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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Estrach - Estrées
Gftrach (spr. -ätsch), Caldas de, s. Caldas.
Efträda, La, Hauptort des Bezirks E. in der
span. Provinz Pontevedra (Galicien), etwa 30 km
nordnordöstlich von Pontevedra, in einer bevölkerten
Gebirgsgegend, hat (1887) 24891 (5.
Estrade (frz.), der um eine oder mehrere Stufen
erhöhte Teil des Fußbodens; in den Kirchen zur
Absonderung der Chorstühle und zur Hervorhebung
des Altars oder eines Katafalks; in Thron- und
Paradesälen für den Thron u. s. w.; beim Schleusen-
bau der erhöhte Teil der Schleusenkammer oder des
Raums zwischen beiden (^chleusenthoren. >
Estragon, Pflauzenart, s. ^i-tmni^a; Estra-
go nessig, ein durch Ansetzen von Estragonkraut
mit Weinessig hergestellter aromatischer Speiseessig.
Estrangelo, 's. Syrische Sprache, Schrift und
Litteratur.^
Estrapade (frz.), das Wippen, der Wipp-
oder Schnellgalgen, eine auf Schissen übliche
Strafe, welche darin bestand, daß man den Delin-
quenten auf das Ende einer Segelstange hißte und
ihn darauf mehrmals hintereinander in das Meer !
stürzen ließ. Diese Strafe war auch auf dem Fest- ,
lande in Gebrauch. Man ließ hier den Delinquenten,
an einem Seile festgeschnürt, Hände und Füße rück-
wärts zusammengebunden, von einen: Meter Höhe
auf die Erde hinabfallen. - 1>Iaco äs I'I^. (spr.
plahß de lestrapahd), ein Platz in Paris, wo ein
Wippgalgen stand, an dem besonders viele Pro-
testanten gefoltert wurden. - E. heißt auch der
Bockssprung der Pferde, das gleichzeitige Bäumen
und Ausschlagen derselben.
Estrees (spr. -reh), altes^franz. Geschlecht,
das seinen Namen von einem schloß in der Nähe
von Arras führt. Jean, Marquis d'E., geb.
1486, war ein ritterlicher Krieger und besaß seit
1559 die Würde eines Großmeisters der Artillerie.
Er bekannte sich, obwohl im ersten Hugenottenkriege
im königl. Dienste, zum Protestantismus und starb
1571. Sein Sohn, Antoine d'E., war ebenfalls
Großmeister der Artillerie, machte sich berühmt durch
seine Verteidigung von Noyon 1593 und starb im
Anfang des 17. Jahrh, als Gouverneur von La Före,
Paris und Isle-de-France.
Dessen Tochter, Gabrielle d'E., Herzogin von
Beaufort, Geliebte Heinrichs IV. von Frankreich,
war um 1571 geboren. Sie stand im Alter von
20 I., als der König sie auf dem Schlosse ihres
Vaters, Coeuvres, kennen lernte und durch ihre
Reize gefesselt wurde. Um ihr eine Stellung in der
Gesellschaft zu geben, wurde sie mit Herrn von
Liancourt, einem Witwer mit 14 Kindern, ver-
mählt. Indes wurde diese Ehe bald aufgelöst, und
Gabrielle, zur Marquise von Monceaur, dann zur
Herzogin von Veaufort erhoben, konnte hoffen, dem
Könige das thörichte Versprechen, sie zur Gemahlin,
zur Königin zu erheben, abzugewinnen. Gegen
Ostern 1599, als schon die Scheidung des Königs
von Margarete von Valois eingeleitet war, begab
sich Gabriclle, ihrer Entbindung nahe, auf Anraten
ihres Beichtvaters vom Hofe weg nach Paris, wo
sie bei einem vertrauten Juden des Königs, Namens
Zamet, wohnte. Am Gründonnerstage erkrankte
sie plötzlich, wie es hieß, nach den: Genusse einer
Orange, und starb schon am Sonnabend 10. April.
Die Volksstimme sprach von Gift; es ist kaum
zweifelhaft, daß sie vielmehr Krämpfen einer vor-
zeitigen Geburt erlegen ist. Sie hinterließ dem
Könige drei Kinder, Cch'ar und Alexandre (s. Vcn-
döme) und Henriette Catherine, vermählt an den
Herzog von Elboeuf. Nicht ohne Habsucht und Ehr-
geiz, war "die schöne Gabrielle" dem Könige doch
wohl wirklich treu; trotz ihrer zweideutigen Stellung
genoß sie allseitige Neigung und sogar Achtung.
