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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ethane - Ethik
verflucht, aus, gewann die erste Medaille und bekam
nun die Ausführung von Gruppen für den ^rc <16
l'^toiw fowie des Grabmonuments für Gericault
übertragen, für welch letzteres er 1841 das Kreuz
der Ehrenlegion erhielt. Seine volle Thätigkeit ent-
faltete der Künstler erst nach 1848. Die Mehrzahl
feiner Werke sind öffentliche Denkmäler; fo für
Vauban im Invalidendom, General Lecourbe in
Lons-le-Saulnier, die Statue Nofsinis in der Oper
(1842), Karls d. Gr. im Luxembourg, St. Augustin
in der Kirche Stc. Madelcine, das Ingres-Monu-
ment für Montauban, mit dem vorzüglichen Relief
der Apotheose Homers; ferner die Marmorgruppe
der Schiffbrüchigen (1867). In diesen Arbeiten
strebte er wuchtige Kraft nicht ohne Übertreibung
an. Nebenbei pflegte der Künstler die Malerei; von
seinen Gemälden sind zu nennen: Martyrium des
heil. Sebastian, Joseph seinen Brüdern die Träume
auslegend <1844), Flucht nach Ägypten. Als Aqua-
rellist war er ebenfalls beliebt. Er veröffentlichte:
"Ooui-g 6Ioni6ntinr6 äs ä688w" (3. Aufl., Par.
1859), "<!. ?raäi6i'" (ebd. 1859), "^ry 8cd6ss6r"
(ebd. 1859), "Leaux-artZ. OourZ pudlio, tait 3.
I'^88ociati<)u P0l^t6e1iiii(iu6" (ebd. 1861). Er starb
16. Juni 1888 in Chaville.
Gthane, soviel wie Mhane (s. d.).
Ethelbcrt ftlthelberht), König von Kcnt, geb.
um 550, bestieg 560 den Thron, vermählte sich mit
Vertha, der Tochter des Frankenfürsten Charibert,
einer Christin, auf deren Veranlassung zu Eanter-
bury in der Martinskirche eine christl. Kirche ein-
gerichtet wurde. Als dann Augustin, der Apostel
der Angelsachsen, 597 nach Kent kam, nahm E. ilm
freundlich auf, ließ sich taufen und tbat viel zur
Verbreitung des Christentums. Er starb 616. Von
E. stammen die ältesten angelsächs. Gesetze.
Gthelred (Mhelred)I., angelsächs.König (866
-871), älterer Bruder und Vorgänger von Alfred
als König über Wessex und Kent, lebte in beständi-
gem Kampf mit den Dänen. Er starb bald nach
einem Sieg, den er über sie erfochten hatte, 871.
E. II., der Unberatene, König von England (978
- 1016), bezeichnet vorncbmlich die Zeit des Nieder-
gangs des Angelsachsenreichs nach der Epoche Ed-
gars und Dunstans. Denkwürdig ist er durch sei-
nen Versnch, durch die Ermordung aller in Wesser
lebenden Dänen (13. Nov. 1002) sich dieser Dränger
zu entledigen, wodurch er aber nur schwerere Rache-
züge veranlaßte. 1013 eroberte König Svend von
Dänemark sein Reich, und E. mußte im folgenden
Jahr in die Normandie fliehen. Nach Svends gleich
darauf erfolgtem Tod zurückgerufen, starb er im
Kamp^ mit dessen Nachfolger Knut 1016.
Gtyelstan Mhelstan), angelsächs. König (925
-940), Sohn Eduards des Ältern, Enkel Alfreds,
dehnte feine ererbte .Herrschaft über Wessex und
Mercia nach Northumbrien und Cornwall aus und
wußte eine gefährliche Verbindung von Schotten,
Dänen und unzufriedenen Briten bei Vrunanbush
(937) siegreich zu besteben.
Ethelwulf (A thelwulf), angelsächs. König (839
-858), folgte seinem Vater Egbert auf dem Thron
von Wesiex. Er hatte gegen die Dänen zu kämpfen
und brachte ihnen eine große Niederlage bei Ockley
in Surrey bei (851). 855 machte er eine Reise nach
Rom und richtete dann den Peterspfennig Mon^
8cot) in England ein. Er starb 858.
