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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Essex (Adelstitel) - Essig
der Fläche. Die Bevölkerung treibt Anbau von ausge-
zeichnetemWeizen, Gerste, Kartoffeln, Hopfen, Raps
und Gemüse, hauptsächlich aber Wiesenkultur, Vieh-
zucht, Butter- (von Epping, die beste in England) und
Käsedereitung, auch Strohflechterei, Sckiffbau und
Reederei, Fischerei und Austernfang. Letzterer fin-
det besonders bei Colchester, Tollesbury, Maldon,
Leigh und Vrightlingsea statt. Hauptstadtist Chelms-
ford. Bedeutender sind West-Ham und Colchestcr.
Die Grafschaft wählt acht Abgeordnete in das Par-
lament. - Das alte angelsä'chs. Königreich E. oder
Ostsachsen (Eastseaxe, Estsaxonia), um 527 von
Erkenwin gegründet, umfaßte auch Hertford und
Middlesex und hatte zur Hauptstadt Lundenwyk
(Lundene), d. i. London. Es ward später mit Kent
vereinigt, dann von Mercia abhängig und 823 durch
Egbert von Wessex unterworfen. - Vgl. Walford,
'I(mi-i8i78 Fuid" t0 N. (Lond. 1882.)
Cssex, alter engl. Adelstitel, der von dem 12.
bis zum 16. Jahrh, nacheinander von den Familien
Mandeville, Fitzpiers, Bohun und Bourchier ge-
führt ward. Heinrich VIII. verlieh ibn 1539 an
seinen Minister Thomas Cromwell (s. d.). Nach
dessen Hinrichtung, die einige Monate später er-
folgte, wurde William Parr, Bruder der sechsten
Gemahlin Heinrichs VIII., zum Grafen von E. er-
hoben, starb aber 1566 ohne Nachkommenschaft.
Die Würde kam zunächst an die Familie Devereur,
die ihre Abstammung von einem Genossen Wil-
helms des Eroberers, Walter d'Evreux, herleitete
und, in Herefordshire ansässig, sich Generationen
hindurch im Grenzkrieg gegen Wales hervorgethan
katte. Aus ihr stammte der erste Graf E., Walter
Devereux, Lord Hereford, geb. 1541, der mütter-
licherseits ein Nachkomme der Grafen E. aus dem
Hause Vourchier war. Er focht in Irland und starb
als Graf-Marschall von Irland 1576; fälfchlich
wurde die Schuld an seinem Tod dem Grafen
Leicester zugeschrieben, der E.' Witwe heiratete.
E.' Sohn war Robert Devereux, zweiter
Graf von E., geb. 10. Nov. 1567, der bekannte
Günstling der Königin Elisabeth. Er wurde durch
Cecil an den Hof gebracht, zeichnete -sich 1585
unter seinem Stiefvater Leicester in Holland aus
und wurde nach dessen Tod (1588) sein Nachfolger
in der Gunst der Königin. Des Hoflebens über-
drüssig, machte er gegen Elisabeths Willen eine
kriegerische Expedition von Norris und Drake nach
Portugal mit (1589), wurde aber bald wieder in
Gnaden aufgenommen, jedoch erregte er der Königin
höchsten Zorn durch seine heimliche Ehe mit der
Tochter Walsinghams. 1591 focht er in Frankreich
auf Heinrichs IV. Seite und beteiligte sich 1596 ruhm-
voll an der Einnahme von Cadiz, sodaß das Volk
in ihm sogar den eigentlichen Helden des Feldzugs
sah. Als er dann nach geringern Erfolgen heim-
kehrte, wurde er kalt von Elisabeth empfangen, bei
einer heftigen Auseinandersetzung mit der Königin
erhielt er sogar von dieser öffentlich eine kräftige
Ohrfeige. Nicht lange darauf übertrug ihm Elisa-
beth jedoch 1599 den Posten eines irischen General-
statthalters zur Unterdrückung der dort unter
Tyrone ausgebrochenen großen Empörung. E.
