker gebil-
det wurde, dessen rostfarbene Substanz die ganze
Gangmasse durchzieht und intensiv braun färbt.
Da nun dieser Eiserne Hut die Anwescnbeit von
eisenhaltigen Scbwefelmetallen und von Eisenspat
voraussetzt und diese häufig mit Silber- oder Blei-
erzen oder Gold verbunden sind, so kann er ein
Verkündiger unterirdischer reicker ErMittel sein.
Dasselbe Oberftächengebilde heißt in Cornwall der
Gossan, in Mexiko Pacos und Colorados, in
Südarnerita Negrillos.
Vei der Frage nach der Bildung der Erzgänge
bandelt es sich um zwei getrennte Punkte, erstens
wie die ursprüngliche Spalte entstanden, zweitens
wie die erzführende Gangmasse hineingelangt ist.
Auf die erste dieser Fragen antwortet die dynamische
Geologie. Den Absatz der in den Gängen vor-
handenen metallischen und nichtmetallischen Sub-
sta-nzen kann man sich nur auf eine dreifach ver-
schiedene Weise erfolgt vorstellen: die Ausfüllungs-
materialien stammen entweder 1) von der Erdober-
fläche, also von oben, oder sie sind 2) aus der Tiefe
in den Spalten emporgestiegen, kommen also von
unten, oder sie rühren 3) aus dem rechts und links
befindlichen Nebengestein, also von den Seiten her.
Was nun die erste Möglichkeit betrifft, die sog.
Descensionstheorie (1), so hat dieselbe schon
seit Anfang dieses Jahrhunderts keinen Vertreter
mehr gefunden, da jenes Material eben eine ganz
anders beschaffene Natur besitzt als die auf "dem
Erdboden zur Verfügung stehenden Stoffe. Wenn
eine Abstammung des Erzgangmaterials aus der
Tiefe angenommen wird, fo gliedert sich diese
Theorie, die Ascensionstheorie (2), wieder in
dreifacher Weise, je nach der speciellen Vorstellung,
die man mit dem Bildungsakte selbst verknüpft: die
Erze tonnten a. in Gestalt von Dämpfen, die sich
verdichten, emporgestiegen, oder I>. in einem lava-
artig geschnlolzenen Zustande auf den Spalten berauf-
gcdrungen fein, oder o. als Erzeugnisse von Mineral-
quellen gelten, die aus der Tiefe ihren Weg nach
oben genommen und die in ibnen gelöst enthaltenen
Stoffe an den Wänden der Spalten zum Absatz ge-
bracht haben. Als man sich dem Studium der Vul-
kane und der vulkanischen Erscheinungen zuwandte,
glaubte man auch die Ausfüllung der Erzgangspalten
durch vulkanische Thätigkeit vermittelt. Vielfach war
in den Spalten der erkaltenden Lavaströme, in den
Kratern der Vulkane die dort durch Dämpfe und
Gase zu stände gekommene Bildung von allerhand
Erzen, z. B. Eisenglanz u. a. Mineralien, beobach-
tet, mehrfach z. V. Vleiglanz in den Gemäucrfugen
von Flammöfen unter Verhältnissen erzeugt wahr-
genommen worden, daß er dort nur durch gegen-
seitige Einwirkung von Dämpfen abgesetzt sein
konnte, ja es gelang, eine Anzahl geschwefelter Erze
aus den Metallgasen künstlich in Krystallsorm zu er-
baltcn und so diese sog. Sublimationstbeorie
<2k) durch das nachahmende Experiment anscheinend
wesentlich zu stützen. Andererseits brach sich vielfack
die Überzeugung Bahn, und sie ist lange fast herr-
schend gewesen, daß das Material der Gänge in
einem feurig erweichten, geschmolzenen Zustande
aus den Erdtiefen, wo man von jeher den llrsitz
der schweren Metalle vermutet hatte, in den Spal-
ten emporgestiegen sei. Sie könnten also vermittelst