Ethik (vom grch. 6tko8, Sitte, Charakter),
Mvra^ stat.) oder SiNenlehre, der Zweig der
Philosophie, der die Gesetze der sittlichen Beurtei-
lung, d. h. der Beurteilung der Willenshandlungen
als gut oder böse, seinsollend oder nicht seinsollend
zum Gegenstand hat (daher auch praktische Phi-
losophie genannt). Auch in ihr macht sich der
große Gegensatz des Rationalismus (s. d.) und Em-
pirismus (s. d.), der Begründung auf Vernunft oder
auf Erfahrung, geltend. Ist Vernunft nur der Aus-
druck für die Forderung der Rechenfchaft über die
letzten begründenden Principien oder Gefetze, so
kann eine Theorie eigentlich nur rationalistisch sein
und ist also die Frage, ob die E. rational oder em-
pirisch sein müsse, einerlei mit der Frage, ob es eine
E., als Theorie des sittlichen Urteils, überhaupt
giebt oder nicht. Zudem handelt es sich in der sitt-
lichen Beurteilung eben um den Standpunkt, den
wir in unserm praktischen Bewußtsein dem zu be-
urteilenden Objekt (der Willenshandlung) gegen-
über einnehmen; um so mehr kann die letzte Be-
gründung des sittlichen Urteils allein gesucht werden
in dem eigenen Gesetze des praktischen Bewußtseins,
d. h. in einer praktischen Vernunst. Darum gilt
mit Recht Sokrates als Urheber der E., der zuerst
erllärte, daß das Gute auf einem Wissen, auf Be-
griff und Erkenntnis, nicht auf irgendwelche (empi-
rische) Principien der Luft und Unlust, des Begeh-
rens und Meidens sich gründen müsse. Der letztere
Weg ist der allein möglicke für jeden Verfuch einer
empirischen Moraldegründung. Er bat sein schein-
bares Recht darin, daß die Willenshandlung zwar
einerseits vom praktischen Bewußtsein (des Grundes,
warum wir wollen) abhängt, andererseits aber stets
zugleich bedingt ist durch sinnliche Triebfedern des
Begehrens der Lust und Widerstrebens gegen Un-
lust, durch das unbestimmte Verlangen nach Glück-
seligkeit, oder durch die Rücksicht auf den Nutzen,
d. h. auf die von der Handlung direkt und indirekt
zu erwartenden Lnstfolgen. Daher sieht der ratio-
nalen oder apriorifchen Begründung der E. gegen-
über die hedonistische (aus die Lust), eudämonistische
(auf Glückseligkeit) oder Militaristische (auf den
Nutzen); drei Standpunkte, die dem letzten Princip
nach in einen zufammcnfallen. Mit diefem Ge-
gensatze deckt sich der der autonomen und hetero-
nomen Begründung, d. h. der Begründung auf ein
eigenes, inneres Gefetz des Wollens oder auf eine
fremde, äußere Gefetzgebung. Vom Zwange des
Begehrens füblen wir uns abhängig, während wir
im reinen Wollen uns frei wissen, d. h. uns selber,
nicht irgend einer Sache außer uns, von der wir ab-
hängen, die Handlung zueignen und uns dafür ver-
antwortlich machen. Deshalb richtet sich auch das
sittliche Urteil auf die Handlung, nicht sofern sie
geschieht, sondern sofern sie gewollt ist: nicht auf
da^ Äußere der Tbat, sondern auf das Innere der
Gesinnung, aus der sie gewollt war; d. h. es betrifft
die Handlung ausschließlich, sosern sie abhängig
gedacht wird von einem Princip, warum sie gewollt
war, nicht aber, sofern sie ohne ein solches Princip,
bloß unter der Wirkung des Zwangs des Begeh-
rens, geschah. In letzterer Hinsicht unterliegt sie
bloß dem Naturgesetz des Begehrens, in ersterer
allein dem Tittengesetz.
Das Princip, warum wir etwas Bestimmtes
wollen, beißt Zweck (s. d.). Der Zweck ist also das
voraus Gewollte, um deswillen ein Anderes ge-
woUt wird. Nun kann der Zweck selbst wieder um
eines andern Zwecks willen gewollt sein u. s. w.;
soll nun diese Reihe nicht ins Unendliche stehen, in
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