Die unter ihrem Namen erschienenen "^lemoirLä"
(4 Bde., Par. 1829) sind wahrscheinlich von einem
ihrer Freunde nach ihrem Tode verfaßt. Moret
veröffentlichte: "N6M0ir68 86ei'6t8 (16 (^drisiie
ä'N." (Par. 1875). - Vgl. Loiseleur, Hu63tion8
1ii8tori(iu68 äu 17^ ßiöciö (Par. 1873); ders., ?ro-
d1em63 ki3t0i-iHU68 (ebd. 1867); ders., I^vaiii^e 6t
863 t)0IliMc68. I^'6V9.8i0U ä'uU6 1'6iiI6 (16 I^rHIic6.
I^H inoi-t ä6 6adri6ii6 li'^. (ebd. 1873); Desclozeaur,
(^I)i-i6ii6 ä'N. mHr^ni86 Ü6 Nono6Hux (ebd. 1889).
Francois Annibal d'E., Gabricllens Bru-
der, geb.'1573, seit 1626 Marschall, später auch
Herzog von E., war in seiner Jugend Geistlicher,
wurde 1594 Bischof von Noyon, trat dann aber
in den Kriegsdienst über; unter Ludwig XIII. be-
währte er sich als Diplomat, befehligte 1624 in
Graubünden, bald darauf im Mantuanischen Erb-
folgekriege und endlich in Deutschland, wo er ver-
wundet wurde (1632). Er war 1636-48 als Ge-
sandter in Rom thätig und starb 1670 in Paris.
Er schrieb "^leinoir^ ä6 1a r6F6iic6 äe Naris ä6
N6äici8" (Par. 1666).
Jean, Graf d'E., Sohn des vorigen, geb.
1624, focht mit Auszeichnung im Dreißigjährigen
Kriege und gegen die mit der Fronde verbündeten
Spanier, wurde 1655 gefangen und erst 1659 im
Pyrenäischen Frieden wieder frei. Seit 1668 im
Eeedienst, bekämpfte er die engl.-amerik. Kolonien
und 1669 die Raubstaaten an der asrik. Küste.
1672 befehligte er die franz. Flotte, die mit der eng-
lischen vereinigt die Holland. Küste blockierte. Die
Zurückhaltung, die er dabei, vielleicht geheimen
Weisungen seines Königs folgend, in zwei See-
schlachten beobachtete, machte ihn nicht nur den
Engländern, sondern auch den eigenen Untergebe-
nen verhaßt. Aber Ludwig XIV. vergalt ihm dies
Verhalten durch erhöhte Würden, und E. rechtfer-
tigte seine Tüchtigkeit durch spätere Siege. Er ent-
riß den Holländern 1677 die Insel Tabago; 1681
wurde er dafür zum Marschall und 1686 zum Vice-
könig der amerik. Kolonien ernannt. 1691 kämpfte
er nochmals glücklich gegen die Engländer, erhielt
dann das Gouvernement in mehrern Provinzen,
zuletzt in der Bretagne. Er starb 1707.
Victor Marie, Herzog d'E., Marschall von
Frankreich und Grande von Spanien, Sohn des
vorigen, geb. 1660, diente erst in der Landarmee,
dann unter seinem Vater auf der Flotte, bewährte
sich im Seekriege der neunziger Jahre und wurde
im Spanischen Erbfolgekriege von Philipp V. als
Oberkommandant der span. Flotte mit nach Spa-
nien hinübergenommen und später noch von Lud-
wig XIV. zum Marschall ernannt. Er führte 1704
sehr glücklich die franz. Flotte gegen die Verbündeten
bei Malaga. Nach dem Tode seines Vaters erhielt
er dessen Gouverneurstellen; 1715 wurde er zum
Leiter des Marincrates und 1733 zum franz. Mi-
nister ernannt. Er starb 1737.
Louis Charles Ce'sar Letellier, Herzog
d'E., Marschall und Minister von Frankreich, geb.
1697, war als Sohn Michel Letelliers de Courtan-
vaur und der Marie Anne Catherine d'E. Enkel
Louvois' und Jeans d'E. Er diente zuerst in Spa-
nien unter Berwick, dann im Osterreichischen Erb-