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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Etsch - Etschmiadzin
und eine mehr malerische Behandlung aus. In den
Darstellungen weisen die Gemälde neben vielem
Griechischen auch manches echt Etrustische auf, so-
wohl in den ältern ausschließlich auf den Toten-
dienst bezüglichen Bildern (s. Fig. 12), als in den
jüngern, vorwiegend mytholog. Scenen. Schilde-
rungen rein etrusk. Sagen dagegen, wie in dem
Francoisgrabe von Vulci, sind selten.
Die etrusk. Keramik stand unter dem Einfluß
der hochentwickelten Bronzetechnik. Die zahlreich
vorkommenden altertümlichen Vasen mit schwarzem
Firnisüberzug von metallischem Glanz und mit ein-
gepreßten Ornamenten oder Tierstreifen (sog.Buc-
cherovasen) und die viel jüngern schwarzen Relief-
schalen, deren Herstellung von Campanien aus in
Etrurien heimisch wurde, sind deutliche Nachah-
mungen ciselierter und getriebener Metallgefäße.
Ihnen schließt sich die besondere Gattung der sog.
Canopusvasen an. Die feinere Thonware bezog
man aus Griechenland, seit dem 5. Jahrh. v. Chr.
aus Athen. Der größte Teil der zahllosen erhal-
tenen bemalten griech. Vasen stammt aus etrusk.
Gräbern; in Vulci allein wurden 1830 über 3000
wohlerhaltene Gefäße aufgefunden. Aber die massen-
hafte Einfuhr von Athen hatte keinen Aufschwung
i?er einheimischen Keramik zur Folge. Etrust.
Töpfer versuchten zwar in derselben Technik zu ar-
beiten; aber die wenigen schwarz- und rotsigurigen
Vasen einheimischer Fabrik kommen kaum über
stümperhafte Nachahmung hinaus.
Litteratur. Abeken, Mittelitalien vor den Zei-
ten röm. Herrschaft nach seinen Denkmalen darge-
stellt (Stuttg. und Tüb. 1843); Dennis, ^Ii6 citio8
au6 C6in6t6!'i68 ok ^truria (2 Bde., Lond. 1849;
3. Aufl. 1892; deutsch Lpz. 1852); Inghirami,
NonumkMi sti-usclii (10 Bde., Flor. 1821-26);
Durm, Baukunst der Etrusker (im "Handbuch der
Architektur" II, 2,2. Aufl., Darmst. 1892); Martha,
1^'g.lt 65I-U8HU6 (Par. 1888); I rilikvi äkiie urne
stracke (Bd. 1 von H. Brunn, Rom 1870; Bd. 2
von G. Körte, Verl. 1890); E. Gerhard, Etrusk.
Spiegel (Bd. 1-4, Verl. 1839 - 68; Bd. 5 von
Kluegmannund Körte, ebd. 1884 fg.); ders., Etrusk.
und campan. Vasenbilder (ebd. 1843); P. Girard,
I.a p"i'umi-6 anthue (Par. 1892); Th. Seemann,
Die Kunst der Etrusker (Dresd. 1890). Vgl. auch
die Litteratur zum Artikel Etrurien.
Etsch, bei den Römern ^tde8i8, von den Ita-
lienern Adige genannt, seiner Wassermasse nach
nä'ckst dem Po der bedeutendste Fluß Italiens,
entspringt an der Reschenscheidek (Col de Resca)
aus dem in 1494 m Höhe gelegenen Reschensee
in Tirol, fließt gerade nach S. über die Malser
Heide und bis Glurns, 17 km weit, im Obern
Vintschgau, wendet sich nun nach SO. und dann
nach O. durch das 47 km lange Untere Vintschgau
bis zur Passeiermündung bei Meran (319 m); dar-
auf südlich und südöstlich 34,5 km weit über die
Eisackmündung fort bis Vranzoll, wo sie, 78 m
breit, schiffbar wird. Im Unter-Vintschgau ist ihr
Thal zum Teil versumpft und weiter bis Vozen
eine zum Teil von entwässerten Sumpfstrecken ein-
gefaßte Thalebene. Nach S. fließt sie nun durch das
Etschland, unterhalb Rovereto durch die, wahr-
scheinlich 883 durch einen Bergsturz verursachte
Stromenge Slavini di San Marco, dann, zwischen
senkrechten Felsen durch die Chiusa di Verona
(Veroneser Klause) und tritt 120 m breit aus
den Alpen in die Ebene. In der Ebene gehen
von ihr mehrere Arme zum parallel laufenden
Po und zahlreiche Kanäle verbinden beide Flüsse.