der geschmolzenen Ausfüllung entstanden sein und
durch die sog. Injektionstheorie (2d) erklärt
werden. Doch sind solche Vorkommnisse ganz außer-
ordentliche Seltenheiten, und es steht augenblick-
lich allgemein fest, daß beide Hypothesen, die von
der dampfförmigen Sublimation sowie die von
der feuerflüfsigen Injektion, auf die Bildung der
unermeßlich überwiegenden Anzahl der Erzgänge
keine Anwendung finden können, und zwar des-
halb, weil keineswegs metallische Erze allein die
Gangspalten erfüllen, sondern diese darin innig ver-
wachsen vorkommen mit einer ganzen Menge von
nichtmctalliscken Mineralien, mit Quarz, Kalkspat,
Flußspat, Schwerspat u. s. w., unter Verhältnissen,
welche die Bilduug der einen nicht von der Bildung
der andern trennen lassen. Zur Zeit aber gilt es
alo ausgemacht, daß jene nichtmetallischen Minera-
lien hier weder aus Gasen noch aus geschmolzenen
Stoffen fest geworden sind, weil sowohl ihre chem.
Natur als auch ihre mikroskopische Struktur einem
solchen Vildungsvorgange meistens direkt wider-
streitet. Somit ist für die allergrößte Mehrzahl der
Erzgänge diesen beiden Theorien der Boden voll-
ständig entzogen. Erheblich günstiger steht es unr
die dritte der oben erwähnten Ansichten (2c), zufolge
deren man in den Erzgängen Absätze von Mineral-
! quellen zu erblicken hat, die von unten her in den
! Spalten aufgestiegen sind und ihre gelösten Teile
metallischer und unmetallischer Art an den Wänden
zur allmählichen Abscheidung brachten. Die ganze
materielle Natur der Erzgänge, die der Subli-
mations- und Injektionstheorie so unüberwindliche
Schwierigkeiten entgegengestellt, ist gerade derart,
daß sie umgekehrt dieser sog. Infiltrations-
tbeorie laut das Wort redet. Taufende von chem.
Analysen erweisen, daß jene Stoffe, die in den Erz-
gängen stecken, wirklich in den zu Tage tretenden
Quellwässern, wenngleich manchmal nur in sehr
sckwachen Spuren, aufgelöst enthalten sind, und
andererseits haben sich die Wahrnehmungen außer^
ordentlich gebanst, daß die auf den Erzgängen am
reichlichsten vorkommenden metallischen und nicht-
metallischen Mineralien sich aus dem Wasser und
nur aus dem Wasser abgeschieden haben. Ferner
ist es gelungen, eine ganze große Menge von sol-
! chen Erzen und Mineralien dadurch vor unsern
! Augen im Laboratorium und in der zugehörigen
! ^rystallgestalt zu erzeugen, daß man Gewässer, die
> mit diesen oder jenen Stoffen beladen waren, bald
bei gewöhnlicher, bald bei erhöhter Temperatur
unter gewissen Umständen aufeinander einwirken
lieh. Durck die so oft zu beobachtende symmetrische
Zusammensetzung der Gänge aus einzelnen beider-
seitig korrespondierenden Lagen wird die Vor-
^ stellung sehr gestützt, daß die Erfüllung der Spalte
z durch Abscheidung aus Gewässern erfolgte. Wäh-
! rcnd man aber bis in die neueste Zeit in diesen
, innerhalb der Spalten cirkulierenden Gewässern
! Mineralquellen zu sehen geneigt war, die aus
! unbekannter Tiefe in die Höhe stiegen, scheint
! neuerdings eine etwas andere Modifikation dieser
Auffassung Beifall zu gewinnen. Man behaup-
tet, insbesondere nach dem Vorgang von Gustav
^ Bischof, die Erze könnten allerdings nur als in
^ Wasser gelöst in die Spalten eingeführt worden