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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Esterházy

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Esterházy'

  • Franz’ V. von E., Joseph von E., geb. 29. Juni 1682 zu Papa, zeichnete sich aus in den Kriegen gegen Rákóczy, in den beiden Feldzügen gegen die Türken (1716–18 und 1736–39) und in den schles. Kriegen (1740–45). Seit 1733 war er Grenzkommandant, Feldmarschalllieutenant und Banus von Kroatien, seit 1741 Feldmarschall und Judex curiae; er starb 10. Mai 1748. Sein gleichnamiger Sohn starb 1759 ohne männliche Nachkommen. –

  • c. Der dritte Sohn Franz' V. von E., Graf Franz VI. von E., geb. 19. Juni 1682, starb 1758 als Feldmarschall und hinterließ drei Söhne, von denen der mittlere, Graf Karl von E., geb. 1725, sich dem geistlichen Stande widmete, 1761 letzter Bischof von Erlau wurde, sich durch zahlreiche humanitäre und gemeinnützige Stiftungen und Einrichtungen auszeichnete und 15. März 1799 starb; der älteste und der jüngste von den Söhnen Franz’ VI. begründeten zwei Nebenzweige, zu Totis (Papa) und Lanschitz.

Der Stifter der ältern Linie zu Totis, Graf Nikolaus von E., geb. 1711, gest. 27. Juni 1764, ist der Großvater des Grafen Nikolaus von E., geb. 8. Febr. 1804, gest. 3. Nov. 1885, dessen Sohn Nikolaus von E., geb. 5. Dez. 1839, jetzt das Haupt dieser Linie ist, und des Grafen Moritz von E., geb. 23. Sept. 1807. Letzterer widmete sich der Diplomatie, war bis März 1856 österr. Gesandter zu Rom und trat 19. Juli 1861 als Minister ohne Portefeuille in das Kabinett Schmerlings ein. Nach dem Rücktritt des letztern Juli 1865 behielt er im Ministerium Belcredi dieselbe Stellung. Im Okt. 1866 verließ er den aktiven Staatsdienst, bewahrte aber noch seinen Einfluß als Hauptvertreter der streng kath. Richtung in der Politik Österreich-Ungarns. Er starb 8. Nov. 1890 in einer Irrenanstalt zu Pirna. – Die jüngere Linie zu Lanschitz begründete der jüngste der drei Söhne Franz’ VI., Graf Franz VII. von E., gest. 1785 als Obergespan des Wieselburger Komitats und ungar. Hofkanzler. Von seinen Nachkommen ist Graf Michael von E., geb. 11.Juli 1853, das gegenwärtige Haupt dieses Zweigs des Hauses.

Die fürstliche Linie des Forchtensteiner Hauptastes ward durch Paul IV. von E., geb. 8. Sept. 1635 zu Eisenstadt, gest. 26. März 1713, den dritten Sohn des Palatins Nikolaus II. von E., begründet. Derselbe vereinigte in sich die Talente des Feldherrn mit denen des Staatsmannes, hatte an allen Schlachten in den Türkenkriegen von 1663 bis 1686, besonders an der bei St. Gotthard (1664), an der Entsetzung von Wien (1683) und an der Eroberung Ofens (2. Sept. 1686) teil und wirkte als Palatin von 1681 bis 1713 für sein Vaterland. Seit 1667 General der Kavallerie, ward er in Anerkennung seiner Verdienste um die Erbfolge des Hauses Habsburg in Ungarn 1687 in den Reichsfürstenstand erhoben und mit dem Münzrecht und dem großen Palatinat, vererblich nach dem Recht der Erstgeburt, begnadet. Kurz vor seinem Tode wurde dieser Fürstenstand 1712 auf den jedesmaligen Erstgeborenen ausgedehnt. In den Rákóczyschen Unruhen (1704–11) verhinderte er den allgemeinen Anschluß an diese gefährliche Bewegung. Der Fürst war auch ein Freund und Beförderer der Wissenschaften und Künste, ein Wohlthäter der Armen. Von seinen 25 Kindern sind drei Söhne zu bemerken:

  • 1) Fürst Michael von E., der seinem Vater in dem Fürstentum und in der ↔ Ödenburger Obergespanswürde folgte und 24. März 1721 ohne männliche Erben starb;
  • 2) Gabriel von E., Obergespan des Szalader und Sümegher Komitats, der 1704 ebenfalls ohne männliche Erben verstarb, und
  • 3) Joseph Anton von E., gest. 7. Juni 1721, der zwei Söhne hinterließ.