Die 680 m breite Mündung bei Porto-Fossone
kann als nördlichster Punkt des Podeltas betrachtet
werden, sodaß E. und Po als Zwillingsströme gelten
dürfen. Die Länge der E. beträgt 377,7 km (von
denen 300 km schiffbar, bis Branzoll), ihr Strom-
gebiet 13896 ykm. Zur Zeit der Römer lag da?
Flußbett nördlicher. Durch ihr Anfchwellen und
Austreten richtet sie oft große Verheerungen an, so
namentlich 1721 und 1774. Eine furchtbare Über-
schwemmung hat 588 den untern Lauf verändert;
300 Jahre später entstand infolge eines Erdbebens
der jetzige Adigetto (ein Kanal, welcher sich bei
Vadia vom Hauptbett löst und über Lendinara und
Rovigo, zwischen der untern E. und dem Po, fließt);
das alte Bett wurde Blumen Vew8 genannt. Im
15. Jahrh, bildete die E. sich einen Weg zum Tartaro,
der 1838 zugeschüttet worden ist. Die 1^0335 Oioäia
des Plinius scheint dem Canale di Ponte Lungha
zu entsprechen und der ^0^130^8 dem Vacchiglione.
Der N6äo2.cu8 minor und major sollen zwei Arme
der Brenta sein.
Gtschbuchtgebirge, s. Ostalpen.
Etschege, äthiop. Klosterwürde, s. Abessinische
Kirche (Bd. 1, S. 40a).
Gtfchmiadzw, Etsch mjad sin. 1) Kreis im
weftl. Teile des russ. Gouvernements Eriwan in
Transkaukasien, eine offene Hochebene, im S. vom
Aras begrenzt und im N. von Ausläufern des Ala-
gös und des Kleinen Kaukasus durchzogen, hat
3858,i ykm, 100799 E. (62 Proz. Armenier, 31
Proz. Tataren, 7 Proz. Kurden), Acker-, Garten-,
Baumwollbau und Viehzucht. Sitz der Verwal-
tung ist im Dorfe Wagarschapat (armenisch
Wagharschabad), 19 km westlich der Stadt Eri-
wan, mit 2910 E. (Armeniern), Post und Telegraph.
- 2) Armenisch-gregorianisches Kloster, Mittel-
punkt der nichtunierten Armenischen Kirche (s. d.),
ganz nahe im S. von Wagarschapat gelegen, das
zum Kloster gehört, am Fuße des Alagös und Kar-
nicharych und am Bewässerungskanal Schach-arch.
Es besteht aus drei nicht weit voneinander liegen-
den und mit Mauern umgebenen Teilen, jeder mit
einer Kirche, weshalb das Kloster von den Türken
Ütsch-Kilisse, d. i. Drei Kirchen, genannt wird.
Der hauptsächlichste und zugleich älteste Teil ent-
hält die Kirche Schoghagat (nach alter Aussprache
Scholakath) oder das eigentliche E. Nordöstlich
davon liegt die Kirche Sta. Hripsime und südöstlich
die Sta. Kajane (Gajiane). Das eigentliche E. hat
die Gestalt einer Festung und ist von einer 9 m
hohen und 2 km langen Mauer mit Türmen und
Schießscharten umgeben. Darinnen liegt das Klo-
ster mit der zu ihm gehörigen Geistlichen Akademie,
der Schule, der Buchdruckerei, der Bibliothek (655
Nummern teils geschichtlicher, meist religiöser Werke,
davon nur 481 armenisch; vgl. Brosset, (^taloFiie
ä6 1a did1iotli6(iii6 ä'N., Petersb. 1840) und die
zur Aufnahme der Pilger bestimmten Bauten. Das
Kloster ist seit 1441 der Sitz des Katholikos (s. d.)
und in neuerer Zeit auch der von Rußland einge-
richteten, aus mehrcrn Erzbischöfen und Bischöfen
bestehenden Heiligen Synode aller Armenier. Das
Hauptheiligtum bildet die Kirche Schoghagat (d. h.
"Ausfluß des Lichtes") oder E. (d. h. "Der einge-
borene Sohn stieg herab"), die 301 n. Chr. von
Gregor, dem Apostel der Armenier, errichtet worden
sein soll. Sie ist ein Kreuzgebäude mit kugelsör-