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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Etruskische Kunst
lugten Quadcrbau der Germanischen Stadtmauer
und mehr noch in der aus der Tarquinierzeit stam-
menden Oioaca maximH. Den Etruökern bleibt das
Verdienst, den Bogen- und Gewölbebau zwar nicht
erfunden, aber zuerst zur Kunstsorm erhoben und
zur Nutzanwendung gebracht zu haben. Das be-
weisen nicht nur die Kanal- und Vrückenbauten
(z. V. in Viterbo, Blera, Veji), sondern auch die
großartigen Stadtthore (in Volterra, Perugia,
Falerii j,s. Fig. 2^) und der Gewölbebau in den
Gräbern bei Chiusi.
Die Anlage der Gräber ist je nach der Zeit, der
Art der Bestattung und der Bodenbeschasfenheit
verschieden. Die älteste, in der Ebene vorherrschende
Form ist das Hügelgrab (^nmulus), bestehend aus
einem kegelförmigen, aus einem gemauerten oder
selsigen Unterbau errichteten Erdhügel in runder
oder rechteckiger Gestalt, dessen Spitze häufig mit
einem kugel-, birnen- oder säulenförmigen Aufsatz
geschmückt ist (s. Fig. 3). Im Innern derselben
waren Grabkammern angelegt, zu denen von außen
ein oder mehrere Zugänge führten. Eine andere
Art von Grabanlagen haben die jüngsten Aus-
grabungen in Bologna (Felsina) kennen gelehrt.
Hier sind die Toten in Gruben gebettet, die oben
mit einem kreis- oder länglichrunden Denkstein ge-
schmückt sind. Die Reliess auf den lctztcrn, nach
orient. und späterhin griech. Mustern ausgeführt,
zeigen Darstellungen von Todesdämonen, welche
die Verstorbenen mit sich führen, Kämpfe, Gelage,
Tänze u. a. (Vgl. Zannoni, (^1i scavi äeiik ^ertosa
äi Lolo^na, 1876.) Die in den gebirgigen Gegen-
den übliche Art von Gräbern sind die in den Fels
gehauenen Kammern (s. Fig. 9), die im Grundriß
und im innern Ausputz das etrusk. Haus, vom ein-
fachen bis zum prunkvollausgestatteten,nachahmen.
Die einzelnen Gemächer sind durch Wände von-
einander getrennt, die mit Thüren oder Fenster-
öffnungen verfehen durch Pilaster und Nischen be-
lebt werden. Zwei aus dem Felsen gemeißelte
Säulen stützen die Decken. Kissen bildeten die Kopf-
polstcr sür die in den Nischen aufgebahrten Toten.
Bei zahlreichen Gräbern war dieser Innenschmuck
in Malerei ausgeführt; fo zeigt Fig. 12 die noch
nach altetrusk. Weise bemalten Thonplatten aus
einer Grabkammer von Cäre, Fig. 13 die schon auf
eine enge Beziehung zur griech. Kunst deutende
Wandmalerei aus einer Grabkammer zu Corneto.
Vielfach wurde auch die Außenseite der Gräber
künstlerisch ausgestattet, indem durch Thürum-
rahmungen oder tcmpelartige Facaden an der Fels-
wand gleichsam der Eingang des'Grabgemaches ge-
kennzeichnet wurde. Verschieden hiervon war nach
der Schilderung Varros das Grab des etrusk.
Königs Porsenna, bestehend aus in Stockwerken
übereinander geordneten Pyramiden auf einem
großen viereckigen Unterbau.
Weniger bekannt ist die Architektur der ctrusk.
Tempel und Wohnhäuser, da von ihnen nichts
erhalten ist. Eine schwer verständliche Beschreibung
der etrusk. Tempelform giebt Vitruv. Danach hatte
der Grundriß (f. Fig. 5), verschieden von dem des
griech. Tempels, eine mehr quadratische Gestalt; er
war in der Mitte geteilt, sodaß die vordere Hälfte
von einer Säulenhalle, die hintere von der Cella ein-
genommen wurde, die, meist für eine Dreizahl von
Gottheiten bestimmt, durch Querwände in einen
mittlern Hauptraum und zwei kleinere Nebenräume
üdgctc'üt wurde. Nach solchem Plan war dcr große
Tempel des Jupiter Capitolinus in Rom gebaut,
der nach der Überlieferung von Tarquinius Priscus
gegründet und von Tarquinius Superbus vollendet
wurde; dann dreimal durch Brand zerstört, wurde
er nach dem alten Grundriß zuletzt unter Domitian
wieder aufgebaut. Die altetrusk. Säulen (s. Fig. 1)
erhoben sich, abweichend von der dor. 3)rdnAng,
auf einer wulstartigen Basis; doch war das Kapital
(s. Fig. 1, a u. d) dem dorischen ähnlich, nur von
knapperer Form. später fanden dann die grieck.