Der erste von diesen, Fürst Paul Anton von E., geb. 22. April 1711, errichtete im Österreichischen Erbfolgekriege 1741 auf eigene Kosten ein Husarenregiment, wurde 1747 Feldmarschalllieutenant, ging 1750 als Botschafter nach Neapel, avancierte 1757 zum General der Kavallerie, 1758 zum Feldmarschall und starb 1762. Sein Bruder, Nikolaus Joseph von E., geb. 18. Dez. 1714, stieg bis zur Würde eines Generalfeldmarschalls, erhielt 21. Juli 1783 für alle seine männlichen und weiblichen Nachkommen die reichsfürstl. Würde und starb 28. Sept. 1790 in Wien. Der Fürst war ein besonderer Freund der Musik, aus seiner Kapelle gingen Jos. Haydn und Pleyel hervor; er ist der Erbauer des großartigen Schlosses in Eszterház (s. d.). Sein Sohn, Fürst Paul Anton von E., geb. 1738 zu Wien, gest. 22. Jan. 1794 als Feldmarschalllieutenant, war Vater der Fürsten Anton von E., gest. 13. Dez. 1796 als Oberstlieutenant, und Nikolaus von E., geb. 12. Dez. 1765. Letzterer bereiste in seiner Jugend fast ganz Europa und wurde späterhin zu diplomat. Sendungen gebraucht. Er ist der Begründer der herrlichen Gemäldesammlung in dem vom Fürsten Kaunitz gekauften Gartenpalast in der Wiener Vorstadt Mariahilf. Dort legte er auch eine auserwählte Sammlung von Kupferstichen und Zeichnungen an. Beide befinden sich seit 1865 im akademischen Palast in Pest als Landeseigentum. In seiner Sommerresidenz in Eisenstadt, wo er Haydns Gebeine mit großer Pracht beisetzen ließ, pflegte er in großartiger Weise die Tonkunst und die Botanik. Er war durch die Erwerbung der Herrschaft (ehemaligen Abtei) Edelstetten in Franken und deren Erhebung zur gefürsteten Grafschaft (17. Dez. 1804) in das Reichsfürstenkollegium eingetreten; aber diese Souveränität dauerte nur bis 1805, damals gelangte das Fürstentum Edelstetten (5,5 qkm mit 830 E.) unter bayr. Oberhoheit. Als Napoleon 1809 damit umging, Österreich durch Abtrennung von Ungarn zu schwächen, machte er dem Fürsten Anträge bezüglich der Krone Ungarns, die dieser jedoch ausschlug. Er starb 24. Nov. 1833 zu Como in Italien. Seine ungeheuern Ausgaben legten den Grund zum materiellen Ruin des Hauses, obgleich dessen jährliche Einkünfte über 2 Mill. Fl. betragen hatten. Sein Sohn, der Fürst Paul Anton von E., geb. 10. März 1786, widmete sich der diplomat. Laufbahn und ging 1810 als österr. Gesandter nach Dresden, 1815 nach London. Er kehrte 1842 in sein Vaterland zurück, wo er sich der nationalen Richtung anschloß und als Obergespan des Ödenburger Komitats wie als Präses der Naturforschergesellschaft (1847) den polit. wie litterar. Fortschritt eifrig förderte. Dies brachte ihn im März 1848 in das Ministerium des Grafen Ludwig Batthyányi, worin er als Minister um die Person des Monarchen die Interessen Ungarns am Wiener Hofe zu vertreten hatte. Er wirkte für einen Ausgleich, legte aber, als der Kampf unvermeidlich schien, noch vor Auflösung des Batthyányi-Ministeriums Aug. 1848 sein Amt nieder und zog sich vom öffentlichen Schauplatz zurück. 1856 ging er als

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 379.