schloß einen nachteiligen Stillstand, vielleicht nicht
ohne verräterische Absichten, und als Elisabeth die
Bestätigung verweigerte, kehrte er ohne Erlaubnis
zu seiner Rechtfertigung zurück. Elisabeth stellte
ihn vor das Gericht der Sterntammer, und als sie
aul deren Urteil des l>imler- und Güterverlustes nicht
sofort Gnade walten ließ, suchte E. einen Aufruhr
in London zu erregen, wurde aber gefangen ge-
nommen, verurteilt und nach langen: Schwanken
der Königin 25. Febr. 1601 als Hochverräter ent-
bauptet. Die Erzählung von dem Ring, den er an
Elisabetb, um ihre Gnade zu erhalten, geschickt
habe, ist eine Fabel. E.' tragisches Ende war
durchaus selbstverschuldet. Er war eitel, heftig,
ohne jede Selbstbeherrschung, und obwohl tapfer,
befaß er weder zum Anführer, noch zum Politiker
irgend hinreichende Begabung. E. ist der Held in
Laubes Trauerspiel "Graf E.".
Von seinen drei Söhnen wurde Robert Deve-
reux (geb. 1591) 1604 die väterliche Würde als
drittem Grafen von E. zurückgegeben, er felbst jung
mit Franzioka Howard vermählt, die bald eine
Scheidung durchsetzte, um sich mit Robert Carl,
Grasen von Somerset, zu verheiraten. 1620 diente
er im Heer des Kurfürsten von der Pfalz, 1625
befehligte er als Viceadmiral gegen die Spanier.
Eifrig wohnte er den Parlamentssitzungen bei und
stand schon 1626 zur Opposition gegen Karls I. ab-
solutistische Bestrebungen. Er gehörte zu den Füh-
rern des Langen Parlaments und erhielt 1642 den
Oberbefehl im Parlamentsheer. Sein anfängliches
Glück schwand vald, da er wenig Befähigung zum
Heerführer besaß, 1644 mußte sein Heer vor Karl
die Waffen strecken. Nach der Selbstentäußerungs-
akte (s. d.) trat er ab und starb 1646.
Die Würde eines Grafen E. erlofch mit ihm.
Sie ging über auf die Familie Capel und wurde
1661 an Arthur Capel, geb. 1631, den Sohn
des 1649 enthaupteten Lord Capel von Hadham,
übertragen. 1672-77 war dieser Lordlieutenant
von Irland, nach seiner Rückkehr kämpfte er im
Parlament für den Ausschluß des Herzogs von
Mork (nachmaligen Jakob II.) von der Thronfolge.
Der Teilnahme am Rye-House-Komplott verdächtig,
wurde er verhastet und 13. Juli 1683 im Kerker
mit durchschnittenem Halse aufgefunden; höchst
wahrscheinlich hat er sein Leben durch Selbstmord
geendet, nicht, wie verbreitet wurde, durch Mord.
Sein Sohn, Algernon Capel, zweiter Graf von
E., kämpfte unter Wilhelm III. in Flandern. Dem
fünften Grafen von E., George Capel, geb.
1757, gest. 23. April 1839, folgte sein Neffe Ar-
thur Algernon Capel, sechster Graf von E.,
geb. 27. Jan. 1803, gest. 11. Sept. 1892; diesem
als siebenter Graf von E. sein Enkel G. Devereux
de Vere Capel, geb. 1857.
Essig, im wesentlichen mit Wasser stark verdünnte
Essigsäure (s. d.) mit einem Gehalt von 5 bis 6 Proz.,
die als Nebenbestandteile, je nach der Bereitungs-
weise, geringe Mengen organischer Substanzen ver-
schiedener Art, sowie, aus dem zur Darstellung be-
nutzten Wasser herrührend, anorganische Salze ent-
hält. E. wird verwertet Zum Würzen der Speisen
(Speiscessig), in der Pharmacie, in der Technil
zur Anfertigung der reinen Essigsäure und essig-
saurer Salze. Man unterscheidet Weinessig, Vier-,
Malz- oder Getreideessig, Obstessig, Rübenessig,
Vranntweinessig und Holzessig, von denen der letz-
tere aber als <Hpeiseessig nicht verwendbar ist. Hin-
sichtlich seiner Darstellung s. Essigsabrikation. -
Aromatischen E., auch Vierräuberessig oder
Pestessig (^"eUiin ai-oinNticnm) nennt man ein
pharmaceutisches Präparat, das vielfach als Desin-
fektionsmittel in Krankenzimmern und als Schutz-
mittel gegen Ansteckungen angewandt wird. Der