Vauformen und mit ihnen auch die verschiedenen
griech. Säulenordnungen Eingang. Erhaltene
tempelartige Grabmäler geben ungefähr eine Vor-
stellung von dem Aufbau des etrusk. Tempels
(s. Fig. 7). Die Kenntnis der äußern Erscheinung
der Wohnhäuser ist noch viel unsicherer. Besser
bekannt ist das Aussehen des Innern durch die
plastischen Architekturen und Gemälde der Felsen-
gräber. Das von Vitruv beschriebene säulenlose
^N'Wm wscknicum (s. Atrium) mit dem in der Mitte
offenen Dach findet sich bei den Gräbern nicht.
Die Skulptur in Etrurien diente wesentlich
dekorativen Zwecken. Marmor fehlte, dagegen ar-
beitete man viel in Kalkstein (Tuff) und Terracotta,
die mit einem farbigen Überzuge versehen wurden.
Die Reliefs an den Seitenflächen der Sarkophage
und Eisten haben sich zum Teil noch in ihrem vollen
Farbenschmuck erhalten; sie sollten als farbige Bil-
der wirken und sind daher von den Gemälden der
Grabkammern an Form und Inhalt nicht verschie-
den. Auf den Sarkophagen, die als Ruhebetten ge-
dacht, sind die Verstorbenen meist wie zum Mahle
gelagert dargestellt (s. Fig. 10). Neben einer ge-
wissen Geschicklichkeit spricht sich ein lebhast ent-
wickelter Sinn sür das Individuelle in diesen Ge-
stalten aus, die mehr als die Reliefs den eigentlichen
etrusk. Charakter zeigen. Berühmt war im Alter-
tum die Vronzekunst der Etrusker; leider geben
die erhaltenen Bronzewerke, wie der Knabe mit der
Gans (im Museum zu Leiden; s. Fig. 4), die Kapi-
tolinische Wölfin (s. Fig. 6), die Marsstatue im
Vatikan, die Chimaira (s. d.) und die eines Redners
in den Uffizien zu Florenz, von der Ausbildung
dieser Technik nur eine schwache Vorstellung. Besser
bekannt sind die Erzeugnisse des KunstHand-
werks, von denen fast jedes Museum eine größere
Menge besitzt. Der Schmuck weist griech. Einfluß
auf und die auf den bronzenen Spiegeln (s. Fig. 11)
und Eisten eingravierten Bilder zeigen griech.
Mythen mit etrusk. Vorstellungen gemischt. Zu
nennen ist besonders die Ficoronische Ciste (s. d.
und Fig. 8), die bei ihrer vollendeten Feinheit der
Ausführung den besten Stücken echt gricch. Kunst
kaum nachsteht.
Die Ausbildung der Malerei steht in enger
Verbindung mit der Architektur. Sämtliche erhal-
tene Bilder sind Fresken, die, an den Wänden der
Grabkammern angebracht, mehr wie Dekorations-
stücke als wie eigentliche Gemälde wirken. Die
ältesten Gemälde aus dem 6. Jahrh. v. Chr. zeigen
nicht nur in der Zeichnung, sondern auch in der
Färbung den Einfluß der griech. Malerei. Die
schönen Bilder in der (^rotta äei tridinio in Cor-
neto (s. Fig. 13), welche Tanz und Gelage schildern,
erinnern an die kräftige Zeichnung der attischen
Vasenmaler; einen freiern Stil zeigen die Gemälde
der ebenfalls zu Corneto befindlichen sog. 6roN3.
äsN' Oco, die wohl im 4. Jahrh. v. Chr. entstanden
sind. Nach und nach bildct sich einc rcichcre Färbung